Optionen und ihre Auszahlungsprofile

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1 Optionen und ihre Auszahlungsprofile Eine Ausarbeitung im Schwerpunktmodul Gesamtwirtschaft und Finanzmärkte Von Natalie Gruhs, Maximilian Dallmaier, Jennefer Kirbach und Markus Thaller Vorgetragen am 12.Mai 2014

2 Inhalt Abbildungsverzeichnis... 3 Einleitung (Jennefer)... 4 Entstehungsgeschichte von Optionen (Jennefer)... 5 Definition einer Option (Natalie)... 7 Ablauf eines Optionsgeschäfts (Maximilian) Ausgangssituation (Maximilian) Auszahlungsprofile (Jennefer) Der Long Call (Natalie) Grafische Erläuterung Formelle Erläuterung Motive & Risiken Der Short Call (Jennefer) Grafische Erläuterung Formelle Erläuterung Motive & Risiken Der Long Put (Maximilian) Grafische Erläuterung Formelle Erläuterung Motive & Risiken Der Short Put (Markus) Grafische Erläuterung Formelle Erläuterung Motive & Risiken Fazit zu den Auszahlungsprofilen (Markus) Preiseinflussfaktoren (Markus) Allgemeines Fazit (Jennefer) Quellenverzeichnis

3 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1 Grafik zum Profil Long Call 13 Abbildung 2 Grafik zum Profil Short Call 16 Abbildung 3 Grafik zum Profil Long Put 20 Abbildung 4 Grafik zum Profil Short Put 24

4 Einleitung (Jennefer) Swaps, Termingeschäfte, Futures und Optionen. Auf dem Finanzmarkt tummeln sich viele solcher kompliziert klingender Finanzprodukte. Und alle haben sie eines gemeinsam: Ihr Ruf ist katastrophal schlecht. Viele Deutsche halten noch immer die meisten Derivate für reine Spekulationen und für ebenso sicher wie Spielautomaten. Und daher greifen sie meist auf das aus der Jugend bekannte Sparbuch zurück. Einige trauen sich noch ihr Erspartes in Aktien zu investieren, denn hinter denen steht bekanntermaßen ein reales Unternehmen. Dieses Sicherheitsdenken und das mangelnde Wissen über die vorhandenen Alternativen schränken viele Investoren in ihren Entscheidungen ein. Dabei sind oben genannte Derivate nicht zwangsmäßig komplizierter als die gute alte Aktie und ebenso wenig spekulativer. Um diese These zu untermauern wird in den folgenden Kapiteln die Option als eines der bekanntesten Finanzprodukte unter die Lupe genommen. Neben einer Definition und den wichtigsten Begriffen, werden auch die verschiedenen Arten, Auszahlungsprofile und Motive, sowie Risiken der einzelnen Teilnehmer erklärt. Die wichtigsten Preiseinflussfaktoren für Optionen schließen die Ausarbeitung ab.

5 Entstehungsgeschichte von Optionen (Jennefer) Optionen sind keine Erfindung von modernen Finanzhaien, sondern haben ihren Ursprung in der sogenannten Tulpenblase im 17.Jahrhundert. Holländischen Züchtern war es zu dieser Zeit gelungen mehrfarbige Tulpen zu entwickeln und diese Neuheit erfreute sich großer Beliebtheit vor allem bei den wohlhabenden Niederländern. Das zunächst begrenzte Angebot und die gleichzeitig steigende Nachfrage lösten Preissteigerungen für mehrfarbige Tulpen, sowie ihre Zwiebeln aus. Höhepunkt war, dass Nachfrager noch nicht gesprossene Tulpen erwarben, in der Hoffnung, dass die Preise bis zum Zeitpunkt des Weiterverkaufs gestiegen sein würden. Um diese Zukunftsgeschäfte abzusichern musste ein Handelsinstrument entwickelt werden. Die Option war geboren. Der große Unterschied zu den heute gehandelten Optionen bestand vor allem darin, dass neben einer Verkaufspflicht gleichzeitig auch eine Kaufpflicht bestand. Das Prinzip war ansonsten identisch. Bei steigenden Marktpreisen profitierte der Tulpenkäufer und konnte zu dieser Zeit einen Gewinn von bis zu 50% erwirtschaften. Sollten die Preise fallen, war der Verkäufer abgesichert, denn er veräußerte seine Tulpen unabhängig vom aktuellen Marktpreis zum vorher festgelegten Ausübungspreis. Eine Prämie gab es zu dieser Zeit noch nicht, da aber eine Ausübungspflicht existierte, entfiel das Verkaufsrisiko des Anbieters, für welches ihn heute die Optionsprämie entlohnt. Doch diese Ausübungspflicht hatte damals gravierende Folgen. Viele Niederländer, mit weniger lukrativen Beschäftigungen, wechselten zu dieser Zeit zum Tulpenhandel und investierten oft ihr gesamtes Vermögen. Im Jahr 1637 bestand ein Großteil des holländischen Handels aus Geschäften mit Tulpen.

