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2 Soziale Probleme

3 Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst sofid

4 Soziale Probleme Band 2009/2 bearbeitet von Hermann Schock GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2009

5 ISSN: x Herausgeber: GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Abteilung Fachinformation für die Sozialwissenschaften bearbeitet von: Hermann Schock Programmierung: Siegfried Schomisch Druck u. Vertrieb: GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Lennéstr. 30, Bonn, Tel.: (0228) Printed in Germany Die Mittel für diese Veröffentlichung wurden im Rahmen der institutionellen Förderung von GESIS durch den Bund und die Länder gemeinsam bereitgestellt GESIS. Alle Rechte vorbehalten. Insbesondere ist die Überführung in maschinenlesbare Form sowie das Speichern in Informationssystemen, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Einwilligung des Herausgebers gestattet.

6 Inhalt Vorwort...7 Sachgebiete 1 Armut und Arbeitslosigkeit Ältere Arbeitnehmer, Übergang in den Ruhestand Altern und Lebensbedingungen im Alter Hilfsbedürftigkeit und Dienste im Alter Jugendliche und erwachsene Behinderte, Lebensbedingungen und schulische Integration Berufliche Rehabilitation und Integration Behinderter Krankheit, Pflege, Rehabilitation AIDS (Aufklärung, Gefährdung, Situation Infizierter) Sucht (Medikamenten- und Drogenabhängigkeit, Alkoholismus, Glücksspiele) Verschiedene Randgruppen (Prostituierte, Kriminelle, etc.) Register Hinweise zur Registerbenutzung Personenregister Sachregister Institutionenregister Anhang Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur Zur Benutzung der Forschungsnachweise...479

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8 sofid Soziale Probleme 2009/2 Vorwort 7 Vorwort zum sofid Soziale Probleme GESIS bietet mit dem Sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst (sofid) zweimal jährlich aktuelle Informationen zu einer großen Zahl spezieller Themenstellungen an. Jeder sofid hat sein eigenes, meist pragmatisch festgelegtes Profil. Gewisse Überschneidungen sind deshalb nicht zu vermeiden. Quelle der im jeweiligen sofid enthaltenen Informationen sind die von GESIS produzierten Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) sowie SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften bisher FORIS). Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf Graue Literatur in den zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. In SOLIS ist bei einigen Hinweisen unter Standort eine Internet-Adresse eingetragen. Wenn Sie mit dieser Adresse im Internet suchen, finden Sie hier den vollständigen Text des Dokuments. Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für SOFIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Zur Meldung neuer Projekte steht unter permanent ein Fragebogen zur Verfügung. Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F". Im Gegensatz zu Literaturhinweisen, die jeweils nur einmal gegeben werden, kann es vorkommen, dass ein Forschungsnachweis in mehreren aufeinander folgenden Diensten erscheint. Dies ist gerechtfertigt, weil Forschungsprojekte häufig ihren Zuschnitt verändern, sei es, dass das Projekt eingeengt, erweitert, auf ein anderes Thema verlagert oder ganz abgebrochen wird. Es handelt sich also bei einem erneuten Nachweis in jedem Falle um eine aktualisierte Fassung, die Rückschlüsse auf den Fortgang der Arbeiten an einem Projekt zulässt. * * * Im Scope des sofid Soziale Probleme vereint sind einige gesellschaftlich virulente soziale Brennpunkte. Ihre Auswahl ergibt sich aus der Abgrenzung mit dem Gesamtprogramm des sofid, das eine ganze Reihe von Titeln wie z.b. Kriminal- und Rechtssoziologie enthält, die soziale Problemlagen abbilden. Insofern ist der Dienst "Soziale Probleme" eher residual zu verstehen. Ein Bemühen, alle Themen zu sozialen Problemen in einem Dienst vollständig nachzuweisen, müßte aus quantitativen Gründen scheitern. Zu beachten ist, dass historische und entwicklungspolitische Themen weitgehend ausgegliedert sind. Sozialmedizinische Themen sind im sofid Gesundheitsforschung, Aufgaben der Politik im

