Soziale Arbeit in der Medizinischberuflich orientierten Rehabilitation

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1 Soziale Arbeit in der Medizinischberuflich orientierten Rehabilitation Problemlagen erkennen geeignete Maßnahmen einleiten Marco Streibelt Bernhard Greitemann 1

2 Gliederung Teil 1: Die Sicht von außen MBOR: Definition und Ausgestaltung Zielgruppen: Was sind die richtigen RehabilitandInnen? Sozialarbeit in der MBOR: Anmerkungen aus der Theorie Teil 2: Die Sicht von innen 2

3 MBOR: Definition und Ausgestaltung 3

4 Was ist MBOR? Konzentration auf gesundheitsassoziierte Probleme am Arbeitsplatz / im Beruf Ausrichtung auf berufliches Verhalten, Bewerten und Erleben sowie beruflichen Kontext selbst durchgängiger und konkreter Arbeitsplatzbezug Ziele: zweistufiges Konzept eingeschränkte berufliche Leistungsfähigkeit wiederherstellen intensive berufliche Diagnostik zur frühzeitigen Planung des weiteren Vorgehens 4

5 Evidenz Nachweis der Effektivität und Effizienz (Blume 2007, Bethge et al. 2010, Kittel & Karoff 2008, Koch et al. 2005, Streibelt et al. 2009) Aber: Nachweis nur bei PatientInnen mit besonderen beruflichen Problemlagen (BBPL) Integration anderer PatientInnen nicht schädlich, aber unwirksam (z.b. Müller-Fahrnow et al. 2006) 5

6 MBOR: Ein Prozessmodell Zugang Diagnostik Therapie Übergang (Quelle: Bethge 2011, angepasst) 6

7 Bedingungen der Ausgestaltung Zugang Diagnostik Therapie Übergang MBOR = Strukturiertes Behandlungskonzept! Stufenkonzept: A: Basisleistungen (100 %); B: Kernmodule (ca. 30 %), C: spezifische Module (ca. 5 %) Kernmodule: Training + Schulung in Gruppen Erfolgsfaktoren Klare Definition der Zielgruppe Multimodalität / Interdisziplinarität Erhöhung der Therapieintensität Intensivierung psychologischer Behandlungsanteile Manualisierung 7

8 Zielgruppe 8

9 Was sind MBO-RehabilitandInnen? Kriterien des MBOR-Anforderungsprofils (MBOR-AP) problematische sozialmedizinische Verläufe (z.b. lange Zeiten der Arbeitsunfähigkeit, teilweise (Bedrohung durch) Arbeitslosigkeit) negative subjektive Erwerbsprognose (auch: Rentenbegehren) Empfehlung des MBOR-AP Steuerung dieser Subgruppe in spezifische MBOR- Behandlungskonzepte direkt durch die RV-Träger oder in den Rehabilitationseinrichtungen Optimierung durch Einsatz eines Screening-Fragebogens DRV Bund: Einsatz einer adaptierten Version des SIMBO-C 9

10 SIMBO-C (adaptiert) Kriterien Pts Alter < 46 Jahre 7 arbeitslos 16 aktuell arbeitsunfähig 15 Fehlzeiten: > 3 Monate 22 Work Disability (0-10): > 7 Pkt. 8 negative subjektive RTW-Prognose 25 Motivation zur MBOR (1-5) > 3 7 Sum 100 MBOR-Bedarf: SIMBO-C > 30 Pkt. 10

11 Validität des SIMBO-C Sehr hohe Test-Retest-Reliabilität (Stabilität bei wiederholter Messung) Übereinstimmung mit klinischem Arzturteil: 78% Chance weiterer Inanspruchnahme nach medizinischer Rehabilitation: Antrag LTA 4fach erhöht STW 9fach erhöht Antrag EM-Rente 4fach erhöht Chance negativer sozialmedizinischer Ereignisse nach medizinischer Rehabilitation: Arbeitslosigkeit 12fach erhöht (wenn vor der Reha erwerbstätig) Längere Fehlzeiten 5fach erhöht (>6 Wochen durchgängig) 11

12 Sozialarbeit in der MBOR 12

13 Diagnostik Forderung: aktive Rolle aller Professionen am Diagnostikprozess Diagnostik: kurze Aufnahmegespräche, Assessments Kommunikation: Einbindung in regelmäßige interdisziplinäre Teamsitzungen Diagnostik: Spezifizierung/Ergänzung der beruflichen Anamnese Abklärung sozialer Barrieren für berufliche Wiedereingliederung Kommunikation Spezifische Kompetenz in Therapieplanung einbringen Potenzielle weitere Leistungen: Notwendigkeit der Kontaktaufnahme mit AG o.ä. STW / LTA-Bedarf 13

14 Therapie Forderung: bedarfsorientierte Beratung und Schulung Entwicklung von Kriterien für den Zugang zu Leistungen der Sozialarbeit Enge Abstimmung mit ärztlichen KollegInnen Therapeutische Ausgestaltung Grundlegende Informationen in Kleingruppen (Themen: Sozialrecht, LTA, Konflikte am Arbeitsplatz etc.) Einzelgespräche darauf aufbauend bei zusätzlichem Bedarf (berufliche Perspektive etc.), nicht nur auf Wunsch Fakultative und obligatorische Angebote Ergo: Kompetenz für Gruppenarbeit notwendig 14

15 Vielen Dank! Und nun weiter mit der Innenperspektive Dr. Marco Streibelt Deutsche Rentenversicherung Bund Berlin Tel 030/ Mail 15

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