1. Führung und Führungskompetenzen

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1 1. Führung und Führungskompetenzen Rolle der Führung in der Unternehmensführung Unternehmensführung (Management) kann als zielorientierte Gestaltung, Steuerung und Entwicklung eines Unternehmens verstanden werden. klassische Funktionen der Unternehmensführung: Strategieentwicklung - Planung und Kontrolle Organisation (Mitarbeiter)Führung. Führung ist die auf Menschen hin ausgerichtete Komponente des Managements Führung 2 1

2 Was tun Manager? Nach U. Holzbaur: Management ist die Erreichung fremder Ziele mit fremden Mitteln auf eigenen Wegen. (U. D. Holzbaur, Management, Kiehl Verlag, 2001, S.27) Nach S. Robbins: Manager sorgen für Erledigung bestimmter Dinge durch andere. (S. Robbins, Organisation der Unternehmung, Pearson Studium, München, 2001, S.20) Führung 3 Wer sind die Anderen? Unternehmensbild von gestern Unternehmensbild von heute Die Mitarbeiter sind gleich und ersetzbar, sie ergänzen bloß die Maschinen Die Mitarbeiter besitzen individuelle Kompetenzen, Wissen und Kreativität Führung 4 2

3 Wandel des Führungsparadigmas: 4. industrielle Revolution nach H.-J. Bullinger, Erfolgsfaktor Mitarbeiter 1. industrielle Revolution 2. industrielle Revolution 3. industrielle Revolution 4. industrielle Revolution Energie Zeit Wissen Mensch Mechanisierung, Kraftmaschinen Fließband, Arbeitstei-lung Computer, Automatisierung, Informationstechnik Soziale Kompetenz, Teamarbeit, Motivation, Kreativität, Qualifikation, Souveränität Führung 5 Wandel des Führungsparadigmas Traditionelle Methoden (autoritäre Führung und Motivation durch materielle Anreize) können nur physische Anwesenheit und Dienst nach Vorschrift bewirken und sind für körperliche und mechanisierte Arbeit geeignet Wissen und Kreativität der Mitarbeiter können nicht erzwungen, sondern nur von ihnen freiwillig eingesetzt werden. Um sie für Unternehmen zu erschließen, braucht man neue Methoden: Freiräume, Eigeninitiative, Selbstverwirklichung, Identifikation, Empowerment usw Führung 6 3

4 Als Folge ändern sich die Managerkompetenzen: soziale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung konative Kompetenzen emotionale Kompetenzen kognitive Kompetenzen Fachliche Kompetenzen Soziale Kompetenzen Spezielle Fachkompetenzen Branchen-, Fachgebietkompetenz, Steuer-, Recht- und Rechnungswesenkenntnisse, Umweltkompetenz etc. Methodische Kompetenzen Umgang mit Informationen, Logik, kreatives und analytisches Denken, mathematische und IT-Kenntnisse, Fremdsprachen etc. Führungskompetenzen Planungs- und Organisationskompetenz, Moderations-, Motivations-, Konfliktschlichtung-, Kritikkompetenz, Zielsetzung, Delegierung, Rhetorik etc. Umgang mit sich selbst (Selbstkompetenz) Selbstkenntnis, persönliche Reife, Selbständigkeit, Initiative, Ausgeglichenheit, Anpassungsfähigkeit, Lernfähigkeit, Flexibilität, Belastbarkeit etc. Umgang mit anderen Offenheit, Empathie, Toleranz, ethische Kompetenz, Aufgeschlossenheit, Team- und Kooperationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und bereitschaft etc Führung 7 Dimensionen der Managerkompetenz Kognitive Dimension (Verstehen: Kenntnisse, Informationen) Emotionale Dimension (Nachempfinden: Gefühle, Bewertungen) Managerkompetenz Konative Dimension (praktische Umsetzung in Verhalten) Das 3-Komponenten-Modell für Handlungskompetenz einer Person ist bereits von alten Griechen bekannt Einheit aus dem Kopf, dem Herz und der Hand Führung 8 4

5 Führung als Verhaltenswissenschaft (englisch Organizational Behaviour ) Führung bedeutet, auf andere Einfluss zu nehmen. Führung ist eine gegenseitige interpersonelle Einflussnahme, Interaktion und Gestaltung einer Unternehmensrealität für gemeinsame Zielerreichung. Verhaltenswissenschaft untersucht, wie sich Menschen in einem Unternehmen verhalten und wie dieses Verhalten die Leistungsfähigkeit des Unternehmens beeinflusst. Gegenstand der Verhaltenswissenschaft sind drei Determinanten des Verhaltens in Unternehmen: Individuen, Gruppen und Strukturen (die ganze Organisation) Führung 9 Wie kann menschliches Verhalten beeinflusst werden? Durch die Antwort auf diese Frage unterscheiden sich die drei bedeutenden Richtungen der Verhaltenswissenschaft: - Behaviorismus, - Kognitivismus und - Konstruktivismus Führung 10 5

