Drei Jahre Staatsschuldenkrise

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1 Drei Jahre Staatsschuldenkrise Bestandsaufnahme aus Sicht der Finanzsystemstabilität, Abteilung Makroprudenzielle Überwachung

2 Drei Jahre Staatsschuldenkrise Bestandsaufnahme aus Sicht der Finanzstabilität 1. Staatsschuldenkrise: Entwicklung anhand ausgewählter Marktindikatoren 2. Ausgewählte Aspekte der Krise 3. Was ist zu tun? 4. Zusammenfassung / Thesen Ausführungen sind die persönliche Meinung des Vortragenden. Seite 2

3 1. Staatsschuldenkrise: Entwicklung anhand ausgewählter Marktindikatoren (1) Staatsschuldenkrise in der EWU ist Teil, nicht Folge der globalen Finanzkrise, die 2008 ausbrach. Finanzkrise begünstigt durch Niedrigzinsen und (zu) optimistische Erwartungen. Schuldentragfähigkeit von Staaten und Wirtschaftssektoren nicht berücksichtigt t weder von den Schuldnern noch von den Gläubigern. Seitdem langwierige wirtschaftliche Bereinigungsprozesse. In der Währungsunion: 1. Hilfspaket für Griechenland im Mai Seite 3

4 1. Staatsschuldenkrise: Entwicklung anhand ausgewählter Marktindikatoren (2) Zinskonvergenz in der Währungs- union von Mit Ausbruch der Krise in Griechenland starke Spreizung. Zwei Effekte sind zu beobachten: b Risikoprämien für anfällig eingeschätzte Staaten steigen. Sichere Häfen (nicht nur Staaten) profitieren von Kapitalzuflüssen und Niedrigzinsen. Seit Sommer 2012 Beruhigung. Marktzugang für IRL und PT. Sinkende Renditen für ES und IT. Seite 4

5 1. Staatsschuldenkrise: Entwicklung anhand ausgewählter Marktindikatoren (3) Ein Merkmal der Finanzkrise ist die Ansteckung Ansteckung ( = Contagion Contagion ) ). Finanzinstrumente anderer Sektoren / Länder regieren mit denjenigen von Krisenländern. Eng ausgeprägt ist Risikoverbund zwischen Staaten und Banken: Banken mit Sitz im betroffenen Land. Banken mit Forderungen gegenüber betroffenem Staat (z.b. CY). Gestresste Banken geben Stress an nichtfinanziellen Sektor weiter. => Banken zentrale Rolle bei der Entstehung/Verstärkung der Krise. Seite 5

6 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: Globales Problem Staatsschulden sind ein globales Problem (der Industriestaaten). Entwicklung in der Währungsunion im Quervergleich recht gut. Andere Währungsräumeä werden bzw. wurden als weniger risikobehaftet wahrgenommen. Dies erleichtert Finanzierung ihrer Defizite ( Sichere Häfen ). Schuldendynamik in den USA/Japan politisch noch nicht gelöst ( fiscal cliff ). => Staatsschulden auch auf mittlere Sicht Bedrohung für Finanzstabilität. Seite 6

7 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: Aufbau im Zeitverlauf Zinskonvergenz in der Währungsunion aber auseinanderdriftende Fundamentaldaten. Alle Staaten mit (späteren) Finanzierungsproblemen verlieren außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Staatengruppen (skizziert): Haushaltsüberschüsse und niedriger Ausgangsschuldenstand aber interne Ungleichgewichte (IRL, ES). Dauerhaft hoher Schuldenstand oder anhaltende Haushaltsdefizite, ineffizienter Staat, Wachstumsschwäche (IT, PT). Seite 7

8 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: Verschuldung anderer Sektoren Aufbau von Staatsschulden in einigen Ländern begleitet von überdurchschnittlichem Anstieg privater Schulden. In PT verschärft dies die Staatsschuldenproblematik. In IRL (insbesondere) und ES führt dies zur Staatsschuldenkrise. Seite 8

9 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: Immobilienboom Kreditwachstum im Zusammen- hang mit Immobilienboom Hintergrund dieser Entwicklung. Immobiliensektor besonders schuldenintensiv (Angebots- wie Nachfrageseite). Mit Ausbruch der Krise fallen die Preise Vermögen der privaten Haushalte sinkt. Kreditsicherheiten der Banken verschlechtern sich. Bausektor in struktureller Krise. Seite 9

10 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: Große Bankensysteme Des einen Schulden sind des anderen Forderungen. Spiegelbildlich zur privaten Verschuldung wachsen die Bankbilanzen. Der Ausbruch der Krise beendet dieses Geschäftsmodell. Seite 10

11 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: mit verschlechterter Kreditqualität Banken belastet durch die Krise im Immobiliensektor und die wirtschaftliche Schwäche. Die Folge ist ein ungebrochener Anstieg notleidender Kredite. Banken in den Programmländern (GR, IRL, PT) in einem finanziell begleiteten Konsolidierungspro-ngsprzess. ES erhält Unterstützungs- programm nur für Banken. Seite 11

12 2. Ausgewählte Aspekte der Krise: Verhalten von Investoren und Einlegern Krise sorgt für teilweise deutliche Kapitalabzüge aus als anfällig eingeschätzten Ländern. Ein Reflex davon sind die steigenden TARGET2-Salden zwischen den Euro-Notenbanken. =>Museumsabend am 17. April TARGET2-Salden Symptom der Finanz- und Staatsschuldenkrise Einheimische Einleger bleiben den Banken aber treu (Ausnahme GR). Seite 12

