Diplomprüfung Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Sommersemester 1998

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1 Diplomprüfung Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Sommersemester 1998 Teilgebiet Kosten- und Leistungsrechnung Aufgabe 1 Die Hobbygärtner KG plant die Herstellung eines neuartigen Gartenwerkzeugs in zwei Varianten, die Gartenkralle" und die Minikralle". Über die gesamten Lebenszyklen der Varianten hinweg wird für die Gartenkralle" mit einer Fertigungsmenge von insgesamt Stück, für die Minikralle" mit einer Fertigungsmenge von Stück gerechnet. Die geplanten Materialeinzelkosten pro Stück betragen für die Gartenkralle" DM 35,- und für die Minikralle" DM 15,-. Für das Produkt rechnet man über den gesamten Lebenszyklus hinweg mit Materialgemeinkosten von 12,75 Mio. DM und Fertigungsgemeinkosten von 37 Mio. DM sowie mit Verwaltungsgemeinkosten in Höhe von 17,5 Mio. DM und Vertriebsgemeinkosten in Höhe von 9,8 Mio. DM. Die Herstellung der beiden Varianten beansprucht die nachfolgend genannten Kostenstellen: Kostenstelle Prozesse In Anspruch genommene Prozesse je 100 Stück Plan- Gemeinkosten in Mio. DM Gartenkralle" Minikralle" lmi lmn Einkauf Beschaffungsprozesse ,978 3,06 Wareneingangsprüfungen ,652 3,06 Fertigung Produktion durchführen (in Maschinenstunden) ,3 3,7 Der Vertrieb geht davon aus, daß die geplanten Gesamt-Fertigungsmengen von Gartenkralle" und Minikralle" über die folgende Anzahl an Kundenaufträgen abgesetzt werden können. Kostenstelle Prozesse Kundenaufträge Plan- Gemeinkosten in Mio. DM Gartenkralle" Minikralle" lmi lmn Vertrieb Auftragsbearbeitung ,58 3,22

2 a) Berechnen Sie auf Basis einer Zuschlagskalkulation die Plan-Selbstkosten je Variante sowohl für den gesamten Betrachtungszeitraum als auch pro Stück. Dabei sollen die Materialgemeinkosten als prozentualer Zuschlag auf die Materialeinzelkosten und die Fertigungsgemeinkosten entsprechend der durch die Varianten beanspruchten Maschinenstunden verrechnet werden. Die Unternehmensleitung erwartet sich von der Anwendung einer Prozeßkostenrechnung aussagefähigere Informationen für die Programmpolitik. Dazu sollen die Plan-Materialund -Fertigungsgemeinkosten sowie die Planvertriebsgemeinkosten auf die Varianten Gartenkralle und Minikralle auf der Basis eines prozeßorientierten Ansatzes verrechnet werden. Die Zurechnung der Plan-Verwaltungsgemeinkosten erfolge mit einem prozentualen Zuschlag auf die Plan-Herstellkosten. b) Berechnen Sie die leistungsmengeninduzierten, die leistungsmengenneutralen und die Gesamt-Plan-Prozeßkostensätze für die einzelnen Kostenstellen. c) Berechnen Sie die Plan-Selbstkosten für die beiden Varianten über den gesamten Betrachtungszeitraum und bestimmen Sie die Plan-Selbstkosten der Varianten pro Stück auf Basis der Prozeßkostenrechnung. Die Verwaltungsgemeinkosten werden dabei weiterhin als prozentualer Zuschlag auf die Herstellkosten verrechnet. d) Im Unterschied zu den Teilaufgaben b) und c) sei nunmehr unterstellt, daß die gesamten variablen Plan-Gemeinkosten der Fertigung (lmi) zu 80% von der Ausbringung und zu 20% von der Variantenzahl abhängen. Berechnen Sie auf dieser Basis die ausbringungs- und variantenzahlabhängigen Plan-Stückkosten sowie die Gesamt-Plan- Stückkosten für die beiden Varianten in der Kostenstelle Fertigung. e) Äußern Sie sich kritisch zur Prozeßkostenrechnung, stellen Sie dabei insbesondere die Prozeßkostenrechnung der Grenzplankostenrechnung vergleichend gegenüber und ziehen Sie dabei die Ergänzung der Grenzplankostenrechnung um eine stufenweise Fixkostendeckungsrechnung in Erwägung.

