Zukunft der Arbeit in der Pflege Wertgeschätzt und schlecht bezahlt?

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1 Zukunft der Arbeit in der Pflege Wertgeschätzt und schlecht bezahlt? Berliner Fachtag für innovative Lebenskonzepte im Alter 2013 Gute Arbeit gute Pflege. Den Wandel gestalten Berlin Michaela Evans, Forschungsschwerpunkt Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität (GELL) Projektbereichsleiterin Arbeit und Qualifizierung Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule, Gelsenkirchen

2 Gezeitenwende am Arbeitsmarkt: gestern suchten Arbeitskräfte Jobs, morgen fahnden Jobs nach Arbeitskräften! Gesellschaftlich steigender Bedarf an Arbeitskräften Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials Alterung des Arbeitskräfteangebots Arbeitskräftemangel bei bestimmten Branchen, Qualifikationen und Berufen heute schon vorhanden Regionale Unterschiede Sondierung kurz-, mittel-und längerfristiger Strategien zur Fachkräftesicherung Quellen: Prognos 2011; Afentakis/Maier 2010; BIBB/IAB 2010

3 Mehr Köpfe in der Pflege, aber keine wirkliche Verbesserung der Personalausstattung! Quelle:

4 Prognosen zum Fachkräftebedarf: Berücksichtigte Faktoren & Annahmen der Berechnungen variieren erheblich! Quellen: SVR Gesundheit (2012) zitiert nach: Schaeffer /Hämel (2012)

5 Zukunft der Arbeit in der Pflege: Was sind die empfohlenen Therapien? Überbetrieblich: Mehr ausbilden, v. a. bei Pflege Neue Zielgruppen für das Arbeitsfeld Gesundheit gewinnen Ausländische Fachkräfte ansprechen Neue Ausbildungen, Spezialisierungen, Qualifikationen Professionalisierung & Akademisierung v.a. in den Gesundheitsfachberufen Innerbetrieblich: Arbeitgeberattraktivität steigern Arbeitszeiten berechenbar und familienfreundlich gestalten Altersgerechte, gesundheitsfördernde Arbeitsplätze; Gesundheitsmanagement Führung verbessern, Motivation steigern

6 Nicht auf Rosen gebettet! Verdienste im Gesundheits-und Sozialwesen im Vergleich mit anderen Branchen 6

7 Helferqualifikationen, Assistenzberufe, Sozialarbeiter/Sozialpfleger konnten nicht von der Lohnentwicklung profitieren! Quelle: Data Warehouseder Bundesagentur für Arbeit, Berechnungen: Wolfgang Biersack; zitiert nach Himsel(2013)

8 Fehlende Branchenstrategie im Gesundheits- und Sozialwesen ist insbesondere für die Altenhilfe ein Nachteil! in Prozent 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 80,0 90,0 100,0 Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung (N=73) 10,0 90,0 Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände (N=73) 11,0 89,0 Krankenhäuser (N=1.232) 13,0 44,0 87,0 Heime (N=489) Sonstiges Sozialwesen (N=659) 39,0 56,0 61,0 mit Tarifvertrag ohne Tarifvertrag Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (N=172) Sonstiges Gesundheitswesen (N=284) 26,0 38,0 62,0 74,0 Arztpraxen (N=36) 14,0 86,0 Pflegeberufe insgesamt 40,0 60,0 Quelle: Bispinck/Öz(2012); Projekt LohnSpiegel

9 In Pflege arbeiten rund 60% der Beschäftigten ohne Tarifvertrag! Quelle: Bispinck/Öz(2012); Projekt LohnSpiegel 9

10 Was tun die Einrichtungen, um Pflegearbeit attraktiver zu gestalten? Mehr Klassik als Moderne Quelle: Landesberichterstattung Gesundheitsberufe (2011)

