Der Trägheitstensor J

Ähnliche Dokumente
Experimentalphysik E1

Bewegung in Systemen mit mehreren Massenpunkten

Vorlesung 18: Roter Faden:

Übung Looping. Im obersten Punkt (bei Höhe h = 2r) muss die Zentripetalkraft gerade die Erdanziehung kompensieren. Also (betragsmäßig) a Z = v2 0

1 Trägheitstensor (Fortsetzung)

Physik I Mechanik und Thermodynamik

F = + L. Bahndrehimpuls des Massenmittelpunktes abhängig von Bezugssystem. Drehimpuls in Bezug auf Massenmittelpunkt, Spin. ω 2. +ω 1.

Allgemeine Mechanik. Via Hamilton-Gl.: Die Hamiltonfunktion ist (in Kugelkoordinaten mit Ursprung auf der Kegelspitze) p r. p r =

Experimentalphysik E1

Physikalisches Praktikum M 7 Kreisel

Vorbereitung. Kreisel. Versuchsdatum: Drehimpulserhaltung 2. 2 Freie Achsen 2. 3 Kräftefreier Kreisel 3. 4 Dämpfung des Kreisels 4

Klassische Experimentalphysik I (Mechanik) (WS 16/17)

Physik 1 für Ingenieure

Eigenschaften des Kreisels

Spezialfall m 1 = m 2 und v 2 = 0

2. Beschleunigte Bezugssysteme, starrer Körper und Himmelsmechanik

Grundgesetze der Rotation

20. und 21. Vorlesung Sommersemester

8.1 Gleichförmige Kreisbewegung 8.2 Drehung ausgedehnter Körper 8.3 Beziehung: Translation - Drehung 8.4 Vektornatur des Drehwinkels

Kinetik des starren Körpers

2. Translation und Rotation

25. Vorlesung Sommersemester

Starrer Körper: Drehimpuls und Drehmoment

Rotierende Bezugssysteme

Das Trägheitsmoment und der Satz von Steiner

Ferienkurs Theoretische Mechanik. Mechanik des starren Körpers

Spezialfall m 1 = m 2 und v 2 = 0

LMU LUDWIG- p E kin 2 R. Girwidz Drehimpuls. 7.5 Drehimpuls. für Zentralkräfte: F dt. Geschwindigkeit. Masse. Translationsenergie. 1 mv.

Vorbereitung: Kreisel. Christine Dörflinger und Frederik Mayer, Gruppe Do Mai 2012

Fallender Stein auf rotierender Erde

AUSWERTUNG: KREISEL. In diesem Versuch haben wir die Drehimpulserhaltung experimentell überprüft.

Klassische und Relativistische Mechanik

Anstelle der Geschwindigkeit v tritt die Winkelgeschwindigkeit ω, wobei

9 Teilchensysteme. 9.1 Schwerpunkt

3.1 Trägheitskräfte bei linearer Bewegung. 3.2 Trägheitskräfte in rotierenden Bezugssystemen. 3.5 Die Erde als rotierendes System

Kräftefreier symmetrischer Kreisel

Naturwissenschaftliches Praktikum. Rotation. Versuch 1.1

1.7 Bezugssysteme und Trägheitskräfte Physikalische Größen sind Angaben über Messgrößen

Repetitorium D: Starrer Körper

Grundbegriffe: Drehimpulserhaltungssatz, Kreisel, Figuren-, Drehimpuls- und momentane Drehachse, Präzession und Nutation

Zusammenfassung. 1. Starre Körper: Zwei Koordinatensysteme (L und K). Die Bewegung im K-system ist eine Rotation.

Massenträgheitsmomente homogener Körper

Übungen zu Theoretischer Mechanik (T1)

Rotierender Starrer Körper/Kreisel

Experimentalphysik E1

+m 2. r 2. v 2. = p 1

Übungen zur Theoretischen Physik 2 Lösungen zu Blatt 9

5.2 Drehimpuls, Drehmoment und Trägheitstensor

Trägheitsmomente aus Drehschwingungen

Physikalisches Grundpraktikum Abteilung Mechanik

Versuch P2-71,74: Kreisel. Vorbereitung. Von Jan Oertlin und Ingo Medebach. 11. Mai Drehimpulserhaltung 2. 2 Freie Achse 2

Kreisel mit drei Achsen

Kapitel 5. Der starre Körper. 5.1 Die Kinematik des starren Körpers

M1 Maxwellsches Rad. 1. Grundlagen

2.3.5 Dynamik der Drehbewegung

Probeklausur zur T1 (Klassische Mechanik)

115 - Kreiselgesetze

11. Vorlesung Wintersemester

6 Mechanik des Starren Körpers

Kreisel. Was ist ein symmetrischer-, was ein kräftefreier-, was ein schwerer Kreisel?

