Bankbetriebslehre. von Hans Paul Becker, Arno Peppmeier. 9., aktualisierte Auflage. Kiehl 2013

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1 Bankbetriebslehre von Hans Paul Becker, Arno Peppmeier 9., aktualisierte Auflage Kiehl 2013 Verlag C.H. Beck im Internet: ISBN Zu Inhaltsverzeichnis schnell und portofrei erhältlich bei beck-shop.de DIE FACHBUCHHANDLUNG

2 22 A. Grundlagen 1.2 Gesamtwirtschaftliche Aufgaben Das Wesen von Banken lässt sich nicht allein mithilfe einer einzelwirtschaftlichen und juristischen Betrachtungsweise verdeutlichen. Zusätzlich ist darzustellen, welche Funktionen die Banken in einer Gesamtwirtschaft erfüllen. Im gesamtwirtschaftlichen Geschehen spielen die Banken eine entscheidende Rolle. Sie versorgen Unternehmen und Haushalte mit Geld, bieten Möglichkeiten zur Kapitalanlage, vermitteln, beraten und übernehmen Risiken. Daraus lassen sich zwei Aufgabenkomplexe ableiten: Intermediation und Geldschöpfung Intermediationsfunktionen Ein Intermediär ist ein Mittler zwischen zwei oder mehr Parteien. In Bezug auf Kreditinstitute kommen zwei Intermediationsfunktionen in Betracht, und zwar Bank- und Marktintermediation. Intermediationsfunktionen Bankintermediation Marktintermediation a) Bankintermediation Unter Bankintermediation sind die traditionellen Transformationsfunktionen Losgrößen-, Fristen- und Kreditrisikotransformation zu verstehen. Diese Transformationsleistungen werden auch unter dem Begriff Kapitallenkung zusammengefasst. Banken sind hierbei als bilanzierende Institutionen zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer geschaltet und sorgen für einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Angebots- und Nachfragebedürfnissen. Denn Kapitalanleger verfolgen meist andere Ziele als Kapitalnachfrager: Während Anleger schnelle Liquidierbarkeit und geringe Risiken wünschen, sind Nachfrager an festen Kreditlaufzeiten und einer Beteiligung des Kapitalgebers am Kreditausfallrisiko interessiert. Losgrößentransformation: Losgrößentransformation bedeutet eine quantitative Anpassung der Kapitalbeträge. Solche Transformationen sind nötig, weil die Volumina von Angebot und Nachfrage in den meisten Fällen nicht übereinstimmen. Einerseits kann einer großen Zahl von Einlagen mit jeweils niedrigerem Volumen eine kleinere Zahl von Krediten mit jeweils höherem Volumen gegenüberstehen. Die durchschnittlichen Kreditbeträge sind also höher als die durchschnittlichen Einlagen. Diese Bedingungen sind charakteristisch für die meisten Banken und Sparkassen; viele Kleinbeträge aus Sicht- und Spareinlagen werden gebündelt und in Form von größeren Krediten herausgelegt. Andererseits kann der Fall gegeben sein, dass eine Großeinlage in zahlreiche Kleinkredite auf-

