Wirtschaftsstruktur und Konjunktur

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1 Wirtschaftsstruktur und Konjunktur Reto Föllmi, Universität Bern Studienzentrum Gerzensee / Avenir Suisse Tagung «Wirtschaftspolitik nach der Krise: Zukunftsperspektiven für die Schweiz» 19./20. November 2009, Studienzentrum Gerzensee

2 Ziele Struktur als Klammerthema dieser Tagung Zentrale Fakten über Konjunktur und Struktur Problemfelder der Schweizer Volkswirtschaft Beurteilung der wirtschaftspolitischen Massnahmen Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 2

3 Strukturwandel und Wirtschaftsentwicklung Untrennbar miteinander verbunden (Kongsamut et al., 2001, Föllmi und Zweimüller, 2008) Ähnliche Beschäftigungsentwicklung in allen Industrie -Ländern (Maddison, 1987) Starke Abnahme des 1. Sektors (Landwirtschaft) Sekundärsektor zuerst Zunahme, dann Abnahme Permanente Zunahme des Dienstleistungssektors Anhaltender Strukturwandel innerhalb der Sektoren Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 3

4 Strukturwandel und Wirtschaftsentwicklung: Gründe Nachfrage: Engelsches Gesetz (Kongsamut et al., 2001, Föllmi und Zweimüller, 2008) Angebot: Unterschiedliche Produktivitätsentwicklung in den verschiedenen Sektoren (Baumol, 1969, Ngai und Pissarides, 2007) Rolle des Aussenbeitrags: Entwicklung muss wegen internationaler Arbeitsteilung nicht überall gleich verlaufen Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 4

5 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 5

6 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 6

7 Produktivitätsentwicklung und Strukturwandel Umgekehrte Sichtweise Wenn Beschäftigung in wenig produktiven Sektoren ab- (zu-)nimmt, steigt (fällt) die Wachstumsrate: Cost disease (Baumol, 1969) Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 7

8 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 8

9 Langfristiges Wachstum der Schweiz im internationalen Vergleich Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 9

10 BIP pro Kopf relativ zum OECD- Durchschnitt Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 10

11 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 11

12 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 12

13 Strukturelle Wachstumsschwäche? Mitte 70er Jahre: Wachstum der Schweiz hat sich stärker verlangsamt als jenes anderer entwickelter Volkswirtschaften Beginn 90er Jahre: Weitere Verlangsamung Grund ist das tiefe und abnehmende Wachstum der Arbeitsproduktivität ( Wachstumsschwäche ) Trendumkehr in 2000er Jahren? (u.a. durch Einwanderung von Hochqualifizierten, im Ggs. zu früheren Perioden) Hort der Stabilität, was Verteilung betrifft Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 13

14 Wachstum Arbeitsproduktivität OECD Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 14

15 Wachstum der Schweiz (III) Schweiz: geschätzte reale Arbeitsproduktivität je Branche Quelle: seco Wachstumsbericht, 2008 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 15

16 Exportquoten Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 16

17 Beschäftigungsanteil der Landwirtschaft 1970/2008 Land Schweiz Österreich Deutschland Italien UK USA Japan Quelle: OECD (2009) Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 17

18 Gründe Strukturwandel weist Cost Disease Elemente auf Exportquoten steigen weniger rasch als in OECD Beschäftigungsanteil der exportorientieren Branchen ist leicht zurückgegangen Anteil des Binnensektors nimmt zu (v.a. öffentlicher Sektor) Hochpreisinsel und mangelnder Wettbewerb (?) Hohe Preise wegen produktivem Exportsektor und hoher Kapitalintensität Hohe Preise wegen unproduktivem Binnensektor Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 18

19 Elemente von Strukturpolitik in der Schweiz Keine umfangreiche Industriepolitik wie in Nachbarstaaten Wenn vorhanden, dann strukturerhaltend Flankierende Massnahmen der Personenfreizügigkeit Bonny-Beschluss: Kaum Erfolg (Die Volkswirtschaft, 2005) Strukturwandel in Landwirtschaft langsamer als in Nachbarländern Branchen mit vielen Tiefqualifizierten über ALV quersubventioniert 2. / 3. Konjunkturpaket Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 19

20 Aktuelle konjunkturelle Entwicklung Rückgang des BIP weniger ausgeprägt als in Nachbarstaaten Trotz starker internationaler Verflechtung und grossem Finanzsektor Aussenbeitrag sogar noch angestiegen: stärkerer wertmässiger Rückgang der Importe als Exporte Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 20

21 Aktuelle konjunkturelle Entwicklung Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 21

22 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 22

23 Reto Föllmi Einkommensverteilung und wirtschaftliche Entwicklung 23

24 Konjunkturpolitik Schweiz blieb von fiskalpolitischem Aktivismus verschont Grosses Ausmass der automat. Stabilisatoren, zudem lebt ein grosser Teil der Bevölkerung von Staats- oder Renteneinkommen Sehr expansive Geldpolitik, sogar mit Wechselkurszielen Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 24

25 Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 25

26 Reto Föllmi Einkommensverteilung und wirtschaftliche Entwicklung 26

27 Konjunkturpolitik Massnahmen kommen einzelnen Branchen überproportional zu Gute Subventionierung von Branchen mit hoher (saisonaler) Arbeitslosigkeit Verlängerung der Kurzarbeit wirkt strukturerhaltend 3. Konjunkturpaket: Industriepolitische Ansätze, Bekämpfung Jugendarbeitslosigkeit Stärkere Saisoneffekte, seit 2000 höher als Durchschnitt Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 27

28 Zusammenfassung / Fazit Schweiz war gut beraten, sich mit aktiver Fiskalpolitik zurückzuhalten und Neuverschuldung tief zu halten (vgl. auch Bankenkrise in Skandinavien 90er Jahre) Strukturpolitik meist wachstumshemmend und verzögert Strukturwandel Drohende Fehlregulierung des Arbeitsmarktes über flankierende Massnahmen Welche Sektoren werden Wachstumstreiber der Zukunft sein? Reto Föllmi Struktur und Konjunktur 28

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