Essen lernen am Familientisch

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1 Inhalt Essen lernen am Familientisch 4 Sanfter Einstieg ins Familienessen 6 Meilensteine in der Ess-Entwicklung 10 Alleine essen und in der Küche helfen 12 Mit allen Sinnen essen so schmeckt s kleinen Kindern 14 Welcher Esstyp ist Ihr Kind? 16 Spielregeln und Tricks so gelingt das Essen 18 Kleinkindernährung was und wie viel? Essen und trinken nach den Ampelfarben 20 Richtig trinken muss gelernt werden 22 Gemüse und Obst: knackig und bunt! 24 Getreide und Kartoffeln: gleichmäßige Energie für den Tag 26 Milch und Milchprodukte: drei Portionen am Tag! 28 Fleisch, Wurst, Eier und Fisch in kleinen Mengen 30 Fette und Öle bewusst auswählen 32 Extras nur ab und zu: Süßigkeiten und salzige Snacks 34 Ein geregelter Tag mit fünf Mahlzeiten 36 Was gibt es heute zu essen? 38 Tagsüber außer Haus zu Hause gut ergänzt 42 Vom Toben und Entspannen 44 Informationen und Expertenrat zum Thema Kinderernährung 46 3

2 Essen lernen am Familientisch Das Abenteuer beginnt! Gemeinsam essen so oft wie möglich! Mutter, Vater, Ruth (2 ½ Jahre) und Lucas (11 Monate) sitzen abends daheim an einem hübsch gedeckten Tisch. Neugierig betrachtet Lucas das unbekannte hellbraune Stück Essen auf dem Tisch. Es sieht gut aus, duftet und schmeckt den anderen offenbar gut. Seine Schwester Ruth nennt es Brot und steckt es begeistert in den Mund. Lucas macht es ihr nach. Das braune Stückchen ist im ersten Moment trocken, wird dann aber im Mund feucht und weich. Hmm, lecker! Lucas möchte noch mehr davon. Für die Familie beginnt jetzt das gemeinsame Essen. Eltern und Kind sind froh, dass die Breizeit vorbei ist und nun alle das Gleiche essen können. Die Umstellung von der Baby- auf die Kleinkindkost geht natürlich nicht von heute auf morgen und hat auch ihre Tücken. Ruth möchte nur die Wurst vom Brot essen, Lucas nimmt die weichen Brotstückchen wieder aus dem Mund und versucht, seine Mutter damit zu füttern. Die Eltern reden ihren Kindern gut zu vergeblich. Ruth bekommt einen Trotzanfall und kippt ein Wasserglas um, Lucas fängt an zu weinen. Die Eltern sind genervt und fragen sich: Das soll ein schönes Familienessen gewesen sein? Vielleicht kennen Sie ähnliche Situationen und haben manchmal das Gefühl, Ihre Bemühungen um das Essen wären für die Katz? Doch die Anstrengung lohnt sich auf jeden Fall! Bei den gemeinsamen Mahlzeiten lernen Kinder mit der Zeit alles, was sie für ein gutes Essverhalten brauchen. Ganz einfach, indem sie die Großen beobachten, sie nachahmen und alles selbst ausprobieren. In diesem Heft finden Sie zahlreiche Tipps, wie Sie Ihr Kind darin unterstützen können. 4

3 Ihr Vorbild zählt mehr als viele Worte Von Ihnen übernimmt Ihr Kind im Idealfall eine ausgewogene Ernährung: Es sieht Sie zum Beispiel herzhaft ins Vollkornbrot beißen, mit Genuss einen Jogurt löffeln oder zu jeder Mahlzeit ein Glas Wasser trinken. Das prägt sich Ihrem Kind besser ein als alle Ermahnungen, Ge- und Verbote. Zeigen Sie Ihrem Kind beim gemeinsamen Essen, wie gut es Ihnen schmeckt. Aber bleiben Sie ehrlich: Der falsche Tonfall oder ein unbeabsichtigtes Naserümpfen entgeht dem wachsamen Auge Ihres Kindes nicht. Die Basis für ein genussvolles und gesundes Essverhalten wird jetzt, in den ersten zwei bis drei Lebensjahren, gelegt! Die ganze Familie tankt auf Gemeinsam essen ist aber nicht nur wichtig zum Sattwerden und Essenlernen. Am Esstisch wird geteilt, Rücksicht aufeinander genommen und es werden Wertvorstellungen vermittelt, die Ihr Kind für sein Leben prägen. Wussten Sie, dass man sich später viel eher an die Stimmung bei Tisch erinnert als an das Essen selbst? Essenszeiten sind Erholungsphasen für die ganze Familie Zeit um zur Ruhe zu kommen und Kraft zu schöpfen. Wenn alle entspannt zusammen am Tisch sitzen, ist Ihr Kind glücklich und fühlt sich geborgen. Das entspannte Beisammensitzen klappt natürlich im Alltag nicht immer, und die ein oder andere missglückte Mahlzeit ist ganz normal. Freuen Sie sich über jede gelungene und versuchen Sie, auch mal fünf gerade sein zu lassen! Tipps dazu finden Sie auf Seite 18. Auch für Mini- Familien mit einem Elternteil ist das tägliche gemeinsame Essen ein wichtiges Erlebnis. 5