9 8 sofid Soziale Probleme 2009/2 Vorwort Rahmen der Sozialen Sicherung im sofid Sozialpolitik und Ausländerfragen im sofid Migration und ethnische Minderheiten schwerpunktmäßig berücksichtigt und tiefer gegliedert dargeboten. Die einzelnen Problembereiche sind zu umreißen: Das erste Kapitel ist den Themen Armut und Arbeitslosigkeit gewidmet. Im Wesentlichen sind es Arbeiten zu Lebenslagen ohne Einkommen bzw. mit Niedrigsteinkommen wie Sozialhilfebezug, weiterhin zu Arbeits- und Wohnungslosigkeit sowie ihrer (subjektiven) Bewältigung. Auch die Behandlung von Extremlagen von Kindern und Jugendlichen ist hier eingruppiert. Das folgende Kapitel zur Alterns-Thematik ist in drei Abschnitte gegliedert und beginnt mit den Beschäftigungs- und Qualifizierungsbedingungen, dem Leistungsvermögen älterer Arbeitnehmer und dem (gleitenden) Übergang aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand. Auch enthalten sind Arbeiten zur Wiederbeschäftigungsperspektive älterer Arbeitsloser. Die thematische Spanne des zweiten Abschnitts Altern und Lebensbedingungen im Alter reicht von den Entwicklungen subjektiver Befindlichkeiten und sozialer Beziehungen, der Bildungsbeteiligung, dem Freizeitverhalten, der Mediennutzung bis hin zur Selbsthilfe, den materiellen Grundlagen der Lebensführung und dem Konsumverhalten. Der dritte Abschnitt ist auf den letzten Lebensabschnitt mit seinen massiven Einschränkungen und der Unselbständigkeit bezogen und referiert Arbeiten zur Hilfsbedürftigkeit einerseits und dem Infrastrukturangebot andererseits, d.h. dem Angebot von Diensten im Spektrum ambulanter und stationärer Betreuung/Behandlung. Das dritte Kapitel hat die Situation jugendlicher und erwachsener Behinderter zum Thema. Einbezogen sind alle Behinderungsarten, Schweregrade wie auch die Mehrfachbehinderungen. Aus methodischer Sicht dominiert in den Arbeiten der Anwendungsbezug: Formuliert werden Anforderungen an die Familien, den Wohnungsbau und das Bildungswesen. Konzipiert und evaluiert werden Modelle der Betreuung/Behandlung. Im nachfolgenden Unterkapitel zusammengefasst sind alle Arbeiten zur Gestaltung der beruflichen Ausbildung, der Arbeitsplätze, der Integration in den Arbeitsmarkt und in den Betrieb. Weiterhin enthalten sind Entwicklungen technischer und anderer Hilfen wie auch Studien zur Errichtung und den Betrieb von Werkstätten. Krankheit, Pflege, Rehabilitation sind die Stichworte, die das vierte Kapitel umreißen. Zentral dabei ist das subjektive Erleben somatisch, psychosomatisch oder psychisch bestimmter Krankheitssituationen je Alterstufe. Die Strategien der Prävention - Behandlung - Nachbehandlung - Beschäftigungstherapie fügen sich ein. Die Befassung mit den Umgebungsbedingungen Kranker zählt mit zum Gegenstandsbereich wie auch die mit dem Sterben, dem Tod und Selbstmord. Zum Thema AIDS ist ein separates Kapitel nachfolgend eröffnet. Thematisch schließt das fünfte Kapitel unmittelbar an. Zusammengefasst sind hier die sozialwissenschaftlichen Beiträge - die gesundheitspolitischen sind einbezogen - zur AIDS -Problematik in den Dimensionen von Präventionspolitik, (sexueller) Verhaltensmodifikation, allgemeiner und medizinischer Versorgung Infizierter, Umgebungsbedingungen in Familie und am Arbeitsplatz. Im folgenden Kapitel sind alle sozialwissenschaftlich bearbeiteten Fragestellungen zum Problembereich Sucht mit allen ihren Varianten wie Medikamenten-, Drogen-, Spielsucht und Alkoholismus zusammengeführt. Enthalten sind Themen der Prävention bzw. der darauf ausgerichteten Politik, der Behandlungsmethoden und Institutionen sowie den therapeutischen Erfolgsaussichten.

10 sofid Soziale Probleme 2009/2 Vorwort 9 Die Lage verschiedener Randgruppen wie die der Prostituierten, Homosexuellen, Trebegängern, gewaltgeneigten Jugendlichen, Kriminellen ist Thema des letzten Kapitels. Individuelle und gesellschaftliche Entwicklungen und Rechtslagen sind gleichermaßen Gegenstand. Weiterhin zählen Integrationspolitik sowie Maßnahmen und ihre Erfolgsaussichten mit zum Scope.

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12 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit 11 1 Armut und Arbeitslosigkeit [1-L] Albert, Martin: Hier das Geld - und dort die Liebe?!: Soziale Arbeit und Ökonomie - (De-)Professionalisierungstendenzen zwischen Armutsbekämpfung und "freiem" Markt, in: Sozialmagazin : die Zeitschrift für Soziale Arbeit, Jg. 33/2008, H. 7/8, S (Standort: USB Köln(38)-XG3727; Kopie über den Literaturdienst erhältlich) INHALT: "Die Wechselwirkung zwischen der Sozialen Arbeit und der Ökonomie ist komplex und konfliktgeladen. Dies zeigt sich besonders im Bereich der zunehmenden Armutsprozesse in der Gesellschaft. Die Rolle der Sozialen Arbeit bleibt dabei zwiespältig: Wo sie scheinbar personell von sozialen Problemlagen 'profitiert', besteht auch die Gefahr, dass sie ihre Professionalität verliert." (Autorenreferat) [2-L] Albert, Martin: Armut und Reichtum in Deutschland: Formen sozialer Ungleichheiten und Konsequenzen für die Soziale Arbeit, in: Ulrich Pfeifer-Schaupp (Hrsg.): Globalisierung und soziale Arbeit : Grundbegriffe - Problemfelder - Perspektiven, Hamburg: VSA-Verl., 2005, S INHALT: Der Beitrag bestätigt die These von der "Zwei-Drittel-Gesellschaft" und konstatiert ein erschreckendes Ausmaß von Armut in Deutschland. Dabei ist Armut nicht nur beschränkt auf einen Mangel an materiellen Ressourcen, sondern umfasst auch Aspekte der Bildung, Arbeit, Wohnsituation und kulturellen wie politischen Partizipation. Der Mangel an sozialen Beziehungen und tragfähigen Netzwerken (soziale Armut) ist zu einem Problem der gesamten Gesellschaft geworden. In den Blickpunkt sind in den letzten Jahren die sozialräumlichen Auswirkungen von Armut geraten. Soziale Brennpunkte finden sich nicht nur in Großstädten, sondern auch in Kleinstädten und im ländlichen Bereich. Besonders gravierend sind die Auswirkungen für Betroffene in Bezug auf Gesundheit und Krankheit. Der weitere Abbau der sozialen Sicherungssysteme wird diese sozialen Ungleichheiten noch weiter verschärfen. Der Umgang mit Armut erfordert eine Differenzierung der methodischen Handlungsmöglichkeiten. (ICE2) [3-L] Alisch, Monika: Armut und soziale Teilhabe: ein Überblick, in: Monika Alisch (Hrsg.) ; Michael May (Hrsg.): Kompetenzen im Sozialraum : Sozialraumentwicklung und -organisation als transdisziplinäres Projekt, Opladen: B. Budrich, 2008, S INHALT: Die gleichmäßige Entwicklung der Einkommen, die auch die Lebenslage Armen verbesserte, gehört zur Vergangenheit: Während die realen Nettoeinkünfte der Wohlhabenden in der BRD seit 1992 um fast ein Drittel stiegen, sanken die Einkommen der ärmeren Bevölkerungsgruppen im Vergleichszeitraum um reale 13 Prozent (DIW 2007). Aber nicht allein das Einkommen polarisiert die Gesellschaft, dank des Lebenslagenansatzes wird die Überlagerung von Benachteiligungen im Gesundheitswesen, der Bildung, dem Wohnungsmarkt, der politischen, sozialen und kulturellen Teilhabe deutlich sichtbar. Neu ist auch, dass die Ausbreitung von Armut als extreme Form sozialer Benachteiligung ungewiss ist: Die Unsicher-

