Versuch 14 Mathematisches Pendel
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- Gudrun Christina Schmidt
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1 Versuch 14 Mathematisches Pendel II Literatur W. Walcher, Praktikum der Physik, B.G.Teubner Stuttgart. Standardwerke der Physik: Gerthsen, Bergmann-Schäfer, Tipler. Homepage des Praktikums: III Vorbereitung Harmonische Schwingung, Schwerependel, Drehpendel. Verständnisfragen: 1. Stellen Sie die Bewegungsgleichung für das mathematische Pendel auf. An welcher Stelle verwendet man bei genauer Betrachtungsweise die schwere Masse, wann die träge Masse der schwingenden Kugel?. In der einfachsten Betrachtungsweise wird die Bewegung des Pendels als lineare Bewegung beschrieben. Wie sieht die Bewegungsgleichung aus, wenn man in einer exakten Theorie die Bewegung als Drehbewegung um den Aufhängepunkt beschreibt? Abbildung 1: Übersicht des Versuchs Mathematisches Pendel. 3. Warum macht es keinen Sinn, zur genauen Bestimmung von g die Messzeit, also die Zahl der Schwingungen, möglichst groß zu wählen? I Messaufbau Mathematisches Pendel mit Spiegelskalen Stoppuhr Messschieber Lichtschranke mit Zähler IV Aufgaben Es sind Länge und Schwingungsdauer des Pendels möglichst genau zu messen und hieraus die Schwerebeschleunigung zu berechnen. (Heidelberger Standard-Wert: g = (9,8984 ± 1 5 ) m/sec.) Zusätzlich soll die Schwerebeschleunigung unter Berücksichtigung von Korrekturen (Auftrieb, Reibung,...) bestimmt werden. c Dr. J.Wagner - Physikalisches Anfängerpraktikum - V. 1.1 Stand 7/11 1
2 V Grundlagen Die Genauigkeit des Ergebnisses ist in erster Linie durch die Genauigkeit der Längenmessung gegeben. Die Messung der Schwingungsdauer T kann beliebig genau durchgeführt werden, vorausgesetzt, dass die Uhr richtig geht. (Sehr genaue Zeitmessungen sind jedoch relativ leicht möglich.) Da nämlich n Schwingungsdauern gezählt werden, wobei n beliebig groß gemacht werden kann, erhält man eine Zeit t = nt mit der Stoppgenauigkeit t, welche natürlich nicht von der Zahl der gemessenen Schwingungen abhängt. Dann ergibt die einfache Fehlerrechnung mit T = t/n für den relativen Fehler der Schwingungsdauer: T = t = t. (1) T t nt Der Fehler wird also für genügend großes n beliebig klein. Der Gesamtfehler der aus der Formel l T = π und somit g = 4π l g T l : Pendellänge () zu ermittelnden Schwerebeschleunigung g, ist gegeben durch: ( l ) ( ) g t g = + (3) l nt Man sieht, dass der Fehler der Längenmessung eine untere Grenze für den Gesamtfehler darstellt und es nicht sinnvoll ist, die Genauigkeit der Zeitmessung wesentlich weiter zu treiben als die beschränkte Genauigkeit der Längenmessung. Man wird z.b. fordern: t,3 l nt l. (4) Dann ist wegen der quadratischen Addition der Fehler (3) die Genauigkeit praktisch nur durch den Fehler der Längenmessung bestimmt und wir erhalten eine Bedingungsgleichung für die Zahl n, die aus (4) bestimmt werden kann, wenn man die übrigen Größen gemessen hat. Es wird daher zunächst die Länge des Pendels gemessen und deren relativer Fehler bestimmt. T und t werden aus einer vorläufigen Messung von Schwingungsdauern ermittelt, die fünfmal durchgeführt