Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk Ergebnisse einer Untersuchung des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr

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1 Innovationspolitik, Informationsgesellschaft, Telekommunikation Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2010 Ergebnisse einer Untersuchung des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr

2 Redaktion Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Dipl.-Kffr. Aline Eckstein, Dipl.-Kffr. Elisabeth Winter, Maria Klees ECC Handel, Köln Gestaltung und Produktion PRpetuum GmbH, München Bildnachweis Feverpitched istockphoto Druck Hundt Druck GmbH, Köln Herausgeber Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Öffentlichkeitsarbeit/L Berlin Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist mit dem audit berufundfamilie für seine familienfreundliche Personalpolitik ausgezeichnet worden. Das Zertifikat wird von der berufundfamilie ggmbh, einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, verliehen. Stand November 2010

3 Innovationspolitik, Informationsgesellschaft, Telekommunikation Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2010 Ergebnisse einer Untersuchung des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr

4 2 Inhalt Einleitung... 4 Kurzzusammenfassung Ausgangssituation und Fragestellungen Methodik des empirischen Vorgehens Stichprobe Branchenzugehörigkeit Unternehmensgröße Tätigkeitsbereich der Befragten Ergebnisse Nutzung des Internets Bekanntheit und Informationsbedarf Internet als Internet als Informationsmedium Internet als Kommunikationskanal Internet als Visitenkarte Internet als Akquisitionsplattform Internet als Verkaufskanal Elektronisches Rechnungswesen Elektronische Beschaffung/Logistik Sicherheit im Netz Internet als Fortschrittstreiber Themenschwerpunkt Com puterspionage Bedeutung des Themas Computerspionage in KMU Verursachter Schaden durch Computerspionage Betroffene Unternehmensbereiche Personenkreis Ursachen für Computerspionage Ergebnisse nach Branchen Branchen im Vergleich Handwerk Handel Industrie Dienstleistung...65

5 3 6. Ergebnisse nach Unternehmensgröße Nutzung des Internets Informationsbedarf Computerspionage Fazit Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Literaturverzeichnis Autoren Anhang: Fragebogen Anhang: Kooperationspartner Anhang: Ausgewählte Informationsangebote des NEG Elektronische Unterstützung der Ressourcenplanung Elektronische Unterstützung der Logistik Netz- und Informations sicherheit Management Customer Relationship Management Website-Gestaltung Elektronische Rechnungsstellung Femme digitale Geschäftsabläufe verbessern Standards nutzen Newsletter-Systeme Regionales Internet-Marketing...101

6 4 Einleitung Der elektronische Geschäftsverkehr (E-Business) ist mittlerweile ein wesentlicher Baustein für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Elektron ische Geschäftsprozesse helfen, die internen und ex ternen Abläufe zu verbessern. Auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) integrieren das Internet zunehmend in ihren Geschäftsalltag und die Intensivierung der E-Business-Aktivitäten zur effizienten Abwicklung von Geschäftsprozessen schreitet stetig voran. Diese Entwicklung verdeutlicht erneut die bereits zum fünften Mal durchgeführte Studie Elektron ischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk Ihre Erfahrungen und Wünsche des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG). Im diesjährigen Fokus der Untersuchung stehen neben dem aktuellen Stand der Internetnutzung in und den Informationsbedarf von KMU auch Aspekte der Computerspionage. Trotz der vielfältigen Vorteile, die eine Integration elektronischer Prozesse mit sich bringt, existieren insbesondere für KMU, die häufig nicht über eine eigene IT-Abteilung verfügen, nach wie vor Stolperfal len und Barrieren bei der Umsetzung ihrer E-Business- Aktivitäten. Die kontinuierliche Anpassung an neue technologische und sicherheitstechnische Entwicklungen sowie rechtliche Rahmenbeding ungen stellt KMU ständig vor neue Herausforder un gen und wird von einem hohen Informations- und Beratungsbedarf begleitet. Das NEG unterstützt als Bestandteil der Fördermaß nahmen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) seit mehr als 12 Jahren Mit tel stand und Handwerk bei der Einführung und Nutz ung von E-Business-Aktivitäten. In 28 regionalen Kom petenzzentren und einem Branchenkompetenzzentrum für den Handel werden mittlere Unternehmen mit Fokus auf ihre spezifischen Fragestellungen und Probleme beraten und unterstützt. Die im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Befragungsergeb nisse fließen kontinuierlich in die Planung des Informationsangebots und der Aktivitäten des NEG ein und gewährleisten dadurch die Aktualität und Relevanz des NEG-Leistungsangebotes für KMU. Angesichts der Komplexität und des Umfangs von E-Business-Themen stellt eine umfassende und fundierte Informationsgewinnung einen wesentlichen Erfolgsfaktor für KMU dar. In diesem Sinne hoffen wir, dass die hier präsentierten Umfrageer geb nisse auch für Sie wichtige und aufschlussreiche Erkenntnisse bieten und Sie bei Ihrer Arbeit unterstützen werden.