13 12 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit heit, ob sich der eigene soziale Status halten lässt, wächst und hat die Mittelschichten längst erreicht. Der vorliegenden Beitrag konzentriert sich darauf, wie Armut gemessen wird und welche unterschiedlichen Einschätzungen des Armutsphänomens sich daraus ergeben. Auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Armut hat sich in den Methoden, Blickwinkeln und Aussagen verändert, weshalb auch ein Überblick über die Armutsforschung in Deutschland gegeben wird. Wer letztlich arm ist, wird beispielhaft für die Lebensbereiche, Beschäftigung (working poor) und Bildung (PISA und dann?) skizziert. (ICA2) [4-F] Ames, Anne (Leitung): Die Erfahrungen der Betroffenen mit der Umsetzung des SGB II Baden-Württemberg INHALT: Trotz des "Aufschwungs" am Arbeitsmarkt sind nach wie vor bundesweit einige Millionen Menschen als Arbeitslose oder Geringverdiener und ihre Kinder auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen. Das Forschungsprojekt fragt nach der Lebenslage, der materiellen Sicherung, der beruflichen Förderung und den Perspektiven dieser Menschen. Kontext/ Problemlage: Trotz des "Aufschwungs" am Arbeitsmarkt waren im November 2007 bundesweit 5,1 Millionen Menschen als Arbeitslose oder Geringverdiener auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Hinzu kommen 1,9 Millionen nicht erwerbsfähige Familienmitglieder, überwiegend unter 15-jährige Kinder. Auch im arbeitsmarktpolitischen Vorzeigeland Baden-Württemberg müssen knapp eine halbe Million Menschen von Leistungen nach dem SGB II leben. Das geht aus der im März 2008 von der Bundesagentur veröffentlichten SGB-II-Statistik hervor. In den Erfolgsmeldungen zum "Rückgang der Arbeitslosigkeit" wird in der Regel nicht thematisiert, wie sehr dieser Erfolg darauf beruht, dass die steigende Zahl von ALG II-Beziehern, die Ein-Euro-Jobs oder Trainingsmaßnahmen zugewiesen oder krank gemeldet sind, nicht als arbeitslos erfasst werden. Die Lebenslage dieser Menschen wird öffentlich kaum wahrgenommen. Fragestellung: Gefragt wird nach den Erfahrungen der Betroffenen mit der Umsetzung des SGB II. Wie zuverlässig erhalten sie die dringend benötigte Grundsicherung? Wie viele mussten umziehen, weil die Kosten ihrer Wohnung als nicht angemessen gelten? Wie viele müssen Wohnkosten teilweise aus der Regelleistung bestreiten, weil sie keine "angemessene" Wohnung gefunden haben? Mit welchen Zukunftsperspektiven leben BezieherInnen von Arbeitslosengeld II? Welche Förderung ihrer Arbeitsmarktchancen wünschen sie sich? Welche Förderung wird ihnen tatsächlich zuteil? Was wird von ihnen gefordert? Für welche "Pflichtverletzungen" werden sie mit der Kürzung von Leistungen bestraft, die eigentlich ihr Existenzminimum sichern sollen? Die Forschungsfragen zur SGB II-Evaluation sind zumeist aus der Perspektive des staatlichen Steuerungsinteresses entwickelt. In diesem Projekt geht es darum, das Erleben der Politikbetroffenen zu erkunden, die ein Eigeninteresse an der Erhaltung ihrer Handlungsfähigkeit haben. GEOGRAPHISCHER RAUM: Baden-Württemberg METHODE: Es wird eine schriftliche Befragung mit einem weitgehend standardisierten Fragebogen durchgeführt. Die Konstruktion des Fragebogens stützt sich auf eine vergleichbare Erhebung, die 2006 im Auftrag des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der ev. Kirche in Hessen und Nassau durchgeführt wurde: die_hartz_iv.pdf. Wegen der knappen Forschungskapazität wird auch die aktuelle Studie räumlich begrenzt, nämlich auf Bezieher von Arbeitslosengeld II, die in Baden-Württemberg leben. Die Fragebögen werden über Arbeitsloseninitiativen, Beratungsstellen, Beschäftigungsträger und andere Einrichtungen, die Zugang zu Arbeitslosengeld II-Beziehern haben, verteilt und im Internet zur Beantwortung bereitgestellt.