wird. Der mittlere Fehler der Einzelmessung σ E für zwanzig Schwingungen wird ermittelt und als Stoppgenauigkeit t genommen. Zusammen mit dem so bestimmten Mittelwert von T kann n aus obiger Gleichung (4) ermittelt werden. Bitte prüfen Sie, ob Ihre 5 Werte für Schwingungen unzulässig stark schwanken; dies wäre ein Zeichen dafür, dass Sie sich bei einer Messung verzählt haben. Der errechnete Wert wird auf das nächste volle Hundert aufgerundet. Falls Ihre Längenmessung schon genauer als ein halbes Promille ist, bestimmen Sie n so, dass der Zeitfehler von derselben Größenordnung wird, insgesamt also das Ergebnis einen Fehler von etwa 1 Promille aufweist. VI Durchführung des Versuchs 1. Bestimmen Sie zunächst die Länge des Pendels (Abstand Aufhängung bis Mitte Kugel). Hierbei ist auf sorgfältige Justierung der Spiegelskala parallel zum Faden des Pendels zu achten. Wiederholen Sie die Justierung dreimal, wobei auch die Aufhängung in vertikaler Richtung verschoben werden soll. Eine Ablesung von jeweils jedem der Partner genügt. Höhenverstellung plane Auflagefläche Abbildung : Pendelaufhängung. Vertiefung c Dr. J.Wagner - Physikalisches Anfängerpraktikum - V. 1.1 Stand 7/11
3 Für die Längenmessung nehmen Sie die Spitze der oberen Aufhängung aus der kleinen Vertiefung und setzen Sie sie auf die plane Fläche der Aufhängung (Abbildung ). Notieren Sie die Koordinate der oberen Kante der Auflagefläche. An der Kugel sind die Koordinaten des oberen und des unteren Randes abzulesen. Es wird zunächst, wie in dem vorangehenden Abschnitt geschildert, grob die Schwingungsdauer T ermittelt und die beschriebene Abschätzung für n durchgeführt. Hiernach ist die Zeit für n Schwingungen zu messen. Das Abzählen von mehreren Hundert Schwingungen wird durch den Einsatz einer Reflexlichtschranke erleichtert. Positionieren Sie dazu den Reflexsensor genau unter der Gleichgewichtsposition der Kugel und überprüfen Sie, ob beim Durchschwingen der Kugel der Zähler anspricht. Ist dies nicht der Fall, so ist der Abstand der Kugel vom Reflexsensor zu groß. Sie müssen dann die Pendelaufhängung ein wenig nach unten bewegen (Abbildung ). Den Zählerstand können Sie mit Hilfe des Reset-Schalter auf Null zurücksetzen. Achtung: Der Zählerstand wird immer beim Durchschwingen der Kugel durch die Gleichgewichtsposition erhöht. Der Zähler zeigt daher die Anzahl der gemessenen halben Periodendauern an. Beachten Sie auch den Startvorgang der Zeitmessung. Falls Sie die Zeitmessung genau dann starten, wenn die Kugel durch die Gleichgewichtsposition läuft, startet der Zähler nicht bei Null, sondern bereits bei Eins. Notieren Sie sich für die nächste Aufgabe die mittlere Schwingungsweite (ggf. gleich in Abhängigkeit von der Zeit für die Bestimmung der Dämpfung δ).. Eine exakte Theorie erfordert die Behandlung des Schwerependels als Drehpendel mit dem Aufhängepunkt als Schwingungsmittelpunkt. Die Schwingungsdauer einer Drehschwingung ist durch die Formel J T D = π (5) D gegeben, wobei J das Trägheitsmoment bezüglich der Drehachse und D die Winkelrichtgröße des Pendels (siehe Versuch 1 Trägheitsmoment) darstellen. Das Gesamtträgheitsmoment des Pendels ergibt sich