11 Verbleib im Pflegeberuf ist besser als gedacht. Aber: Woanders ist es auch nicht besser! Glauben Sie, durch einen Wechsel des Krankenhauses Ihre Arbeitsbedingungen verbessern zu können? Antwort Anzahl Prozent ja (A1) % nein (A2) % weißnicht (A3) % Sonstiges % Quelle: Hall (2012) keine Antwort % Quelle: vorläufige Ergebnisse Online-Befragung Arbeitsreport Krankenhaus (Bräutigam/Evans/Hilbert 2013)

12 Beispiel Krankenhaus: Was nutzen Imagekampagnen, wenn die Arbeitswelten enttäuschen? Quelle: vorläufige Ergebnisse Online-Befragung Arbeitsreport Krankenhaus (Bräutigam/Evans/Hilbert 2013)

13 Zusätzliche Qualifikationen und mehr Verantwortung, aber nicht mehr Entscheidungsspielräume und kaum Hoffnung auf bessere Vergütung! Quelle: vorläufige Ergebnisse Online-Befragung Arbeitsreport Krankenhaus (Bräutigam/Evans/Hilbert 2013)

14 Eine kurze Geschichte der Gesundheitsarbeit Pflege war schon immer ein Berufsfeld mit hohen körperlichen und psychischen Belastungen. Das Improvisationsvermögen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat organisatorische Mängel am Arbeitsplatz vielfach kompensiert. [IAT, 2004]) Die Haltung zur Arbeit wird zunehmend den ungünstigen Praxisbedingungen angepasst. [WAMP-Studie 2010] Steigende Verantwortung bei geringer Autonomie der Arbeitsplatzgestaltung, wenig Partizipation an strategischen Entscheidungen und Erosion der Teamkultur. [IAT Arbeitsreport Krankenhaus 2013, i.e.]

15 Welchen Einfluss haben die Arbeitnehmer-/Arbeitgeberbeziehungen in der Sozialwirtschaft auf die Entwicklung von Arbeit und Arbeitsbedingungen in der Branche?

16 Anbieterstrukturen in der Sozialwirtschaft Quelle: Evans/Hilbert/ Galchenko (2012)

17 Sozialer Dialog in der Sozialwirtschaft: Tarife, Abschlüsse und Vereinbarungen Rund Tarifabschlüsse und AVR in der Sozialwirtschaft Ca nicht-kirchlich und 130 kirchlich Von Abschlüssen und arbeitsrechtlichen Vereinbarungen 218 Rahmentarifverträge, 253 Lohnvereinbarungen und 840 Spezialvereinbarungen Notfallvereinbarungen für die Rettung wirtschaftlich schwacher Unternehmen sind von hoher Bedeutung Quelle: Evans/Hilbert/ Galchenko (2012)

18 Arten der Tarifverträge in der Sozialwirtschaft Quelle: Evans/Hilbert/ Galchenko (2012)

19 Themen des Sozialen Dialogs Fachkräftesicherung und attraktive Arbeit Ansprache-, Qualifizierungs- und Integrationskonzepte für neue Zielgruppen Arbeitskonzepte und Technikeinsatz Internationale und supranationale Entwicklungen Interessensvertretung auf europäischer Ebene Mehr Transparenz und Abstimmung bei der Entwicklung neuer Berufsbilder System der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen stärker vereinheitlichen Einführung eines einheitlichen Branchentarifvertrages (Vorschlag AWO) Quelle: Evans/Hilbert/ Galchenko (2012)

20 Was muss passieren? Echte Wertschätzung = bessere Arbeitskonzepte und höhere Vergütung! Praxis zeigt erheblichen Nachholbedarf! Imagekampagnen scheitern, wenn die Arbeitswelt eine andere Sprache spricht! Gute Arbeitswelten erzielen bessere Ergebnisse für Patientinnen/Patienten und Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter! Mehr Geld ins System für mehr und bessere Arbeit! Betriebliche Gestaltungsspielräume nutzen! Gestaltungsprogramm für Gesundheitsarbeit fordern! Politik alleine reicht nicht: Gewerkschaften, Berufsverbände und Verbände der Leistungsanbieter müssen eine Branchenstrategie entwickeln!

21 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Michaela Evans Munscheidstr Gelsenkirchen Tel. 0209/

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