Experimentalphysik I: Mechanik

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Transkript:

Ferienkurs Experimentalphysik I: Mechanik Wintersemester 15/16 Probeklausur - Lösung Technische Universität München 1 Fakultät für Physik

1. Wilhelm Tell (13 Punkte) Wilhelm Tell will mit einem Pfeil (m 1 = 50g) einen Apfel (m 2 = 200g) vom Kopf seines Sohnes schießen. Die Luftreibung ist zu vernachlässigen. Berechnen Sie 1. die Abschusshöhe h 1, die Tell wählen muss, damit er bei einem Abschusswinkel α 0 = 4 zur Horizontalen, einer Anfangsgeschwindigkeit v 0 = 70 m s und einem Abstand a = 20m vom Sohn den Apfel (Höhe h 2 = 1, 50m) genau trifft. (5 Punkte) 2. den Winkel α 1 sowie die Geschwindigkeit v 1 des Pfeils beim Auftreffen auf den Apfel. (5 Punkte) 3. die Geschwindigkeit v 2 mit der Apfel und Pfeil gemeinsam den Kopf des Sohns verlassen und den dabei auftretenden Winkel α 2. (3 Punkte) Lösung 1. Für den Pfeil gilt die Wurfparabel, das heißt Die Flugzeit bis zum Apfel ergibt sich mit x(t 1 ) = a zu x(t) = cos α 0 v 0 t (1) y(t) = g 2 t2 + sin α 0 v 0 t + h 1 (2) t 1 = a cos α 0 v 0 (3) Aus (2) folgt wegen y(t 1 ) = h 2 h 1 = h 2 + g 2 t2 1 sin α ga 2 0v 0 t 1 = h 2 + tan α 2 cos 2 α 0 v 2 0 a = 0, 504m (4) 0 Technische Universität München 2 Fakultät für Physik

2. Es gilt Zugleich ist ẋ(t 1 ) = cos α 0 v 0 = cos α 1 v 1 (5) v 1 = cos α 0 cos α 1 v 0 (6) ẏ(t 1 ) = gt 1 + sin α 0 v 0 = sin α 1 v 1 (7) Alternativ kann man auch vektoriell rechnen: ( ) ( ( cos α0 0 v 0 cos α 0 v 1 (t 1 ) = v 0 + t sin α 0 g) 1 = v 0 sin α 0 ga v 0 cos α 0 ) (8) Division von (5) und (7) liefert mit (3) ga α 1 = arctan tan α 0 = 1, 701 (9) cos 2 α 0 v 2 0 (6) v 1 = 69, 86 m s 3. Impulserhaltung für den inelastischen Stoß gibt: (10) m 1 v 1 = (m 1 + m 2 )v 2 (11) m 1 v 1 v 2 = (m 1 + m 2 ) = 13, 97m s (12) [3] Des weiteren: α 2 = α 1 = 1, 701 (13) 2. Rutschende Kugel (7 Punkte) Eine glatte Kugel liegt fest auf einer horizontalen Fläche. Ein Punktpartikel rutscht reibungsfrei die Kugel herunter, an deren höchstem Punkt startend. Es sei R der Radius der Kugel. Berechnen Sie den Winkel sowie die Geschwindigkeit mit denen das Partikel die Kugel verlässt und beschreiben Sie den Weg den das Partikel nach Verlassen der Kugel bis zum Boden nimmt. Technische Universität München 3 Fakultät für Physik

Lösung Wie in obiger Abbildung dargestellt, erhält man mit dem Energieerhaltungssatz 1 2 mv2 = mgr(1 cos α) Die von der Kugel auf den Partikel ausgeübte radiale Kraft ist F = mg cos α mv2 R Wenn F = 0 ist, verlässt der Partikel die Kugeloberfläche. In diesem Moment gilt woraus folgt, dass v 2 = g cos α R (14) v 2 = 2gR(1 cos α) (15) cos α = 2 3 α = 48, 2 (16) v = 2gR 3 (17) 2gR Der Partikel verlässt die Kugeloberfläche mit einer Geschwindigkeit von v = 3 mit einem Winkel von α = 48, 2, danach fällt der Partikel parabelförmig, bis er auf die Fläche trifft. Technische Universität München 4 Fakultät für Physik

3. Rutschende Leiter (10 Punkte) Eine Leiter der Länge l und der Masse m lehnt unter dem Winkel φ an einer glatten senkrechten Wand. Zwischen Wand und Leiter wirkt keine Reibung. Die Schwerkraft greift dabei im Schwerpunkt der Leiter an. Der Reibungskoeffizient zwischen Boden und Leiter ist µ. Erstellen Sie eine Skizze der Anordnung und zeichnen Sie die Kräfte ein. Wählen Sie als x - Richtung den Boden und als y - Richtung die Wand. Bestimmen Sie den Maximalwinkel θ max, unter dem die Leiter an der Wand stehen bleibt, ohne zu rutschen. Lösung: Die Abbildung zeigt die Kräfte, die auf die Leiter wirken: Dies sind die Haltekraft des Bodens und der Wand, die Schwerkraft und die Reibungskraft: Aus dem Kräftegleichgewicht folgt: [5] F x = F W + F R = 0 F W = F R (18) F y = mg + F B = 0 F B = mg (19) Technische Universität München 5 Fakultät für Physik