nach dem Steiner schen Satz als die Summe der einzelnen Trägheitsmomente von Kugel und Faden bezüglich der Drehachse durch P: J ges = J Kugel +J Faden = m K l + 5 m Kr m Fl (6) c Dr. J.Wagner - Physikalisches Anfängerpraktikum - V. 1.1 Stand 7/11 Hier bezeichnen m K die Masse der Kugel, m F die Masse des Fadens, l,l Pendellänge und Fadenlänge und r der Kugelradius. Weiterhin ist die Winkelrichtgröße D zu berechnen. Bildet das Pendel den Winkel ϕ mit der Ruhelage (Abbildung 3), so erzeugen die Gewichte von Kugel und Faden ein rücktreibendes Drehmoment, wobei das Gewicht der Kugel um den Auftrieb in Luft (Dichte ρ L, Volumen V K ) vermindert ist. (Der Auftrieb des Fadens kann vernachlässigt werden.) P F r 1/ l F Abbildung 3: Kräfte die an das Pendel angreifen: Reibungskraft F R, Gewichtskraft F G, Auftrieb F a. Die gestrichenen Größen beziehen sich auf den Faden. Für das Drehmoment gilt: g F r M = [(m K ρ L V K )gsinϕl +1/m F gsinϕl ] (7) Das Minuszeichen rührt daher, dass der Winkel nach rechts gezählt wird, die Kräfte jedoch nach links wirken. Setzt man sinϕ ϕ, so ergibt sich mit m K = ρ K V K ( M = [m K 1 ρ ) L + 1 ] ρ K m F glϕ (8) 3 F a F g
4 Ein Vergleich mit der Definitionsgleichung für D ergibt: M = Dϕ (9) [ ( ρl D = m K gl 1 1 ρ K m F m K )] (1) Dieser Ausdruck ist in der Formel für T D einzusetzen und der Bruch J/D unter Benutzung der Näherungsformel 1/(1 ǫ) 1+ǫ für ǫ 1 auszuwerten. Dies führt zu einer ersten Näherung: T 1 = 4π l g ( 1+ r 5 l + ρ L 1 ρ K 6 m F m K ), (11) wobei Produkte der Form (ρ l /ρ K )(r /l ), (m F /m K )(r /l ) etc., als Größen klein in. Ordnung, vernachlässigt werden. Als weitere Korrektur ist die Abhängigkeit der Schwingungsdauer vom Winkelausschlag ϕ zu beachten. Dies führt zu: ( ) T = T1 1+ ϕ (1) 8 Die Herleitung dieser Gleichung können Sie im Anhang nachlesen. Weiter ist der Einfluss der Dämpfung δ (Luftreibung) auf die Schwingungsdauer zu berücksichtigen: [ ( )] δ ω3 = ω δ = ω 1 ω (13) beziehungsweise T 3 = T [ ( )] δ 1+ ω (14) Berücksichtigt man zusätzlich diese beiden Korrekturen so führt dies auf: Tg = l ( 4π 1+ r g 5 l + ρ L 1 ) m F + δ + ϕ, (15) ρ K 6m K 8 wobei T g die gemessene Periodendauer darstellt. Die rechts stehenden Größen, mit Ausnahme der Dämpfung δ werden durch Rechnung bestimmt (ρ Luft = ω 1, g/dm 3 bei C, 76 Torr). Die Massen m F und m K ergeben sich aus der Dichte von Eisen (ρ Eisen = 7,86 g/cm 3 ) und den jeweiligen Volumina. Den Kugeldurchmesser können Sie mit dem Messschieber bestimmen; der Fadendurchmesser beträgt Faden =, mm). Der Winkel wird aus der (mittleren) Schwingungsweite und der Pendellänge berechnet. Die Dämpfung ist durch die Messung der zeitlichen Abnahme der Schwingungsamplitude a nach a(t) = a e δt (16) zu bestimmen. Hierzu ist die kleine Spiegelskala in Richtung des Ausschlages zu montieren. Beobachten Sie den Ausschlag am Faden direkt über der Kugel und notieren Sie die Amplitude für verschiedene Zeiten t. VII Auswertung 1. Berechnen Sie die Erdbeschleunigung aus der gemessenen Periodendauer und der Pendellänge. Diskutieren Sie die Fehlerquellen und deren Einfluss auf das Endergebnis.. Tragen Sie a(t) graphisch auf eindekadisches