Entwicklungsplan Zentrum polis Stand: Jänner 2014 Sektion I
Der modellhafte Entwicklungsplan zum Thema Demokratische Schulqualitätsentwicklung wurde von Zentrum polis Politik Lernen in der Schule erstellt. Er ist ein Wegweiser, der Schulen Orientierung bieten soll, wie sie einen Schulentwicklungsprozess starten und durchführen können. Entwicklungsplan Demokratische Schulqualitätsentwicklung Ziele und Vorhaben für das erste Schuljahr Thema 2 (von der Schule frei zu wählen): Demokratische Schulqualitätsentwicklung Konkretisierung des Themas/der Themen Schulen, die versuchen, ihren Standort auf dem Weg zur demokratischen Schulqualitätsentwicklung zu bestimmen, werden feststellen, dass sie in manchen Bereichen schon eine gewisse Strecke zurückgelegt haben, während sie in anderen Bereichen noch am Anfang stehen. Um Schulen eine Hilfestellung zur Orientierung zu geben, wie und in welche Richtung sie sich im Hinblick auf demokratische Schulqualität weiterentwickeln möchten, hat Zentrum polis Politik Lernen in der Schule ein Tool entwickelt, das Kriterien für demokratische Schulqualitätsentwicklung in vier Feldern zusammenfasst. Es enthält eine Bewertungsskala ( Ampel ) und Leitfragen zu jedem Kriterienfeld. Auf dieser Basis wird erhoben, was bereits an der Schule existiert und wo es Entwicklungsbedarf gibt (Status Quo, Schwachstellen, Entwicklungspotenzial/e). Rückblick & IST-Analyse Schritt 1: Für die Ist-Analyse wird im ersten Schritt die Kriterienliste ausgefüllt. Demokratieförderndes Schulmanagement und Commitment (Schulleitung, Kollegium) Partizipatives Schulklima/Schulkultur Lernkulturen/Kompetenzen/ Partizipativer Unterricht Partizipative Strukturen und Prozesse Den Kriterienkatalog entnehmen Sie bitte dem Dokument SQA Kriterien! 2
Schritt 2: Nach dem Ausfüllen der Kriterienliste und der Einschätzung/Bewertung der einzelnen Felder folgen der Rückblick auf die Gesamtsituation an der Schule und der Ausblick auf mittel- und langfristige Ziele. Leitfragen: Welche Maßnahmen haben Sie für die demokratische Schulqualitätsentwicklung bereits gesetzt? Was wurde durch diese Maßnahmen erreicht/nicht erreicht? Wo waren/sind Sie erfolgreich/nicht erfolgreich, was funktioniert gut bzw. (noch) nicht so gut? Welche Wirkungen haben diese Maßnahmen gezeigt und welche Belege gibt es dafür (Rückmeldungen, Beobachtungen, Daten etc.)? Wie zufrieden sind Sie mit dem bisher Erreichten? Wo sehen Sie besondere Entwicklungschancen bzw. besonderen Entwicklungsbedarf? Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Erfahrungen und Erkenntnissen? Welcher Aspekt demokratischer Schulqualitätsentwicklung ist für Sie besonders wichtig? Worauf wollen Sie sich konzentrieren und warum? Auf welche mittel- und langfristigen Ziele arbeiten Sie hin? Wo wollen Sie in drei Jahren stehen? Ziele und Vorhaben für das Schuljahr 2013/2014 Schritt 3: Ziele, Indikatoren und Vorhaben festlegen Welche konkreten Ziele setzen Sie sich für das kommende Schuljahr, um den mittelfristigen Zielen näher zu kommen? Sind diese Ziele konkret, messbar, von den Beteiligten akzeptiert, in einem gesetzten Zeitrahmen durchführbar? Welche Maßnahmen setzen Sie, um die Ziele zu erreichen? Welche Meilensteine können als Orientierungspunkte dienen? Indikatoren & Evaluation: Woran werden Sie merken, dass Sie ihre Ziele (kurz- und mittelfristig) erreicht haben? Wie werden Sie das bei den einzelnen Maßnahmen überprüfen? Demokratische Schulqualitätsentwicklung soll langfristig von allen beteiligten SchulpartnerInnen getragen werden. Daher sind im ersten Jahr bewusstseinsbildende Maßnahmen in der Schulöffentlichkeit (Kollegium, SchülerInnen, Eltern, externe PartnerInnen der Schule) und Raum für Orientierung bzw. Diskussion besonders wichtig. Für die Koordination und systematische Steuerung des Prozesses auf der strukturellen, organisatorischen und methodischen Ebene bedarf es der Bildung einer Steuergruppe. Mögliche Ziele für das erste Schuljahr: Ziel 1: Koordination und systematische Steuerung des Prozesses zur demokratischen Schulqualitätsentwicklung Maßnahme: Bildung einer Steuergruppe zur demokratischen 3
