Zur Einkommenssituation der Architektenschaft anhand der Geschäftsberichte des Versorgungswerkes der Architektenkammer Berlin

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1 Seite 1 Zur Einkommenssituation der Architektenschaft anhand der Geschäftsberichte des Versorgungswerkes der Architektenkammer Berlin Vorbemerkung Für die Entscheidung über Beitragssätze der AK Berlin wie auch zur Vertretung der Interessen der Architektenschaft scheint es unerläßlich, konkretes Zahlenmaterial über die tatsächlichen Einkommen der Kollegen vorliegen zu haben. Um über die Einkommen aus Berufstätigkeit verläßliche Angaben zu erhalten, bietet es sich an, die beim Versorgungswerk erhobenen Daten zu verwenden, da diese einen großen Personenkreis (über 5000 Mitglieder) umfassen und verläßlich sind wegen der Nachweispflicht der übergroßen Mehrheit der Mitglieder. Ein Dank gebührt dem Versorgungswerk für die Lieferung der Daten. Daß die Angaben der Brandenburger Architekten hier mit einfließen, dürfte das Ergebnis für Berlin kaum verfälschen, da es keinen Anlaß zu der Annahme gibt, die Brandenburger unterlägen anderen Einflüssen als die Berliner Kollegen. Nach aktuellen Zahlen sind in Berlin 36% der Kammermitglieder angestellt tätig. In Brandenburg beträgt der Angestelltenanteil 3. Demgegenüber sind im gemeinsamen Versorgungswerk über 63% Angestellte. Demzufolge ist ein großer Anteil der Selbständigen außerhalb des Versorgungswerkes geblieben, sei es aus Altersgründen oder wegen anderweitiger Absicherung. Da das Versorgungswerk nunmehr 10 Jahre besteht, sind Pflichtmitglieder bis zum Alter von ca. 55 Jahren erfaß t. Hier könnte der Einwand berechtigt sein, daß ältere Kollegen ein eher höheres Einkommen zur Verfügung haben, als die nachfolgenden Statistiken zeigen. Mit jedem Jahr der Fortführung der Erhebung vervollständigt sich jedoch das Bild. Vorgehensweise Es liegen Zahlen vor, die die Höhe der geleisteten Beiträge zum Versorgungswerk getrennt nach Einkommensgruppen und Status im Beruf beziffern. Da der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung für jedes Jahr bekannt ist und auch der von den Selbständigen erhobene Beitragssatz, ist die Einkommenshöhe aus dem Beitragsaufkommen errechenbar. Ungenau ist die Ermittlung der Einkommenshöhe derjenigen Kollegen, die den Regelbeitrag oder mehr entrichten. Hier wurde unterstellt, daß trotzdem ein dem Beitrag proportionales Einkommen erzielt wurde. Da der betreffende Personenkreis recht gering ist, fällt der Fehler dieser Annahme kaum ins Gewicht. Die Selbständigen entrichten Beiträge auf das 2 Jahre zurückliegende Einkommen, während die Angestellten zeitnah erfaß t sind. Daraus folgt, daß das z.b. in 1999 von einem zahlenmäßig bekannten Personenkreis aus Selbständigen entrichtete Beitragsvolumen für das Jahr 1997 in Ansatz zu bringen ist. Hierbei ist zu beachten, daß die Zahl der Beitragszahler sich verändert und somit die in 1997 tatsächlich Selbständigen mit ihrem 1999 gezahlten durchschnittlichen Beitrag einzubeziehen sind. Die Zahlen des Versorgungswerkes von 1998 bis 2004, die der Auswertung zugrunde liegen, decken somit den Zeitraum 1996 bis 2002 für Selbständige sowie von 1998 bis 2004 für Angestellte ab. Das hat leider zur Folge, daß sich die aktuelle Tenden z der letzen beiden Jahre nur unzuverlässig beurteilen läßt und Vergleiche zwischen den Gruppen nur für 1998 bis 2002 zulässig sind. Für 2003 und 2004 ist lediglich die Zahl der Selbständigen bekannt, nicht jedoch ihr Einkommen. Jahre vor Einführung des EURO wurden gemäß dem gültigen Kurs auf EURO umgerechnet.

