Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung

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1 Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung im ambulanten Setting unter besonderer Berücksichtigung der dissoziativen Symptome Dr. Christiane Richter

2 aber eigentlich heißt mein Vortrag: Dissoziative Störungen: Erkennen und Diagnostik Behandlung verbunden mit Rahmenbedingungen 2

3 Dissoziative Störung Pierre JANET ( ): Dissoziation ist die Desintegration und Fragmentierung des Bewusstseins häufige Auslöser sind traumatische Erlebnisse 3

4 Dissoziative Störung Dissoziation ist der völlige Verlust der integrativen Funktionen von Bewusstsein, Gedächtnis, personeller Identität und der Selbst- und Umweltwahrnehmung (Jochen PEICHL, 2011) 4

5 Dissoziative Störung nach DSM-5 Dissoziation ist gekennzeichnet durch eine Störung und/oder Unterbrechung der normalen Integration von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität, Emotionen, Wahrnehmung, Kontrolle der motorischen Funktionen und des Verhaltens 5

6 Dissoziative Störung nach DSM-5 Dissoziation wird erlebt als unerwünschte Störung des Bewusssteins oder des Verhaltens, begleitet von einem Verlust der Kontinuität des subjektiven Erlebens (Fragmentierung der Identität, Depersonalisation/Derealisation) 6

7 Dissoziative Störung nach DSM-5 Dissoziation wird erlebt als Unfähigkeit, Informationen abzurufen oder psychische Funktionen zu kontrollieren, die normalerweise leicht zugänglich sind oder kontrolliert werden können (z.b. Amnesie) 7

8 Dissoziative Störung nach DSM-5 Es besteht eine enge Beziehung zu traumatischen und belastungsbezogenen Störungen 8

9

10 Dissoziative Störung Schwierigkeiten bei der Diagnostik Pat. kommen wegen Beziehungsproblemen, Sucht, Angst- oder Essstörungen, Selbstletzung, Depressionen oder körperlichen Symptomen und nicht wegen: Dissoziationen, NNBDS (nicht näher bezeichnete dissoziative Störung), Amnesien, Derealisation oder Depersonalisation, Identitätswechsel usw. 10

11 Dissoziative Störung Schwierigkeiten bei der Diagnostik es ist ein bewusstseinsferner Mechanismus Amnesie für die Amnesie (Steinberg 1995) teilweise als sehr früh erlernter Bewältigungsmechanismus den Betroffenen ist nicht bewusst, dass andere die Welt konsistenter wahrnehmen 11

12 Dissoziative Störung Schwierigkeiten bei der Diagnostik Scham Angst, verrückt zu sein (wg. Stimmenhören, anderer psychischer Kontext) Schwierigkeiten, Worte zu finden ebenso für Therapeut/inn/en (nach DAMMAN, OVERKAMP) 12

13 13

14 Dissoziative Störung nach DSM-5 Depersonalisations-/ Derealisationsstörung dissoziative Amnesie dissoziative Identitätsstörung andere näher bezeichnete dissoziative Störung oder auch: nicht näher bezeichnete dissoziative Störung (NNBDS) 14

15 Depersonalisation/Derealisation Depersonalisation = Unwirklichkeitserleben oder Entfremdung vom eigenen seelischen und körperlichen Selbsterleben Derealisation = Unwirklichkeitserleben der Entfremdung von der Umgebung Realitätsprüfung bleibt intakt! nicht durch eine Substanz oder Krankheitsfaktor ausgelöst 15

16 16

17 17

18 Amnesie Unfähigkeit, sich an wichtige autobiographische (meist traumatisch belastete) Informationen zu erinnern keine normale Vergesslichkeit! verursacht Leidensdruck 18

19 19

20 20

21 Amnesie lokale = während eines umschriebenen Zeitabschnitts (häufigste Form) selektive = erinnert sich an einige, aber nicht an alle Ereignisse eines Zeitabschnitts generalisierte = kompletter Gedächtnisverlust der Lebensgeschichte systematisierte = nur spezielle Kategorien (z.b. die Familie) werden vergessen kontinuierliche = jedes neue Ereignis wird vergessen 21

22 22

23 Dissoziative Identitätsstörung vormals: multiple Persönlichkeitsstörung ist KEINE Persönlichkeitsstörung, es handelt sich um nicht verbundene Persönlichkeitsanteile in einer Person schwerste Traumafolgestörung komplexes Syndrom, wobei alle Symptome der anderen dissoziativen Störungen auftreten können 23

24 Dissoziative Identitätsstörung Hauptsymptome: Störungen der Identität, mind. zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeitszustände (in anderen Kulturen auch: Besessenheit) einhergehend mit Diskontinuität des Bewusstseins und des Handelns 24

25 Dissoziative Identitätsstörung zusätzlich: wiederholte Amnesien Zeitlücken keine Folge einer physiologischen Wirkung einer Substanz (z.b. Alkohol) oder einer Krankheit (komplexe partielle Anfälle) 25

26 Dissoziative Identitätsstörung 12-Monats-Prävalenz (bei US-Amerikanern): ~ 1,5 % (aber vermutlich enorm unterdiagnostiziert) 26

27 Dissoziative Identitätsstörung Differenzialdiagnose zu PTBS (am Beipiel Amnesie) PTBS Amnesie für Aspekte des Traumas Flashbacks, Intrusionen und Vermeidung in Bezug zum Trauma DIS Amnesien für alltägliche Ereignisse dissoziative Flashbacks mit folgender Amnesie für Inhalt der Flashbacks Intrusionen (nicht bezogen auf traumatische Inhalte) Wechsel zwischen verschiedenen Identitäten 27

28 28

29 Traumatherapie: Rahmenbedingungen nur an Therapeut/inn/en mit Zusatzausbildung in Traumatherapie ambulant oder stationär keine psychosoziale Reha, sondern Psychotherapieklinik, z.b. Tulln, Eggenburg 29

30 Traumatherapie/ Therapie mit dissoziativen Symptomen 1. Stabilisierung z.b. mit Skillstraining, Phase III IRRT, Imaginationen falls notwendig und möglich: 2. Traumakonfrontation Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy Eye movement desensitization and reprocessing z.b. Bildschirmtechnik, EMDR, Brainspotting, IRRT, EgoState, Schematherapie 3. Integration des Traumas (oder auch der Selbstanteile) 30

31 31

32 DBT-Skillstraining (Dialektisch-behaviorale Therapie nach Marsha LINEHAN) innere Achtsamkeit zwischenmenschliche Fertigkeiten soziales Kompetenztraining Umgang mit Gefühlen Stresstoleranz Skills Selbstwert bzw. Selbstakzeptanz 32

33 Therapiekonzept von BOON, STEELE & VAN DER HART Skillstraining für traumabedingte Dissoziation: 1. Dissoziation und traumabedingte Störung verstehen 2. Grundfertigkeiten für den Umgang mit Dissoziationen 3. Alltagsleben verbessern 33

34 2. Grundfertigkeiten Phobien vor dem inneren Erleben überwinden Reflektieren lernen Beginn der Arbeit mit den dissoziierten Persönlichkeitsanteilen innere Sicherheit 34

35 Sandra PAULSEN: Trauma und Dissoziation mit neuen Augen sehen (2014) kombiniert EMDR und Ego-State-Therapie miteinander für die Arbeit mit DIS und PTBS 35

36 36

37 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 37

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