6 Doch der Tulpenhype war nicht von Dauer. Wie bei Spekulationsblasen üblich zerplatzen auch diese irgendwann. Der Tulpenpreis sank in kurzer Zeit rapide und für viele Niederländer blieben die erhofften Gewinne aus. Auf Grund der damaligen Ausübungspflicht mussten sie die vereinbarte Tulpenmenge zu den nun weit über dem Marktwert liegenden Ausübungspreisen von den Züchtern abkaufen und konnten sie selbst nur wesentlich günstiger an ihre Kunde weiterveräußern. Heute werden mit Optionen kaum noch echte Warenbewegungen abgesichert. Meist stehen hinter einer Option keine realen Gegenstände mehr, sondern es werden Profite aus Preisänderungen gezogen, ohne dass die Waren ihren Besitzer wechseln. 1 1 Vgl.

7 Definition einer Option (Natalie) Der Begriff Option leitet sich vom lateinischen Wort optio ab, was so viel bedeutet wie das Recht der Wahl oder freier Wille. Eine Option berechtigt den Inhaber einen bestimmten Basiswert zu einem bestimmten Bezugspreis in einem bestimmten Bezugsverhältnis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen. Wichtig ist dabei, und dass verdeutlicht das berechtigt, dass der Optionsinhaber nur das Recht besitzt, es aber nicht ausüben muss er hat also die Wahl. 2 Der Basiswert, man nennt ihn auch Underlying kann eine Aktie, eine Währung, ein Zins oder ein Rohstoff sein. Unter einem Bezugspreis oder Ausübungspreis versteht man den Preis, zu dem der Optionsschein-Käufer das zugrundeliegende Underlying kaufen oder verkaufen kann. Üblicherweise benötigt man mehrere Optionsscheine um einen Basiswert zu kaufen. Die Anzahl der benötigten Optionsscheine für einen Basiswert wird durch das Bezugsverhältnis beschrieben. Exemplarisch benötigt man bei einem Bezugsverhältnis von 10:1 (0,1) zehn Optionsscheinen, um einen Basiswert, zum Beispiel eine Aktie, zu kaufen. Zu guter Letzt spielt auch der Zeitraum eine wichtige Rolle. Bei einer Option handelt es sich um ein bedingtes Termingeschäft, was bedeutet, dass das Optionsrecht nur innerhalb eines bestimmten Zeitraums oder an einem bestimmten Verfallsdatum eingelöst werden kann. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen dem American Style und dem European Style. Eine amerikanische Option kann innerhalb der Laufzeit, also vom Kaufzeitpunkt bis zur Fälligkeit, jederzeit ausgeübt werden. Sie bietet am meisten Flexibilität. Eine europäische Option hingegen kann nur am Fälligkeitstermin ausgeübt werden, weshalb sie weniger flexibel ist. 3 2 Vgl. 3 Vgl. Hull, John : Optionen, Futures und andere Derivate, S. 31ff. 7

8 Um eine Option von einem Verkäufer zu erwerben, muss ein bestimmter Marktpreis bezahlt werden. Diesen nennt man Optionsprämie. Es ist sozusagen der Preis um das Recht zu erwerben, zu einem späteren Zeitpunkt eventuell ein Underlying zu kaufen oder zu verkaufen. Der Käufer der Option bezahlt diese Prämie an den Verkäufer, den man in der Fachsprache auch als Stillhalter bezeichnet. 4 Nachdem man eine Option erworben hat und sein Wahlrecht (ein Underlying zu kaufen oder zu verkaufen) ausüben möchte, gibt es drei Erfolgsmöglichkeiten. Zum einen kann die Option im Geld sein. Davon spricht man bei einer Kaufoption (Verkaufsoption), wenn der Ausübungspreis unter (über) dem aktuell gültigen Marktkurs des Underlying liegt. Ist das der Fall, kann durch die Option ein Gewinn erzielt werden. Kaufoption: Im Geld = Ausübungspreis < aktueller Marktkurs des Underlying Verkaufsoption: Im Geld = Ausübungspreis > aktueller Marktkurs des Underlying Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass die Option am Geld ist. Das bedeutet, dass der Ausübungspreis gleich groß ist wie der aktuelle Marktkurs des Underlyings. Am Geld = Ausübungspreis = aktueller Marktkurs des Underlying Bei der dritten Variante befindet sich die Option aus dem Geld. Damit ist eine Kaufoption (Verkaufsoption) gemeint, bei der der Ausübungspreis über (unter) dem aktuellen Marktkurs des Underlying liegt. Der Optionsinhaber würde also einen Verlust realisieren, falls er sein Wahlrecht ausübt. Kaufoption: Aus dem Geld = Ausübungspreis > aktueller Marktkurs des Underlying Verkaufsoption: Aus dem Geld = Ausübungspreis < aktueller Marktkurs des Underlying 4 Vgl. 8