3 2. Rechtliche Rahmenbedingungen Bestandteile der Eigenmittel Die Bestandteile der regulatorischen Eigenmittel, die Anforderungen an eine angemessene Eigenmittelausstattung sowie die grundsätzliche Anerkennungsfähigkeit interner Risikomessverfahren sind für sowohl die Institute als auch die Instituts- und Finanzholdinggruppen generell in 10 KWG geregelt. Infolge der internationalen Finanzmarktkrise wurden die Anforderungen an die Kapitalausstattung erhöht. Grundlage ist das Gesetz zur Umsetzung der geänderten Bankenrichtlinie und der geänderten Kapitaladäquanzrichtlinie, das in seinen wesentlichen Teilen am 31. Dezember 2010 in Kraft getreten ist. Die Eigenmittel setzen sich aus dem haftenden Eigenkapital und den Drittrangmitteln zusammen, wobei zur Eigenkapitalunterlegung der Adressenausfallrisiken und operationellen Risiken das modifizierte verfügbare Eigenkapital relevant ist: Eigenmittelpositionen + Kernkapital Ergänzungskapital Abzugspositionen nach 10 Abs. 6 Berechnungsgrundlage für = Haftendes Eigenkapital Definitions- und Obergrenze bei Großkrediten, Beteiligungen und weiteren KWG-Vorschriften +/ Zu- und Abschläge, um Doppelerfassungen zu vermeiden = Modifiziertes verfügbares Eigenkapital Obergrenze bei Adressenausfall- und operationellen Risiken + Genutzte verfügbare Drittrangmittel Obergrenze bei Marktpreisrisiken = Anrechenbare Eigenmittel Obergrenze bei Adressenausfall-, operationellen und Marktpreisrisiken Abbildung: Struktur der Eigenmittel a) Haftendes Eigenkapital Das haftende Eigenkapital dient vor allem als Bemessungsgrundlage für die Großkreditgrenze im Anlagebuch und für qualifizierte Beteiligungen außerhalb des Finanzsektors. Zum haftenden Eigenkapital zählen das um Abzugspositionen verringerte Kern- und Ergänzungskapital: Beim Kernkapital handelt es sich um Eigenmittel, die dem Institut uneingeschränkt und unverzüglich für die Deckung von Risiken und Verlusten zur Verfügung stehen (zu den verschiedenen Posten vgl. auch Kapitel F ). Der Jahresüberschuss wird erst dann Bestandteil des Kernkapitals, wenn seine Zuweisung zum Geschäftskapital, Geschäftsguthaben oder zu den Rücklagen beschlossen ist. Das Ergänzungskapital besteht aus Elementen, die nicht die Qualität des Kernkapitals aufweisen. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass das Ergänzungskapital je nach Position verzinst und zurückgezahlt werden muss oder in seiner Höhe stark schwanken kann. Das Kapital muss aus internen Unterlagen ersichtlich und von unabhängigen Sachverständigen geprüft sein.

4 3. Struktur des Bankensystems 3. Struktur des Bankensystems 75 Elemente des für den deutschen Markt relevanten Bankensystems sind das Europäische System der Zentralbanken (ESZB)/Eurosystem und die Geschäftsbanken. In diesem Sinne versteht man unter Geschäftsbanken alle Kreditinstitute, die keine Zentralbankfunktionen wahrnehmen. 3.1 Europäisches System der Zentralbanken (ESZB) und Eurosystem Da nicht alle EU-Mitgliedstaaten auch dem Euro-Währungsgebiet angehören, wurde eine Unterscheidung zwischen ESZB und Eurosystem eingeführt: Das ESZB umfasst die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten, somit auch die Zentralbanken der Staaten, die den Euro nicht eingeführt haben. Das Eurosystem setzt sich aus der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken zusammen, deren Staaten den Euro eingeführt haben. Zum Verständnis der Grundstruktur des ESZB/Eurosystems wird im Folgenden auf die drei Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion, die Organisation und Ziele des ESZB/Eurosystems sowie die Organisation und Aufgaben der Deutschen Bundesbank eingegangen Die Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion Der Europäische Rat bekräftigte 1988 das Ziel, die europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) schrittweise zu verwirklichen. Der von ihm beauftragte Ausschuss schlug vor, die WWU in drei Stufen zu vollenden. Die erste Stufe (Beginn 1. Juli 1990) diente primär der Liberalisierung des Kapitalverkehrs und Koordination von Wirtschafts-, Finanz-, Geld- und Wechselkurspolitik. Mit der Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (EWI) startete die zweite Stufe (Beginn 1. Januar 1994). Die beiden Hauptaufgaben des EWI waren: Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken und der Koordination der Geldpolitik, Vorbereitungen für die Errichtung des ESZB, für eine einheitliche Geldpolitik und für die gemeinsame Währung. Die zweite Stufe hatte als Hauptziel, die fiskalische und monetäre Konvergenz der Mitgliedstaaten zu fördern. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte im Mai 1998, als der Europäische Rat entschied, dass elf von fünfzehn EU-Staaten die Voraussetzungen für die Einführung der einheitlichen Währung erfüllten. Es handelte sich um folgende elf Mitgliedstaaten: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Die übrigen vier Länder waren: Dänemark, Griechenland, Großbritannien und Schweden.