7 5 Kurzzusammenfassung Das Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) bereits zum fünften Mal den elektronischen Geschäftsverkehr in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie im Handwerk 1 untersucht. Unter Federführung des E-Commerce- Center Handel (ECC Handel) wurden hierbei die Nutzung ausgewählter Internet-Funk tionen sowie der Informations- und Beratungsbedarf speziell von KMU und Handwerk zu verschiedenen Aspekten des E-Business analysiert. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Thema der Computerspionage. Die Teilnehmerakquisition erfolgte vorrangig über die 29 Kompetenzzentren des NEG. Darüber hinaus beteiligten sich u. a. der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e. V., die Marktplatz Mittel st and GmbH & Co. KG und der Online-Marktplatz be tr eiber Tradoria GmbH an der Bewerbung der Um fra ge. Durch die bundesweite Erhebung im Zeitraum vom 7. April 2010 bis 31. August 2010 konnten insgesamt Antworten von Unternehmen generiert werden, welche in die Analyse und Auswertung einfließen konnten. In der Stichprobe sind sowohl Indus trie-, Handels- und Dienstleistungsunter nehmen als auch Handwerksbetriebe vertreten, wobei circa 45 Prozent der Stichprobe auf den Dienstleistungs sektor entfallen. Knapp drei Viertel der befragten Unterneh men beschäftigen weniger als 50 MitarbeiterInnen 2, über die Hälfte weniger als zehn Mitarbeiter. Einleitend wurden in Anlehnung an die Vorgängerstudien aus den Jahren 2005, 2007, 2008 und 2009 Zeitreihenfragen zu der Internetnutzung und dem Informationsbedarf zu einzelnen Themengebieten des E-Business erfasst. Als Themenschwerpunkt wurden in der diesjährigen Erhebung die Einstellungen und Erfahrungen der teilnehmenden KMUs mit dem Thema Computerspionage untersucht. Aus den Ergebnissen der Erhebung geht deutlich hervor, dass das Internet weiterhin hauptsächlich als Kommunikationskanal in Form von s, aber auch zum Datenaustausch mit Externen genutzt wird. Je - doch spielt auch das Thema Sicherheit eine zunehmend bedeutende Rolle bei den befragten Unternehmen. Während größere Unternehmen auch komplexere Anwendungen in ihren Geschäftsverkehr integrieren, nutzen kleinere Unternehmen bisher in - novative Technologien oder Internet-Funktionen mit Standardisierungspotenzial wie elektronische Unterstützung der Ressourcenplanung oder Logistik eher selten. Wie bereits in den Studien der Vorjahre erwarten die befragten Unternehmen für alle Internet-Anwendungen eine intensivere Nutzung in der Zukunft und legen dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Trendthemen wie Mobile Business oder Web 2.0-Elemente. Zudem konnten Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen und nach Unternehmensgröße im Nutzungsverhalten festgestellt werden. So nutzen Han delsbetriebe beispielsweise vorzugsweise den Online-Vertrieb, während Dienstleistungsunternehmen das Internet stärker zur Informationsbeschaffung einsetzen (vgl. S. 65). Die Untersuchung zeigt darüber hinaus, dass auf dem Gebiet des E-Business kleinere und mittlere Un - te rnehmen einen hohen Informationsbedarf für innovative Technologien haben, wie bspw. Unified- Communications-Lösungen, standardisierte Prozesse, wie z. B. elektronische Ressourcenplanung oder Lo gis tik. Aber auch zu Trendthemen wie Web-Control ling, Web 2.0-Elemente oder Mobile Business werden vermehrt Informationen nachgefragt, was für die oftmals nicht wahrgenommene Innovationsfreude von KMU spricht. Von allen Branchen weisen jedoch In dus triebetriebe den geringsten Informationsbedarf auf. Neben den Vorteilen von E-Business-Lösungen im Geschäftsalltag von Unternehmen ist die Nutzung des Internets im Geschäftsverkehr jedoch auch mit internen und externen Risiken behaftet, welche im diesjährigen Schwerpunktthema Computerspionage analysiert wurden. Wie die Ergebnisse der Auswertung deutlich machen, spielt in jedem zweiten Unternehmen Computerspionage bereits eine Rolle. Jedoch begegnen nicht alle Unternehmen dieser Bedrohung in gleichem Maße. Während zwei 1 Die Bezeichnung KMU beinhaltet hier und im Folgenden stets auch das Handwerk. 2 Hier und im Folgenden sind immer sowohl weibliche als auch männliche Personen gemeint.