Schulqualitätsentwicklung Indikator: An der Schule gibt es eine aktive, sich regelmäßig treffende Steuergruppe (Schulleitung, Lehrkräfte, ev. SchülerInnenvertretung), die ein Leitbild zur demokratischen Schulqualitätsentwicklung entwickelt, Aktivitäten koordiniert und die Schulöffentlichkeit informiert. Meilenstein 1: Gesamtkonferenz, auf der die Schulleitung zur Mitarbeit in einer Steuergruppe einlädt. Meilenstein 2: Konstituierende Sitzung der Steuergruppe findet statt (Klärung des Auftrags und des Ablaufs der demokratischen Schulqualitätsentwicklung, arbeitsfähige Gruppe bilden mit Zuständigkeiten, Fahrplan für die folgenden Treffen entwerfen usw.). Ziel 2: Eine Erhebung des IST-Standes der Schule zur demokratischen Schulqualitätsentwicklung aus verschiedenen Beteiligtenperspektiven (SchülerInnen, Lehrkräfte, Eltern), die einfach durchzuführen ist. Maßnahme: Anonyme interne Evaluierung, Befragung und Auswertung im Hinblick auf Handlungs- bzw. Entwicklungsbedarf der demokratischen Schulqualitätsentwicklung (Einschätzung von Lehrkräften und SchülerInnen). Indikator: Die Steuergruppe entwirft einen Fragebogen, wertet die Ergebnisse der Befragung von SchülerInnen und Lehrkräften aus und vergleicht sie mit dem Leitbild und mit der Kriterienliste (wo gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten?). Einige Vorschläge für Bereiche, die anonym befragt werden können: Zielgruppe SchülerInnen: Kommunikation SchülerInnen Lehrkräfte, Unterricht/Methoden, Stufen der Information/Mitsprache/Mitentscheidung. Zielgruppe Lehrkräfte: Zusammenarbeit im Kollegium/Schulleitung, Stufen der Information/Mitsprache/Mitentscheidung, Organisatorische Rahmenbedingungen, pädagogische Entwicklung und Fortbildung, Öffnung der Schule nach außen. Tipp: Checkliste Demokratie an der Schule (für SchülerInnen) Link: http://www.bpb.de/36961/arbeitsblaetter Webseite Bundeszentrale für politische Bildung, Arbeitsblätter zu Was heißt hier Demokratie?, der 6. Download ist eine Checkliste zur Demokratie in der Schule. Ziel 3: Demokratische Schulqualitätsentwicklung in einem partizipativen Leitbild (als Orientierungs- und Bezugsrahmen) verankern 1. Maßnahme: Eine verbindliche Leitbildentwicklung unter Einbindung möglichst aller Beteiligtengruppen in einem dafür bestimmten Rahmen (z.b. pädagogische Konferenz, Demokratietag ) und Veröffentlichung für alle an Schule beteiligten Personen und Gremien. Die Steuergruppe organisiert, koordiniert und dokumentiert die Leitbildentwicklung. Indikator: Das Leitbild (entstanden aus Zukunftsvisionen, Leitwerten und Leitsätzen) wurde von den Beteiligten entwickelt und der Schulöffentlichkeit zugänglich gemacht. 4
2. Maßnahme: Dialogisch aufgebaute SCHILF-Fortbildung zur demokratischen Schulqualitätsentwicklung, an der die Schulleitung und das Lehrkräfte-Kollegium teilnehmen. Indikator: Die Schulleitung und das Kollegium sind in der Lage, die Bedeutung und die Inhalte demokratischer Schulqualitätsentwicklung zu verstehen, können diese in Bezug zur eigenen Arbeit an der Schule setzen und zeigen Commitment bzw. Interesse an weiteren Aktivitäten zur Weiterentwicklung an der Schule (Feedback während der Veranstaltung, Fragebogen). Meilenstein: Eine SCHILF-Fortbildung mit externem Referenten/externer Referentin findet statt. Schritt 4: Umsetzungsplan Hier können die einzelnen Schritte zur Umsetzung eingetragen werden wer ist für die Durchführung welcher Aktivität verantwortlich, in welchem Zeitrahmen? Thema 2: Demokratische Schulqualitätsentwicklung Maßnahmen Wer? Was? Bis wann?/termine Schritt 5: Fortbildungsplan Welches Wissen, welche Kenntnisse, welche Fähigkeiten brauchen Sie (noch) für die Umsetzung Ihrer Vorhaben? Was fehlt Ihnen noch? Wie beschaffen Sie das, was gebraucht wird und wie verbreiten Sie das Wissen unter den Beteiligten? Möglicher Fortbildungsplan für das erste Schuljahr Schulinterne Fortbildung(en) zur demokratischen Schulqualitätsentwicklung (Kriterien, Umsetzung, good-practice-beispiele) Schulinterne Fortbildung(en) zur Leitbildentwicklung und zum Schulmanagement Schulinterne Fortbildung(en) zum partizipativen Unterricht Bedarfsorientiert: Das Schulunterrichtsgesetz unter dem Aspekt von Mitwirkung und Mitentscheidung von SchülerInnen 5