9 Im Zusammenhang mit Optionen gibt es noch zwei weitere Begriffe, die man genau voneinander abgrenzen muss. Das sind der innere Wert und der Zeitwert von Optionen. Unter ersterem versteht man den Gewinn, der bei der Ausübung einer Option erzielt werden kann. Dies ist wie oben beschrieben der Fall, wenn sich die Option im Geld befindet. Der innere Wert entspricht bei einer Kaufoption also der Differenz zwischen dem aktuellen Marktpreis und dem Ausübungspreis. Bei einer Verkaufsoption wird er abgebildet durch den Unterschied zwischen Ausübungspreis und aktuellem Marktpreis. Kaufoption: Innerer Wert = Aktueller Marktpreis Ausübungspreis des Underlying Verkaufsoption: Innerer Wert = Ausübungspreis aktueller Marktpreis des Underlying Der Zeitwert einer Option hingegen beschreibt die Differenz zwischen der Optionsprämie und ihrem inneren Wert. Es ist der Anteil der Optionsprämie, der nicht durch den inneren Wert abgedeckt wird. Die Höhe des Zeitwerts richtet sich nach der Länge der Restlaufzeit der Option und den erwarteten Kursschwankungen des Basiswerts. Der Zeitwert ist also relativ hoch, wenn der Optionsschein noch eine lange Restlaufzeit besitzt, da der Investor noch viel Zeit hat, um einen Gewinn zu erzielen. Am Tag der Fälligkeit zählt also nur noch der innere Wert, da der Zeitwert 0 ist. Der Grund hierfür ist, dass am Fälligkeitstag keine Restlaufzeit mehr besteht, in der der Investor einen Gewinn erzielen könnte. Es gilt also: Zeitwert = Optionsprämie innerer Wert 5 5 Vgl. Hull, John : Optionen, Futures und andere Derivate, S. 261ff. 9

10 Ablauf eines Optionsgeschäfts (Maximilian) Eine Voraussetzung für den Handel mit Optionen ist, dass der Käufer von Optionen Termingeschäfte betreiben darf. Ist diese Termingeschäftsfähigkeit vorhanden, so wird ein spezielles Konto dafür eingerichtet. 6 Der Käufer kauft nun eine Call-oder Put-Option. Der Käufer der Option hat einen vereinbarten Optionspreis beim Abschluss des Vertrages an den Verkäufer zu entrichten. Wird die Option an der Börse gehandelt, ist der Optionspreis am nächsten Börsentag zu bezahlen. Aus diesem Kauf entstehen drei mögliche Szenarien. 1. Für den Käufer besteht die Möglichkeit, die Option an einen Dritten bis zum Fälligkeitsdatum weiter zu veräußern. Er verliert dadurch sämtliche Rechte an der Option. Der Käufer ist somit glatt gestellt und er hat seine offene Position geschlossen. Diese Möglichkeit besteht ebenfalls für den Stillhalter. Kauft er bis zum Fälligkeitsdatum eine Option, die dieselben Merkmale aufweist wie die, die er verkauft hat, ist seine ursprüngliche Verkaufsoption glatt gestellt, bzw. geschlossen. Der Grund für das Glatt stellen einer Option, ist die mögliche Eingrenzung des Verlustes und die vorzeitige Sicherung eines Gewinns. Ein kurzes Beispiel dazu: Der Käufer kauft eine Google- Call-Option für den Preis von 20 pro Option. Der aktuelle Kurs der Aktie beträgt 550. Um die 2000 Optionspreis wieder zurück zu erwirtschaften muss die Aktie auf mindestens 570 steigen. Die Optionsprämie hat also einen Zeitwert von 20. Beim Handel mit sogenannten Aktien-Optionen beträgt die kleinste handelbare Menge 100 Kontrakte(100 * 20 = 2000 Optionsprämie) Die Call-Option hat eine Restlaufzeit von 20 Tagen. Nach 13 Tagen Laufzeit ist die Aktie auf 480 gefallen. Der Käufer sieht eine geringe Chance, dass die Aktie noch auf 570 steigt, um den bezahlten Einsatz wieder zu erwirtschaften. Jetzt sind noch 7 Tage Zeitwert vorhanden und die Optionsprämie steht bei 4,90 (Annahme!). Der Käufer hat bereits 15,10 Prämie verloren. 6 Vgl. 10