8 6 Kurzzusammenfassung Drittel der Großunternehmen über zumindest vereinzelte Sicherheitsmaßnahmen verfügen, trifft dies auf lediglich jedes fünfte Kleinstunternehmen zu. Allerdings hat die Hälfte der Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen, noch keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergriffen. Auch wenn zwischen den Un ternehmen erhebliche Unterschiede in der Um - setz ung bestehen, wird eine allgemein hohe Sensibi - li sierung für Sicherheitsthemen deutlich. Als besonders bedrohte Bereiche werden von den befragten KMU hauptsächlich Ressorts mit sensiblen Firmenund Kundendaten angesehen, wie z. B. der IT-Bereich, das Finanz- und Rechnungswesen oder der Vertrieb. In der Beurteilung der Gefahrenquellen, von denen Internet-Kriminalität ausgeht, unterscheiden sich die Unternehmen in Abhängigkeit von ihrer Größe in ihrer Einschätzung der betroffenen Personenkreise. Während Kleinstunternehmen die größte Bedrohung durch Externe erwarten, sehen Großunternehmen in ihren Mitarbeitern die größte Gefahrenquelle. Die Hälfte der befragten Unternehmen vermutet unzureichende Sicherheitsmaßnahmen des eigenen Un ternehmens als die Hauptursache für Computerspio nage, des Weiteren werden zunehmende internationale Geschäftsbeziehungen von 31,5 Prozent der Be fragten und steigende Kosten für Innovation und Wettbewerb von 28,6 Prozent der Befragten als Grund für Computerspionage angegeben.