Logarithmenpapier auf und ermitteln Sie aus der Steigung (siehe auch Versuch 13 Resonanz) die Dämpfung δ, deren Einfluss auf die Schwingungsdauer nach obenstehender Formel zu ermitteln ist. Berechnen Sie die Erdbeschleunigung unter Berücksichtigung der Korrekturterme. Hinweis zur Rechengenauigkeit: Der Quotient 4π l/t ist sehr genau auszurechnen, dagegen genügen für die Korrekturglieder in einigen Fällen (welchen?) sogar Abschätzungen. Machen Sie sich das klar, bevor Sie einen der Korrekturterme ausrechnen. VIII Anhang Fürdie BestimmungderKorrekturderSchwingungszeitaufendliche Winkelϕ geht man z.b. vom Energiesatz aus. E = E kin +E pot wobei E kin die kinetische und E pot die potentielle Energie der Schwingung ist: c Dr. J.Wagner - Physikalisches Anfängerpraktikum - V. 1.1 Stand 7/11 4
5 1 ml ϕ +(1 cosϕ)lmg = (1 cosϕ )lmg (17) ϕ g = (18) cosϕ cosϕ l dϕ g = dt (19) cosϕ cosϕ l Falls der Zeitnullpunkt so gewählt wird, dass für t = gerade ϕ = ist, dann ist bei ϕ = ϕ, t = T/4. Integration von (19) über die Zeit (eine viertel Schwingungsperiode, bis das Pendel im höchsten Punkt ist und den Winkel ϕ aufspannt) ergibt: ϕ dϕ g = cosϕ cosϕ l T/4 dt = T 4 Um das links stehende Integral auszuwerten, substituieren wir ( ) sin(ϕ/) u = arcsin sin(ϕ /) und berechnen du/dϕ: Damit ergibt sich g l. () (1) du dϕ = 1 1 sin (ϕ/). () cosϕ cosϕ dϕ = cosϕ cosϕ 1 sin du. (3) (ϕ/) Setzen wir diesen Ausdruck in Gleichung () ein, so erhalten wir π/ du = T 1 sin 4 (ϕ/) g l (4) wobei sich die neuen Integrationsgrenzen aus (1) ergeben. Definieren wir noch k = sin (ϕ /), (5) so erhalten wir unter Berücksichtigung von (1) schließlich: π/ du 1 k sin u = F(k,π/) = T g 4 l. (6) Das Integral heißt vollständiges elliptisches Integral erster Gattung 1. Für kleine Werte von k kann man eine Reihenentwicklung durchführen, indem man die Wurzel unter dem Integral entwickelt: Mit den Beziehungen 1 1 k sin u = 1+ 1 k sin u+ 3 8 (k sin u) +... (7) lässt sich Gleichung (7) leicht integrieren: [ F(k,π/) = π/ 1+ sin u = 1 (1 cosu) (8) cos u = 1 (1+cosu), (9) ( ) 1 k + ( ) 1 3 k ( ) k +...] (3) Setzt man nun k = sin ϕ / (ϕ /) und bricht nach dem quadratischen Term in k ab, so ergibt sich: F(k,π/) = π ( ) 1+ ϕ. (31) 16 Schließlich kann nun die Periodendauer T mit Hilfe Gleichung () angegeben werden: ( ) l T = 4 g F(k,π/) = 4 l π 1+ ϕ, (3) g 16 und somit 1 Tabellen des elliptischen Integrals finden Sie z.b. in Jahnke-Emde: Tafeln höherer Funktionen; Bronstein-Semendjajew: Taschenbuch der Mathematik; Kurt Uhde: Spezielle Funktionen der Mathematischen Physik (Tafeln II); U. Abramowitz, I. Stegun (ed.): Handbook of Mathematical Functions. c Dr. J.Wagner - Physikalisches Anfängerpraktikum - V. 1.1 Stand 7/11 5
6 T = T ( ) 1+ ϕ, (33) 8 wobei T = π l/g gesetzt wurde und der Term mit ϕ 4 vernachlässigt wurde. Für ϕ = π/ (also 9!) ergibt die Korrektur T = 1,144 T, d.h. selbst in diesem Extremfall ist die Schwingungszeit nur um ca. 14% verlängert. Für ϕ = π/15 (1 ) gilt für die korrigierte Periodendauer T = 1,738 T also nur noch eine Abweichung von c Dr. J.Wagner - Physikalisches Anfängerpraktikum - V. 1.1 Stand 7/11 6
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