14 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit 13 ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hans-Böckler-Stiftung INSTITUTION: Ames, A. (Raiffeisenstr. 33, Ammerbuch) KONTAKT: Leiterin ( [5-L] Andersen, Uwe: Monetäre Verteilungsgerechtigkeit: zur Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland, in: Politische Bildung : Beiträge zur wissenschaftlichen Grundlegung und zur Unterrichtspraxis, Jg. 41/2008, H. 3, S (Standort: FES Bonn(Bo133)-X2436) INHALT: "Erst jüngst ist eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Wohlstandsschere in Deutschland seit 1996 weiter geöffnet hat. Die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit ist daher nicht antiquiert, sondern unverändert aktuell. Dass die Bundesregierung dies ähnlich sieht, lässt sich daran ablesen, dass durch Beschluss der rot-grünen Regierung 1998 periodisch ein Armutsbericht (jetzt Armuts- und Reichtumsbericht) vorzulegen sei. Der dritte Bericht dieser Art ist in diesem Sommer erarbeitet worden. Dieser Beitrag skizziert die wichtigsten Ergebnisse des Berichts und diskutiert die Daten im Licht ergänzender Längs- und Querschnittsstudien zur Einkommensund Vermögensverteilung in Deutschland. Darüber hinaus wird auch betrachtet, wie die verschiedenen Gruppen der Bevölkerung die Verteilung einschätzten und welche Gerechtigkeitsvorstellungen sie haben. Der Artikel führt nicht nur in das Thema ein, er informiert auch über weiterführende Quellen. Ferner liefert das Datenmaterial, besonders die Schaubilder, in Verbindung mit den im Text vorgenommenen Interpretationen gut verwendbares Unterrichtsmaterial." (Autorenreferat) [6-F] Aßmann, Sabine, Dr.rer.medic. (Bearbeitung); Balck, Friedrich, Prof.Dr.phil. (Leitung): Dialyse und Armut INHALT: Die derzeit einzige Alternative zur Transplantation ist bei schwerem Nierenversagen eine dauerhafte Dialysebehandlung, die jedoch mit vielfältigen körperlichen und sozialen Einschränkungen sowie psychischen Belastungen für die Patienten und ihre Angehörigen verbunden ist. Inwieweit der soziale Status die Prognose niereninsuffizienter Menschen beeinflusst (Kausationshypothese), ist bisher gut untersucht (Caskey et al. 2006): Sozial benachteiligte Dialysepatienten werden medizinisch in mancher Hinsicht schlechter versorgt als Dialysepatienten aus höheren sozialen Schichten. Die vorliegende Untersuchung fragt nach möglichen psycho-sozialen Folgen (Selektionshypothese) chronischer Niereninsuffizienz. Armut wird dabei verstanden als verminderte Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern materieller und immaterieller Art. Die nationale Armutsgrenze (relative Einkommensarmut) beträgt nach neuerem EU-Standard 60% des gemittelten Nettoäquivalenzeinkommens in einem Land. Zur zahlenmäßigen Höhe in Deutschland existieren voneinander abweichende Angaben. Die Forscher schließen sich der Festlegung des Statistischen Bundesamtes (2006) an. Somit galten in Deutschland im Jahr 2005 Menschen als arm, die weniger als 856 Euro monatlich zur Verfügung hatten. Diese Summe bezieht sich auf eine allein lebende erwachsene Person. Für zusätzlich im Haushalt lebende Personen gelten nach neuer OECD-Skala folgende Berechnungsfaktoren: Während die Bezugsperson mit (1,0) in die Berechnung eingeht, gilt für jede weitere Person im Alter von über 15 Jahren ein Faktor von 0,5 und für jede Person im Alter von unter 15 Jahren ein Faktor von 0,3. Für eine Familie mit zwei Kindern liegt die Armuts-