5 3. Handelsgeschäft mit derivativen Finanzinstrumenten 289 erzielt werden. Offenbar bewirkt im beschriebenen Fall die Möglichkeit des Ausübens der Putoption keinen weiteren, über die Anhebung der Wertuntergrenze hinausgehenden ökonomischen Unterschied. Für den Preis der amerikanischen Putoption gilt daher auch bei während der Optionslaufzeit gegebenen Ausschüttungen p P. b) Sensitivitätskennzahlen Im Folgenden sollen die aus dem Black&Scholes-Modell ableitbaren Sensitivitätskennzahlen angeführt und erklärt werden. Die Sensitivitätskennzahlen geben Auskunft darüber, wie sich der Preis einer Option verändert, wenn sich die Ausprägung einer der den Optionspreis bestimmenden Größen um eine kleine Einheit verändert. Delta: Die Kennzahl Delta gibt Auskunft über die Wertentwicklung einer Option in Abhängigkeit von dem ihr zugrunde liegenden Instrument. Die Kennzahl zeigt die Veränderung des Optionspreises bei einer kleinen Veränderung des Preises des Basisinstruments. Mathematisch ist Delta die erste Ableitung der Optionspreisformel von Black&Scholes nach dem Preis der Aktie. Betraglich liegt Delta sowohl für den Call als auch für den Put zwischen 0 und 1. Dabei haben aus dem Geld liegende Optionen ein Delta kleiner als 0,5, am Geld liegende Optionen ein Delta von ungefähr 0,5 und im Geld liegende Optionen ein Delta größer als 0,5. Bei weit aus dem Geld liegenden Optionen strebt das Delta gegen 0. Bei tief im Geld liegenden Optionen strebt das Delta gegen 1. Abbildung: Delta in Abhängigkeit vom Preis des Basisinstruments bei einem Basispreis der Option von 100 Das Delta einer Option bzw. einer Optionsstrategie kann entweder ein positives oder ein negatives Vorzeichen tragen. Immer dann, wenn die Wertentwicklung einer Optionsposition in ihrer

6 384 D. Handelsgeschäft Abbildung: Ergebnisfunktionen der Grundgeschäfte des Garantiezertifikats und des Garantiezertifikats 4. Messung, Vergleich und Bestimmung der Herkunft von Wertentwicklungen Für die Beurteilung der Verwaltung von Vermögen ist die Messung, der Vergleich und die Bestimmung der Herkunft von Wertentwicklungen unerlässlich. Dies zu realisieren, wird durch die Anwendung verschiedener Kennzahlen zur Quantifizierung der Wertentwicklung, durch die Definition von Vergleichsmaßstäben und durch die Zerlegung der beobachteten Wertentwicklung möglich. Im Folgenden werden zunächst die Anforderungen an einen Vergleichsmaßstab, die Benchmark, erläutert und dann die wesentlichen Maße zur Quantifizierung von Wertentwicklungen, die Performancemaße, vorgestellt. Abschließend wird ein Ansatz zur Zerlegung von Wertentwicklungen erläutert. 4.1 Benchmark Die Festlegung eines Vergleichsmaßstabs, einer Benchmark, ist für den Aussagewert aller Methoden zur Messung und Vergleich von Wertentwicklungen (Performance) von großer Bedeutung. Unter dem Begriff Benchmark ist ein mit besonderen Anforderungen versehenes Vergleichsportfolio zu dem zu beurteilenden Portfolio zu verstehen. Sharpe hat die folgenden vier Anforderungen, die eine Benchmark erfüllen sollte, aufgestellt: Bei der Benchmark soll es sich um eine real erwerbbare Anlagealternative handeln. Die Benchmark soll sehr gut diversifiziert und daher schwer risikoadjustiert zu schlagen sein. Der reale Erwerb der Benchmark soll kostengünstig durchführbar sein. Die Benchmark soll bekannt sein, bevor Anlageentscheidungen getroffen werden.

