Inklusion - nur ein Märchen?

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Inhaltsverzeichnis: 0. Einleitung 3 1. Die Idee einer Schule für alle 5 1.1 Zum Verständnis von Integration und Inklusion 5 1.1.1 Integration was ist das? 5 1.1.2 Inklusion was ist das? 7 1.1.3 Der Vergleich 11 1.2. Warum Gemeinsamer Unterricht? 13 1.2.1 Ein neues Verständnis von Bildung und Lernen 14 1.2.2 Lernen und Lehren aus konstruktivistischer Sicht 18 1.2.2.1 Lernen als Konstruktion 19 1.2.2.2 Lehren als Konstruktion 20 1.3. Charakteristische Merkmale des Gemeinsamen Unterrichts 22 1.3.1 Heterogenität statt Homogenisierung 22 1.3.1.1 Das Ergänzungmodell nach Hinz 26 1.3.2 Auf der Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Innerer Differenzierung und Förderung der Gemeinsamkeit 29 1.3.3 Der Gemeinsame Gegenstand 33 1.3.3.1 Definition und Verständnis des Gemeinsamen Gegenstandes nach Feuser 33 1.3.3.2 Definiton und Verständnis des Gemeinsamen Gegenstandes nach Wocken 37 1.3.4 Gemeinsame Lernsituationen 39 2. Märchen - ein Stück Kultur 43 2.1. Märchen - eine literarische Betrachtung 43 2.2 Märchen - eine didaktische Betrachtung 47 2.3 Die Bedeutung von Märchen für Kinder mit Behinderung 49 2

3. Eine Unterrichtsreihe im Gemeinsamen Unterricht: Märchen 53 3.1 Das Bedingungsfeld 53 3.2. Durchführung der Unterrichtsreihe zum Thema Märchen 56 3.2.1 Verlaufsübersicht 57 3.2.2 Ein Gemeinsamer Gegenstand: Der Zauberspiegel 61 3.3 Reflexion der Durchführung der Unterrichtsreihe Inwiefern konnten die theoretischen Ideale Gemeinsamen Unterrichts in die Praxis umgesetzt werden? 64 4. Ausblick: Inklusion nur ein Märchen... oder eine realisierbare Leitidee? 66 5. Literatur 68 6. Anhang 78 3

0. Einleitung Zu Beginn möchte ich auf eine Doppeldeutigkeit im Titel meiner Arbeit Inklusion - nur ein Märchen? hinweisen. Auf der einen Seite wird hier die Fragestellung deutlich, die meiner Arbeit zugrunde liegt: Ist Inklusion ein erstrebenswertes Ideal, das wirklich in die Realität umgesetzt werden kann, oder handelt es sich hierbei nur um ein Märchen bzw. eine nicht realisierbare Utopie? Andererseits soll der Titel darauf hinweisen, dass das Thema Märchen für die Beantwortung der oben genannten Leitfrage in meiner Arbeit eine entscheidende Rolle spielt. Sie basiert auf Erfahrungen einer Unterrichtsreihe bzw. einem Projekt zum Thema Märchen im Gemeinsamen Unterricht 1 von Kindern mit und ohne Behinderungen. Im ersten Kapitel Die Idee einer Schule für alle geht es zunächst darum, Begriffe wie Integration und Inklusion zu erläutern, die die Grundlage für Gemeinsamen Unterricht bilden. Nach einem Definitionsversuch dieser beiden Bezeichnungen findet ein Vergleich statt, der darauf hinweisen soll, dass Integration und Inklusion nicht unbedingt als Synonyme verwendet werden können, sondern dass von der Gebräuchlichkeit dieser unterschiedlichen Bezeichnungen vielmehr abhängen kann. Der Unterpunkt Warum Gemeinsamer Unterricht? soll das Augenmerk auf das neue Verständnis von Lernen und Bildung lenken, das sich von der bisherigen Idee des neuhumanistischen Weltbildes abwendet. MATURANA und VARELA gehen in ihrer Systemtheorie auf diesen Gedanken näher ein. In Absatz 1.2.2 wird diese Theorie mit dem Konstruktivismus in Zusammenhang gebracht und die Konsequenzen auf den Unterricht näher erläutert. Die Schlussfolgerung stellt eine Rechtfertigung für Gemeinsamen Unterricht dar. Einzelne Merkmale oder Grundsätze des Gemeinsamen Unterrichts werden im darauffolgenden Punkt behandelt. Hier habe ich mich auf die Aspekte Heterogenität 1 Die Bezeichnung Gemeinsamer Unterricht wird hier ebenso wie Innere Differenzierung und Gemeinsamer Gegenstand als feststehender Begriff verwendet und daher in dieser Arbeit immer groß geschrieben. Des weiteren habe ich beim Schreiben von Begriffen wie Lehrer und Schüler die maskuline Form gewählt, impliziere damit aber auch die weibliche. 4

