Management des Typ 1 Diabetes Wirkung von Geschlecht und Gender

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1 Management des Typ 1 Diabetes Wirkung von Geschlecht und Gender Alexandra Jahr Krankenschwester & Diplom-Gesundheitswirtin (HAW) Promotionsforschung mit Betreuung von Annette C. Seibt PhD, Dipl.-Päd. und Prof. Dr. Petra Kolip, Uni Bielefeld CCG Forschungstag, Dienstag, 15. Mai 2012, HAW Hamburg

2 Was ist Diabetes mellitus Typ 1 (T1 DM)? Ziel und Forschungsfrage Material und Methoden Ergebnisse Schlussfolgerungen & Ausblick Alexandra Jahr & Prof. Dr. Annette Seibt, Gliederung 2

3 Was ist Diabetes mellitus Typ 1? Autoimmunerkrankung, die zu einer Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeichedrüse und einer absoluten Insulinbedürftigkeit führt Entstehungsfaktoren /-Bedingungen Unterschiede Typ 1 & Typ 2 Genetische Faktoren Risiko- und Protektivfaktoren für Typ 1 Diabetes Gesundheitliche / medizinische Versorgung Therapieformen Insulinarten (Herkunft & Wirkungsdauer) Formen der Insulininjektion 3

4 Ziel des Forschungsprojekts Ziel & Forschungsfrage Erste Datenerhebung zur Geschlechtergerechtigkeit in Bezug auf die Lebensqualität und Versorgungszufriedenheit von Frauen und Männern mit einem Typ 1 Diabetes. Forschungsfragen Inwieweit zeigen sich geschlechtsbezogene Unterschiede bei Typ 1 DiabetikerInnen im individuellen Umgang und den Versorgungsbedürfnissen? in der gesundheitlichen / medizinischen Versorgung? Welche Auswirkungen haben diese Unterschiede gegebenenfalls? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Gesundheitsversorgung und Public Health? 4

5 Material & Methoden Analyse internationaler Studien zu geschlechtsbezogenen Unterschieden beim T1DM Interviews ExpertInnen der diabetologischen Schwerpunktversorgung DiabetologInnen (N= 26, 11 Frauen & 15 Männer) DiabetesberaterInnen (N=21, 18 Frauen & 3 Männer) Befragung von Frauen und Männern mit einem Typ 1 Diabetes Schriftliche Befragung (N=224, 133 Frauen, 91 Männer) Fokusgruppen-Interviews (9 Fokusgruppen, N=43, 24 Frauen & 19 Männer) 5

6 Zugang Ergebnisse der ExpertInnen- Anzahl (Prozent) Alexandra Jahr & Prof. Dr. Annette Seibt, Interviews - Praxisart gesamt Frauen Männer Gesamt N (42,3%) 15 (57,7%) Schwerpunktpraxis (Gemeinschaftspraxis) Schwerpunktpraxis (Einzelpraxis) ÄrztIn im Krankenhaus / Diabetologie 13 (50,0%) 7 (63,6%) 6 (40,0%) 6 (23,1%) 1 (9,1%) 5 (33,3%) 4 (15,4%) 3 (27,3%) 1 (6,7%) Praxis im Krankenhaus 2 (7,7%) 0 2 (13,3%) Gemeinschaftspraxis (kein Schwerpunkt) 1 (3,8) 0 1 (6,7%) 6

7 Frage Alexandra Jahr & Prof. Dr. Annette Seibt, Auswertung der ErpertInnen- Anteil der Typ 1 DiabetikerInnen an gesamten DiabetespatientInnen Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit zwischen Frauen und Männern Unterschiede in der Behandlungsintensität zwischen Frauen und Männern Interviews I Gesamt (Prozent) nein 16 (61,5%) ja 10 (38,5%) - mehr Frauen 3 (11,5%) -mehr Männer 4 (15,4%) - aufgrund des ÄrztInnengeschlechts M=20,46% (Range 5-80%, SD 15,23) 2 (7,6%) nein 12 /46,2%) ja 2 (7,7%) Rolle des Geschlechts im Studium nein 22 (84,6%) Relevanz des PatientInnengeschlechts für die Ausbildung / Arbeit ja 4 (15,3%) nein 6 (23,1%) ja 16 (61,5%) 7

8 Frage Alexandra Jahr & Prof. Dr. Annette Seibt, Auswertung der ErpertInnen- Interviews II Gesamt (Prozent) Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Arbeit Spontane Nennung relevanter Unterschiede Unterschiede in den HbA1c Werten zwischen Frauen und Männern nein 12 (46,2%) ja 14 (53,8%) Frauen können schwanger werden Unterschiedliche Lebensumstände von Frauen und Männern 12 (46,2%) 6 (23,1% Frauen sind genauer 3 (11,%5) Zyklusabhängige Blutzuckerschwankungen bei Frauen nein 5 (19,2%) ja, Frauen haben bessere Werte 3 (11,5%; nur Ärzte!) 5 (19,2%) 8