Trägheitsmomente aus Drehschwingungen

Anwendung v. symmetrischen Matrizen: Hauptachsentransformation

1 Mechanik starrer Körper

Symmetrie von Naturgesetzen - Galilei-Transformationen und die Invarianz der Newton schen Gesetze

Hier wurde die Jacobi-Determinante der ZylinderKoordinaten verwendet (det J = ρ). Wir führen zunächst die ρ-integration durch: (R 2 H sin 2 φ )

Ludwig Maximilians Universität München Fakultät für Physik. Lösungsblatt 8. Übungen E1 Mechanik WS 2017/2018

5.4. KINETISCHE ENERGIE EINES STARREN KÖRPERS 203. Abbildung 5.12: Koordinaten zur Berechnung der kinetischen Energie (siehe Diskussion im Text)

Ergänzungen zur Physik I

4.9 Der starre Körper

Übungsaufgaben zur E1 / E1p Mechanik, WS 2016/17

Drehbewegungen (Rotation)

Dynamik der Atmosphäre. Einige Phänomene

5.3 Drehimpuls und Drehmoment im Experiment

Klassische Theoretische Physik: Mechanik

3.3 Klassifikation quadratischer Formen auf R n

Einführung in die Physik für Maschinenbauer

Übungen zum Ferienkurs Theoretische Mechanik

Vektorrechnung in der Physik und Drehbewegungen

1. Kinematik. Untersucht wird die Bewegung eines Punktes P in Bezug auf zwei Bezugssysteme: Bezugssystem Oxyz ist ruhend:

4 Die Rotation starrer Körper

1. Grundlagen der ebenen Kinematik

Trägheitsmomente starrer Körper / Kreisel

Grundlagen der Physik 1 Mechanik und spezielle Relativität

M10 PhysikalischesGrundpraktikum

1 Krummlinige Koordinatensysteme

Blatt 03.1: Scheinkräfte

Vorlesung Theoretische Mechanik

Physikalisches Anfängerpraktikum an der Universität Konstanz: Kreisel

Klassische Theoretische Physik II (Theorie B) Sommersemester 2016

Klassische Theoretische Physik II (Theorie B) Sommersemester 2016

2. Trägheitstensor. Prof. Dr. Wandinger 3. Kinetik des starren Körpers Dynamik

Kapitel 2. Kinematik des Massenpunktes. 2.1 Einleitung. 2.2 Massenpunkt. 2.3 Ortsvektor

Versuch 04. Kreiselpräzession. Sommersemester Hauke Rohmeyer

Faszination Kreisel. Vom Spielzeug zur technischen Anwendung. Thomas Wilhelm

Transkript:

Der Trägheitstensor J Stellen wir uns einen Kreisel vor, der um eine beliebige Achse dreht. Gilt die Beziehung L = J ω in jedem Bezugssystem? Dazu betrachten wir nochmals die Bewegung eines starren Körpers. Er lässt sich ausdrücken als Überlagerung einer Translationsbewegung mit einer Rotation, also v i = v S + ω r i für jeden gedachten Massenpunkt im Körper. Nun muss ja die kinetische Energie E kin = i 1 2 m v2 sein, also E kin = i 1 ( 2 m i v S 2 + 2 v S ( ω r i ) + ( ω r i ) 2).

Nun sind v S nd ω für alle Punkte im Körper gleich. Also lassen sich v S und ω vor das Summenzeichen ziehen. Dazu nutzen wir die Eigenschaft des Spatproduktes aus ( a ( b c) = b ( c a) = c ( a a)), womit der zweite Term umgeformt wird in m i v S ( ω r i ) = i i m i r i ( ω v S ) = ( ω v S ) m i r i. i Weil aber nach Definition des Schwerpunkts i m i r i = 0, verschwindet dieses Glied. Damit bleibt nur noch E kin = ( i m i) v S 2 + 1 2 2 m i ( ω r i ) 2. i