4 Sanfter Einstieg ins Familienessen Abschied vom Brei Zwischen dem 10. und 14. Monat kann Ihr Kind am Familienessen teilnehmen vorausgesetzt, es ist kindgerecht zubereitet. Nach und nach wird eine Breimahlzeit durch eine normale Mahlzeit ersetzt. Nun gibt es nach zwei, spätestens vier Stunden etwas zu essen nachts aber nicht mehr! Spezielle Kinderlebensmittel (z. B. Juniormenüs) sind überflüssig. Sie verderben nur den Geschmack Ihres Kindes, enthalten häufig zu viel Zucker und Fett und strapazieren unnötig Ihren Geldbeutel. Milch entweder am frühen Morgen oder zum Frühstück Kleinkinder, die morgens schon sehr früh aufwachen, bekommen als erste Mahlzeit meist noch weiterhin die Brust oder eine Flasche mit Säuglingsmilch. Denn welche Mutter und welcher Vater möchte schon morgens um fünf Uhr den Frühstückstisch decken? Wacht das Kind erst zur Frühstückszeit auf, kann die Milchflasche wegfallen. Stattdessen gibt s zum Frühstück richtige Milch (Vollmilch) aus dem Becher. Statt Milch-Getreide-Brei ein richtiges Frühstück Zur Milch bekommt das Kind nun Vollkornbrot aus fein vermahlenem Mehl und etwas Obst. Der Brotbelag (wenig Streichfett, Frischkäse oder Wurst) sollte erst später dazukommen, damit sich Ihr Kind zunächst an den Brotgeschmack gewöhnt. Hat Ihr Kind schon am frühen Morgen Muttermilch oder eine Säuglingsmilch bekommen, trinkt es zum Frühstück Wasser oder Tee (siehe S. 22) aus der Tasse. 6

5 Übergang zum Familienessen Stillen / Flaschenmilch Gemüse-Kartoffel- Fleisch-Brei Getreide-Obst- Brei Milch- Getreide-Brei Zwischenmahlzeit Zwischenmahlzeit Morgens Mittags Abends 7

6 Aus dem Getreide-Obst-Brei werden Zwischenmahlzeiten Zwischen den Mahlzeiten reicht eine Kleinigkeit, sonst fehlt der Hunger auf die Hauptmahlzeiten: Frisches Obst (siehe S. 24), kombiniert mit etwas Brot oder Vollkornzwieback. Damit Ihr Kind nicht aus Langeweile isst, verzichten Sie auf Snacks im Kinderwagen angebundene Spielsachen unterhalten viel besser! Ihr Kind muss sich nun daran gewöhnen, dass es auch essfreie Zeiten gibt. Mittags keine Extrawurst Bisher gab es mittags einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei. Die Verdauung Ihres Kindes ist nun so weit ausgereift, dass es ein normales Mittagessen verträgt. Es sollte anfangs ungewürzt, lauwarm und zerdrückt sein. Bald enthält es aber Stücke, damit sich Ihr Kind an richtiges Essen gewöhnt. Teilen Sie etwas für Ihr Kleinkind ab, bevor Sie das Essen für sich und den Rest der Familie abschmecken. Nach und nach lernt Ihr Kind die Speisen der Familie kennen. Anders als beim Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei gehört Fleisch jetzt nicht mehr täglich auf den Teller, sondern nur noch zwei- oder dreimal in der Woche. Der Grund: Die Fleischportionen sind beim Familienessen größer als in den Breien (siehe S. 30). Abendessen Schön ist es, wenn sich abends die ganze Familie zum Essen treffen kann. Ist Ihr Kind durch die Erlebnisse des Tages sehr müde, können Sie ihm ruhig noch einen Milch-Getreide-Brei füttern. Brotstückchen, trocken oder mit etwas Streichfett, mit einer Tasse oder einem Glas Milch, sind eine Alternative. 8

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