13 3. Was ist zu tun: Tragfähigkeit der Staatsschulden herstellen (1) Schuldentragfähigkeit ist stark in das Bewusstsein der Märkte getreten. Definition: Schuldenquote (b) darf (zumindest) nicht steigen. Einflussfaktoren sind: i = Verzinsung der Staatsschuld g = Wachstum =>(i-g) pb = Primärsaldo des Staates (Einnahmen abzgl. Ausgaben ohne Zinsausgaben) Seite 13

14 3. Was ist zu tun: Tragfähigkeit der Staatsschulden herstellen (2) Zinsen Die Zinsen auf die Staatsschulden befinden sich generell auf sehr niedrigen Niveaus. Bei den Programmländern liegt dies auch an der politisch gewollten niedrigen Verzinsung der Hilfskredite. Seite 14

15 3. Was ist zu tun: Tragfähigkeit der Staatsschulden herstellen (3) Wachstum Kurzfristige Wachstumsprognosen überwiegend pessimistisch. Seite Ende 2012 keine Verschlechterung der Prognosen. Prognosen erwarten Stabilisierung i im Verlauf von Anpassungsprogramme beinhalten Maßnahmen für wachstumsfördernde Reformen. Erforderlich Wachstum, das weniger schulden- und konsumlastig ist. Seite 15

16 3. Was ist zu tun: Zwillingsdefizite abbauen Zwillingsdefizite sind gleich- zeitige Defizite im Staatshaushalt und der Leistungsbilanz. Volkswirtschaften damit anfällig gegen Vertrauensverlusten bei ausländischen Investoren. In allen von der Krise erfassten Staaten Verbesserung seit Irland und Spanien weiter mit hohen prognostizierten Haushaltsdefiziten. Griechenland mit deutlicher Verbesserung (überzeichnet durch Konjunktur). Seite 16

17 3. Was ist zu tun: Feedbackschleifen zwischen Staat und Banken lockern / aufbrechen Negative Auswirkung auf Banken: Geschwächte Staaten Quelle: OECD. Seite 17 Verluste auf Staatsschuldenbestände Reduzierung des Werts der hinterlegbaren Sicherheiten Potenzielle Herabstufung der Kreditratings Reduzierter Wert expliziter oder impliziter Garantien Negative Auswirkung auf Staaten: Deleveraging-Druck g nachteilig für Realwirtschaft Bankenprobleme reduzieren Investorenbasis Potenzielle Herabstufung der Kreditratings Anstieg der Staatsausgaben, tats. u. pot. Verbindlichkeiten Geschwächte Banken

18 3. Was ist zu tun: Feedbackschleifen zwischen Staat und Banken lockern / aufbrechen Risikoverbund zwischen Banken und Staaten in den von Krise erfassten Ländern verstärkt. Staatsanleihebestände seit Krisenausbruch deutlich gestiegen. Zusammenbruch des unbesicherten Geldmarkts. Schwache private Kreditnachfrage. Anlage von Überschussliquidität. Aus Sicht der Finanzstabilität bedenklich. Seite 18

19 3. Was ist zu tun: Feedbackschleifen zwischen Staat und Banken lockern / aufbrechen Auf der Passivseite der Bilanz steigt die Abhängigkeit von der Zentralbank. Unverzichtbar ist: (Rück-)Gewinnung alternativer Refinanzierungsquellen (marktbasiert und/oder Einlagen). Rückführung der Bilanzsummen ( Deleveraging ) insbesondere durch Abbau von Problemaktiva. Erste Entspannungstendenzen signalisiert i Rückzahlung langfristiger Zentralbankkredite. Aus Sicht der Finanzstabilität positiv: Banken stocken und härten Eigenkapital. Seite 19

20 3. Was ist zu tun: Nationale und europäische Politiken Euro-Raum EU (27-2) ESM Fiskalpakt Bankenunion Europäische und internationale Ebene Mitgliedstaaten t t des Euro-Raumes Eurosystem Seite 20 EFSM EFSF Rettungspakete (GR, IR, PT) Fiskalpolitik Strukturpolitik Finanzstabilitäts- politik Unkonventionelle Geldpolitik 2. Rettungspaket GR Bankenpaket ES

21 3. Was ist zu tun: Maßnahmen der Zentralbanken Weltweit umfangreiche Zentralbankaktionen zur Abmilderung der Folgen der Krise. Sehr niedrige Leitzinsen (Eurosystem 0,75%) Sehr hohe Liquiditätsbereitstellung. Maßnahmen der Notenbanken setzen aber am Symptom nicht an der Ursache an. Seite 21

22 3. Was ist zu tun: Maßnahmen der Zentralbanken Grenzen beachten Notenbanken nicht überfordern! Seite 22 Quelle: BIZ.

23 4. Zusammenfassung / Thesen 1. Die Staatsschuldenkrise ist Teil der globalen Finanzkrise. Sie ist eine Schuldenkrise. Die Erfahrung lehrt, Krisenbereinigung ist langwierig. 2. Die Krise hat ein hohes Ansteckungspotenzial. Aus Sicht der Finanzstabilität ist die Ansteckung des Finanzsektors am bedrohlichsten. 3. In der Währungsunion sind wichtige Shitt Schritte unternommen worden, um die Folgen der Krise zu beseitigen. Es muss noch mehr getan werden. 4. Nicht nur die Staaten (=Schuldner) auch die Gläubiger (=Banken und andere Anleger) müssen lernen und ihr Verhalten ändern. 5. Vorbeugen ist besser als heilen. Deswegen hat die Deutsche Bundesbank ein Mandat zur Überwachung der Finanzstabilität erhalten. => Museumsabend am 15. Mai 2013 Makroprudenzielle Politik und ihre Instrumente Vielen Dank! Seite 23

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