Nun verwenden wir die Vektoridentität ( ) ( ) A B A B = A 2 B 2 ( A B ) 2 um den zweiten Term umzuschreiben E kin = ( i m i) v S 2 + 1 2 2 m i (ω 2 ri 2 ( ω r i ) 2). i Dies ist natürlich das bekannte Resultat, dass sich die kinetische Energie als Summe aus translatorischer und rotatorischer Energie schreiben lässt. Wir drücken dieses Resultat für die rotatorische Energie nun noch komplizierter aus, in sog. Tensorschreibweise, indem wir die Vektoren r und ω in Komponenten r j und ω j ausdrücken (dabei unterdrücken wir, um die entstehenden Ausdrücke

zu vereinfachen, den Index i von r i ) E rot = 1 ( m i ω 2 2 j r 2 ) l ω j r j ω k r k, i = 1 ( m i ωj ω k δ jk r 2 ) l ω j ω k r j r k, 2 i = 1 2 ω ( ) jω k m i r 2 l δ jk r j r k, i wo δ jk das sog. Kronecker-Delta ist und wir die sog. Einstein-Konvention vorausgesetzt haben, laut der über doppelt vorkommende Indizes summiert wird, also a b = a i b i. = a1 b 1 + a 2 b 2 + a 3 b 3.

Wir definieren nun als Trägheitstensor J jk den Ausdruck J jk. ( ) = m i r 2 l δ jk r j r k, i womit die kinetische Energie des starren Körpers in einem beliebigen Koordinatensystem lautet E kin = ( i m i) v S 2 + 1 2 2 J jkω j ω k. Aus seiner Definition sieht man leicht, dass er symmetrisch ist J jk = J kj.

Der Trägheitstensor J Die früher hergeleitete Vektorgleichung L = J ω z. B. lautet nun in Komponentenschreibweise L x = J xx ω x + J xy ω y + J xz ω z, L y = J yx ω x + J yy ω y + J yz ω z, L z = J zx ω x + J zy ω y + J zz ω z. Die Komponenten J jk des Trägheitstensors sind gegeben durch: J xx = dm(r 2 x 2 ); J yy = dm(r 2 y 2 ); J zz = dm(r 2 z 2 );

J xy = J yx = dmxy; J yz = J zy = dmyz; J xz = J zx = dmxz. Damit lautet der Trägheitstensor ausgeschrieben dm(r 2 x 2 ) dmxy dmxz J jk = dmxy dm(r 2 y 2 ) dmyz dmxz dmyz dm(r 2 z 2 ). Die diagonalen Elemente ergeben sich aus der Überlegung, dass das Trägheitsmoment durch eine Rotation um die entsprechende Achse gegeben ist, J x x = dm(y 2 + z 2 ) = dm(r 2 x 2 ). Die hier gegebene Form ist abhängig vom gewählten Bezugssystem (wo ist z. B. die x-achse?), lässt sich aber in andere Bezugssysteme umrechnen.

Warum so kompliziert? Wir betrachten nun die Rotationsenergie eines um eine beliebige Achse drehenden Körpers. Für ein einzelnes infinitesimales Massenelement m i gilt: 1 2 m ivi 2 = 1 2 m i ( ω r i ) ( ω r i ) = 1 [ 2 m i ω 2 r i 2 ( ω r i ) 2], wo wir die Vektoridentität ( A B ) ( A B ) = A ( ) 2 2 B 2 A B

verwendet haben. Um die gesamte Rotationsenergie des Körpers zu finden integrieren wir nach dm. E rot = ω2 dmr 2 1 dm ( ω r) 2 2 2 = ω2 x + ωy 2 + ωz 2 dm ( x 2 + y 2 + z 2) 2 1 dm (ω x x + ω y y + ω z y) 2 2 = 1 2 ( ω 2 x J xx + ω 2 yj yy + ω 2 zj zz ) +ω x ω y J xy + ω x ω z J xz + ω y ω z J yz. Dieser komplizierte Ausdruck kann einfacher in Matrixschreibweise geschrieben

werden: was folgendes bedeutet E rot = 1 2 (ω x, ω y, ω z ) E rot = 1 2 ωt J ω, J xx J xy J xz J yx J yy J yz J zx J zy J zz ω x ω y ω z. Alle Elemente des Trägheitstensors tragen also zur Rotationsenergie bei, wenn der Körper um eine beliebige Achse rotiert! Der Trägheitstensor ist symmetrisch und daher diagonalisierbar. Bildlich kann man sich dies so vorstellen: Wir berechnen für eine Rotation um eine beliebige Achse ω durch einen Punkt P das Trägheitsmoment J. Danach zeichnen wir auf der Achse einen Punkt im Abstand k/ J =. Nun variieren wir die Achse und

wiederholen das Verfahren für alle möglichen Achsen. Auf diese Weise bilden wir eine Fläche entlang der R 2 J = k 2 = const. Diese Fläche bildet ein Ellipsoid, das sog. Trägheitsellipsoid. Die längste Hauptachse zeigt entlang der Achse mit dem kleinsten Trägheitsmoment. Die Hauptachsen des Trägheitsellipsoids heißen Hauptträgheitsachsen und zeichnen genau das Koordinatensystem aus, in dem der Trägheitstensor diagonal wird. Nach Konvention werden sie der Größe nach sortiert, J a J b J c. Körper drehen sich stabil immer nur um die Achse mit dem größten oder dem kleinsten Trägheitsmoment.

