Umgang mit Essstörungen in Schule und Familie

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1 Umgang mit Essstörungen in Schule und Familie Dr. phil. Binia Roth Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Bruderholz Essen und Emotionen Essen ist eng mit Kultur, unserer Erziehung und mit Emotionen verknüpft - Liebe geht durch den Magen - Hunger ist der beste Koch - Ich hab Dich zum Fressen gern - Etwas schlägt mir auf den Magen - Etwas/jemanden zum Kotzen finden - Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen 1

2 Gewichtssorgen: Schweizer Trend Ca. 26% der 6-12-jährigen Mädchen finden sich zu dick und ca. 30% der 6-12-jährigen Mädchen führen gewichts-reduzierende Massnahmen durch Ca. 15% der 6-12-jährigen Jungen finden sich zu dick und ca. 18% versuchen ständig, Gewicht zu reduzieren Zimmermann et al. (2000). European Journal of Clinical Nutrition, 54, 7, Hänseln und Mobbing Schweden: Von 4700 Jugendlichen berichten 30%, dass sie wegen ihrem Gewicht gehänselt worden seien. Dies ist konstant assoziiert mit depressiver Symptomatik und Suizidgedanken. Kanada: 14.4% der Übergewichtigen und 18.5% der adipösen Kinder sind Opfer von Hänseleien und Mobbing (im Gegensatz zu 10% bei normalgewichtigen Kindern). Deutlich stärkerer Zusammenhang bei Mädchen Jungen werden auch gehäuft selbst zu Tätern Janssen et al (2006); Eisenberg (2003) Gewichtssorgen - eine neue Norm? Steigendes Übergewicht Überschlankes Schönheitsideal Normative Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper Bewältigung = neue Entwicklungsaufgabe für Kinder 2

3 Gestörtes Essverhalten und Essstörungen - Anorexie (Magersucht) - Bulimie (Ess-Brech-Sucht) - Binge Eating Disorder (Heisshunger- Attacken) - subklinisches gestörtes Essverhalten Anorexia nervosa Krankheitsbild - Selbst herbeigeführtes, deutliches Untergewicht (unter BMI <17.5) - Intensive Furcht zuzunehmen - Die Bewertung der eigenen Person hängt übermässig von Gewicht und Figur ab - Verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers - Hormonelle Veränderungen (Ausbleiben der Menstruation) Bulimia nervosa Wie zeigt sich diese Essstörung? - Regelmässige, unkontrollierte Essanfälle, wobei grosse Mengen Nahrung in kurzer, begrenzter Zeit gegessen werden - Regelmässiges Kompensationsverhalten: Erbrechen, Abführmittelmissbrauch, Fasten u.a. - Die Essanfälle und das Kompensationsverhalten treten im Durchschnitt zweimal pro Woche für 3 Monate auf - Die Bewertung der eigenen Person wird übermässig durch Figur und Gewicht bestimmt 3

4 Gestörtes Essverhalten, Bulimie und Anorexie Wie häufig treten Essstörungen und gestörtes Essverhalten auf? - Ca. 1% der gesamten Bevölkerung sind von einer Anorexie oder Bulimie betroffen - Betroffen sind zu 95% Mädchen und Frauen. - In der Altersgruppe von zwischen 14 und 35 Jahren sind 5% der Frauen von einer Anorexie oder Bulimie betroffen. Etwa 30% dieser Gruppe geben an, gelegentlich Heisshungeranfälle zu haben, ca. 20% führen willkürliches Erbrechen herbei Binge Eating Disorder (Essanfallsstörung) Prävalenz der BED mit steigendem BMI erhöht: BMI 25-28: 10% BMI 31-42: bis 40% Verhältnis Frauen und Männer 3:2 Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung: zwischen 1-5% Folgen von Essstörungen Bio... Hormonelle Veränderungen, Amenorrhoe, Störungen des Stoffwechsels, Zahnschäden, Risse der Speiseröhre und Magenwand, Frieren Psycho... Konzentrationsschwierigkeiten, Grübeln, ständige Selbstentwertung, Störung des Körperschemas, Ängste und Depressionen Soziale... Sozialer Rückzug, Beziehungsstörungen,Familiäre Konflikte, Arbeits- und Schulunfähigkeit, Vermeiden von sexuellen Beziehungen 4

5 Entstehungsmodell von Essstörungen Prädisponierende Faktoren (Familiäres Übergewicht oder Essstörung, niedriges Selbstwertgefühl, familiäre Kommunikationsmuster, Schönheitsideal) Auslösende Faktoren (Pubertät, kritische Lebensereignisse, Diäthalten) Aufrechterhaltende Faktoren (Dünnsein-Schema, extreme Beschäftigung mit Essen und Figur, Diäthalten und Fasten, niedriges Selbstwertgefühl, soziale Isolation) Schönheitsideal Teufelskreis der Essstörungen Schlankheitsideal Keine sozialen Erfolgserlebnisse noch weniger Selbstwertgefühl Diäthalten und Fasten Sozialer Rückzug Extreme Beschäftigung mit Gewicht und Figur Permanente Selbstentwertung Niedriges Selbstwertgefühl 5

6 Essstörungen und Prävention Was können Eltern, Freunde oder Schule tun? - Gesundes normales Essverhalten in der Familie - Gesunde lustvolle Bewegung - Weibliches Rollenvorbild jenseits des eindimensionalen Schönheitsideals - Korrigieren des Dünnsein-Schema als Schlüssel zum Erfolg - Vermeiden von Hänseleien - Aktive Konfliktbewältigung Umgang mit Essstörungen Hilfreiches Verhalten - Wachsam sein - Konfrontativ sein - Grenzen erkennen, Hilfe holen, notfalls auch gegen den Willen der/des Betroffenen - Transparent bleiben - Kooperation mit dem therapeutischen Team Umgang mit Essstörungen Gefahren und Fallen -Verharmlosen oder Beschönigen -Sondermenüs, gemeinsames Fasten - Nachgeben und immer wieder auf neue Verhandlungen und Beteuerungen eingehen 6

7 Früherkennen von Essstörungen Mögliche Warnsignale - Diäthalten als Dauerzustand - Permanente Unzufriedenheit mit der eigenen Figur - Gewichtsschwankungen - Tägliches Wiegen - Häufige Vorwände, um nicht an gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen zu müssen, Verschwinden auf die Toilette Früherkennen von Essstörungen Mögliche Warnsignale - Verschwinden von grossen Lebensmittelmengen - Inadäquate Kleidung - Sozialer Rückzug - Stimmungsschwankungen - Exzessives Sport treiben oder Verweigerung von körperlicher Aktivität - Überhöhter Leistungsanspruch Leistung 7

8 Behandlung von Essstörungen Bio.. Körperliche Untersuchung, Gewichtstabilisierung, Ernährungsberatung, Umstellen des Essverhaltens Psycho... Essverhalten, emotionale Bedeutung von Essen, inidividuelle Auslöser bearbeiten, Denkmuster (Dünnsein-Schema) verändern Sozial... Soziale Fertigkeiten entwickeln (Gruppentherapie), Klären schulischer/ beruflicher Fragen bzw. familiärer Konflikte (Familientherapie) Behandlung im KJPD Basel Land Einzel-, familien- und gruppentherapeutische Angebote Ernährungsberatung Gewichtskonzepte ambulant stationär Psychotherapiestation für weibliche Jugendliche mit schweren Essstörungen 8

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