Spitexdienste und Migrantenfamilien: Angehörige im Zentrum. Johanna Kohn Hochschule für Soziale Arbeit Fachhochschule Nordwestschweiz

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1 Spitexdienste und Migrantenfamilien: Angehörige im Zentrum Johanna Kohn Hochschule für Soziale Arbeit Fachhochschule Nordwestschweiz

2 Spitexdienste und Migrantenfamilien: Angehörige im Zentrum Zwei Beispiele Ein paar Daten Hindernisse und Herausforderungen Modelle aus der Praxis Ausblick

3 Ständige Wohnbevölkerung der Schweiz 2012 ab 15 Jahren nach Migrationshintergrund (Bundesamt für Statistik)

4 Ständige Wohnbevölkerung von Zürich 2012 nach Staatsangehörigkeit und Altersgruppe (Bundesamt für Statistik)

5 Pflege-Engagement von Angehörigen In der Schweiz setzen sich ca. 250'000 Personen für ihre Angehörigen ein (Benz/Homann/Vetterli 2012: % der Personen, die Spitex-Leistungen in Anspruch nehmen, erhalten zusätzlich informelle Hilfe durch Angehörige, Freunde und/oder Bekannte (Gesundheitsstatistik 2012: 86). Das Zeitinvestment von Kindern durchschnittlich 27 Stunden pro Woche in der Deutschschweiz, 37 Stunden in der Romandie 95 Stunden in der italienischen Schweiz; der Einsatz von Ehepartnerinnen und Ehepartnern ist noch weit höher (Perrig-Chiello/Hutchison/Höpflinger 2011: 30)

6 Vergleich alteingesessene Schweizer und Schweizerinnen Migranten und Migrantinnen in der Studie ähnliche Wünsche und Herausforderungen o Wunsch, zu Hause gepflegt zu werden o Erschöpfungszustände von pflegenden Angehörigen vor allem Frauen o Wunsch nach persönlicher Beratung im nahen Umfeld o o Wunsch nach persönlicher Konstanz in der Pflege Herausforderung Familie o Umgang mit Tod und Sterben unterschiedliche Ressourcen und Bewältigungsformen

7 Leitfragen der Studie Pflegearrangements und Haltung zur Spitex bei der Migrationsbevölkerung in der Schweiz Was wissen Migrantinnen und Migranten über Gesundheitssystem, Unterstützungsleistungen, Gesundheitsverhalten sowie Krankheiten? Wie wird die Spitex durch Migranten/-innen wahrgenommen und genutzt, und über welche anderen Pflegemodelle verfügen sie? Wie bewältigen pflegende Angehörige ihre Aufgabe? Welche Massnahmen würden ihnen die Situation erleichtern? Welche Besonderheiten gibt es bei Palliative Care?

8 Vergleich Herkunftsländer: Italien, Nachfolgestaaten von Ex-Jugoslawien und Albanien Für den Zugang zum Gesundheitssystem sind Migrationsgrund und Migrationserfahrung wichtiger als das Herkunftsland sind sprachliche Kompetenzen, Bildung, sozioökonomischer Status und Integration in die Gesamtgesellschaft wichtiger als das Herkunftsland

9 Vergleich Romandie und Westschweiz In der Romandie sind die Kenntnisse über Gesundheitsdienste besser werden Unterstützungsmöglichkeiten vielfältiger genutzt gibt es mehr Migrantinnen und Migranten, die erst im Alter in die Schweiz gekommen sind

10 Nutzung der Spitex Unterstützung wäre notwendig, wird aber nicht genügend in Anspruch genommen wenn Spitex genutzt wird, so vorwiegend für Behandlungspflege Gründe für die Nicht-Inanspruchnahme Sprachliche Hürden Unübersichtlichkeit der Angebote Finanzielle Hürden Organisation und Arbeitsweise der Spitex Druck, Scham und Angst

11 Haltung zur Spitex Pflege in der Familie als oberster Wert Inanspruchnahme fremder Hilfe als Versagen «die Legitimation, ausserfamiliäre Hilfe zu beanspruchen, besteht oft erst, wenn ein Zeugnis durch einen Arzt vorliegt» Dr. M. Deppeler