9 7 1. Ausgangssituation und Fragestellungen In der Vergangenheit hat das E-Business in Deutschland eine rasante und abwechslungsreiche Entwicklung zurückgelegt. Nach der großen Euphorie in den Jahren 1998 und 1999 folgte mit dem Absturz der Bö rsenkurse am Neuen Markt im Jahr 2000 die jähe Er nüchterung. Seitdem haben sich die Online-Märkte erholt und ihre Entwicklung verlief in den letzten Jahren sehr dynamisch. Eine effektive Integration des Internets in die Geschäftsprozesse wird zunehmend zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Gelingt diese nicht, fallen Unternehmen schnell hinter dem Wettbewerb zurück. Dabei stehen gerade kleine und mittlere Un - ter nehmen (KMU), die meist keine eigene IT-Abtei lung beschäftigen, bei der Umsetzung von Neuerung en vor vielfältigen Problemen, die es zu bewältigen gilt. Das entsprechende Know-how erweist sich hierbei oftmals als unverzichtbar, da E-Business-Anwen dun gen teilweise mit hohen Anschaffungskosten verbunden sind und schnell durch Innovationen überholt sein können. Daher werden auf unterschiedlich en Verwaltungsebenen Europäische Union, Bund, Länder, Kommunen verschiedene Initiativen ergriffen, um die Internetnutzung der KMU bei der Einfüh r ung und Umsetzung von E-Business-Anwendungen zu unterstützen und damit ihre Wettbewerbsfähig keit zu sichern. Um dem hohen Stellenwert der KMU für die Bruttowertschöpfung innerhalb Deutschlands und auch Europas gerecht zu werden, bieten zahl reiche Kammern und Verbände ihren Mitgliedern um fangreiche Hilfestellungen. 3 Das Netzwerk Elek tron ischer Geschäftsverkehr (NEG) liefert eine fundierte Infor mations- und Entscheidungsgrundlage für un ab hängige und staatliche Einrichtungen, Institution en und Be - ratungsunternehmen. Um allen damit verbundenen Anforderungen gerecht zu werden, wird bei der Er hebung der Daten besondere Aufmerksam keit darauf gelegt, dass 3 keine Beschränkung auf einzelne Teilaspekte des E-Business stattfindet, sondern eine weitestgehend vollständige Abdeckung aller E-Business- Anwendungen entlang der Wertschöpfungskette gewährleistet wird. 3 keine Konzentration auf spezifische Regionen (Kammerbezirk, Bundesland, Fördergebiet etc.), sondern eine bundesweite Akquisition von KMU erfolgt. 3 eine Stichprobengröße generiert wird, die aussagekräftige Rückschlüsse auf die Anforderungen aller deutschen KMU zulässt. 3 branchen- und größenspezifische Besonder - heit en berücksichtigt werden. 3 die Erhebung allen statistischen Anforderungen in vollem Maße entspricht und somit eine fundierte Grundlage zur Erarbeitung des Information sangebots geschaffen wird. 3 sowohl die aktuellen Gegebenheiten als auch die zukünftigen Entwicklungen in vollem Maße be - rücksichtigt werden und eine jährliche Erhe bung die Aktualität der Ergebnisse gewährleistet. 3 die Interpretation der Daten mit praxisnahen Hil fe stellungen untermauert wird, um direkt an den Stellen ansetzen zu können, an denen Bedarf identifiziert wurde. Aus den bisherigen Untersuchungen konnten bereits eine Vielzahl aufschlussreicher Erkenntnisse zur zielgruppenspezifischen Ausgestaltung von Informat ionsund Beratungsangeboten gewonnen werden, welche unter anderem als Grundlage für verschiedene themenspezifische Begleitprojekte des NEG herangezogen wurden. Um die Leser über das weiterführende Informationsangebot in Kenntnis zu setzen, wird in den entsprechenden Kapiteln des Berichts bands auf themenspezifische Projekte des NEG verwiesen. 4 Die inhaltliche Gestaltung der Erhebung er laubt es, das aktuelle und zukünftige Internet - nut zungs verhalten sowie den entsprechenden Informa tionsbedarf der KMU zu verschiedenen Themen des E-Business jährlich zu erheben und mit 3 Vgl. Jung, S.: Ausgewählte Ergebnisse für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland 2007, in Statistisches Bundesamt: Wirtschaft und Statistik 1/ Ausgewählte Informationsangebote sowie eine Übersicht ausgewählter Projekte des NEG werden im Anhang ab Seite 90ff zusammenfassend dargestellt und sind auf der Website des NEG unter zu finden.