Kreisel Kreiselart asymmetrisch symmetrisch Kugel- Hauptträgheitsmomente J a J b J c J a = J b J c oder J a J b = J c oder J a = J c J b J a = J b = J c

Kreiselbewegungen Im System der Hauptträgheitsachsen lautet der Ausdruck für die kinetische Energie und den Drehimpuls L 2 = L 2 a + L 2 b + L 2 c = const. E rot = 1 2 ( ω 2 a J a + ω 2 bj b + ω 2 cj c ) = L 2 a 2J a + L2 b 2J b + L2 c 2J c, eine Gleichung für eine Kugel mit Radius L 2 und ein Ellipsoid mit Hauptachsen 2Ja, 2J b und 2J b. Bei jeder Bewegung muss also der Drehimpulsvektor auf der Schnittmenge des Kreises mit dem Ellipsoid liegen.

Kreiselbewegungen II

Nutation Kräftefreier ( drehmomentfreier ) symmetrischer Kreisel (Bsp. Fahrradkreisel) M 0 = L = const. Allgemeinste Bewegung gegeben durch drei Achsen: raumfeste Drehimpulsachse L momentane Rotationsachse ω (ändert sich laufend!) Figurenachse

L ω L ω Figurenachse Figurenachse Gangpolkegel (körperfest) Rastpolkegel (raumfest) Gangpolkegel (körperfest) Rastpolkegel (raumfest) prolater Kreisel oblater Kreisel

Präzession Greift an einem Kreisel ein Drehmoment an, so ist er nicht mehr kräftefrei (drehmomentfrei) und der Drehimpuls ist nicht mehr eine erhaltene Größe: d L dt = M. Dieses Drehmoment führt zum Auftreten der Präzession. kräftefreier Kreisel angreifendes Drehmoment Nutation Präzession

z r M = r F = d L dt Das während einer kurzen Zeit angreifende L Drehmoment M bewirkt eine kleine Änderung des Drehimpulses dl M Mdt = d L F = m g L L = L + Mdt Die Präzession führt zu einer Drehung um die Achse z mit der Präzessionsgeschwindigkeit ω P = d L dt 1 L = M L L

Präzession II Versucht man den Radkreisel entlang seiner Präzessionsbewegung zu beschleunigen, so erfährt er ein Drehmoment, welches nach oben zeigt. Das Rad muss sich also aufrichten. Versucht man den Kreisel entlang der Präzessionsbewegung abzubremsen, so sinkt er. Dies erklärt, warum sich Spielkreisel aufrichten. ungestört nach hinten beschleunigt M = r F 2 L r F 2 L F = m g F = m g

Aufrichten eines Kinderkreisels Die Reibungskraft im Punkt B führt zu einer Beschleunigung in Richtung der Präzessionsbewegung. Der Kreisel richtet sich auf. L Ohne etwas Reibung kein Aufrichten, bei zu viel Reibung verlangsamt sich der Kreisel aber zu schnell. B

Der Kreiselkompass Der Kreiselkompass soll immer die Nordrichtung angeben. Dazu kann die Erdanziehung ausgenutzt werden, die immer zum Erdmittelpunkt zeigt. Patent: Anschütz Kiel. W Start A Reise A F G B O Die Erdanziehung F G zeigt immer zum Erdmittelpunkt. Dadurch erfährt der Kreisel ein Drehmoment, welches die Kreiselrichtung um genau den Winkel verdreht, der notwendig ist, um den Kompass wieder nach Norden zeigen zu lassen.

Der Kreiselkompass von Anschütz Auf Schiffen ist die Halterung/Lagerung ein Problem. Dieses wurde hier in Kiel durch Anschütz gelöst.

Der Kreiselkompass von Anschütz II Auch berühmte Leute waren mit von der Partie... A. Einstein war am Patent beteiligt und besuchte deswegen mehrmals Anschütz in Kiel.