12 Unterstützungsbedarf vorwiegend bei den pflegenden Angehörigen Patienten eher fehlversorgt als unterversorgt (Dr. Urs Humbel, stellvertr. Kantonsapotheker Neuenhof)

13 Pflegende Migrationsfamilien ökonomische Belastung familiäre Belastung gesundheitliche Belastung Wertekonflikt

14 Emotionale Belastungen Pflegebedürftigkeit veranlasst Bilanzierung brüchiger Biographien Infragestellung des Familienprojekts Migration

15 Belastungsfaktoren für Pflegekräfte organisatorisch praktisch emotional und wertebezogen

16 Gesetzliche Rahmenbedingungen, IV, Ergänzungsleistungen, Krankenkassen Hausarzt, Hausärztin Sozialdienste der Spitäler Care- Migrantinnen Patient/In evtl. viele pflegende Angehörige nicht immer: pflegende Ehepartner/ In wechselnd: Spitex- Mitarbeiter/ In Spitex- Organisation Informationsmaterial über das Gesundheitssystem, Erkrankungen. (Flyer und Internet) Weiterbildungen für Schlüsselpersonen, pflegende Angehörige, Fachpersonen aus Pflege und Sozialer Arbeit (Flyer und Internet) wissenschaftliche Studien und politische Initiativen, Aktivitäten der Verbände

17 Modelle aus der Praxis: Transkulturelle Übersetzungsdienste/ interkulturelle Öffnung der Spitex Gesundheitspiloten und Schlüsselpersonen Schulung von Angehörigen zur Pflegehelferin SRK Finanzielle Entlastung (Zeit- und Rentengutschriften) persönliche Entlastung durch Besuchsdienste Entlastung am Arbeitsplatz (Erziehungs- und Pflegezeiten)

18 Wie geht es weiter? Ressorts der Kantone und Spitexverbände in gemeinsamen Veranstaltungen zum Thema Migration in der Alters- und Gesundheitspolitik weiterbilden und fördern Verbreitung und Umsetzung der Ergebnisse der Studie

19

20 Handlungsempfehlungen Rechtliche Regelungen transkulturelle Übersetzung als Basisleistung der Krankenkassen Pflegende Angehörige Modelle für die Anerkennung der geleisteten Arbeit durch pflegende Angehörige AHV/IV : Ergänzungsleistungen für Kinderbetreuung und Pflegeleistungen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erleichtern

21 Empfehlungen Spitex Grundhaltung Erreichbarkeit: Spitex ins Quartier / persönliche Beratung Arbeitsweise / Abrechnungsmodus/gleichgeschlechtliche Pflege/ Kontinuität der Pflegefachpersonen mehrsprachiges Personal, gut ausgebildete Migranten und Migrantinnen transkulturelle Kompetenz

22 Konkrete Empfehlungen Information Kommunikation Vernetzung Zugänge zu Informationen durch Quartierbüros und Schlüsselpersonen leicht zugänglich transkulturelle Übersetzungs- und Beratungsdienste Einbeziehung von Migrantenorganisationen und Schlüsselpersonen bei Gesundheits- und Alterspolitik

23 Literatur: Hungerbühler, H. & Bisegger, C. (2012): Und so sind wir geblieben : Ältere Migrantinnen und Migranten in der Schweiz. Bern: Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen. Online unter: dokumentation/materialien/mat_alter_d.pdf Jenkins, Rahel (2013): Migrant friendly Spitex, Ambulante professionelle Pflege und Betreuung älterer Migrantinnen und Migranten: Eine explorative Untersuchung von Zugang und Nutzung im Hinblick auf eine allgemeine Verbesserung der Versorgung, Master-Thesis im Rahmen des Weiterbildungsstudienganges Public Health der Universitäten Basel, Bern und Zürich Kohn, J. & Tov, E. (2013), Pflegearrangements und Einstellung zur Spitex bei Migrantinnen und Migranten in der Schweiz, Schlussbericht. Basel: Fachhochschule Nordwestschweiz. Online unter: Schweizerisches Rotes Kreuz (Hg.) (2013), Who cares? Pflege und Solidarität in der alternden Gesellschaft. Zürich: Seismo

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