15 14 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit grenze somit bei Euro. Die Untersuchungsfragen lauteten: 1. Stellt chronische Niereninsuffizienz ein Armutsrisiko für Betroffene und ihre Angehörigen dar? 2. Welche Merkmale weisen Dialysepatienten auf, die unter der Armutsgrenze leben? Ergebnisse: 60,2% der Befragten lebten unterhalb der Armutsgrenze. Zum Vergleich: In Deutschland lebten 2003 insgesamt 13,5% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Diskriminanzanalytisch wurden drei Merkmale der Befragten untersucht, welche für deren Zuordnung in die Gruppe oberhalb bzw. unterhalb der Armutsgrenze entscheidend waren: Die Anzahl der zum Haushalt gehörenden Personen, das Alter der Patienten sowie die Dauer ihrer Dialysepflichtigkeit. Am entscheidendsten für die Verortung war die Anzahl der Personen im Haushalt. Haushalte mit mehr als zwei Personen wiesen ein signifikant höheres Risiko auf, unter die Armutsgrenze zu fallen (OR=63,307). Personen im Alter unter 50 Jahren haben ein signifikant höheres Risiko zu verarmen (OR=2,003) als 50-jährige und Ältere. Diskussion: Chronische Niereninsuffizienz ist mit einem erhöhten Armutsrisiko verbunden, wenn die Patienten bestimmte Merkmale aufweisen. Obgleich Alleinleben allgemein als Armutsrisiko angesehen wird, da größere Haushalte gegenüber kleineren über relative Einsparungsmöglichkeiten verfügen, sind nach Datenlage unserer Untersuchung Patienten, die mit mehreren Personen im Haushalt leben, stärker gefährdet, in Armut zu geraten. Sie befinden sich im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter und haben Versorgungspflichten gegenüber Kindern oder Ehepartnern. Ein höheres Armutsrisiko für jüngere Patienten ergibt sich auch daraus, dass sie zu einem biografisch früheren Zeitpunkt in die Dialyse eintreten und zumeist eine (niedrigere) Erwerbsunfähigkeitsrente beziehen. Die Ergebnisse korrespondieren mit den Angaben des statistischen Bundesamtes, wonach der Anteil der von Armut Betroffenen in der Altersklasse der über 65jährigen geringer ist als in jüngeren Altersklassen. Präventionsrelevant erscheint hierbei besonders die Einflussnahme des Arztes auf eine mögliche weitere Berufstätigkeit von Dialysepatienten. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland METHODE: Im Jahr 2006 wurden deutschlandweit Patienten in 77 Dialysepraxen unter Verwendung eines selbst entwickelten Fragebogens schriftlich befragt. Dieser enthielt 19 Items zur sozialen Lage, zur Behandlungssituation und zur Lebensqualität der Patienten. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Analysen und Diskriminanzanalyse. Studienpopulation: Insgesamt beteiligten sich 625 Personen an der Befragung. Das entspricht einer Responserate von 54,3%. 51,8% der Befragten lebten in den neuen Bundesländern. 44,9% der Untersuchungspersonen sind Frauen. Das Durchschnittsalter der Population betrug 62,2 (+-14,4) Jahre. 57,5% der Probanden lebten in einer Partnerschaft/ Ehe zusammen. Über die Hälfte aller Befragten (53,7%) gibt eine Haushaltsgröße von 2 Personen an. In 12,0% der Haushalte lebte eine Person im Alter von unter 18 Jahren. 54,8% der Befragten hatten einen Hauptschulabschluss, nur 11% verfügten über eigenes Erwerbseinkommen, 48,5% bezogen Altersrente, 16,4% EU-Rente. DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, schriftlich (Stichprobe: 625; Dialyse-Patienten; Auswahlverfahren: Zufall). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts. ART: BEGINN: AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft INSTITUTION: Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät, Zentrum für Seelische Gesundheit Professur für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie (Fetscherstr. 74, Dresden) KONTAKT: Leiter (Tel , Fax: ,

16 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit 15 [7-L] Aulenbacher, Brigitte: Die soziale Frage neu gestalten, in: Robert Castel: Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung : die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2009, S INHALT: Die Thematisierung einer "neuen soziale Frage" hat sich, wie ihre vielfache Aufnahme und Anwendung in der Prekarisierungsforschung zeigt, als theoretisch und empirisch ausgesprochen anregend erwiesen. Für die Geschlechterforschung stellt sie darüber hinaus jedoch eine besondere Herausforderung dar. Robert Castels Argumentation bewegt sich, ohne dass er davon Kenntnis nimmt, über weite Strecken parallel zu Gesellschaftsanalysen der Geschlechterforschung. Auch er weist Prekarität als relationales Phänomen aus. Allerdings hat er dabei die Relationen zwischen "sozialen Positionen" im Blick, die er mittels seiner analytischen Unterscheidung der "Zonen der Integration", "Verwundbarkeit" und "Entkoppelung" klassifiziert. Die "sozialen Positionen" und die "Bedingungen" kommen, so die These der Autorin, aber erst zureichend in den Blick, wenn die Relationen zwischen den Geschlechtern und den gesellschaftlichen Bereichen wie die Art und Weise, wie sie ineinander gefügt sind, systematisch berücksichtigt werden. Dies wird gezeigt, indem Robert Castels Theorie mit Gesellschaftsanalysen der Geschlechterforschung gegengelesen und daran anschließend eine andere Interpretation der gesellschaftlichen Entwicklung vorgenommen wird. (ICA2) [8-L] Ayllón, Sara: Poverty and living arrangements among youth in Spain, , in: Demographic Research, Vol. 20/2009, Art. 17, S (dx.doi.org/doi: /demres ) INHALT: "One of the most relevant demographic events in Spain from a recent historical perspective was the baby boom of the 1960s and 1970s. The 'adapting to circumstances' of these generations of youth and their families through delayed emancipation and childbearing has been key in preventing a decline in their economic status. The results show that the reduction of the poverty risk among non-emancipated youth for the period is explained by the fact that an increasing number of young Spaniards live with both employed parents. Thus, emancipation delay is found most in those families that can best afford it. Furthermore, the salaries of young workers remaining in the parental home have become an important factor in reducing their family poverty risk. On the other hand, fertility decline is readily explained by the economic difficulties young couples encounter in sustaining their offspring." (author's abstract) [9-L] Bareis, Ellen; Cremer-Schäfer, Helga: Reproduktionsstrategien in Situationen der Armut und die Reproduktion von Armutsfeindlichkeit, in: Monika Alisch (Hrsg.) ; Michael May (Hrsg.): Kompetenzen im Sozialraum : Sozialraumentwicklung und -organisation als transdisziplinäres Projekt, Opladen: B. Budrich, 2008, S INHALT: Die "underclass"-debatte hat gezeigt, dass Analysen und Begriffe der Armutsforschung leicht für eine persönliche Zurechnung von Verantwortlichkeit und Lebensführungsschuld, d. h. für "selbstverschuldete Armut" instrumentalisierbar sind. Prozesse der sozialen Ausschließung werden hier durch Begriffsbildung und "Theorie" verdoppelt und legitimiert. Hier sieht die Autorin ein "globales" strukturelles Defizit der Sozialwissenschaften. Der Bei-