10 8 1. Ausgangssituation und Fragestellungen den Vorjahr eswerten zu vergleichen, um Entwicklungstendenzen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf reagieren zu können. Die zunehmende Nutzung in ter netbasierter Technologien und das damit einhergehende erhöhte Risiko des Missbrauchs durch Dritte veranlasste das ECC Handel dazu, den diesjährigen Themenschwerpunkt nicht auf eine er - folgversprech ende Innovation, sondern auf das Thema Computer spionage zu legen. Zentrale Unter suchungsschwer punkte der diesjährigen NEG-Um frage 2010 waren daher neben Fragen nach den An wendungsgebieten des Internets und dem In for ma tionsbedarf zu den verschiedenen Nutzungs optio nen auch die Be droh ung von KMU durch Com puter spio nage, die davon betroffenen Unter nehmens bereiche sowie die Ur sach en für wirtschaftskriminelle Hand lungen. Nach dieser Einführung wird im zweiten Teil zu näch st die methodische Vorgehensweise ausführlich er läu tert. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf eine transparente und leicht nachvollziehbare Darst el lung gelegt. Anschließend wird die Zusammen set zung der Stichprobe vorgestellt und mit Daten des Statistischen Bundesamts verglichen, um die Wertig keit der Ergebnisse darzustellen. Im vierten Kapitel werden die Gesamtergebnisse über alle be fragten Un ternehmen ausführlich dargestellt. Da eine spezifische Betrachtung nach Branchen und Unternehm ens größe ergänzende und weiterführende Erkennt nisse liefert, werden die einzelnen The mengebiete in den Kapiteln fünf und sechs nach vier unterschiedlichen Branchen (Handel, Dienst leistung, Handwerk und Industrie) und vier Unter nehmensgrößen 5 differenziert analysiert. Ab schließend werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. Zentrale Fragestellungen der NEG-Untersuchung Für welche Geschäftsprozesse nutzen KMU das Internet? 3 Bei welchen Themen des E-Business besteht Informationsbedarf? 3 Welche Rolle spielt die Bedrohung durch Computerspionage in KMU? 3 Wo werden die Hauptursachen für Computerspionage gesehen? 5 Anders als in der Vorjahresuntersuchung werden die befragten Unternehmen in vier Größenklassen gruppiert. Unternehmen mit bis zu 9 MitarbeiterInnen werden als Kleinstunternehmen, Unternehmen mit mehr als 9, aber weniger als 50 MitarbeiterInnen als kleine Unternehmen bezeichnet. Mittlere Unternehmen sind Unternehmen mit 50 bis 249 MitarbeiterInnen. Unternehmen mit mehr als 250 MitarbeiterInnen werden als Großunternehmen bezeichnet. Vgl. KMU-Definition des BMWi: Mittelstand/mittelstandspolitik.html. In Deutschland Größeneinteilung der KMU bis 499 MA entgegen der Definition der EU bis 250 MA. Siehe dazu Amtsblatt unter:

11 9 2. Methodik des empirischen Vorgehens Die Erhebung der NEG-Umfrage wurde mit der Zielsetzung durchgeführt, eine aussagekräftige Stichprobe von KMU zusammenzustellen und deren tatsächliche Nutzung von Internetoptionen sowie die daraus entstehenden Bedürfnisse zu identifizieren. Zu diesem Zweck fand zwischen dem 7. April 2010 und dem 31. August 2010 eine bundesweite Erhebung statt. Die Teilnehmerakquisition erfolgte u. a. über die 29 Kompetenzzentren des NEG sowie über Öffentlichkeits - ar beit. An der Bewerbung der Umfrage beteiligten sich darüber hinaus u. a. der Zentralverband des Deu tsch en Handwerks e. V., der Marktplatz Mittelstand GmbH & Co. KG und der Online-Marktplatzbetreiber Tradoria. Dabei wurde die Erhebung sowohl offline in schriftlicher Form als auch online über das elektronische Um frage-center des ECC Handel durchgeführt. Durch diese Vorgehensweise konnte somit eine große An zahl von Entscheidungsträgern aus KMU einbezogen werden auch Unternehmen ohne intensive Nut zung von E-Business-Lösungen. Um die Validität der Ergebnisse zu gewährleisten, wurden umfassende Plausibilitätsprüfungen und Fil terungen des Gesamtsamples vorgenommen. So wurden insbesondere Datensätze ausgefiltert, bei denen 3 der komplette Fragebogen in unrealistisch kurzer Zeit (unter einer Minute) ausgefüllt wurde. 6 3 widersprüchliche Angaben gemacht wurden, wie bspw. kenne ich nicht, aber nutze ich intensiv. 3 keine Angaben gemacht wurden, bspw. nur für eine Teilnahme am Gewinnspiel. 3 nur Angaben zur Statistik gemacht wurden. Durch diese Maßnahmen wurden rund 574 unplausible oder unvollständige Datensätze ausgefiltert. Die übrigen Fragebögen gingen in die Auswertung ein und konnten bei der vorliegenden Studie berücksichtigt werden. Die Incentivierung der Teilnehmer erfolgte nicht zentral, sondern wurde von den einzelnen Kooperationspartnern und Kompetenzzentren gestaltet. Das ECC Handel verloste beispielsweise Tickets für das halb jährlich stattfindende EC-Forum 7 und stellte auf Wunsch allen Teilnehmern der Umfrage eine Kurzaus wertung der Umfrageergebnisse zur Verfügung. 6 Diese Filterung war naturgemäß nur bei den Online-Befragungsdaten möglich. 7 Weitere Informationen unter

