Die Gesundheit von Kindern alleinerziehender Mütter

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1 Die Gesundheit von Kindern alleinerziehender Mütter Dr. Christine Hagen 2. PALME-Fachtagung, 25. September 2009

2 Gliederung 1. Daten und Fakten zur Situation der Kinder 2. Gesundheitsrelevante Risiken 3. Empirische Ergebnisse aus der KiGGS-Studie 4. Fazit

3 Hintergrund und Fakten Wandel von Familienund Lebensformen Entkoppelung von Ehe und Elternschaft Zunahme von Trennungen und Scheidungen 14 % 24 % 2,2 Millionen minderjährige Kinder leben in Einelternfamilien 91% dieser Kinder leben bei ihrer Mutter Einelternfamilien sind vergleichsweise klein Kinder in Einelternfamilien sind häufig älter Mikrozensus 2007 Querschnittsbetrachtung

4 Relative Einkommensarmut von Kindern Alleinerziehend, 1 Kind 38,2 Alleinerziehend, 2 + Kinder 41,3 Paarhaushalt, 1 Kind Paarhaushalt, 2 Kinder 9,5 12,1 Als einkommensarm gelten Kinder, die in Haushalten leben, deren gewichtetes Nettoeinkommen weniger als 60% des gesellschaftlichen Mittelwertes beträgt. Paarhaushalt, 3 + Kinder 14, Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2006, Prognos Prozent

5 Die Konsequenzen einer Trennung der Eltern Alltag muss neu organisiert werden Oftmals Umzug und/oder Wechsel von Schule oder Kita Engerer finanzieller Spielraum Einschränkungen der Konsummöglichkeiten und Freizeitgestaltung Anpassung an neue Familiensituation Familiäre Beziehungen müssen umstrukturiert und neu balanciert werden Gesteigertes Unterstützungsbedürfnis der Kinder Starke Beanspruchung des alleinerziehenden Elternteils

6 Gesundheitsrelevante Risiken Problematische familiäre Beziehungsqualitäten Konflikthafte Elternbeziehung vor der Trennung Destruktive Konfliktlösungen nach der Trennung Unsichere Bindung zum allein erziehenden Elternteil Negativ erlebte Beziehung zum getrennt lebenden Elternteil Situation der allein erziehenden Mutter Gesundheitliche Beeinträchtigung sowie Überforderung (Psych. Störungen, chronische Erkrankungen) Niedriger sozialer Status Soziale Umfeld und Kind Fehlende alternative Bezugspersonen Alter und Entwicklungsphase der Kinder

7 Zwischenfazit Generelle Aussagen über den Gesundheitszustand von Kindern in Einelternfamilien sind nicht zu treffen Die Risiken und Chancen der Entwicklung werden durch eine Vielzahl von Umständen beeinflusst Eine sichere Bindung zum alleinerziehenden Elternteil spielt eine entscheidende Rolle Die ersten zwei Jahre nach einer Trennung gelten als besonders belastend Bei konfliktreichen Familien kann eine Trennung auch einen positiven Wendepunkt darstellen

8 Empirische Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert Koch-Instituts (KiGGS) Die Gesund von Kindern in Einelternfamilien (nur Mütter) im Vergleich zur Gesundheit von Kindern in Zweielternfamilien (nur leibliche Eltern) Vergleich von Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren

9 Die KiGGS-Studie Bundesweite Querschnittserhebung zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen 167 Untersuchungsorte in ganz Deutschland Altersbereich 0-17 Jahre Repräsentative Stichprobe, N = Kinder 0-10 Jahre, N = Teilnahmequote: 66,6% Feldphase: Mai 2003 bis Mai 2006

10 Schriftliche Befragung der Eltern (und Jugendlichen ab 11 Jahre) Themenspektrum: Allgemeine körperliche Entwicklung Krankheiten, Beschwerden, Schmerzen Unfallverletzungen, Behinderungen Psychisches Wohlbefinden Gesundheitsbezogene Lebensqualität Gesundheitsverhalten Medikamentkonsum Impfstatus Arztinanspruchnahme Lebensbedingungen, soziales Umfeld Soziodemographie

11 Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes (3- bis 10-jährige Kinder) Fragenbogenitem: Wie würden Sie den Gesundheitszustand Ihres Kindes im Allgemeinen beschreiben? ( sehr gut, gut, mittelmäßig, schlecht, sehr schlecht ) ,1 36,3 39,1 55,4 42,4 40,9 Prozent Sehr gut Gut 20 42,4 53,9 53,9 41,5 51,4 53, Jahre 3-6 Jahre 7-10 Jahre 0-2 Jahre 3-6 Jahre 7-10 Jahre Einelternfamilien Zweielternfamilien

