Forschung in der psychosomatischen Rehabilitation eine kritische Bilanz. M. Bassler & R. Nübling

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1 Forschung in der psychosomatischen Rehabilitation eine kritische Bilanz M. Bassler & R. Nübling 25. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium in Aachen Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen, Karlsruhe

2 Bundesgesundheitssurvey 2012 (12 Monatsprävalenz, N= 5.318) Anorexia Nervosa Körperlich bedingte psychische 0,7 0,9 Medikamentenmissbrauch/abh. Posttraumatische Störung (PTBS) 1,5 Rehabilitationsrelevante Störungen 2,4 Psychotische Störungen Bipolare Störungen Somatoforme Störungen Zwangsstörungen 2,4 2,8 3,3 3,8 Unipolare Depression 8,2 Alkoholstörungen 11,2 Angststörungen 16,2 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 18% 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen

3 Rehabilitationsforschung in Deutschland 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 3

4 Forschungsphasen Grundlagenorientierte Forschung Krankheitsorientierte Forschung Patientenorientierte Forschung Versorgungsforschung Versorgung DFG-Denkschrift, Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 4

5 Transfer von klinischer Forschung Klinische Forschung efficacy Wirksamkeit unter Idealbedingungen Versorgungsforschung effectiveness Wirksamkeit in der Routine intern. Validität Zuverlässigkeit und Richtigkeit von Ergebnissen externe Validität Verallgemeinbarkeit von Studienergebnissen 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 5

6 Sachverständigenrat Gesundheit 2014 Evidenzbasierung in der Rehabilitation Untersuchungen zum objektiven Nutzen sollten vorangetrieben werden Wegen fehlender RCTs nur eingeschränkte Erkenntnisse über den (Zusatz-)Nutzen Viele Studien entsprechen nur eingeschränkt den höchsten Gütekriterien der EBM Vor allem prospektive Kohortenstudien ohne Vergleichsgruppe mit prä-post-vergleichen Fehlende Randomisierung, fehlende Treatmentstandardisierung, fehlende Kontroll-/Vergleichsgruppen Gesamturteil methodischen Qualität und Ergebnissicherheit Evidenzbasis: befriedigend, Wirksamkeit: ungenügend 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 6

7 Nick L Smith (1980) Durchführbarkeit und Erwünschtheit experimenteller Studien in der Evaluation Zufallsauswahl nicht möglich Variabilität der Behandlung hoch Einige Behandlungen sind attraktiver als andere Unnatürliche Nebeneffekte, Künstlichkeit der Kontrolle Unkontrollierbarkeit der Behandlungen Reliabilität/Standardisierung des Treatments Vorenthaltung von Behandlungen unethisch/illegal Quasi-Experimente bringen ähnliche Information Patienten haben eine komplexe Symptomatik/ keine Monosymptomatik Kontextfaktoren werden in RCTs kaum berücksichtigt Generalisierung auf natürliche Bedingungen fraglich Mythos Experiment? (Nübling 1992) 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 7

8 Wiss. Beirat Psychotherapie (2010) Methodenpapier (Grundlage der wiss. Anerkennung PT-Verfahren) Beurteilung der internen UND externen Validität von Studien Zu Anerkennung müssen sowohl RCTs als auch naturalistische Studien herangezogen werden Abgrenzung zur engen Auffassung des G-BA, nur RCTs bzw. Metaanalysen von RCTs (Evidenzstufen 1 und 2) zur Bewertung von Verfahren zuzulassen Levels of Evidence für RCTs UND naturalistische Studien Leichsenring (2004) Diskussion der wissenschaftstheoretischen Position Slife 2004 (in Bergin/Garfield) 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 8

9 Metanalyse Psychosomatische Reha MESTA-Studie (Steffanowski et al. 2007) 65 Studien zwischen 1980 und 2004 n=20755 Patienten Vorwiegend naturalistische Designs Ø Es prä-katamnese =0,65; störungsspezifisch, z.b. Depressionsskalen bei Diagnose Depression ES=1,0 Vergleich 111 unbehandelte Kontrollgruppen aus PT- Studien: Ø ES = ca. 0.10, 75% < 0.30 (Grawe 1992) Zwischen 2005 und 2015 Vielzahl weiterer Studien in Psychosomatische Rehabilitation mit ähnlichen Ergebnissen ( Metaanalyse noch nicht vorhanden) Psychosomatische Rehabilitation als best practice -Beispiel für gelungene Versorgungsforschung 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 9

10 Zusammenfassung und Perspektiven Psychosomatische Rehabilitation wird für das Gesundheitssystem weiter an Bedeutung gewinnen Verbesserung des Transfers zwischen klinischer und anwendungsorientierter Forschung Innovative Forschungsansätze für folgende Fragestellungen: Differentieller Rehabilitationsverlauf (unterschiedliche Patientengruppen) Verbesserung von störungs- bzw. ICF-orientierten Rehabilitationskonzepten Entwicklung von genderspezifischen Rehabilitationskonzepten Systemvergleich tagesgleiche Pflegesätze versus Fallgruppen Optimierte Schnittstellenführung zwischen ambulanter, stationärer und nachstationärer Versorgung (Entwicklung von Modellprojekten) 25. Reha-Kolloquium/DKRF 2016 Aachen 10

11 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Korrespondenz: Prof. Dr. Markus Bassler Rehazentrum Oberharz Schwarzenbacherstr Clausthal-Zellerfeld Dr. Rüdiger Nübling Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen GbR Wendtstr. 1, Karlsruhe 11

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