Fachinformation Juni 2016

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Transkript:

- Abklärung bei Lymphknotenvergrößerung Unter versteht man die Vergrößerung einer oder mehrerer Lymphknoten. Im menschlichen Körper gibt es etwa 600 Lymphknoten. Durch einen immunologischen Stimulus kann es zu einer deutlichen Größenzunahme der Lymphknoten kommen. Normale Lymphknoten haben eine Größe von 0,5-1 cm. Nur submandibuläre, axilläre und inguinale Lymphknoten sind u.u. auch beim Gesunden tastbar. Sie sind weich, nicht druckdolent und gut verschieblich. Von einer spricht man bei einer Vergrößerung einer oder mehrerer Lymphknoten und/oder bei Veränderung ihrer Konsistenz oder Anzahl. Ursachen. Ätiologisch müssen zahlreiche Differentialdiagnosen in Betracht gezogen werden. 1. Infektionen Bakterien Viren Pilze Parasiten 2. Maligne Erkrankungen 3. Lymphoproliferative Erkrankungen 4. Immunologische Erkrankungen (Autoimmunerkrankungen) 5. Stoffwechselerkrankungen (Speichererkrankungen) 6. Medikamenteneinnahme Hinter einer unklaren (LAD) steckt meist eine häufige Erkrankung. Unspezifisch Bakterielle Infektion Virusinfektion Metastase Lymphom Wenn die Ursache für die zunächst ungeklärt bleibt, kann der Zustand für 3-4 Wochen beobachtet werden (sofern das klinische Bild eher für eine benigne Ursache spricht). Seite 1 von 5

Diagnostik der unklaren. Anamnese und physikalische Untersuchung Labordiagnostik Bildgebung Ultraschall CT Histologie Feinnadelbiopsie Lymphknotenextirpation Anamnese und physikalische Untersuchung. Infektionszeichen im Drainagegebiet des Lymphknotens? Streptokokken (Tonsillitis), Staphylococcus aureus, Anaerobier, Bartonella henselae, Mykobakterien, Gonorrhoe, Syphilis, Chlamydia, HSV (STD) Expositionsanamnese Allgemein Katze Bartonellose, Toxoplasmose Rohes Fleisch Zeckenbiss Tuberkulose Transfusion Transplantation Sexualverhalten, iv. Drogenmissbrauch Toxoplasmose Borreliose, Tularämie Tuberkulöse Adenitis CMV, HIV Beruf Jäger, Förster Tularämie Noxen Reise Fleischer, Fischer Tabak, Alkohol, UV- Strahlung Aufenthalt in Endemiegebieten HIV, Syphilis, HSV, CMV, HBV HIV, HBV, Endokarditis Erysipeloid Metastase Trypanosomiasis (Schlafkrankheit, Chagas) Leishmaniasis (Kala-Azar) Typhus Pest Coccidioidomykose Histoplasmose Tuberkulose Seite 2 von 5

Allgemeinsymptome und Begleitsymptome Mononukleose-ähnliche Symptomatik B-Symptomatik Hautsymptome Arthralgien EBV, CMV, Toxoplasmose Lymphom, maligner Tumor Tuberkulose Kollagenose okkulte Infektion Exanthem: Masern, Röteln, Borrelien, sekundäre Syphilis, Herpes Zoster Primärläsion: Katzen-Kratz-Krankheit (Bartonella), Tularämie, Pest Rheumatoide Arthritis, SLE, Morbus Still, Borreliose Medikamente, die mit assoziiert sein können Allopurinol, Atenolol, Captopril, Carbamazepin, Cephalosporine, Gold, Hydralazin, Penicillin, Phenytoin, Primidon, Pyrimetamin, Quinidin, Sulfonamid, Sulindac Familienanamnese Maligne Erkrankungen? Seite 3 von 5

Einteilung der LAD. Generalisiert ( 2 Regionen) 25% Lokalisiert (1 Region) 75% Fieber? 55% zervikal B-Symptomatik? 1% supraklavikulär Hepato-/Splenomegalie? 5% axillär 14% inguinal Systemische Ursache? Ursache im Drainagegebiet? Lokalisierte. Cervikal Supraklavikulär/axillär Epitrochleär Inguinal Infektiös: EBV, CMV, HIV, Toxo, Masern, Röteln, Syphilis, Bartonella, Anaerobier (Zähne), Mykobakterien, Streptokokken, Diphtherie Lymphom, Leukämie Malignom (!) Infektiös: Bartonella, Brucella, Pilze Brustimplantate Malignom Infektiös: Bartonella, Syphilis, Tularämie Sarkoidose autoimmun iv Drogenmissbrauch Infektiös: Syphilis (indolent), Chlamydien, HSV, Haemophilus ducreyi, Klebsiella granulomatis, Bartonella, HIV, Gonorrhoe Malignom autoimmun Generalisierte. infektiös maligne autoimmun medikamentös Speichererkrankung Mononukleose, HIV, Miliartuberkulose, Typhus, Syphilis, Pest Lymphom, akute Leukämie Systemischer Lupus erythematodes, Rheumatoide Arthritis, Sjögren s Syndrom, Sarkoidose Phenytoin, Allopurinol, Atenolol Morbus Gaucher, Morbus Nieman-Pick Seite 4 von 5

Unterscheidungskriterien benigner und maligner Lymphknotenschwellungen. eher benigne Inguinal, cervikal (ventral des M. sternocleidomastoideus) Meist <1 cm (submandibulär bis 2 cm) Lokalisation eher maligne Supraklavikulär, axillär, cervikal (dorsal des M. sternocleidomastoideus) Größe > 2 cm (submandibulär >2,5 cm) Weich Konsistenz Oft derb Ja, unverbindlich Schmerz Nein Ja Verschiebbarkeit Unterschiedlich, meist schlecht Unterschiedlich Allgemeinsymptome Unterschiedlich Langsam Verlauf Meist progredient Ovale Form, hiläre Vaskularisation Ultraschall Runde Form, periphere oder gemischte Vaskularisation When to worry Malignomverdacht. Alter >50 Jahre Größe >2,25 cm 2 Harter u/o unverschieblicher Lymphknoten B-Symptomatik (Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Leistungsknick) Supraklavikuläre Lokalisation Rasche Größenzunahme innerhalb von 2 Wochen Supraklavikuläre Lymphknoten haben das höchste Malignomrisiko! Quellenangabe 1. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/025-020.html 2. Richner S, Laifer Gerd. Peripheral lymphadenopathy in immunocompetent adults. Swiss med weekly 2010;140(7-8):98-104 3. Ferrer R, Lymphadenopathy: Differential Diagnosis and Evaluation. Am Fam Physician 1998; 58(6): 1313-20 4. Brunkhorst R, Schölmerich J (Hrsg.). Differentialdiagnostik und Differentialtherapie. 1. Auflage 2010 Urban und Fischer. Seite 5 von 5