Auch die Drehmomente müssen verschwinden (d.h. M i = 0), damit die Leiter in Ruhe bleibt. Drehmomente werden für den Ansatzpunkt O berechnet: l mg sin(θ) mg l sin(θ) +µmg l cos(θ) = 0 (20) }{{} 2 }{{}}{{} Schwerkraft F B F R Damit ergibt sich mg l sin(θ) = µmgl cos(θ) (21) 2 und für θ: tan(θ) = 2µ (22) θ = arctan(2µ) (23) 4. Loopingbahn (11 Punkte) Ein umweltfreundlicher Achterbahnwagen mit Masse m rutscht aus der Ruhe in Höhe h los und durch einen Looping mit Radius R (siehe Abbildung). Die Bahn ist dabei reibungslos. Als sich der Wagen bei Punkt a am Höhepunkt des Loopings befindet, drückt er mit seiner dreifachen Gewichtskraft gegen die Bahn. Berechnen Sie von welcher Höhe h der Wagen gestartet ist. Technische Universität München 6 Fakultät für Physik

Lösung: Am einfachsten lässt sich die Aufgabe lösen, indem man Polarkoordinaten wählt, die ihren Ursprung im Mittelpunkt des Loopings haben. Die potentielle Energie wird so bestimmt, dass E pot = 0 am Fuße des Loopings ist: Der Anfangszustand herrscht in dem Moment, in dem der Wagen losfährt. Dann ist die kinetische Energie: E kin 0 = 0 (24) und die potentielle Energie: E pot 0 = mgh, (25) so dass für die Gesamtenergie gilt: E ges 0 = E kin 0 + E pot 0 = mgh (26) Der Endzustand ist in dem Moment erreicht, in dem der Wagen den Höhepunkt des Loopings erreicht. Die kinetische Energie ist dort E kin f = 1 2 mv2 f (27) und die potentielle Energie natürlich E pot f = mg 2R (28) Technische Universität München 7 Fakultät für Physik

Dann ist die Gesamtenergie zu diesem Zeitpunkt gegeben durch: E ges f = E kin f Da die Bahn reibungslos ist, wird die Energie erhalten, so dass gilt: + E pot f = 1 2 mv2 f + mg 2R (29) E = E ges f E ges 0 = 0 (30) d.h. 2mgR + 1 2 mv2 f = mgh (31) Dies ist eine Gleichung mit den zwei Unbekannten v f und h. Um h zu berechnen braucht man zusaätzlich noch die Bedingung, dass der Wagen am Höhepunkt des Loopings mit seiner dreifachen Gewichtskraft gegen die Bahn drückt. Damit ergibt sich aus Newtons 2. Axiom für die Radialrichtung r: mg + N = m v2 f R (32) wobei die Normalkraft gegeben ist durch N = 3mg r r (33) Und so wird Gleichung (32) zu 4mg = m v2 f R (34) 2mgR = 1 2 mv2 f (35) Technische Universität München 8 Fakultät für Physik

Nun haben wir zwei Gleichungen mit zwei Unbekannten: 2mgR + 1 2 mv2 f = mgh (36) Gleichung (37) kann nun in Gleichung (36) eingesetzt werden: 2mgR = 1 2 mv2 f (37) 4mgR = mgh (38) Dann beträgt die anfängliche Höhe: h = 4R (39) 5. Neutronenstoß (9 Punkte) Ein Neutron mit der Masse m N und Impuls p N stößt zentral und elastisch auf einen im Laborsystem ruhenden Deuterium-Kern der Masse 2m N. 1. Berechnen Sie die Geschwindigkeit des Neutrons nach dem Stoß. (5 Punkte) 2. Bestimmen Sie die Geschwindigkeit des Schwerpunktes des Gesamtsystems. (2 Punkte) 3. Bestimmen Sie die Geschwindigkeit des Neutrons im Schwerpunktsystem vor und nach dem Stoß. (2 Punkte) Lösung: 1. Gegeben sind m N und p N, damit auch v N = p N m N. Gesucht ist u N. Mit dem Energieerhaltungssatz gilt: 1 2 m Nv 2 N = 1 2 m Nu 2 N + 1 2 2m Nu 2 0 (40) v 2 N = u2 N + 2u2 0 (41) Technische Universität München 9 Fakultät für Physik