3 Aufgabe 2 Sie werden nach Ihrem Examen als Controller in einem Produktionsbetrieb eingestellt. Ihre Firma will eine neues Produkt einführen. I. Da es sich um einen stark umkämpften Markt handelt, wird zunächst versucht das Kostenmanagementkonzept Target Costing, zu implementieren. Beschreiben Sie dieses Konzepts. II. Aus einer Recherche der Marketingabteilung, die Kosten i.h.v DM verursacht hat, erfahren Sie, daß von diesem neuen Produkt insgesamt kg zu einem Preis von 25 DM je kg abgesetzt werden könnten. Die Produktion ist gleichmäßig auf alle Monate der Planungsperiode, die ein Jahr beträgt, verteilt. Um das Produkt zu fertigen, müßte eine neue Maschine angeschafft werden. Diese benötigt zur Fertigung die Hilfsstoffe A und B. Sie weist folgende Verbrauchsfunktion auf: 1 2 ra( x) = x 05, x rb ( x) = x 2 x Der Preis für eine Einheit des Hilfsstoffs A beträgt 0,04 DM, der des Hilfsstoffs B 0,02 DM. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf DM. Da es sich um ein Spezialprodukt handelt, können Sie davon ausgehen, daß die Maschine keinen Wiederverkaufswert hat. Zur Bedienung der Maschine benötigt man einen Vorarbeiter und eine Hilfskraft, die einen für die geplante Produktionsdauer befristeten Arbeitsvertrag bekämen. Der Vorarbeiter erhielte 2 DM pro kg des gefertigten Produkts. Der Hilfsarbeiter würde DM pro Monat verdienen. Die Maschine fertigt bei optimaler Intensität. Zur Fertigung des Produkts werden folgende Materialien benötigt Planpreis pro kg in DM Planmischungsanteil Nicht verwertbarer Rohstoffanteil W 8 0,5 0,03 X 9 0,2 0,02 Y 11 0,2 0,01 Z 15 0,1 0,05

4 a) 1) Soll die neue Maschine angeschafft werden? 2) Stellen Sie die relevanten Einnahmen und Ausgaben in Abhängigkeit von der Zeit graphisch dar. b) Erläutern Sie die wesentliche Merkmale der relativen Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung und ordnen Sie anschließend die relevanten Kosten der jeweils untersten Stufe der Bezugsgößenhierarchie zu. Begründen Sie Ihr Vorgehen. Die Maschine wurde auf Grund Ihres Kalküls angeschafft. Nach einem Jahr stellt sich jedoch heraus, daß die Marketingabteilung die Absatzmengen falsch prognostiziert hat. So konnten in den ersten zwei Monaten der Planungspeiode nur kg abgesetzt werden. Sie rechnen daher nur noch mit einem verbleibenden Planabsatz von kg. Bei einer solch geringen Produktionsmenge benötigen Sie jedoch keine Hilfskraft mehr. Sie kündigen ihr deshalb. Die Kündigungsfrist beträgt 2 Monate. Sollte die Produktion eingestellt werden, bekäme der Vorarbeiter eine einmalige Abfindung von DM. c) Erläutern Sie Ihrem Chef, ab welchem Preis sich die mit der Produktion verbunden relevanten Kosten amortisieren. Nehmen Sie dabei zu den obigen Sachverhalten Stellung. Nach langer Diskussion einigen Sie sich, die Produktion fortzuführen. Als Sie nun am Ende des Planungszeitraums eine Kostenkontrolle durchführen wollen, stellen Sie fest, daß sich die Mischungsverhältnisse für den Materialinput verändert haben. Darüber hinaus hat sich der Anteil Nicht verwertbarer Rohstoffanteil geändert: Ist Preise Ist Verbrauch in kg Ist Mischungsanteil Nicht verwertbarer Rohstoffanteil w 7, ,55 0,05 x 8, ,30 0,01 y ,10 0,03 z ,05 0,04

5 d) Ermitteln Sie die Kostenabweichung. Spalten Sie diese in eine Primär- und eine Sekundärabweichung auf und interpretieren Sie die beiden Abweichungen. e) Ermitteln Sie den Teil der Kostenabweichung, der allein auf das veränderte Mischungsverhältnis, auf die veränderte Rohstoffqualität und die Restabweichung zurückzuführen ist. III. Welchen Einfluß hat die Fristigkeit der Planung im System der flexiblen Plankostenrechnung auf die Kostenauflösung?

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