12 10 3. Stichprobe In der Gesamtbetrachtung kann festgehalten werden, dass die durch die NEG-Umfrage 2010 generierte Stich - probe ein aussagekräftiges Abbild der deutschen KMU-Landschaft bietet und fundierte Analysen zum aktuellen und zukünftigen Nutzungsverhalten, den Infor ma tionsbedürfnissen sowie zum Thema Computer spionage ermöglicht. Die folgenden Ausführungen zur Stichprobe be - gin nen mit einer detaillierten Analyse der befragten Unternehmen nach Branchenzugehörigkeit und Un ternehmensgröße. Abschließend werden die Teilnehmer der Studie nach den jeweiligen Tätigkeits - be reichen im Unternehmen dargestellt. 3.1 Branchenzugehörigkeit In den Untersuchungen der Vorjahre konnten zwischen den verschiedenen Branchen erhebliche Unter schie de in der Nutzung elektronischer Geschäftspro zesse und im Informationsbedarf der Unternehmen festgestellt werden. So gingen auch in diesem Jahr Un ter neh men aus der Industrie, dem Handel, der Dienst leistungsbranche und dem Handwerk in die Erhe bung ein, um ein möglichst genaues Abbild der Realität dar stellen zu können. Von den befragten Unternehmen, die An ga ben zur Branche gemacht haben, stammen 44,9 Prozent aus dem Dienstleistungssektor. Somit wird eine leichte Änderung der Stichprobenzusammen set zung im Vergleich zum Vorjahr 2009 deutlich, in welcher lediglich 39,5 Prozent der Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich vertreten waren. Das Handwerk ist mit 18,2 Prozent ebenfalls stärker in der diesjährigen Stichprobe vertreten, ebenso wie die Industrie branche mit 12,7 Prozent. Handelsbetriebe bilden ähnlich den Vorjahresdaten 15,2 Prozent der befragten Unter nehmen. Insgesamt hat sich im Jahr 2010 im Vergleich zum Jahr 2009 der Anteil an Unternehmen aus sonstigen Branchen mit 9 Prozent nahezu halbiert, wodurch deutlich wird, dass die NEG-Um frage zunehmend die angestrebte Zielgruppe an spricht und er reicht. Wie aus dem Vergleich mit den Daten des Sta tist ischen Bundesamtes deutlich wird, stellt die in der NEG-Umfrage 2010 erfasste Stichprobe ein zufriedenstellendes Abbild aller gesamtdeutschen Unternehmen nach Branchenzugehörigkeit dar (vgl. Abbildung 1). Abbildung 1: Branchenzugehörigkeit NEG-Umfrage 2010 Basis: n = Industrie 12,7 % Bundesrepublik Deutschland 8 Basis: n = Industrie 12,0 % Dienstleistungen 44,9 % Handel 15,2 % Dienstleistungen 52,8 % Handel 20,8 % Sonstiges 9 % Handwerk 18,2 % Sonstiges 3,6 % Handwerk 10,8 % Lesebeispiel: 44,9 Prozent der in der NEG-Umfrage 2010 befragten Unternehmen sind im Dienstleistungsbereich tätig. 8 Quelle: Statistisches Bundesamt, Unternehmensregister, Stand