Schritt 6: Organisation des Entwicklungs- und Umsetzungsprozesses Leitfragen: Wer ist aktiv mit der Erstellung des Entwicklungsplans befasst, und wer ist wofür verantwortlich (Personen, Gremien)? Wer trifft welche Entscheidungen und wie? Wer wird um Rückmeldungen gebeten? Wer wird worüber informiert? Wer bekommt welche Evaluationsergebnisse? Wie wird im Entwicklungs- und Umsetzungsprozess auf Geschlechtergerechtigkeit geachtet? Gesamtverantwortung: Schulleitung (Umsetzung in kooperativer Weise und mit klaren Verantwortlichkeiten mit den SchulpartnerInnen) Koordination: Steuergruppe (in Kooperation mit Schulleitung) Strategische Planung: Steuergruppe, Schulleitung, externe BeraterInnen (bei Bedarf) Informationsfluss: Schulgremien (z.b. SGA) und SchülerInnenvertretung, Konferenzen, Homepage, Aushänge, Elternabende, Schulveranstaltungen etc. 6
ANHANG: DATEN UND QUELLEN Unterstützungsangebote von Zentrum polis für den SQA-Prozess (Zentrum polis Politik Lernen in der Schule) www.politiklernen.at/site/basiswissen/schulqualitaetsmanagement?sws=3f7077cbe0e6568247788 bab2650bb8b Dossier: beteiligen und mitgestalten www.politik-lernen.at/site/projekte/aktionstage/beteiligenundmitgestalten Folgende Quellen wurden für die Entwicklung der Kriterienfelder genutzt: 1.) Feedback/Erfahrungen aus Schulen, die demokratische Schulentwicklungsprozesse in Gang gesetzt haben (2013) 2.) Netzwerk Schuldemokratie, das von Zentrum polis 2007 initiiert wurde und an dem ca. 20 ExpertInnen aus schulischen und außerschulischen Bereichen teilgenommen haben. 3.) Mager, Ursula; Marent, Benjamin; Forster, Rudolf (2011): Delphi-Studie zur Qualität von SchülerInnenpartizipation an österreichischen Schulen. Forschungsbericht zum Delphi-Verfahren zur Erarbeitung relevanter Kriterien zur Beschreibung der Qualität von SchülerInnenpartizipation an österreichischen Sekundarschulen.Ludwig Boltzmann Institute, Health Promotion Research 4.) De Haan, Gerhard; Edelstein, Wolfgang; Eikel, Angelika (Hrsg., 2006): Qualitätsrahmen Demokratiepädagogik. Demokratische Handlungskompetenz fördern, demokratische Schulqualität entwickeln. BLK Programm Demokratie lernen & leben. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 7
Was sagen Lehrkräfte aus Schulen, die schon Erfahrungen gesammelt haben mit demokratischer Schulentwicklung? Besonders wichtig auf dem Weg zu einer demokratischeren/demokratischen Schule ist bzw. war... das Bekenntnis der Schulleitung zu einer aktiven demokratischen Beteiligung der SchülerInnen am Schulleben (Projekte, Aktionen, Initiativen, nachhaltige Unterstützung der Prozesse). Eine, wenn nicht DIE wichtigste Voraussetzung! die Förderung und Unterstützung von Lehrkräfte-Teams. ein kleines engagiertes EntwicklerInnenteam, dem der Direktor/die Direktorin angehört. das Engagement der LehrerInnen und das Vertrauen der Schulleitung, gemeinsam die Schule demokratisch gestalten zu können. kontinuierliche Unterstützung der SchülerInnen durch Erwachsene jemand, der/die sich einmal mehr zurücknimmt, einmal mehr einbringt. Eine Haltung, die SchülerInnen auf ihrem Weg zum Erwachsen-Werden fördert und damit das Vertrauen in die spätere Beteiligung von demokratischen Prozessen stärkt. die Motivation der Selbsttätigkeit der SchülerInnen (stärken). die Öffnung der Schule, Toleranz, Mut zur Innovation und zum Verlassen alter Strukturen. 8