2 Seite 2 Allgemeine Einkommensentwicklung Oberflächlich betrachtet, stiegen die von den Architekten erwirtschafteten Einkommen seit 1998 bis etwa 2002 beständig. Die Angestellten als Gruppe nehmen seitdem absolute Einkommenseinbußen hin. Für die Selbständigen legt die Stimmung dasselbe nahe, kann jedoch erst zeitversetzt nachgewiesen werden. Gesamteinkommen der Architektenschaft ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR 0,00 EUR Gesamteinkommen Angestellte Gesamteinkommen Selbständige Betrachtet man das Einkommen pro Architekt, ergibt sich ein beständiges Sinken des Durchschnittseinkommens in der Gruppe der angestellten Architekten. Die Selbständigen haben im Jahr 2001 einen Einkommenssprung verzeichnet. Ansonsten zeigt sich bis 2002 ein moderates Steigen der Einkommen. Im Schnitt aller stagnierte das Durchschnittseinkommen um ,- EUR. Entwicklung des Durchschnittseinkommens ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR Angestellte Selbständige Gesamt

3 Seite 3 Angestellte Architekten Bei näherer Betrachtung der Einkommensverhältnisse sind 4 Gruppen zu unterscheiden. Gemäß dem Datenmaterial ist die Gruppe der sehr gut verdienenden (>1-facher Regelbeitrag im Versorgungswerk), die gut verdienenden (1-facher Regelbeitrag im Versorgungswerk), die mäßig verdienenden (zwischen 0,5 und 1-fachem Regelbeitrag) sowie die gering verdienenden Kollegen (unter 0,5 fachem Regelbeitrag) zu unterscheiden. Man sehe mir die Wortwahl nach, sie dient lediglich der sprachlichen Vereinfachung Anteil der Einkommensgruppen nach Anzahl - Angestellte Angestellte>1 Angestellte 1 Angestellte 0,5-1 Angestellte unter 0,5 Anteil der Einkommensgruppen am Gesamteinkommen - Angestellte Angestellte >1 Angestellte 1 Angestellte 0,5-1 Angestellte unter 0,5 Die Gruppe der Geringverdiener ist im Betrachtungszeitraum von 4 bis auf der Angestellten angewachsen und verteilt unter sich in 2004 lediglich 3 aller Angestelltengehälter. Mäßig oder gut bezahlte Jobs sind im selben Maße rar geworden. Der Zustrom von jungen Kollegen trifft auf mehrheitlich schlecht bezahlte Stellen, so überhaupt eine ergattert werden kann. Der stärkere Anstieg dieser Gruppe zwischen 2002 und 2003 ist darauf zurückzuführen, daß durch das inflationäre Hochsetzen der Beitragsbemessungsgrenze ein Teil der Kollegen in die Geringverdienergruppe durchgereicht wurde, weil ihr Einkommen mit diesen gesetzgeberischen Maßnahmen nicht Schritt halten konnte.

4 Seite 4 Durchnittseinkommen nach Einkommensgruppen - Angestellte ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR Angestellte <0,5 Angestellte 0,5-1 Angestellte 1 Angestellte >1 0,00 EUR Wenig mehr als ,-- EURO Jahresbrutto ist die durchschnittliche berufliche Perspektive für die unteren der angestellten Kollegen, dieser Wert hält sich seit 1998 nahezu konstant, was von dem Wert des Geldes nicht behauptet werden kann. Real sinkt das Architekten-Einkommen dieser Gruppe. Selbständige Architekten Die Selbständigen sind zahlenmäßig betrachtet die einkommenschwächere Gruppe der Architektenschaft. Relativ konstant gehören 75- aller Selbständigen zu den Geringverdienern. Hier ist bedeutsam, daß auch für 2003 und 2004 die Anzahl der Kollegen bekannt ist. Der Verlauf zeigt, daß in den letzten beiden Jahren die Anzahl der Geringverdiener stieg. In der Tendenz nahm das von den Geringverdienern vereinnahmte Einkommen ab, weit über 5 aller Einkommen vereinnahmen die oberen der Selbständigen. Der Regelbeitrag zum Versorgungswerk ist eine Kategorie, die sich nicht einmal 1 der Kollegen leisten können. Der mäßig verdienende Angestellte wäre bei den Selbständigen schon Teil der erfolgreich tätigen Spitzengruppe. Anteil der Einkommensgruppen nach Anzahl - Selbständige 10 4 Selbständige >1 Selbständige 1 Selbständige 0,5-1 Selbständige < 0,5

