Was ist eine Risikobeurteilung? Bei einer Risikobeurteilung geht es darum, die unternehmensrelevanten Gefahren und Bedrohungen zu identifizieren und zu bewerten. Als Risiko können alle nach Eintretenswahrscheinlichkeit und Schadensausmass einschätzbaren Faktoren bezeichnet werden, die sich negativ auf die Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens auswirken können. Wie ist vorzugehen? In der Praxis bringt in Anlehnung an die verschiedenen Rahmenskonzepte zum Risikomanagement ein systematisches, schrittweises Vorgehen den grössten Nutzen. Risikoidentifikation (Schritt 1) Bei der Risikoidentifikation geht es darum, sich systematisch zukunftsbezogen mit den möglichen Bedrohungen und Gefahren fu r das Unternehmen auseinanderzusetzen. Es bieten sich folgende zu untersuchende Gefahrengebiete (aufgelistet nach Balanced Scorecard- Ansatz) an: Strategische Gefahren Gefahren fu r die Prozesse Finanzielle Gefahren Gefahren fu r Management, Mitarbeiter und Know-how Ergänzend dazu gilt es die Faktoren aus dem Umfeld, die Einfluss auf das Unternehmen haben könnten, zu untersuchen. Dazu bietet sich eine wie folgt strukturierte Umfeldanalyse an:
Politisches Umfeld Ökonomisches Umfeld Sozio-ökonomisches Umfeld Technologisches Umfeld Ökologisches Umfeld Rechtliches Umfeld Wichtig ist, das ergänzend dazu im Sinne einer Fru herkennung auch die Entwicklung der wichtigsten Kennzahlen und Indikatoren der Unternehmung wie auch allfällige Hinweise auf Trendveränderungen bzw. Trendbru che aus dem Umfeld im Auge behalten werden. Die identifizierten Gefahren und Bedrohungen, aber auch sich abzeichnende Chancen, werden dahingehend untersucht, ob sich aus ihnen positive oder negative Trends oder Szenarien entwickeln können, die sich entsprechend auf das Unternehmen auswirken. Als gutes Instrument zur Risikoidentifikation dient ein vorbereitetes, im Rahmen der Geschäftsleitung und/oder des Verwaltungsrates durchgefuḧrtes Brainstorming zu den vorstehenden Risikogebieten und Faktoren. Die meisten Beratungsunternehmen stellen fu r die Risikoidentifikation allgemeine Gefahren- und Bedrohungslisten zur Verfu gung, die sich auf die individuellen Verhältnisse der Unternehmung anpassen lassen.
Risikobewertung (Schritt 2) Ziel der Risikobewertung ist, die im ersten Schritt identifizierten Risiken bezu glich Schadensausmass und Eintretenswahrscheinlichkeit soll zum Ausdruck gebracht werden, in welchem Ausmass u berhaupt mit dem Eintreten des als Risiko bezeichneten Sachverhalts zu rechnen ist, während es beim Schadensausmass darum geht, dessen qualitative und quantitative Auswirkung auf das Vermögen und die Ertragslage des Unternehmens wie auch die Gesundheit der Mitarbeiter abzuschätzen. Zur Darstellung der bewerteten Risiken eignet sich eine Risk Map (Risiko-Portfolio) am besten. Welche Risiken in die nachfolgende Risikobewältigung eingezogen werden, ist abhängig von der Risikofähigkeit bzw. der finanziellen Stärke und der Risikobereitschaft (Risikoappetit) der Unternehmung. In der vorstehenden Risk Map sind diese als Risiko-Akzeptanzlinie eingezeichnet. Risikobewältigung (Schritt 3) Bei der Risikobewältigung geht es darum, die Risiken, welche fu r die Unternehmung von grosser Tragweite sind (vorstehende Risiken oberhalb der Risiko-Akzeptanzlinie), mit geeigneten Konzepten, Lösungen, Massnahmen und Aktionen so zu verändern, dass sie tragbar und verantwortbar bzw. finanzierbar werden.
Dazu bieten sich verschiedene Techniken an: Risikoüberwachung (Schritt 4) Als operatives Instrument zur Risikou berwachung kann ein Risikomassnahmen-Katalog dienen. Dieser gibt wie eine Art Pendenzenliste Auskunft u ber die wichtigsten Risiken und die laufend umzusetzenden Massnahmen und sollte Bestandteil jedes periodischen Reportings sein. Risiko Bewertung Risiko- Massnahmen Umsetzung Erledigt CHF bewältigung Verantwortung/Termin JA/ Nein Nur ein Zulieferer max 3 Mio. Reduzieren Mind. Einen 2. Zulieferer finden GL/Einkauf Produkthaftung max. 7 Mio. Transfer Offerten von Versicherungen einholen VR/GL Grippe Epidemie max. 2 Mio. Reduzieren Grippeimpfung veranlassen / Stellvertretungen organisieren GL/HR............... Zudem ist auch eine Auswertung (Katalog) u ber die eingetretenen Schadenfälle und die in diesem Zusammenhang ergriffenen Massnahmen im Sinne der Lessons Learned wertvoll. Was ist im Anhang offenzulegen? Fu r die Offenlegung der Risikobeurteilung im Anhang haben sich je nach Unternehmensgrösse und Risikolage bis heute drei verschiedene Varianten herauskristallisiert:
1. Minimalvariante Gesetz : Enge Anlehnung an den Gesetzestext 2. Mittelvariante Prozess : Informationen u ber den Risikobeurteilungsprozess und Angaben u ber die Steuerung und Überwachung der identifizierten wesentlichen Risiken 3. Maximalvariante Inhalt : Informationen u ber den gesamten Risikomanagementprozess und Offenlegung der wichtigsten Risiken und Massnahmen. Fu r KMU empfehlen wir, soweit eine Risikobeurteilung vorgenommen worden ist, im Sinne der Minimalvariante folgenden Text in den Anhang aufzunehmen: Risikobeurteilung: der Verwaltungsrat hat sich anlässlich seiner Sitzung vom [Datum] mit den fu r die Unternehmung wesentlichen Risiken im Sinne der gesetzlich geforderten Risikobeurteilung auseinanderzusetzen. oder Die Risikobeurteilung wird fortlaufend von der Geschäftsleitung vorgenommen Fu r eine nähere Beratung stehen wir Ihnen gerne zur Verfu gung! Ihr FOCAB-Team