17 16 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit trag zeigt durch den Vergleich von drei Fallgeschichten den "Umbau" des fordistischen Wohlfahrtsstaates zum neoliberalen "aktivierenden" Wohlfahrtsstaat. In der Phase des "Spätfordismus" bildeten die Widersprüche des Sozialstaats noch eine Grundlage für Reproduktionsstrategien, die auf mehr Eigenständigkeit zielen auch in schwierigen Lebenssituationen. Die Fallgeschichte einer l-euro-jobberin zeigt dagegen eine alltägliche Reproduktionsstrategie, die an die Grenzen des Machbaren stößt und die zu politischer Resignation und Depression führt. Die Autorin schlussfolgert: Solange es gesellschaftlich keinen Zugang zu privaten Produktionsmitteln gibt, führen die kapitalistischen Bedingungen von Reproduktion auf der individuellen Ebenen direkt auf die Frage nach der "Wirtschaftsdemokratie" zurück. (ICA2) [10-L] Bartelheimer, Peter: Verwirklichungschancen als Maßstab lokaler Sozialpolitik?, in: Sozialer Fortschritt : unabhängige Zeitschrift für Sozialpolitik, Jg. 58/2009, H. 2/3, S (Standort: USB Köln(38)- Haa1098; Kopie über den Literaturdienst erhältlich; dx.doi.org/ /sfo ) INHALT: "Der erste Teil dieses Beitrags stellt die These auf, dass sich infolge von Arbeitsmarktsegmentierung nicht nur Erwerbsmuster, sondern auch Teilhabemodi auseinanderentwickeln. Dabei stellen integrierte, gefährdete und ausgegrenzte Gruppen der Erwerbsbevölkerung unterschiedliche Ansprüche an lokale Sozialpolitik. Im zweiten Teil wird die Definition von Armut als Mangel an Teilhabe- und Verwirklichungschancen, die der Armuts- und Reichtumsberichterstattung des Bundes zugrunde liegt und die sich am Wohlfahrtskonzept von Amartya Sen orientiert, als normativer Bewertungsmaßstab für die Leistungen des 'Sozialstaats von unten' erörtert. Dabei werden Gestaltungsfragen für eine teilhabeorientierte Politik der 'sozialen Stadt' insbesondere in den Handlungsfeldern der Grundsicherung und der Arbeitsmarktpolitik umrissen." (Autorenreferat) [11-L] Bartelheimer, Peter: Für eine sozialpolitische Reformagenda Mindestsicherung: zur Geschäftsordnung im Streit um Grundeinkommen und Grundsicherung, in: Widersprüche : Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, Jg. 28/2008, H. 110, S (Standort: USB Köln(38)-M XG 05865; Kopie über den Literaturdienst erhältlich) INHALT: Der Verfasser schlägt vor, um eine verbesserte bedarfsorientierte Grundsicherung oder ein bedingungsloses Grundeinkommen nur so grundsätzlich zu streiten, wie sozialpolitisch notwendig. Da bei wachsender Ungleichheit der Erwerbsmuster und der Lebensweisen Sozialpolitik die Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen nicht mehr zusammenzubinden vermag, muss eine "Reformstrategie Mindestsicherung" den Vorrang einer sozialpolitischen Armutsbekämpfung für das untere Fünftel der Einkommensverteilung durchsetzen. Der sozialpolitische Innovationsbedarf besteht darin, prekäre und von Ausgrenzung bedrohte Erwerbslagen ohne Rückgriff auf das Erbe der Fürsorge zu sichern, also die modernsten Interventionsformen des Sozialstaats auf die Gewährleistung des Existenzminimums zu erstrecken. Dabei geht es um vier Punkte: das Prinzip der Bedarfsdeckung wieder politikfähig zu machen, den sozialen Rechtsanspruch auf Mindestsicherung zu stärken, den Sicherungsauftrag institutionell besser zu verankern und die Aufgabenteilung mit der Arbeitsmarktpolitik neu zu regeln. (ICF2)

