Tun Sie einfach mal nichts! Die Anwendung des Konzeptes der Achtsamkeit in Medizin und Therapie Prof. Dr. Stefan Schmidt Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften (InTraG) Europauniversität Viadrina, Frankfurt/Oder Forschungsgruppe Meditation, Achtsamkeit und Neurophysiologie Universitätsklinikum Freiburg
Übersicht Achtsamkeit, Meditation Herkunft und Praxis MBSR Ausgewählte Forschungsergebnisse Schmerz Depression Onkologie Neuroforschung Achtsamkeit in der Sucht Achtsamkeit für die Behandler/innen
Eine Erfahrung machen..
Achtsamkeit bewusst beobachtend nicht interagieren akzeptierend nicht wertend offenherzig senorisch > kognitiv
Definition Achtsamkeit nahezu unmöglich beschreibt Praxis 1. Person Erfahrung Privat Beschreibung Erfahrung Keine Konzepte, präverbal Wissenschaft 3. Person Perspektive Konzepte, sprachlich Paradox Sagbarkeit des Unsagbaren
Nicht-wertendes Gewahrsein des gegenwärtigen Momentes Jon Kabat- Zinn Präsenz und Akzeptanz
Kontexte der Achtsamkeit Dekontextualisierung Bewusstseinskultur Buddha ca. 400 v. Chr. Klinischer Kontext MBSR, MBCT Säkularisierung Achtsamkeit Buddhismen Buddhismen im Westen Buddhismen im Westen im Westen 2400 Jahre Kulturtransfer Buddhismen Buddhismen im Osten. Buddhismen im Osten. im Osten
Herkunft des Konzeptes Achtsamkeit Theravada Buddhismus Vipassana Spiritueller Weg Befreiung durch Erkenntnis Vergänglichkeit Leiden (Anhaftung/Ablehnung) Selbst als Konzept
Paradoxes Vorgehen Angenehmes loslassen, Unangenehmes annehmen.
Übung der Achtsamkeit Meditation Hier und Jetzt Innehalten Lücke zwischen Wahrnehmung und Reaktion Übertragung in den Alltag
Informelle Achtsamkeit
MBSR mindfulness based stress reduction Achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung Jon Kabat-Zinn, 1979 8 Wochen Kurs Formale Meditation Body-Scan, im Sitzen, Gehmeditation Yoga Hausaufgaben Informationen zu Stress & Gesundheit Informelle Praxis im Alltag Erfolgsstory
Meta-Analyse MBSR 2004 Grossman, Niemann, Schmidt, Walach Metaanalyse zu MBSR Studien Literatursuche 64 Studien -> N=20 (1605) MH PH kontrolliert 0.54 0.53 Beobachtung 0.50 0.42 Mittlere Effektstärken J Psychosom Res, 2004, 57, 35-43.
MBSR bei Angst und Depression Meta-Analyse Hofman et al. 2010 39 Studien (N=1140) Effektstärken (prä-post) Depres. Sympt. g=0.59 Angst g=0.63 Störungsspezifisch Angst bei Angststörung g=0.97 (k=7) Depress. Sympt. bei Depression g=0.95 (k=4) J Consult Clinc. Psychol, 2010, 78, 169
Achtsamkeit in der Onkologie Adjuvante, psychoonkologische Intervention Ziele Lebensqualität Coping Erleben und Leiden weniger aus Erkrankung und Symptomen mehr durch Haltung und Copingfähigkeiten
Ledesma MA 2009
Achtsamkeit und Schmerz 1. Chron. Rückenschmerzen N = 21, keine Kontrollgruppe 2. Migräne N = 62, aktive Kontrollgruppe 3. Fibromyalgie N = 177, aktive Kontrollgruppe, Warteliste Alle MBSR, Messung vorher und hinterher
Achtsamkeit und Schmerz Schmerz bessert sich leicht Allgemeine psychische Befindlichkeit/ Lebensqualität bessert sicht stärker Patienten/innen profitieren Schwere Fälle: MBSR alleine reicht aber nicht aus!
Rückfallprophylaxe bei Depression Wahrscheinlichkeit für Rückfall erhöht sich mit jeder Episode MBCT Verstimmung -> Stress -> Rückfall Metacognitive Awareness Ich bin nicht meine Gedanken, ich bin nicht meine Emotionen Gedanken sind nicht real Stimmungen schwanken Zustande akzeptieren, nicht bewerten Halbierung der Rückfallrate England: NICE Guidelines
Neuroplastizität Vergleich 20 Personen mit ca. 9 Jahren Meditationserfahrung mit Kontrollen Dicke des Kortex (Kernspin) Unterschiede: Insula, präfrontaler Kortex Wahrnehmung innerer Vorgänge, (Körperbild, Atem) Integration von Kognition und Emotionen Stoppt Altersdegeneration? Einschränkung: Kein Längsschnitt Lazar et al, Neuroreport 16, 2005
Neuroplastizität II Ott et al. 2011 in: Walach, Schmidt, Jonas Neurosc. Cons. Spirituality Regions, in which differences were found: Thalamus (Luders et al., 2009), right hippocampus and left inferior temporal gyrus (Hölzel et al., 2008; Luders et al., 2009), orbito-frontal cortex (OFC; Luders et al., 2009), brain stem (Vestergaard-Poulsen et al., 2009), right anterior insula (Lazar et al., 2005; Hölzel et al., 2008), and sensory cortex (Lazar et al., 2005).
Längsschnitt N=16 MBSR, N=17 KG MBSR vs. Warten, fmri davor und danach ROI: Zuwachs im Hippocampus (aber nicht Insula) Explorativ: Zuwachs in PCC, TPJ, Cerebell. Korr. Stressreduktion mit Amgydala Hölzel, et.al. Psychiat. Res., 191, 2011 Hölzel, et. al.soc Cogn Affect Neurosci, 5, 2010
Achtsamkeit und Sucht Moralischer Aspekt/Selbstdisiplin freundl. Umgang mit sich selbst (Selbstmitgefühl/Selbstfürsorge) Automatische Reaktionen Bewusstheit, Risikosituationen (Rückfall) Innehalten, Stimuluskontrolle Mindfulness Based Relapse Prevention (MBRP) Bowen, Chawla & Marlatt 2011
MBRP Acht Sitzungen 1. Autopilot und Rückfall 2. Achtsame Wahrnehmung von Auslösern und Craving 3. Informelle Achtsamkeit 4. Achtsamkeit in Rückfallrisikosituationen 5. Akzeptanz und Bewusstes Verhalten 6. Gedanken sind nur Gedanken 7. Selbstfürsorge Lebensstil 8. Soziale Unterstützung
Empirie zu MBRP Erste Studien/MA noch keine klare Daten Problem Aufrechterhaltung Kontrollierte Therapieansätze und Begleitforschung notwendig
Achtsamkeit für Behandler/in Doppelter Aspekt Qualitäten Bedingungslose Akzeptanz Präsenz im Kontakt Mitgefühl und Empathie Allg. Arbeitsqualität Stressbewältigung
Studie in Simbach am Inn 18 PiP, Psychosomatische Klinik, Zen-Meditation randomisiert, blind, Outcome von 124 Patient(inn)en SCL90-R 7 Skalen p<.01 (incl. GSI) 1 Skala p<.05 1 Skala n.s. signifikante Resultate in STEP, VEV Grepmaier et al. (2007)
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Berufsbegleitender Masterstudiengang Kulturwissenschaften Komplementäre Medizin Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)