Präzession der Erdachse Erdrotation Zentrifugalbeschleunigung a = ω 2 R cos φ 3.4 cos φ cm/s 2. R φ a r a F 1 F2 a t

Die Tangentialkomponente führt zur Ausbildung von Wülsten entlang des Äquators. Diese werden verschieden stark von der Sonne angezogen, was einem Drehmoment auf die Erde gleichkommt. Folge: der Drehimpuls der Erde bleibt nicht konstant. Die Erdachse präzessiert einmal in ca. 26 000 Jahren. Der Unterschied in der Anziehung verschwindet im Frühling und im Herbst und ist auch im Sommer und Winter nicht gleich stark. Diese Unterschiede führen, zusammen mit dem Einfluss des Mondes, zu kleineren Schwankungen des Drehimpulses, welche in der Astronomie Nutation genannt werden, auch wenn es sich streng genommen nicht um eine Nutation handelt.

Rotierende Bezugssysteme: Die Corioliskraft In der Nordhalbkugel wird nach rechts abgelenkt; in der Südhalbkugel wird nach links abgelenkt. Corioliskraft Ursprung von Zyklonen und Antizyklonen. Abnutzung von Bahngeleisen.

Corioliskraft II ωt B B v A Ein Massenpunkt bewegt sich auf einer rotierenden Scheibe von A aus mit der Geschwindigkeit v nach B hin. Infolge der Rotation erreicht er aber nach einer Zeit t den Punkt B. Für mitrotierende Beobachter scheint der Massenpunkt also einer Kraft ausgesetzt, die während der Zeit t gewirkt hat. AB = vt, ferner BAB = ωt BAB = BB /AB also BB = ωvt 2 Mit s = 1 2 a vt 2 ist also BB = ωvt 2 = 1 2 a vt 2, also a v = 2ωv.

Bewegungen in rotierenden Bezugssystemen Betrachte zwei Bezugssysteme K und K, deren Ursprung zusammenfällt, K aber gegen K rotiert, also kein Inertialsystem sei. Wie wir bereits gesehen haben, lässt sich jede Bewegung eines starren Körpers, also insbesondere eines als starr vorausgesetzten Bezugssystems, als Überlagerung einer Translation und einer Rotation darstellen. Also lautet der Zusammenhang zwischen zwei Geschwindigkeiten v und v gemessen in K bzw. K v = v + ( ω r), (1) wobei v die Geschwindigkeit ist, die in K gemessen wird, wenn man die Rotation nicht berücksichtigt. Die Beschleunigung a erhalten wir durch Ableitung nach der

Zeit a = d v dt = d v dt + ( ω d r ), dt weil ja ω = const. Wir bestimmen nun d v /dt im Koordinatensystem K, aber in Koordinaten von K ausgedrückt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich nicht nur die Geschwindigkeit ändert, sondern auch die das Bezugssystem aufspannenden Einheitsvektoren ê x, ê y, ê z. Also d v dt = ( ê x dv x dt + ê dv y y dt + ê z dv z ) dt + d ê x dt v x + d êy dt v y + d ê z dt v z = a +(ω v ). Einsetzen liefert a = d v dt = a + ( ω v ) + ( ω v).

Nun setzen wir den allgemeinen Ausdruck für die Geschwindigkeit v ein, Glg. 1, a = a + 2 ( ω v ) + ω ( ω r). Diesen Ausdruck können wir nun endlich auflösen nach der Beschleunigung a, welche im rotierenden Bezugssystem K gemessen wird a = a + 2 ( v ω) + ω ( r ω) = a + a C + a Z Coriolisbeschleunigung Zentrifugalbeschleunigung a C = 2 ( v ω) a Z = ω ( r ω) Im beschleunigten Bezugssystem wirken zwei Scheinkräfte, die Corioliskraft und die Zentrifugalkraft!

Nachweis der Erdrotation - Das Foucault sche Pendel R φ ω ω P ω Die Rotation der Erde macht sich in einem Punkt P bemerkbar als eine Überlagerung einer Rotation der Ebene um ω und eine weitere Rotation um ω. ω Der Erdboden im Punkt P rotiert mit ω = ω sin φ um eine Achse senkrecht zum Erdboden und mit ω = ω cos φ um eine Achse parallel zu ω. In Kiel (φ 54 ) dreht sich die Erde mit ca. 12 unter einem Foucault schen Pendel weg.

Beispiele Eisenbahn: Auf der Nordhalbkugel nutzen sich die rechte Schiene und die rechten Räder schneller ab. Zyklone und Antizyklone auf den beiden Hemisphären drehen sich im gegenläufigen Sinne Passatwinde Flussläufe auf der Nordhalbkugel sollen rechts höhere Ufer aufweisen als links. Umgekehrt auf der Südhalbkugel.

Der Wirbel in der Badewanne wird allerdings durch andere Effekte wesentlich stärker beeinflusst, weshalb hier die Voraussage nicht erfüllt wird.