18 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit 17 [12-L] Bartelheimer, Peter: Teilhabe, Gefährdung, Ausgrenzung, in: Martin Baethge (Red.) ; Peter Bartelheimer (Red.) ; Tatjana Fuchs (Red.) ; Nick Kratzer (Red.) ; Ingrid Wilkens (Red.): Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland : Arbeit und Lebensweisen ; erster Bericht, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2005, S INHALT: Die Rückkehr bereits überwunden geglaubter sozialer Probleme wie massenhafte Erwerbslosigkeit und Armut widerlegt dem Autor zufolge die bis in die 1980er Jahre vorherrschende optimistische Erwartung, dass die "harten" Strukturen sozialer Ungleichheit in einer allgemeinen sozialen Aufwärtsbewegung an Bedeutung verlieren. Gegenwärtig erleben nicht weniger, sondern immer mehr Menschen ihre soziale Lage als gefährdet oder unsicher. Die "soziale Frage" stellt sich somit zugleich neu und anders: weniger als "Arbeiterfrage" in einer Klassengesellschaft, sondern eher als Risiko des Ausschlusses von Teilhabeformen, die weiter als gesellschaftliche Normalität gelten. Der Autor erläutert in seinem Beitrag zunächst die Gründe, warum geeignete Beobachtungskonzepte für diese sozialen Risiken nicht einfach aus der sozialwissenschaftlichen Ungleichheitsforschung oder aus der Armutsberichterstattung übernommen werden können, und dass auch Begriffe, die längst in den politischen Sprachgebrauch eingegangen sind, der wissenschaftlichen Fundierung bedürfen. Daran schließt sich ein Vorschlag an, wie Teilhabe, Gefährdung und Ausgrenzung als Konzepte für ein längerfristiges Arbeitsprogramm datengestützter Berichterstattung dienen können. Der Autor strebt in seinem Berichtsteil keine Gesamtdarstellung sozialer Ungleichheit an, sondern thematisiert exemplarisch das Zusammenwirken von Gefährdungen in der Erwerbsbeteiligung und im arbeitsmarktnahen System sozialer Sicherung. (ICI2) [13-L] Beck, Dorothee; Meine, Hartmut: Armut im Überfluss: Nachrichten aus einer gespaltenen Gesellschaft, Göttingen: Steidl 2007, 351 S., ISBN: INHALT: Es ist lange geleugnet worden, dass in der Bundesrepublik auch Armut existiert. Deshalb kann es durchaus als ein Verdienst der ersten rot-grünen Bundesregierung gelten, mit der 2001 initiierten Armuts- und Reichtumsberichterstattung einer alten Forderung von Gewerkschaften, Sozialverbänden und Kirchen nachgekommen zu sein. Allerdings zeigte der vier Jahre später aufgelegte zweite Bericht nicht nur, dass die Armut auch unter dieser Regierung zugenommen hatte. Zugleich wurde die programmatische Wende der Sozialdemokratie in der Sozialpolitik deutlich. Die klassische Forderung nach Verteilungsgerechtigkeit - und entsprechender Instrumente wie der Vermögenssteuer - war aufgegeben worden zugunsten einer Politik gleicher Teilhabechancen, die die Ursachen der steigenden sozialen Polarisierung nicht mehr antastete. Von dieser Einschätzung ausgehend beleuchten die Autoren eine gesellschaftliche Entwicklung, die beides zugleich hervorbringt: steigenden Reichtum auf der einen Seite, immer größer werdende Betroffenheit von Armut auf der anderen Seite. Gegenüber ihrer 1997 erschienenen Studie 'Wasserprediger und Weintrinker' - die sich auch schon mit der Doppelmoral einer reichen Gesellschaft befasste - sehen sie als wesentliche Veränderung, dass Armut in Deutschland nicht mehr verdrängt, sondern zunehmend, nicht zuletzt nach Einführung von 'Hartz IV', legitimiert wird. Angesichts dieser Tendenzen wollen sie die soziale Wirklichkeit heute ebenso aufseiten der Reichen - und hier nennen sie deutlich Namen und Formen der Bereicherung - wie aufseiten der von Verarmung, Arbeitslosigkeit, Niedriglöhnen und amtlicher Disziplinierung Betroffenen zeigen. (ZPol, NOMOS)

19 18 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit [14-F] Beisenkamp, Anja, Dipl.-Psych.; Klöckner, Christian, Dr.; Preißner, Claudia, Dipl.-Psych. (Bearbeitung); Hallmann, Sylke, Dipl.-Psych. (Leitung): Kinderumfrage Frankfurt am Main - Stimmungen, Meinungen, Trends von Kindern in Frankfurt. Schwerpunkt: Auswirkungen von Armut aus der Sicht von Kindern INHALT: Wie nehmen die Kinder selbst (ihre) Armut wahr? Wo resultieren aus ihrer Sicht die stärksten Einschränkungen? Wie wirkt sich die Betroffenheit von Armut auf das Wohlbefinden der Kinder und ihre Perspektive für die Zukunft aus? Wie verstehen Kinder Armut? Lassen sich Faktoren finden, die die Auswirkungen der Armut abmildern können (sogenannte "Schutzfaktoren")? ZEITRAUM: 2008 GEOGRAPHISCHER RAUM: Frankfurt am Main METHODE: Untersuchungsdesign: Querschnitt DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, schriftlich (Stichprobe: 228). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts. VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Hallmann, Sylke; Beisenkamp, Anja; Klöckner, Christian; Preißner, Claudia: Kinderumfrage Frankfurt am Main - Stimmungen, Meinungen, Trends von Kindern in Frankfurt - Schwerpunkt: Auswirkungen von Armut aus der Sicht von Kindern. Institutsbericht. Herten 2008, 163 S. ART: BEGINN: ENDE: AUFTRAGGEBER: Frankfurter Kinderbüro FINAN- ZIERER: Auftraggeber INSTITUTION: PROSOZ Herten ProKids-Institut (Ewaldstr. 261, Herten) KONTAKT: Leiterin (Tel , [15-F] Berth, Hendrik, Dipl.-Psych. (Bearbeitung); Brähler, Elmar, Prof.Dr.rer.biol.hum.habil.; Förster, Peter, Prof.Dr. (Leitung): Arbeitslosigkeit und Gesundheit - Langzeitstudie zu Arbeitslosigkeit und Gesundheit bei jungen Ostdeutschen INHALT: Die Sächsische Längsschnittstudie begleitet seit 1987 eine Stichprobe junger Ostdeutscher. In der 16. Welle wurden im Jahre Personen u.a. zum Thema Arbeitslosigkeit und Gesundheit befragt. Die Daten belegen die massiven negativen gesundheitlichen Folgen von Arbeitsplatzverlust und Arbeitsplatzunsicherheit bei jungen Erwachsenen. 1. Kontext/ Problemlage: Die negativen gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit sind seit langem bekannt und vielfach untersucht. Erste Studien datieren bis ins Jahr 1933 zurück. Arbeitslose leiden demnach häufiger unter objektiven Folgen wie der Erhöhung des Blutdrucks oder der Chronifizierung von Krankheiten. Subjektive Folgen von Arbeitslosigkeit können Ein- oder Durchschlafstörungen, Herzbeschwerden, erhöhte Depressivität, Erschöpftheit und Angespanntheit, Erhöhung des Alkohol- und Nikotinkonsums, Verlust sozialer Bindungen und sozialer Identität, Statuseinbußen, pessimistische Zukunftseinstellungen oder Verschlechterung der Familienbeziehungen sein. Diskutiert werden in der Literatur zwei Überlegungen zum Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Gesundheit: Kausalitäts- vs. Selektionshypothese. 2. Fragestellung: Die Studie widmet sich den gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit (Häufigkeit, Dauer), wahrgenommener Sicherheit des derzeitigen Arbeits- oder Ausbildungsplatzes und subjektivem Bedrohungserleben durch Arbeitsplatzverlust in einer umfassenden, speziellen Stichprobe junger Erwachsener. Während es zur Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und zu den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit bei älteren Erwachsenen eine Reihe von Studien gibt, fehlen Aussagen zur gesundheitlichen Bewältigung von Arbeitsplatzverlust bei den Personen, die typischerweise mitten im Berufsleben stehen. Vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit in Folge der deutschen Einheit in Ostdeutschland und den aktuel-

