Wie werden Lehrerinnen und Lehrer professionell und was kann Lehrerbildung dazu beitragen?

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1 Prof. Dr. Uwe Hericks Institut für Schulpädagogik Wie werden Lehrerinnen und Lehrer professionell und was kann Lehrerbildung dazu beitragen? Vortrag im Rahmen des Studium Generale Bildung im Wandel am 27. Juni 2012 in Marburg Grundthese: Lehrerinnen und Lehrer werden in dem Maße professionell, in dem Bildung der Schülerinnen und Schüler den zentralen Bezugspunkt ihres beruflichen Handelns bildet. 1. Was bedeutet Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern? 2. Was ist Bildung? 3. Auf dem Weg zu einer pädagogischen Professionstheorie 4. Was kann Lehrerbildung zur Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern beitragen? 1

2 Begriffsklärung Profession Professionalität 3 n Professionalität = ein bestimmter erreichter Grad der Könnerschaft. n kein Alleinstellungsmerkmal von Professionen Ich bin ein professioneller Ermittler. Es ist mein Job, so etwas zu wissen (Detective Scott Turner) 4 2

3 Begriffsklärung Profession Professionalität Professionalisierung 5 Bedeutung der eigenen Person des Professionellen Sach- und Fachbezug EA Rollenfindung Kernbereich des beruflichen Handelns EA Vermittlung Klientenbezug Fokus auf Krisen- und Umbruchsituationen EA Anerkennung Unterricht Implizite Normen, Regeln und Funktionsweisen der Institution EA Kooperation 6 3

4 Was ist Bildung? Zitat 1: Bildung umfasst die Wissensaneignung von sozialen, wissenschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Inhalten/Aspekten. Sie ist jedoch mehr als bloße Wissensaneignung, denn sie beinhaltet die selbstständige Aneignung und Anwendung ins eigene Denken und Handeln. Zitat 2: Bildung erhöht die Fähigkeit, geistig frei zu denken und zu leben, die Möglichkeit, sich durch Bildung selbst zu erziehen. Bildung ist ein Selbstzweck, der den Menschen mündig werden lässt. Bildung als Begründung und Festigung eines eigenen Standpunkts in der Welt auf der Basis von Wissen (Identität, Freiheit) 4

5 Was ist Bildung? Zitat 3: Durch meinen einjährigen Aufenthalt in Südamerika habe ich auch festgestellt, dass die Auffassung von Bildung nicht überall gleich ist und die Ziele anders gesteckt werden. Zitat 4: Wenn man Dinge hinterfragt und sie nicht einfach so hinnimmt, wenn man weiß, dass seine Moralvorstellungen nicht die einzigen auf der Welt sind, wenn man tolerant und aufgeschlossen anderen Kulturen gegenüber ist. Bildung als Bereitschaft und Fähigkeit zum Umgang mit Kontingenz Bildung als Begründung und Festigung eines eigenen Standpunkts in der Welt auf der Basis von Wissen (Identität, Freiheit) 5

6 Helmut Peukert, Erziehungswissenschaftler aus Münster und Hamburg, auf die Frage: Was ist Bildung? Es geht darum, als ein Selbst zu existieren, das angesichts radikaler Kontingenz- und Widerspruchserfahrungen nicht in sich zerfällt, sondern fähig ist, die Belastungen durch globale Probleme, die in den Alltag hineinreichen, nicht zu verdrängen, sondern auszuhalten und sogar produktiv und gemeinsam mit anderen nach Lösungen zu suchen. (Peukert 1998, S. 22) Was ist Bildung? Zitat 5: Zu Bildung gehört auch die Offenheit, sich zu erweitern (z.b. in den Dialog mit anderen zu treten und die Fähigkeit zu haben, seinen Horizont zu erweitern). Zitat 6: Bildung bedeutet eine andere Sicht auf sich und die Welt. 6

7 Hans Christoph Koller (*1956), Erziehungswissenschaftler aus Hamburg Bildungsprozesse sind Prozesse der Transformation grundlegender Figuren des Weltund Selbstverhältnisses von Menschen. (Koller 2005, S. 57) Bildung als Bereitschaft und Fähigkeit zur Transformation meines Welt- und Selbstverhältnisses Bildung als Bereitschaft und Fähigkeit zum Umgang mit Kontingenz Bildung als Begründung und Festigung eines eigenen Standpunkts in der Welt auf der Basis von Wissen (Identität, Freiheit) 7

8 Pädagogische Unterrichtstheorie Unterricht als widersprüchliche Einheit aus Erziehung Didaktik Bildung Andreas Gruschka, *1950, Erziehungswissenschaftler aus Frankfurt Es ist der Augenblick, in dem er zu entscheiden hat, ob er die Fragen ernst nimmt, ober er sich um eine Klärung bemüht und es ist die Entscheidung, ob er seine Steuerungsfunktion ein Stück aufgibt, um sich selbst den grundlegenden Fragen zu stellen, die er mit seinem Thema aufgerührt hat. Andreas Gruschka, *1950, Erziehungswissenschaftler aus Frankfurt Er ist dann, ob er will oder nicht auf die gemeinsame Prüfung der Sache verwiesen. Es entsteht etwas Neues, weil es nicht mehr um die Herstellung von etwas geht, was als Fertiges (als Demonstration und Lehre) zu vermitteln ist, sondern um etwas, was als riskante Arbeit an der Erkenntnis Sinn stiftet. (Gruschka 2007, S. 39 f.) 8

9 Unterricht als widersprüchliche Einheit aus Bildung Krise Didaktik Routine Ulrich Oevermann, *1940, Soziologe aus Frankfurt Der Pädagoge ist der Strukturlogik seines Handelns nach Geburtshelfer im Prozess der Erzeugung des Neuen und nicht umgekehrt [ ] Agentur der Anpassung des neuen Lebens an das alte Wissen und die alten Normen. (Oevermann 2002) 18 9

10 Lehrerbildung als Irritation mitgebrachter Angemessenheitsvorstellungen Auseinandersetzung mit Theorien, Erfahrungen und Überzeugungen Lehrerbildung als fachdidaktische Bildung Reflexion der Inhalte und methodischen Zugänge der Fächer auf erkenntnistheoretische Voraussetzungen und Vermittelbarkeit Lehrerbildung als fachwissenschaftliche Bildung Grundlage des eigenen Standpunkts als Fachlehrer für zwei oder drei Fächer 10

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