6 Ära des Behaviorismus (1913 bis er Jahre) Ein Mensch wurde von Verhaltensforscher als eine Black Box betrachtet. Die Forscher haben sich nur auf das äußere beobachtbare Verhalten konzentriert. Psychologen J. Watson, B. Skinner, I. Pawlow: alles Verhalten ist das Ergebnis von früheren Erfahrungen (Lob und Tadel, Belohnung und Bestrafung). Menschen haben keinen freien Willen, sie können/müssen durch eine richtige Konditionierung zum bestimmten Verhalten gebracht werden. Folge: menschliches Verhalten ist das Ergebnis der Konditionierung, ein Reiz-Reaktions-Mechanismus. A. Maslow, F. Herzberg, D. McClelland klassische (behavioristische) Motivationstheorien Führung 11 Kognitivismus (seit den er Jahre) K. Lashley Verhalten ist keineswegs eine bloße Reiz- Reaktionskette, sondern wird durch ein internes, hierarchisch organisiertes System kontrolliert. An der Spitze dieses Systems stehen allgemeine Pläne und Absichten, die nachgeordnete, konkretere Handlungsprogramme bis hinunter zu den Einzelaktionen steuern Die Forscher beschäftigen sich mit Warum und Wie des menschlichen Verhaltens. Menschliches Gehirn und seine Informationsverarbeitungsprozesse (Wahrnehmung, Repräsentation der Welt/ mentale Modelle, Entscheidung) rücken in den Mittelpunkt. Folge: menschliches Verhalten ist von individuellen kognitiven Prozessen abhängig. Kognitive Motivationstheorien von V. Vroom, E. Locke, L. Porter/E. Lawler Führung 12 6

7 Konstruktivismus (seit den er Jahre) Konstruktivismus basiert auf den Erkenntnissen moderner Hirnforschung (s. dazu A. Damasio, G. Roth, W. Singer) Unser Wissen von der Welt ist subjektiv, basiert auf unseren Erfahrungen. Aufgrund unserer subjektiven Wahrnehmung interpretieren wir die Welt und schaffen sie gemeinsam Wir haben nur die Welt, die wir zusammen mit anderen hervorbringen (s. Maturana/Varela) Folge: menschliches Verhalten ist nicht nur eine Folge kognitiver Prozesse, sondern zugleich eine realitätsschaffende Kraft. Moderne Konzepte der Führung und Motivation aufgrund der Identifikation, Selbstverwirklichung, Freiräumen, Gestaltung der Unternehmenskultur, Empowerment, MbO etc Führung 13 Selbstverantwortung als Folge des konstruktivistischen Ansatzes Konstruktivistische Anschauung führt dazu, den denkenden Menschen und ihn allein für sein Denken, Wissen und somit auch für sein Tun, verantwortlich zu machen. Heute, da Behavioristen nach wie vor alle Verantwortung auf die Umwelt schieben und Soziobiologen einen großen Teil davon auf die Gene abwälzen möchten, ist eine Lehre ungemütlich, die andeutet, dass wir die Welt, in der wir zu leben meinen, uns selbst zu verdanken haben. Das ist, was der Konstruktivismus letzten Endes sagen will (P. Watzlawick (Hrsg.): Die erfundene Wirklichkeit, Piper Verlag, München, 1985, S.17) Führung 14 7

8 Kontrollfragen 1. Erklären Sie die Aussage von S. Robbins Manager sorgen für Erledigung bestimmter Dinge durch andere. 2. Erläutern Sie den aktuellen Wandel des Führungsparadigmas und seine Ursachen. 3. Beschreiben Sie die Managerkompetenzen mit ihren Dimensionen (kognitive, emotionale und konative) 4. Die Verhaltenswissenschaft als Basis für die Führung. 5. Der behavioristische Ansatz in der Personalführung. 6. Die kognitivistische Perspektive in der Personalführung 7. Der Konstruktivismus in der Personalführung und seine Folgen für Unternehmen Führung 16 Aufgaben für Gruppendiskussion 1. Erklären Sie die Aussage von S. Robbins Manager sorgen für Erledigung bestimmter Dinge durch andere. 2. Erläutern Sie den aktuellen Wandel des Führungsparadigmas und seine Konsequenzen. 3. Der behavioristische Ansatz in der Personalführung und seine Konsequenzen. 4. Die kognitivistische Perspektive in der Personalführung und ihre Folgen. 5. Der Konstruktivismus in der Personalführung und seine Folgen für Unternehmen Führung 17 8

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