Integration und Inklusion. Prof. Dr. Rainer Benkmann Fachgebiet Sonder- und Sozialpädagogik

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1 Ringvorlesung Integration und Inklusion Prof. Dr. Rainer Benkmann Fachgebiet Sonder- und Sozialpädagogik 1

2 Integration bedeutet die Wiederherstellung der Einheit bei vorheriger Separation bestimmter Kinder und Jugendlicher. Inklusion ist eine optimierte und erweiterte Integration. Sie zielt auf die allgemeine Pädagogik mit dem Ziel der Überwindung jeglicher Separation und Diskriminierung von Risikogruppen in der Schule. 2

3 Historisch gesehen ging der Integrationsbegriff dem Inklusionsbegriff voraus. Der Letztere dominiert seit 2000 die sonderpädagogische Diskussion. Theoretisch ergeben sich keine Unterschiede zwischen dem Integrations- und Inklusionsansatz. Allerdings ruft die integrative Praxis seit geraumer Zeit massive Kritik aus inklusiver Perspektive hervor, die vor allem durch Andreas Hinz formuliert wird. 3

4 Praxis der Integration Eingliederung in die allgemeine Schule Differenziertes System nach Schädigungsart Zwei-Gruppen-Theorie Aufnahme Praxis der Inklusion Leben und Lernen aller in der allgemeine Schule Umfassendes System für alle Heterogenität Veränderung des Selbstverständnisses 4

5 Praxis der Integration Individuumszentrierter Ansatz Ressourcen für Kinder Spezielle Förderung Individuelle Curricula für einzelne Praxis der Inklusion Systemischer Ansatz Ressourcen für Systeme Gemeinsames und individuelles Lernen für alle Individualisiertes Curriculum für alle 5

6 Praxis der Integration Förderpläne Auftrag Sonderpädagogik Sonderpädagogen unterstützen Kinder mit SPF Ausweitung von Sonderin die Schulpädagogik Schulpädagogik Praxis der Inklusion Gemeinsame Reflexion und Planung aller Auftrag Schulpädagogik Sonderpädagogen unterstützen Lehrer, Klassen und Schule Veränderung von Sonder- und 6

7 Praxis der Integration Unveränderte Schul- und Sonderpädagogik kombiniert Praxis der Inklusion Synthese von veränderter Schul- und Sonderpädagogik Kontrolle durch Experten/- innen Kollegiales Problemlösen 7

8 Im Inklusionskonzept dominiert die minority perspective, die Menschen mit Behinderung als eine von vielen Minderheiten sieht. Es umfasst daher alle Dimensionen von Heterogenität (z.b. Geschlecht, Religion, Klasse und Nationalität). Die Minderheitsperspektive orientiert sich an der Bürgerrechtsbewegung und kritisiert jedwede Marginalisierung. 8

9 Es gibt einige Berührungspunkte zwischen der Bürgerrechtsbewegung in den USA und der Elternbewegung in Deutschland. Das Inklusionskonzept vermeidet jedwede Kategorisierung, sei es Behinderte, Migranten, Mädchen oder Jungen. Dagegen setzt es ein Konzept des Abbaus von Barrieren für Lernen und Teilhabe. 9

10 Barrieren betreffen jeden und können sich etwa auf Gebäude, auf Haltungen der Lehrkräfte, auf das Lernen und auf didaktisch-methodische Konzepte beziehen. Kern eines inklusiven Unterrichts ist das zieldifferente Lernen. Hinz wendet sich auch gegen sonderpädagogische Förderung und Förderpläne, weil dadurch stigmatisiert und der Glaube an die Andersartigkeit der Kinder mit Behinderungen bestärkt würde. 10

11 Inklusion bad practice of integration? Inklusion = optimierte Integration? Inklusion = erweiterte Integration? Inklusion assimilierende Integration? Inklusion = ultimative Integration? 11

12 Inklusion = menschenrechtsbasierte Integration! Inklusion = enthinderte Integration? Inklusion = visionäre Integration? 12

13 Literatur Bielefeldt, H. (2010): Menschenrecht auf inklusive Bildung Der Anspruch... Vierteljahreszeitschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete 79, Hinz, A. (2002): Von der Integration zur Inklusion Perspektiven Zeitschrift für Heilpädagogik 53, Sander, A (2004): Konzepte einer Inklusiven Pädagogik. Zeitschrift für Heilpädagogik 55, Speck, O. (2010): Inklusion eine Metapher In: Speck, O. (2010): Schulische Inklusion aus heilpädagogischer Sicht (56-82). München: Reinhardt Wocken, H. (2011): Das Haus der inklusiven Schule (59-90). Hamburg: Feldhaus 13

14 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit 14

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