20 sofid Soziale Probleme 2009/2 1 Armut und Arbeitslosigkeit 19 len gesamtdeutschen wirtschaftlichen Entwicklungen gewinnt dieses Thema weiter an Bedeutung. 3. Ergebnisse: 120 Befragte waren mehrmals, 143 einmal und nur 157 Befragte bislang niemals arbeitslos. Die Dauer der Arbeitslosigkeit reicht von 1 bis 76 Monaten. In Abhängigkeit von den Arbeitslosigkeitserfahrungen finden sich Unterschiede in Subgruppen: Personen, die über mehr Arbeitslosigkeitserfahrungen und längere Zeiten der Arbeitslosigkeit berichten, leiden unter einem höheren globalen Distress, mehr Angst und Depression, geringerer Selbstwirksamkeitserwartung und einem subjektiv schlechteren Gesundheitszustand. Knapp ein Drittel der Teilnehmer schätzen ihren Arbeitsplatz als unsicher ein oder fühlten sich durch Arbeitsplatzverlust bedroht. Diese Befragten haben signifikant mehr Angst, Depression, Körperbeschwerden und psychischen Distress und eine geringere Selbstwirksamkeitserwartung. GEOGRAPHISCHER RAUM: Ostdeutschland METHODE: Im Jahre 2002 wurden 420 Personen (47% Männer, 53% Frauen, mittleres Alter 29 Jahre) im Rahmen der mittlerweile 16. Welle der Sächsischen Längsschnittstudie mittels Fragebogen untersucht. Diese Studie begleitet seit 1987, d.h. über die Wiedervereinigung hinweg, längsschnittlich ein ostdeutsches Sample. Die Mehrzahl der Befragten lebt in den neuen Bundesländern. Eingesetzt wurden neben Fragen zu politischen Einstellungen und Arbeitslosigkeitserfahrungen (Häufigkeit, Dauer) auch standardisierte psychologische Instrumente zur Erfassung des Gesundheitszustandes: SCL-9 (Globaler Distress), HADS-D (Angst und Depression), GBB-24 (Körperbeschwerden) und SWE (Selbstwirksamkeitserwartung). Erfragt wurden auch der subjektiv wahrgenommene Gesundheitszustand und dessen Beeinflussbarkeit. DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, schriftlich (jährlich seit Erhebung). Panel (Stichprobe: N=500). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts. VERÖFFENTLICHUNGEN: Aktuelle Publikationen unter: ARBEITSPAPIERE: Berth, H.; Förster, P.; Brähler, E.: Arbeitslosigkeit und Gesundheit. Ergebnisse der 16. Welle der Sächsischen Längsschnittstudie. Abschlussbericht. Leipzig u. Dresden, Febr ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hans-Böckler-Stiftung; Otto-Brenner- Stiftung INSTITUTION: Universität Leipzig, Medizinische Fakultät, Selbständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie (Philipp-Rosenthal-Str. 55, Leipzig) KONTAKT: Brähler, Elmar (Prof.Dr. Förster, Peter (Prof.Dr. [16-L] Biedinger, Nicole: Kinderarmut in Deutschland: der Einfluss von relativer Einkommensarmut auf die kognitive, sprachliche und behavioristische Entwicklung von 3- bis 4-jährigen Kindern, in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Jg. 29/2009, H. 2, S (Standort: USB Köln(38)-XG02735; Kopie über den Literaturdienst erhältlich) INHALT: "Spätestens seit dem dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist das Thema Kinderarmut in der öffentlichen Diskussion in den Vordergrund gerückt. Doch die Auswirkungen von finanzieller Deprivation auf die Entwicklung des Kindes wurden bislang - vor allem für sehr junge Kinder - nur exemplarisch untersucht. Der folgende Beitrag erforscht die Folgen von Armut auf die kognitive Entwicklung, das Sozialverhalten und den Wortschatzumfang von 3-4-jährigen Kindern. Es kann gezeigt werden, dass relative Einkommensarmut einen signifikanten Einfluss auf die kognitive Entwicklung und den Wortschatz ausübt, wohingegen kein Zusammenhang mit dem durch die Eltern eingeschätzten Sozialverhalten

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