12 Psychische Auffälligkeiten: Verhalten und Hyperaktivität (3- bis 10-jährige Kinder) Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) 25 Fragen zu Verhaltensproblemen, Hyperaktivität, emotionalen Problemen, Problemen mit Gleichaltrigen, prosozialem Verhalten 40 Verhaltensprobleme Hyperaktivität 30 27,8 Prozent 20 16,8 19,3 20, ,8 10,5 12,2 5,0 0 Jungen Mädchen Jungen Mädchen Einelternfamilien Zweielternfamilien

13 Psychische Auffälligkeiten: Emotionale und Peer-Probleme (3- bis 10-jährige Kinder) Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) 25 Fragen zu Verhaltensproblemen, Hyperaktivität, emotionalen Problemen, Problemen mit Gleichaltrigen, prosozialem Verhalten 30 Emotionale Probleme Probleme mit Gleichaltrigen 20 Prozent 16,9 15,9 17,0 14, ,5 7,5 7,1 7,4 0 Jungen Mädchen Jungen Mädchen Einelternfamilien Zweielternfamilien

14 Probleme in Kita und Schule (3- bis 10-jährige Kinder) In der letzten Woche, in der mein Kind im Kindergarten/ in der Schule war, hat mein Kind die Aufgaben gut geschafft (manchmal, selten, nie) bis 6-Jährige im Kindergarten 7- bis 10-Jährige in der Schule 20 19,5 Prozent 13,5 12,8 16,3 10 9,2 7,1 3,9 2,8 0 Jungen Mädchen Jungen Mädchen Einelternfamilien Zweielternfamilien

15 Übergewicht und sportliche Inaktivität (3- bis 10-jährige Kinder) Body-Mass-Index (BMI) = Gewicht in kg / Größe in m 2 Abgrenzung von Übergewicht und Adipositas gemäß der Referenzdaten von Kromeyer-Hauschild 40 Übergewicht Sportliche Inaktivität 32, ,8 Prozent 20 20,3 22,3 24,1 14,8 11,6 11, Jungen Mädchen Jungen Mädchen Einelternfamilien Zweielternfamilien

16 Einflussfaktoren für das Vorkommen psychischer Probleme und Verhaltensauffälligkeiten bei 3- bis 10-jährigen Kindern Jungen OR Mädchen OR Vorkommen bei Kindern aus EEF vs. ZEF 2,7 3,5 Vorkommen bei Kindern aus EEF vs. ZEF - bei niedriger Schulbildung der Mutter 3,8 4,8 - bei mittlerer und hoher Schulbildung der Mutter 2,2 2,8 Vorkommen bei Kindern aus EEF vs. ZEF - in den alten Bundesländern 2,9 4,3 - in den neuen Bundesländern (einschl. Berlin) 2,0 1,4 OR = odds ratio Faktor, um den die Chance des Auftretens psychischer Probleme bei Kindern in Einelternfamilien im Vergleich zu Kindern in Zweielternfamilien erhöht ist

17 Zusammenfassung Kinder sind überwiegend gesund Jedoch: Kinder von allein Erziehenden sind nach Einschätzung ihrer Mütter signifikant häufiger psychisch auffällig (Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, emotionale und Peer-Probleme) physisch auffällig (sportliche Inaktivität, Übergewicht) Jungen sind in vielen Bereichen belasteter als Mädchen Moderierende Einflüsse: Bildungshintergrund der Mutter sowie Wohnregion Kernprobleme: Zunehmende Anzahl von Kindern in Einelternfamilien, die bereits in jungen Jahren häufig auffällig sind

18 Fazit Allein Erziehende unterstützen - Bildungsangebote - flexible Kinderbetreuung - flexible Arbeitsverhältnisse - finanzielle Unterstützung/Entlastung Ressourcen von Kindern stärken Institutionelle Angebote ausbauen - direkte, niedrigschwellige Unterstützung - Stärkung persönlicher Ressourcen - Förderung emotionalen Lernens und Aggressionsbewältigung - Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede - Angebote an frühen Unterstützungen - Verlässliche Ganztagsbetreuung - Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern bzw. Lehrerinnen und Lehrer - Männliche Erzieher und Lehrer in Kindergärten und Grundschulen

19 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Kontakt Dr. Christine Hagen Abt. Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung Robert Koch-Institut Berlin 030/ KiGGS-Info Internet:

20 Kinder mit spezifischen Versorgungsbedarf (3- bis 10-jährige Kinder) 20 Inanspruchnahme und Bedarf medizinischer, psychosozialer oder pädagogischer Leistungen Inanspruchnahme und Bedarf spezieller Therapien (Physio-, Ergo- oder Sprachtherapie) 15 12,8 12,3 Prozent ,4 5,0 6,1 4,1 2,7 2,8 0 Jungen Mädchen Jungen Mädchen Einelternfamilien Zweielternfamilien

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