9 Auswertung der ErpertInnen-Interviews III Frage Gesamt (Prozent) Anteil der verordneten Insuline Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Insulintherapie Anteil der genutzten Darreichungsformen (Pen, Pumpe, Spritze) Unterschiede in der Darreichungsform zwischen Frauen und Männern Analoginsulin M=58,08% (Range 10-90%, SD 20,55) Humaninsuline M=41,92% (Range 10-90%, SD 20,55) nein 18 (69,2%) abhängig von Lebens-und Essgewohnheiten ggf. Umstellung auf Humaninsulin bei Kinderwunsch von Frauen 5 (19,2%) 3 (11,5% Pen M=85% (Range 30-90%, SD 14,28) Pumpe M=15% (Range 5-70%, SD 14,28) nein 10 (38,5%) Unterschiedliche Gründen für Pumpe 2 (7,7%) mehr Frauen mit Pumpe 7 (26,9%) mehr Männer mit Pumpe 3 (11,5%) 9

10 Frage Alexandra Jahr & Prof. Dr. Annette Seibt, Auswertung der ErpertInnen-Interviews IV Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Auftreten von Begleit- und Folgeerkrankungen Gesamt (Prozent) nein 19 (73,1%) ja 7 (26,9%) Genannte Unterschiede Essstörungen häufiger bei Frauen 12 (46,2%) Psychische Probleme / Depressionen häufiger bei Frauen 9 (42,3%) Fußprobleme häufiger bei Männern 6 (23,1%) Unterschiede in der Medikamentösen Behandlung von Begleit- und Folgeerkrankungen Hypertonus häufiger / schneller bei Männern 4 (15,4%) Sexuelle Funktionsstörungen 7 (26,9%) nein 22 (84,6%) ja 4 (15,4%) 10

11 Ergebnisse der schriftlichen Befragung von Typ 1 DiabetikerInnen I- Zugangswege Zugang Anzahl (Prozent) gesamt Frauen Männer Gesamt N (59,4%) 91 (40,6%) Schwerpunktpraxis (Gemeinschaftspraxis) 58 (25,9%) 29 (21,8%) 29 (31,9%) Selbsthilfegruppe 49 (21,9%) 33 (24,8%) 16 (17,6%) Schwerpunktpraxis (Einzelpraxis) 47 (21,0%) 28 (21,1%) 19 (20,9%) Krankenhaus / Diabetologie 31 (13,8%) 17 (12,8%) 14 (15,4%) Diabetes-Internetforum / Printmedien 29 (12,9%) 18 (13,5%) 11 (12,1%) Private Vermittlung 9 (4,0%) 8 (6,0%) 1 (1,1%) Gemeinschaftspraxis (kein Schwerpunkt) 1 (0,4%) 0 (0,0%) 1 (1,1%) 11

12 Ergebnisse der Befragung II Allgemeiner Gesundheitszustand Frauen schätzen ihr Wohlbefinden schlechter ein und machen sich häufiger Sorgen um ihre Gesundheit als Männer Erkrankungsalter, Symptomatik und Diagnostik des Diabetes Durchschnittliches Erkrankungsalter: 24,7 Jahre, (Range 0-72 Jahre, SD 14,92), Frauen 23,7 (SD 14,37), Männer 26,3 Jahre (SD 14,36) Durchschnittliche Erkrankungsdauer: 19 Jahre (Range 0,25-50 Jahre, SD 14,39), Frauen 19,3 Jahre (SD 12,80), Männer 18,6 Jahre (SD 13,94) Hauptsymptome Durst (90%), Häufiges Wasserlassen (85%) Gewichtsverlust (75%), Müdigkeit, körperliche & geistige Leistungsminderung (70%), Sehverschlechterung (30%) 12

13 Ergebnisse der Befragung III Auswirkung des Diabetes auf den Alltag Männer gaben häufiger Beeinflussungen im Berufsleben an, Frauen gaben häufiger Beeinflussungen im Privat- und Familienleben und in der Freizeit an Diabetestherapie (Insulinart & Menge; Darreichungsform) Insulinart 19,7% Humaninsulin; Frauen 20,8%, Männer 18,2% 61,9% Analoginsulin; Frauen 63,8%, Männer 59,1% 17,0% Human- und Analoginsulin; Frauen 14,6%, Männer 20,5% Darreichungsform 58,0% Pen; Frauen 53,4%, Männer 64,8% 32,1% Pumpe; Frauen 36,1%, Männer 26,4% Spritze wurde nur in Ausnahmefällen genutzt 13

14 Ergebnisse der Befragung IV 5 häufigste diabetesbedingte Folgeerkrankungen Bluthochdruck (40,7%), Depressionen (26,3%), Nervenschädigungen inkl. diab. Fußsyndrom (20,4%), sexuelle Funktionsstörungen(17,5%), Infektionen (16,7%) Medikament zur Behandlung von Begleit- und Folgeerkrankungen 67,1% Blutdruckmedikamente, 52% weitere Medikamente, 35,5% Cholesterinsenkende Medikamente Gesundheitsrelevantes Verhalten Rauchstatus (ja= 25%) und Alkoholkonsum (20% trinken 4/ Woche oder öfter alkoholische Getränke) Körperliche Aktivität Ernährungsverhalten 14

15 Schlussfolgerung & Ausblick Bisher nur geringes Bewusstsein bei den ExpertInnen für geschlechtsbezogene Unterschiede im (Selbst-)Management beim Typ 1 Diabetes Befragung der Typ 1 DiabetikerInnen zeigte zahlreiche relevante Unterschiede im Selbstmanagement und in der Versorgung auf, die in der Diagnostik, Therapie und Prävention bisher kaum berücksichtigt werden Ausblick: Voraussetzungen für eine effiziente und geschlechtersensible Gesundheitsversorgung!?! 15

16 Vielen Dank für Ihr Interesse

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