Weiter gilt mit dem Impulserhaltungssatz (kann vektoriell gemacht werden, ist aber nicht notwendig): m N v N = m N u N + 2m N u 0 (42) Weiter gilt: v N = u N + 2v 0 (43) v 2 N = u2 N + 2u2 0 = u2 N + 1 2 (v N u N ) 2 (44) v 2 N u2 N = 1 2 (v N u N ) 2 (45) (v N + u N )(v N u N ) = 1 2 (v N u N )(v N u N ) (46) v N + u N = 1 2 (v N u N ) (47) v N = 3u N (48) u N = 1 3 v N (49) 2. (m N + 2m N )v S = m N v N (50) v S = v N 3 (51) 3. v N,S = v N v S = v N v N 3 = 2 3 v N (52) Technische Universität München 10 Fakultät für Physik

v N,S = u N v S = 1 3 v N v N 3 = 2 3 v N (53) 6. Bewegungsgleichung eines harmonischen Oszillators (6 Punke) Fluorwasserstoff ist ein 2-atomiges Molekül, das man sich in erster Näherung als zwei durch eine Feder gekoppelte Massenpunkte vorstellen kann, die entlang ihrer Verbindungslinie schwingen können (siehe Skizze). Der Gleichgewichtsabstand der Atome beträgt a = 92pm, ihre Massen sind m H = 1.66 10 27 kg bzw. m F = 31.5 10 27 kg. Durch spektroskopische Untersuchungen stellt man fest, dass die lineare Schwingungsfrequenz des Systems f = 12.4 10 14 Hz beträgt. Stellen Sie die Bewegungsgleichungen für die Auslenkungen x 1 und x 2 der beiden punktförmig gedachten Atome aus ihren eingezeichneten Gleichgewichtslagen auf und berechnen Sie die Federkonstante D der HF-Bindung indem Sie die Relativkoordinate r = x 2 x 1 berechnen. Lösung: x 1 bezeichne die Auslenkung der Wasserstoffatoms aus seiner Gleichgewichtslage und x 2 die des Fluoratoms. Dann lauten die Bewegungsgleichungen für x 1 und x 2 : m 1 ẍ 1 = D(x 1 x 2 ) (54) m 2 ẍ 2 = D(x 2 x 1 ) (55) Technische Universität München 11 Fakultät für Physik

Der Gleichgewichtsabstand a spielt keine Rolle, denn die Kräfte auf beide Atome sind null, wenn ihre Auslenkungen x 1 und x 2 null sind. Um die Bewegungsgleichung für die relative Auslenkung r = x 2 x 1 zu erhalten, subtrahiert man die Gleichungen: r = ẍ 2 ẍ 1 = D m 2 (x 2 x 1 ) + D m 1 (x 1 x 2 ) (56) also r = ( Dm1 Dm2 ) (x 2 x 1 ) (57) bzw. ( D r = + D ) r (58) m 1 m 2 [3] Daraus liest man die Frequenz der linearen Schwingungen ab: ( 1 ω 2 = D + 1 ) = D m 1m 2 ω 2 (59) m 1 m 2 m 1 + m 2 Mit den angegebenen Werten folgt D = 95.7 kn m (60) 7. Hydrodynamik (10 Punkte) Der Querschnitt eines Glasrohres, das von Wasser durchströmt wird, verjüngt sich von A 1 = 4cm 2 auf A 2 = 1cm 2. Vor und hinter der Verjüngung sind auf dem Rohr Steigröhrchen aufgesetzt. Im ersten Steigröhrchen steht der Wasserspielgel h 1 = 15cm hoch. 1. Berechnen Sie wie hoch das Wasser im zweiten Steigröhrchen steht, wenn die Strömungsgeschwindigkeit im engen Rohrteil v 2 = 80 m s beträgt und die Viskosität von Wasser vernachlässigbar ist. (7 Punkte) 2. Berechen Sie mit welcher Geschwindigkeit das Wasser im engen Rohr fließen müsste, wenn die Steighöhe im ersten Röhrchen unverändert h 1 = 1.5cm, im zweiten jedoch h 2 = 0cm betrüge. (3 Punkte) Technische Universität München 12 Fakultät für Physik

Lösung: 1. Für eine horizontale Rohrströmung ist die Bernoulli-Gleichung: p 1 + 1 2 ρv2 1 = p 2 + 1 2 ρv2 2 (61) Die statischen Drucke p 1 und p 2 sind gegeben durch: wobei p A der äußere Luftdruck ist. p 1 = ρgh 1 + p A, p 2 = ρgh 2 + p A (62) Es gilt außerdem die Kontinuitätsgleichung, die besagt, dass der Volumenstrom konstant ist: A 1 v 1 = A 2 v 2 = const., (63) woraus für v 2 folgt: v 1 = ( A2 A 1 ) v 2 (64) Setzt man diese Ergebnisse in die Bernoulli-Gleichung ein, so erhält man für h 2 : ρgh 1 + 1 ( ) 2 2 ρ A2 v 2 2 A = ρgh 2 + 1 1 2 ρv2 2 (65) h 2 = v2 2 A2 2 2g A 2 1 1 + h 1 = 11.9cm (66) Technische Universität München 13 Fakultät für Physik

2. Für h 2 wird Gleichung (66) zu also ist 0 = v2 2 A2 2 2g A 2 1 [3] 1 + h 1 (67) v 2 = 2gh1 ( ) = 1.77 m A 2 2 1 s A 2 1 (68) Technische Universität München 14 Fakultät für Physik