13 Unternehmensgröße Wie die Analysen der vorhergehenden Jahre zeigen, unterscheiden sich Unternehmen zudem deutlich in der Nutzung des Internets und in ihrem Informations - bedarf zu bestimmten Internet-Anwendungen nach ihrer Unternehmensgröße. Aus diesem Grunde wurden die befragten Unternehmen hinsichtlich ihrer Unternehmensgröße betrachtet und für die spätere detaillierte Analyse in Kleinstunternehmen, kleine Unternehmen, mittlere Unternehmen und Groß - un ternehmen gegliedert. Wie in Abbildung 2 deutlich wird, besitzen kleine und mittlere Unternehmen mit einer Größe von bis zu 9 Mitarbeitern eine herausragende Stellung in der deutschen Wirtschaft und müssen entsprechend be - rücksichtigt werden. Jedoch ist eine adäquate Erfas sung von KMU in Umfragen stets mit Schwierigkeiten verbunden, da diese trotz ihrer Bedeutung nur selten in Panels vertreten sind und eine Beteiligung an Um - fragen aufgrund zeitlicher und personeller Mängel, die eine Konzentration auf die strategischen Fragen erfordern, ebenfalls selten stattfindet. Wie in den Jahren zuvor ist es der NEG-Umfrage 2010 gelungen, in der vorliegenden Erhebung einen besonderen Fokus auf die Zielgruppe der KMU zu legen und somit ihrer weitgehenden Ver nachlässigung bei Befragungen entgegenzuwirken. Aus den Ergebnissen wird deutlich, dass mehr als drei Viertel der Unternehmen in der Stichprobe unter 50 MitarbeiterInnen beschäftigen und damit zu den kleinen und Kleinstunternehmen zählen. Insgesamt haben über 90 Prozent der befragten Unternehmen unter 250 MitarbeiterInnen und fallen damit in die Gruppe der KMU. Somit ist es der NEG-Umfrage ge - lungen, sich an die gesamtdeutsche Unternehmensstruktur anzunähern. Abbildung 2: Unternehmensgröße NEG-Umfrage 2010 Basis: n = Bundesrepublik Deutschland 9 Basis: n = und mehr 7,5 % 10 bis 49 6,7 % 50 bis 249 1,5 % 250 und mehr 0,3 % 50 bis ,2 % 0 bis 9 53,1 % 0 bis 9 91,5 % 10 bis 49 24,2 % Lesebeispiel: 24,2 Prozent der befragten Unternehmen beschäftigen 10 bis 49 Mitarbeiter. 9 Quelle: Statistisches Bundesamt, Unternehmensregister, Stand

14 12 3. Stichprobe 3.3 Tätigkeitsbereich der Befragten Die Spezialisierung und Aufgabenteilung ist in kleinen und mittleren Unternehmen gemeinhin nicht so stark ausgeprägt wie in Großunternehmen. Entscheidungen größerer Reichweite werden hauptsächlich von der Geschäftsleitung bzw. dem Inhaber oder dem Vorstand gefällt. In der NEG-Umfrage 2010 gehört die Mehrheit der befragten Teilnehmer mit 54,2 Prozent zur Füh - r ungsebene (vgl. Abbildung 3). Jeder fünfte Befragte stammt aus dem kaufmännischen Bereich, während 11,6 Prozent der Befragungsteilnehmer im IT-Bereich tätig sind. Aus der Abbildung wird zudem die Posit ions - verteilung der Befragten mit dem Status Angestel lter bzw. Leitender Angestellter ersichtlich, welche mit jeweils nahezu gleichen Anteilen sowohl im kaufmännischen als auch im IT-Bereich vertreten sind. Somit besteht die Stichprobe insgesamt zu mehr als zwei Dritteln aus Entscheidungsträgern und zu einem Drittel aus Fachangestellten der Unternehmen. Abbildung 3: Tätigkeitsbereich der Befragten Basis: n = Inhaber/Vorstand/Geschäftsführung 54,2 % Angestellter Angestellter Leitender Angestellter Leitender Angestellter 25 % 20 % 15 % 10 % 5 % 0 % 11,6 % 5,6 % 6,0 % IT-Bereich IT-Bereich 11,6 % Sonstige Bereiche 11,9 % Kaufmännischer Bereich 22,3 % 25 % 20 % 15 % 10 % 5 % 0 % 22,3 % 11,4 % 10,9 % Kaufmännischer Bereich Lesebeispiel: 22,3 Prozent der Teilnehmer stammen aus dem kaufmännischen Bereich, wovon 10,9 Prozent leitende Angestellte sind.

