R.Wagner, Mathematik in der Astronomie

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Transkript:

Mathematik in der Astronomie Roland Wagner Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM) Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) Linz, Austria Linz, 20.Mai 2016

Übersicht E-ELT Mathematische Begriffe Bildverarbeitung Inverse Probleme Anwendung

Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics European Extremely Large Telescope (E-ELT) Europa ische Su dsternwarte (European Southern Observatory, ESO) baut und betreibt Teleskope z.b. in der Atacamawu ste in Chile 2008: O sterreich tritt der ESO bei 4.12.2014: Endgu ltige Entscheidung zum Bau des E-ELT E-ELT Mathematische Begriffe Very Large Telescope (VLT, 8m) Bildverarbeitung Inverse Probleme Anwendung

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Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics European Extremely Large Telescope (E-ELT) E-ELT: Cerro Armazones (3060m), Spiegeldruchmesser ø 39 m, first light 2024 Korrektur fu r Atmospha rische Turbulenzen: Adaptive Optik Wissenschaftlicher Beitrag aus Linz: Mathematische Algorithmen und Software E-ELT Mathematische Begriffe Bildverarbeitung Inverse Probleme Anwendung

Mathematische Begriffe: Matrix (und Vektor) f (1, 1) f (1, 2) f (1, N) f (2, 1) f (2, 2) b =........ f (N, 1) f (N, 2) f (N, N)

Mathematische Begriffe: Differential und Integral Sei f : R R eine Funktion. Differential f (x) Änderung der Funktionswerte im Verhältnis zur Änderung der Eingabewerte Anwendung: Maxima/Minima, Verhalten einer Funktion Bsp: f (x) = x 3 Integral f (x)dx Entstanden aus Volumenberechnung Anwendung: Fläche unter einer Kurve, Mittelwert einer stetigen Funktion Bsp: f (x) = 3x 2

Mathematische Begriffe: Faltung Seien f, g : R R Funktionen. Faltung (f g)(y) = f (x)g(y x)dx Verbindung von zwei Funktionen zu einer neuen Funktion, gewichteter Mittelwert Anwendung: Bildverbesserung, digitale Erzeugung von Schall und Hall in der Musik, Signalverarbeitung: Reaktion eines betrachteten Systems auf einen Impuls.

Darstellung von Bildern und Signalen am Computer in Matrix oder Vektor f (1, 1) f (1, 2) f (1, N) f (2, 1) f (2, 2) b =........ f (N, 1) f (N, 2) f (N, N) x, y = 1,..., N. 4-Nachbarpixel von (x, y) sind: (x + 1, y), (x 1, y), (x, y + 1), (x, y 1) 4-Diagonalnachbarn von (x, y) sind: (x + 1, y + 1), (x + 1, y 1), (x 1, y + 1), (x 1, y 1)

Darstellung von Bildern und Signalen am Computer Graustufenbild: jedem Pixel können 2 k mögliche Grauwerte zugeordnet werden oft k = 8, also 256 mögliche Werte Intensitäten, zb Farbwerte aus RGB-Modell Transformationen mittels (linearen) Gleichungssystemen zb Rotation, Translation, Skalierung, Schärfung Möglichkeit im Frequenzbereich zu arbeiten (Fourier-Transformation) Frequenzen statt Intensitäten

Selbst ein Bild entwerfen etwa 5x5 Pixel, Grauwerte 0 7 0 0 0 0 0 0 7 0 7 0 0 0 7 0 0 0 7 7 7 0 0 0 0 0 0

Inverse Probleme Warum Invers? Vorwärts vs Inverses Problem Welches ist das Vorwärtsproblem und welches das Inverse Problem? Differentation: Integration: f (x) f (x) f (x) f (x)

Gutgestelltheit Wann ist ein Problem gut gestellt? Idee von Hadamard, 1902. Existenz einer Lösung ( ) Eindeutigkeit einer Lösung (!) Stabile Abhängigkeit von den Daten Nur: was bedeutet das? Inverse Probleme sind meist schlecht gestellt. Was ist also nun das inverse Problem? Differenzieren oder integrieren?

Fehler Wie entsteht ein Fehler? zb Messungen Betrachte zwei Lösungen f (x) und f (x δ ), die von verschiedenen Daten x bzw. x δ bestimmt werden. f (x) f (x δ ) ist der Fehler in der Lösung. Welche Arten von Fehlern gibt es beispielsweise? additiv multiplikativ

Fehler Haben wir Wissen darüber? Warum brauchen wir dieses Wissen? Stabilität hängt mit dem Fehler zusammen Für verschiedene Daten x, x δ mit x x δ < δ soll f (x) f (x δ ) nicht viel größer werden.