7 418 E. Risikomanagement Einflussgrößen ausgewählt werden, die einen wesentlichen Einfluss auf die segmentspezifische Ausfallwahrscheinlichkeit haben. Das Faktormodell hat die folgende Form: Zwischen den Fehlertermen ε können auch Korrelationen zugelassen werden. Die durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit eines Segments DPjt kann dann durch eine Logit-Funktion auf Basis der Ausprägung der Segmentindizes auf folgende Weise berechnet werden: Da jedes einzelne Kreditrisiko einem Segment zuordenbar ist, kann nun eine segmentspezifische Betrachtung der einzelnen Kreditrisiken erfolgen. Dazu werden Migrations- und Ausfallmatrizen von Ratingagenturen genutzt. Diese Matrizen sind jedoch unbedingt, d. h. sie stellen Durchschnittswerte historisch beobachteter Daten dar und spiegeln nicht den aktuellen Stand der Konjunktur wider. Daher sind diese unbedingten Matrizen in bedingte Matrizen zu überführen. Diese Transformation basiert für jedes Segment und für jede Periode t auf dem Verhältnis von DP jt zu der durchschnittlichen Ausfallwahrscheinlichkeit DP gemäß den unbedingten Matrizen der Ratingagentur. Wenn DP jt > DP, liegen offenbar aufgrund der aktuellen Konjunkturlage höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten vor. Die Anpassung der Matrizen der Ratingagentur erfolgt dadurch, dass mehr Wahrscheinlickkeitsmasse in die aus einem Downgrade resultierenden Zustände geschoben wird. Umgekehrt ist im Falle DP jt > DP, vorzugehen. Auf diesem Wege erhält man, aufgrund des Einfließens der Faktormodelle, korrelierte Migrationsmatrizen, die die für die Unternehmen relevanten makroökonomischen Einflüsse berücksichtigen. Zur Bestimmung der Ausfallverteilung eines Kreditportfolios werden, zunächst bei Zugrundelegung der Annahme der Unabhängigkeit der Kreditrisiken und bei gegebener konjunktureller Situation, die Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Portfolioverluste für jeden möglichen Zustand bestimmt. Diese Verteilungen werden dann zu einer Verteilung aggregiert und so die Bestimmung eines Credit Value at Risk ermöglicht Vergleichende Betrachtung Die vergleichende Betrachtung der vier im Vorangegangenen erläuterten Kreditrisikomodelle erfolgt unter den Aspekten Risikotreiber, Risikodimension, Erzeugung der Übergangswahrscheinlichkeiten und der Korrelationen. Unter den Risikotreibern sind in diesem Zusammenhang die primär die Ausprägung des Kreditrisikos in den jeweiligen Modellen bestimmenden Größen zu verstehen. Den Modellen Credit Metrics und KMV liegt als Risikotreiber jeweils der Unternehmenswert zugrunde. Daher werden diese beiden Modelle den firmenwertbasierten Modellen zugeordnet. Credit Risk+ nutzt als Risikotreiber Ausfallwahrscheinlichkeiten. Die Risikotreiber des Modells Credit Portfolio View werden durch makroökonomische Faktoren dargestellt, die dann zur Grundlage der Errechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten werden. Daher werden Credit Risk+ und Credit Portfolio View den intensitätsbasierten Modellen zugeordnet.

8 1. Das Bankrechnungswesen als Informationsinstrument F. Rechnungswesen der Banken Das Rechnungswesen stellt ein Subsystem des gesamten Informationssystems einer Bank dar. Aus diesem Grunde wird zunächst ein Überblick über die Teilgebiete des Rechnungswesens als ein Bereich des Bankinformationssystems gegeben. Die weiteren Ausführungen konzentrieren sich auf die beiden Hauptgebiete des Bankrechnungswesens, und zwar auf den Jahresabschluss und die Bankkalkulation Das Bankrechnungswesen als Informationsinstrument Generelle Aufgabe des Bankrechnungswesens ist die zahlenmäßige Erfassung vergangener und zukünftiger betrieblicher Vorgänge. Im Mittelpunkt steht die Gewinnung von Informationen. Informationen bilden zweckorientiertes Wissen. Da Entscheidungen fast immer unter Unsicherheit getroffen werden müssen, liegt der Zweck insbesondere darin, das Maß an Unsicherheit des Informationsbesitzers zu reduzieren. Im Rahmen des Informationssystems einer Bank kommt dem Rechnungswesen eine zentrale Bedeutung zu. Gleichwohl verkörpert das Rechnungswesen nicht das gesamte Informationssystem. Ein Informationssystem hat folgende Funktionen zu erfüllen: 1. Beschaffung von Informationen über die Bank, über die Umwelt der Bank und über die Beziehungen zwischen der Bank und ihrer Umwelt; 2. Informationsaufbereitung in Abhängigkeit von der sachlichen Aufgabenstellung und dem Bedarf der Informationsempfänger; 3. Informationsspeicherung zur Sicherstellung der Informationsverfügbarkeit zum Zeitpunkt der Informationsverwendung; 4. Informationsabgabe an interne Empfänger (Unternehmensleitung, Bankmitarbeiter) und an externe Empfänger (z. B. Deutsche Bundesbank, Steuerbehörde, Aktionäre). Der zuletzt genannte Punkt führt zu einem Klassifikationskriterium, das eine sinnvolle Abgrenzung zwischen den Informationssubsystemen einer Bank erlaubt. In Abhängigkeit vom Adressatenkreis der Informationen kann zwischen externen und internen Subsystemen unterschieden werden. Dieser Sachverhalt sei am Beispiel Rechnungswesen und Marketing verdeutlicht:

9 540 F. Rechnungswesen der Banken Kalkulation von Nettomargen und Solldeckungsbeiträgen Die mit der Marktzinsmethode errechneten Konditionsmargen können als Bruttokonditionsmargen bezeichnet werden, weil sie ausschließlich Zinskomponenten enthalten. So ergibt sich beispielsweise für einen Kundenkredit eine Bruttokonditionsmarge von 2,9 %, wenn der effektive Kundenzins 8 % und der vergleichbare Marktzins (kalkulatorischer Einstandszins) 5,1 % betragen. Diese Bruttomarge erfasst jedoch noch nicht alle Kosten, sondern lediglich den Einstandszins und kann daher auch als Deckungsbeitrag I einer mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung interpretiert werden. Darüber hinaus sollte der Kundenzins weitere Kostenkomponenten und Gewinnanteile abdecken, woraus für ein Kreditgeschäft folgendes Kalkulationsschema resultiert: Bruttokonditionsmarge (Deckungsbeitrag I) 2,9 % Risiko- und Eigenkapitalkostenmarge 0,6 % = Volumensabhängige Nettokonditionsmarge (Deckungsbeitrag II) 2,3 % Betriebskostenmarge (abzüglich Betriebserlösmarge) 1,3 % = Gesamte Nettokonditionsmarge (Deckungsbeitrag III) 1,0 % Solldeckungsbeitrag (Overheadkosten) 0,8 % = Über-/Unterdeckung 0,2 % Abbildung: Margenbezogene Einzelgeschäftskalkulation In dem angeführten Beispiel basiert die Kalkulation auf periodenbezogenen Werten (Prozent p.a.). In diesem Zusammenhang sei betont, dass nicht nur Periodenwerte (Prozent oder Euro pro Periode), sondern auch Barwerte in Betracht kommen. Die Höhe des Bruttokonditionsbeitrags und der Risiko-/Eigenkapitalkostenmarge hängt zum Großteil vom Kreditvolumen ab, weshalb sich hieraus eine volumensabhängige Nettomarge (DB II) ergibt. Demgegenüber sind die auf den Kredit verrechneten (Standard-)Betriebskosten fix bzw. stückbezogen. Die gesamte Nettokonditionsmarge (DB III) des Kreditgeschäfts errechnet sich aus der Differenz zwischen der volumensabhängigen Nettomarge und der Betriebskostenmarge. Die gesamte Nettokonditionsmarge bildet den zentralen Beurteilungsmaßstab für den Erfolg eines Kundengeschäfts. Hätte diese Marge einen Wert von null, würde der effektive Kundenzins genau der Preisuntergrenze entsprechen (zur Preisuntergrenze vgl. Kapitel F ). In der Abbildung beläuft sich die gesamte Nettokonditionsmarge auf 1 %. Das bedeutet, sie ist größer als der Solldeckungsbeitrag, sodass der betrachtete Kundenkredit eine Überdeckung von 0,2 % erzielt. Der Solldeckungsbeitrag umfasst die Overheadkosten. Zu den Overheadkosten zählen allgemeine Verwaltungs- und Vetriebskosten, z.b. Kosten der Geschäftsführung und der Stäbe. Diese Gemeinkosten lassen sich nicht verursachungsgerecht auf das Einzelgeschäft verteilen. Um in der Praxis dennoch Solldeckungsbeiträge ermitteln zu können, werden die Gemeinkosten oft nach der Höhe des Geschäftsvolumens oder der verrechneten Betriebskosten zugeordnet.