15 13 4. Ergebnisse Im Folgenden werden die Untersuchungsergebnisse zunächst im Überblick über die Gesamtstichprobe dar - gestellt, bevor in den Kapiteln fünf und sechs auf spezifische Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen und Unternehmensgrößen eingegangen wird. Der erste Teil dieses Kapitels gibt Auskunft darüber, in welchem Ausmaß die befragten Unternehmen das Internet heute nutzen, wie sich das Nutzungsverhalten im Vergleich zu den Vorjahresstudien aus den Jahren 2005, 2007, 2008 und 2009 verändert hat und welcher Informationsbedarf der KMU zu den verschiedenen E-Business-Themen besteht. Darüber hinaus werden die verschiedenen Anwendungsbereiche de tailliert betrachtet und ein Ausblick darüber gegeben, welche Entwicklungen die Befragungsteilnehmer für die kommenden zwei Jahre erwarten. Im Anschluss da ran wird ein Überblick über das Thema Computerspionage in KMU gegeben. 4.1 Nutzung des Internets In den letzten Jahren hat die Integration des Internets und die Intensivierung der E-Business-Aktivitäten auch in KMU eine stetige Zunahme erfahren, sodass dem elektronischen Geschäftsverkehr eine wachsende Be - deutung im Geschäftsalltag von KMU zuteilwird. Un - geachtet dieser allgemeinen positiven Entwicklung birgt die Umsetzung der E-Business-Aktivitäten zur ef fizienten Abwicklung von Geschäftprozessen insbesondere für KMU nach wie vor viele Stolperfallen und Barrieren. So begegnen KMU jedes Jahr neuen Her aus - forderungen, die sich aus einer kontinuierlichen Anpassung an neue technologische Entwicklungen, rechtliche und sicherheitstechnische Bedingungen sowie die regelmäßige Pflege der E-Business-Lösun g en ergeben. Zudem ist das Internet in den letzten Jah ren vermehrt für wirtschaftskriminelle Handlungen missbraucht worden. Die daraus resultierende Verun sicherung geht zum einen mit einem hohen Informa tionsund Beratungsbedarf einher, zum anderen kann sie aber auch zu einem Verzicht auf innovative An sät ze führen, wodurch vielen Unternehmen langfristig sowohl wertvolle Kosten- als auch Zeitersparnisse verloren gehen. So konnte eine Studie des Bundes verbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.v. (BME) und der Universität Würzburg zeigen, dass Unter nehmen ihre Prozesskosten bspw. im Bereich der Online- Beschaffung (E-Procurement) durch den Einsatz von Online-Katalogsystemen um bis zu 25 Prozent senken können. 10 Selbstverständlich sind nicht alle Anwendung en für alle Unternehmen gleichermaßen geeignet und es muss im Einzelfall ge prüft werden, ob entsprechende Maßnahmen die unternehmensspezifische Zielsetzung unterstützen. Im Rahmen der NEG-Umfrage wurde die Nu t - zung s intensität von insgesamt 27 Online-An wendungen zum wiederholten Male abgefragt, um Trends im Nut zungsverhalten rechtzeitig zu erkennen und angemessen darauf reagieren zu können. Dabei wurden die einzelnen Nutzungs-Funktionen, wie z. B. -Management, verschiedenen An wendungsbereichen, wie bspw. Internet als Kommuni kationskanal, zu geordnet. Die Befragungsteilnehmer konnten auf einer fünfstufigen Skala von 1 = keine Nutzung bis 5 = sehr intensive Nutzung ihren Gebrauch dieser Anwendungen einschätzen (vgl. Abbildung 4). Um das Entwicklungspotenzial der einzelnen E-Bu si ness-anwendungen abschätzen zu können, wur den die Teilnehmer gebeten, das unternehmensinterne Nutzungsverhalten der Online-Anwendungen in zwei Jahren zu prognostizieren. Wie bereits im Jahr zuvor konnten die Teilnehmer zu jeder abgefragten Internet-Funktion die Antwortmöglichkeit Ist mir nicht bekannt wählen, wodurch Unkenntnisse hinsichtlich der verschiedenen E-Business-Themen aufgezeigt werden konnten. Außerdem wurde den Teilneh mern die Möglichkeit geboten, Themen des E-Business anzugeben, zu denen noch Informationsbedarf besteht. Um der äußerst dynamischen Entwicklung des E-Business gerecht zu werden, wurde die Erhebung auch in diesem Jahr um aktuelle und praxisrelevante Entwicklungen erweitert. So sind in diesem Jahr erstmalig die Anwendungen Wissensmanagement, Auf wändige Website-Gestaltung, Online-Vertrieb, Innovative Technologien, Web 2.0-Elemente so - wie der Bereich Sicherheit im Netz mit Schutzmaßnahmen vor Angriffen, Schutzmaßnahmen zur 10 Vgl. Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.v. (BME): Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung 2010, unter: Zugriff am

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