Fehler Können wir nun entscheiden, ob integrieren oder differenzieren schlecht gestellt ist? Betrachte für x R, δ klein: JA! f (x) = x 2 f δ,n (x) = f (x) + δ sin(nx) Berechne für n = 100, δ = 0.01: f (x)dx und f δ,n (x)dx f (x) und f δ (x) Betrachte die Beträge der Differenzen. Sind das sinnvolle Werte für n bzw. δ?

Grundlagen der Bildfilter Idee: filternde Maske auf jedes Bildpixel (und seine Nachbarn) anwenden ähnlich einer Skalarmultiplikation, sowie Faltung im Frequenzbereich eine Maske mit einem Bild falten Maske hat z.b. 3x3 Pixel (meist ungerade Anzahl)

Bildverbessernde Filter Einfachster Fall: Maske ist 1x1 Bildnegativ Kontrast stretching Bildsubtraktion (besserer Kontrast z.b. bei medizinischen Bildern) Bildmittelung: mehrere verrauschte Aufnahmen mitteln, z.b. Astronomie grössere Masken?

Bildverbessernde Filter: Bildmittelung 6 Bilder vom gleichen Objekt mit unterschiedlichen Aufnahmefehlern. 0 1 0 3 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 1 7 1 6 0 0 7 0 7 0 0 7 0 7 0 0 3 7 0 0 0 0 6 0 0 0 0 7 0 0 0 6 7 7 1 0 7 7 7 0 0 7 5 7 0 0 0 1 0 0 1 0 0 0 1 0 2 4 2 0 0 0 0 0 0 0 5 0 7 0 0 2 7 0 0 1 6 7 7 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 7 0 7 0 0 0 7 2 0 0 7 7 7 0 0 0 0 0 0 0 1 1 0 0 1 5 3 7 0 0 5 7 5 3 0 7 7 5 5 0 0 0 5 0

Bildverbessernde Filter: Bildmittelung 0.167 0.333 0.333 0.5 0 0.333 6.333 0.667 6.8333 0 0 1.667 6.833 1.1667 0.5 0.167 6.667 6.667 6.667 1 0.167 0.333 0.833 1.167 0.167

Bildverbessernde Filter: Bildmittelung 0 0 0 1 0 0 6 1 7 0 0 2 7 1 1 0 7 7 7 1 0 0 1 1 0

Schärfender Filter analog zum Differenzieren: 1. und 2. Ableitungen möglich zum Hervorheben von feinen Details zur Verbesserung von verschwommenen Details filtert die hochfrequenten Anteile heraus z.b. Roberts, Prewitt, Sobel,...

Schärfender Filter (II) Idee: wollen Unstetigkeiten im Bild auffinden: Unstetigkeiten sind Stellen an denen die Differenz zweier benachbarter Pixel gross ist für 1D können wir: f (x + 1) f (x) ( f x ), oder auch f (x + 1) + f (x 1) 2f (x) ( 2 f x 2 ) messen 1.Ableitung misst dicke Kanten, 2.Ableitung dünnere, dh 2.Ableitung misst viel feinere Details als die 1.Ableitung. 2.Ableitung meist besser geeignet

Konstruktion einer Maske aus der 2.Ableitung soll invariant gegenüber Rotationen des Bildes sein Laplace Operator f (x, y) = 2 f + 2 f (linear) x 2 y 2 Diskrete Darstellung: 2 f = f (x + 1, y) + f (x 1, y) 2f (x, y) und x 2 2 f y 2 = f (x, y + 1) + f (x, y 1) 2f (x, y), somit f (x, y) = f (x+1, y)+f (x 1, y)+f (x, y+1)+f (x, y 1) 4f (x, y) 0 1 0 dazugehörige Maske: 1-4 1 0 1 0 Neues Bild = altes Bild - Maske(altes Bild), äquivalent zur 0-1 0 Anwendung von -1 5-1 0-1 0

Selbst die Kanten eines (kleinen) Bildes finden 0 0 0 1 0 0 6 1 7 0 0 2 7 1 1 0 6 7 7 1 0 0 1 1 0

Selbst die Kanten eines (kleinen) Bildes finden 0-6 -2-2 -1-6 27-15 32-8 -2-10 24-17 3-7 26 13 25-3 0-7 -2-2 -2

MICADO Multi-AO Imaging Camera for Deep Observations Quelle: MICADO Consortium First light Instrument des E-ELT High contrast imaging Motions of stars in globular clusters Exoplanet search

Bildaufnahme mit einem Teleskop Das aufgenommene Bild I o wird durch die point spread function (psf) verzerrt: I o (x) = (I PSF )(x) Je größer das Teleskop, desto besser approximiert PSF die Deltadistribution: PSF of the VLT (8m) PSF of the E-ELT (40m)

Deconvolution