5 Seite 5 Anteil der Einkommensgruppen am Gesamteinkommen - Selbständige Selbständige >1 Selbständige 1 Selbständige 0,5-1 Selbständige < 0,5 Die Durchschnittseinkommen der einzelnen Einkommensgruppen bewegen sich beständig auseinander. Einem geringen Teil der Kollegenschaft gelangen starke Einkommenszuwächse. Die gering verdienenden Selbständigen sind mit ca ,-- EUR Jahresbrutto in 2002 nicht so schlimm dran wie die Angestellten derselben Einkommensgruppe. Diese Diskrepanz hat den Grund, daß Selbständige einen geringeren Beitragssatz vom Bruttoeinkommen einzahlen, tendenziell also bei gleichem Beitrag mehr Bruttoeinkommen aufweisen. Betrachtet man jedoch, daß die Selbständigen keinen Arbeitgeber haben, der für die Hälfte ihrer Sozialabgaben aufkommt, stimmt die Gliederung in die Verdienstgruppen wieder. Jedoch sind alle vorgelegten Zahlen Durchschnittswerte, und die Spreizung bei den Selbständigen ist wesentlich dramatischer als bei angestellten Kollegen. Das Zahlenmaterial berücksichtigt übrigens nicht diejenigen, die sich das Versorgungswerk garnicht mehr leisten können! Durchschnittseinkommen nach Einkommensgruppen - Selbständige ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR ,00 EUR 0,00 EUR Selbständige <0,5 Selbständige 0,5-1 Selbständige 1 Selbständige >1 Frauen und Männer im Beruf Der Architektenberuf ist in Teilen weiterhin ein Berufszweig, in dem Männer deutlich bessere Einkommen erzielen als Frauen.

6 Seite 6 Durchschnittseinkommen Männer / Frauen ,00 EUR ,00 EUR Männer Frauen ,00 EUR Wanderungsbewegung Angestellte / Selbständige Der Angestelltenanteil der Architekten stieg bis 2002 geringfügig, sinkt seitdem jedoch wieder ab. Dieser Effekt hat möglicherweise mit dem Mangel an Absolventenstellen zu tun, die Flucht entlassener Angestellter in die Selbständigkeit ist hier sicher auch nicht ohne Einfluß. Status im Beruf Selbständige Angestellte Zusammenfassung Die wirtschaftliche Situation der Architekten ist besorgniserregend. Die Entwicklung des Durchschnittseinkommens ist im Zusammenspiel mit der Inflation eine Realsenkung des Einkommens eines ganzen Berufsstandes. Ein Durchschnittsbruttoverdienst von jährlich ,-- EUR ist der übertragenen Verantwortung, dem erworbenen Ausbildungsniveau und der gesellschaftlichen Stellung des Architekten unangemessen. Der übergroße Teil der Architekten bewegt sich in der Nähe der relativen EU-Armutsgrenze, die in 2002 bei 8.760,-- EUR Nettoäquivalenzeinkommen lag. Das vergleichbare Brutto liegt vielleicht ca. höher, d.h. bei ,-- EUR. Dabei unterscheidet sich der Selbständige vom Angestellten nur insoweit, daß den Selbständigen in der Regel kein soziales Netz mehr auffängt und das Risiko der privaten Haftung ungleich größer ist. Zu berücksichtigen ist hier, daß die Berufshaftpflichtversicherungen längst nicht mehr jeden Kollegen schützen, sei es wegen ausbleibender Prämienzahlungen oder schadensbedingter Kündigung. Frauen haben wie in anderen Berufen weiter ein signifikant geringeres Einkommen zu verzeichnen. Aufgestellt: Uwe Völcker,

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