statt Homogenisierung, Innere Differenzierung, Der Gemeinsame Gegenstand einerseits nach FEUSER, andererseits nach WOCKEN - und Gemeinsame Lernsituationen beschränkt. Das zweite Kapitel meiner Arbeit geht auf die literarische, didaktische und kulturelle Bedeutung von Märchen ein. Kapitel 2.3 stellt den Verknüpfungspunkt zum ersten Kapitel meiner Arbeit dar. Im dritten Teil der Arbeit, dem Praxiskapitel, wird die Unterrichtsreihe zum Thema Märchen vorgestellt, die ich mit Schülern einer dritten Klasse im Gemeinsamen Unterricht durchgeführt habe. Nach einer Erläuterung des Bedingungsfeldes über die Schul- und Klassenstruktur folgt eine grobe Verlaufsübersicht. Im Anschluss daran wird der Gemeinsame Gegenstand ( Der Zauberspiegel ) näher betrachtet, an dem die Schüler gearbeitet haben. Zuletzt wird der Verlauf der Unterrichtsreihe reflektiert und überlegt, ob die didaktischen Grundsätze Gemeinsamen Unterrichts ohne weiteres von der Theorie in die Praxis übernommen werden konnten, oder wo Schwierigkeiten auftraten. Meine Arbeit schließt mit der Suche nach einem Resummée, das eine Antwort auf die Leitfrage meiner Arbeit findet: Ist Inklusion nur ein Märchen? 5

1. Die Idee einer Schule für alle In diesem Kapitel erörtere ich den Gedanken, alle Kinder sei es mit oder ohne einer Behinderung in einer gemeinsamen Schule zu unterrichten, statt. Eine solche Schule für alle basiert auf einer sogenannten integrativen oder inklusiven Didaktik, die hier näher erläutert werden sollen. 1.1 Zum Verständnis von Integration und Inklusion Zunächst bedarf es deshalb Begriffe von Integration und Inklusion zu definieren, die im folgenden Abschnitt einander gegenübergestellt werden. 1.1.1 Integration was ist das? Finde eine Form des Zusammenschlusses, die mit ihrer ganzen gemeinsamen Kraft die Person und das Vermögen jedes einzelnen Mitglieds verteidigt und schützt und durch die noch jeder, indem er sich mit allen vereinigt, nur sich selbst gehorcht und genau so frei bleibt wie zuvor. (Rousseau, 1762 Contract social, zit. nach Feuser, 1991, 97) Menschen, seid menschlich; dies ist eure erste Pflicht! Mit diesem Aufruf ROUSSEAUs (1712-1778) in seinem Werk Emile, aber auch in anderen seiner Werke 2, verfolgt der Autor vor allem drei Anliegen: 1. Die Forderung nach einer subjektbezogenen, dem einzelnen Kind gerecht werdende Erziehung, 2. die Notwendigkeit, dieser Erziehung in humaner Weise zu entsprechen [...], was natürlich beinhaltet, dass auch Menschen mit Behinderung als selbstreferentielle und ganzheitlich integrierte Persönlichkeit[en] verstanden werden, die nicht defekt- und abweichungsspezifisch atomisiert werden, um man nennt es dann behinderungsspezifisch wieder normalisiert zu werden, 2 Auf ROUSSEAUs Emile, sowie dem Contract social und verschiedene andere seiner Schriften kann hier leider nicht weiter eingegangen werden. 6