10 558 Aufgaben/Fälle 21: Theoretisch richtiger Preis des Eurex-Bund-Futures Die Cheapest-to-Deliver-Anleihe in den Eurex-Bund-Future ist durch die folgenden Daten gekennzeichnet: Restlaufzeit 10 Jahre, jährlich nachschüssig zu zahlende Nominalverzinsung von 5 %, aktueller Kurs 89,22 %, Preis- bzw. Konversionsfaktor 0, Ermitteln Sie den theoretisch richtigen Preis des Eurex-Bund-Futures, dessen Restlaufzeit 183 Tage beträgt. Der 6-Monats-EURIBOR beläuft sich auf 4 %. Die Betrachtung erfolgt unmittelbar nach dem letzten Zinstermin der CtD-Anleihe. 22: Absicherung von Marktpreisänderungsrisiken durch Eurex-Zins-Futures Am wird Ihnen ein Portfolio mit den folgenden Anleihen übergeben. Jede der beiden Anleihegattungen ist in dem Portfolio mit 20 Mio. nominal vertreten. Anleihe A: Kupon 7 %, Fälligkeit , Kurs 95,938 %, Rendite 7,6 %, Preis- bzw. Konversionsfaktor 1,071323, Duration nach Macaulay 7,124 Jahre. Anleihe B: Kupon 5 %, Fälligkeit , Kurs 95,788 %, Rendite 6 %, Preis- bzw. Konversionsfaktor 0, a) Ermitteln Sie zunächst das investierte Kapital bei Zugrundelegung der gegenwärtigen Anleihepreise, die Duration nach Macaulay, die Modified Duration und den PVBP, soweit diese Kennzahlen nicht gegeben sind. b) Errechnen Sie die Absicherungspositionen. Die Absicherung des gesamten Portfolios soll durch den Einsatz des Eurex-Bund-Futures und des Eurex-Bobl-Futures erfolgen. Es wird angenommen, die abzusichernde Anleihe B sei zum Zeitpunkt der Betrachtung die CtD- Anleihe des Eurex-Bobl-Futures. Die abzusichernde Anleihe A hingegen ist nicht die CtD- Anleihe des Eurex-Bund-Futures. Die CtD-Anleihe weist einen PVBP von 0,0672 und einen Preisfaktor von 1, auf. 23: Absicherung von Zinsänderungsrisiken durch ein Forward Rate Agreement Ein Kreditinstitut hält die folgende Anleihe im Bestand: Anleihetyp Floating Rate Note (FRN), Nominalvolumen 50 Mio., Referenzzins 6-Monats-EURIBOR, Fälligkeit , letzte Zinsanpassung (6-Monats-EURIBOR 4,5 %). Die Bank erwartet vor dem Hintergrund einer Fortsetzung der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank eine Verminderung des Referenzzinses ihrer FRN zum nächsten

11 Lösungen 569 Die Gesamtkennziffer liegt unter den geforderten 8 %: Gesamtkennziffer = 12,5 ( ) = 7,94 % 4: Mengen- und Zinstender a) Mengentender Die Zuteilung von 100 Mio. bedeutet eine Quote von jeweils 50 % des Gebots. Somit verteilen sich die 100 Mio. wie folgt: Bank A 25 Mio., Bank B 30 Mio., Bank C 45 Mio.. b) Zinstender Alle Gebote über 3,95 % werden vollständig zugeteilt. Die Gebote von 3,95 % werden zur Hälfte zugeteilt. Somit verteilen sich die 90 Mio. wie folgt: Bank A 25 Mio., Bank B 10 Mio., Bank C 55 Mio.. Erfolgt die Zuteilung nach dem holländischen Verfahren, beläuft sich der Zinssatz für alle zugeteilten Beträge auf einheitlich 3,95 %. Beim amerikanischen Verfahren werden differenzierte Zinssätze angewandt. Beispielsweise erhält Bank A 5 Mio. zu 3,98 %, 5 Mio. zu 3,97 %, 10 Mio. zu 3,96 % und 5 Mio. zu 3,95 %. 5: Beurteilung der Mindestreservepolitik Die wesentlichen Argumente für und wider Mindestreserven lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Pro Mindestreserven: Mindestreserven erfüllen eine Anbindungsfunktion. Sie zwingen die Kreditinstitute, sich bei der Zentralbank zu refinanzieren, und erzeugen auf diesem Weg ein Band, über das die anderen geldpolitischen Instrumente greifen können. Mindestreserven wirken als Liquiditätspuffer. Aufgrund des nur im Monatsdurchschnitt zu erfüllenden Mindestreservesolls können die Banken Liquiditätsschwankungen am Tagesgeldmarkt durch Arbitrage nutzen: Sie können ihr Mindestreservesoll kurzfristig unterschreiten, um die Gelder am Geldmarkt günstiger anzulegen. Auf diese Weise ist es möglich, Schwankungen ohne Interventionen der Zentralbank abzufedern und die Zinsentwicklung zu verstetigen. Die Mindestreservetransaktionen wirken dezentralisierend. Jedes Kreditinstitut ist mindestreservepflichtig und kann seinen Zentralbankgeldbedarf vor Ort unter Einschaltung der zuständigen nationalen Notenbank decken. Basiert die Geldpolitik ausschließlich auf Offen-

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