11 Der Käufer entscheidet sich jetzt, die Verluste einzugrenzen, indem er die Google- Call- Option für 4,90 Prämie schließt. Der Käufer bekommt 490 (100 Kontrakte * 4,90 ) und reduziert dadurch seinen Verlust auf 1510 ( ). Der Google- long -Call wird durch einen Google- Short -Call geschlossen. 7 Folgende Möglichkeiten können eintreten: - Wenn man einen Long -Call besitzt dann verkauft man eine Call-Option. - Wenn man einen Short -Call besitzt dann kauft man eine Call-Option. - Wenn man einen Long -Put besitzt dann verkauft man eine Put-Option. - Wenn man einen Short -Put besitzt dann kauft man eine Put-Option. 8 In den kommenden Seiten wird genau erklärt, was der Unterschied zwischen Long und Short sowie Put und Call ist. Der Begriff Glatt stellen bezeichnet also den Verkauf einer bereits vorhandenen Position Falls die Option nicht bis zum Fälligkeitstag geschlossen wird, besteht für den Käufer die Möglichkeit die Option auszuüben. Dies wird er natürlich nur dann tun, wenn es für ihn vorteilhaft ist. Europäische Optionen haben die Eigenschaft, dass der Fälligkeitszeitpunkt gleich mit dem Ausübungszeitpunkt ist. Bei amerikanischen Optionen kann der Ausübungszeitpunkt auch während der Laufzeit liegen Falls die Option nicht ausgeübt oder verkauft wird, so wird diese am Ende des Ausübungszeitraums wertlos verfallen. Mit dem Ablauf des Zeitraums verfällt auch das Risiko der Option, sie ist ausgelaufen Vgl.http://tradingeconomics.net/08/schritt-5-der-trading-economics-options-leitfaden/aus-einerbestehenden-option-aussteigen/#DenOptionskontrakt Verkaufen 9 Vgl.http://www.gevestor.de/details/glattstellen-im-optionen-handel-details-vom-experten-erklaert html 10 Vgl. Bösch, Martin: Derivate Verstehen, anwenden und bewerten; S. 36ff. 11 tun und die Option Auslaufen lassen (engl.: Expire) 11

12 Ausgangssituation (Maximilian) Der Getreidebauer möchte sein Getreide (Weizen) nach der Ernte an den Getreidehändler verkaufen. In unserem Beispiel gehen wir von 10 kg Weizen für 100 aus. Die Optionsprämie beträgt 10. Auszahlungsprofile (Jennefer) Der Getreidehändler und der Bauer können nun zwischen zwei Optionsarten unterscheiden: Entweder der Bauer bietet eine Kaufoption an, auch Call genannt, oder der Händler veräußert eine Verkaufsoption, welche als Put bekannt ist. Jede dieser Optionen hat zwei verschiedene Positionen, welche die Option aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet. Dabei ist der Inhaber der Long-Position immer der Käufer der Option. Im Gegensatz dazu beschreibt die Short-Position einer Option die Sicht des Verkäufers, auch Stillhalter genannt. Die vier dabei entstehenden Auszahlungsprofile, Long und Short Call, sowie Long und Short Put, werden in den nächsten Abschnitten anhand des Beispiels aus der Ausgangsituation näher erläutert. Der Long Call (Natalie) Eine Kaufoption oder ein Call gibt einem Besitzer das Recht, das Underlying an oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Ausübungspreis zu kaufen. Den Käufer dieser Option bezeichnet man als Inhaber der Long-Position. Der Kauf eines Optionsscheins sieht dabei so aus, dass der Käufer an den Stillhalter eine Optionsprämie bezahlt und im Gegenzug das Recht auf den Bezug eines Underlyings erhält. Der Inhaber eines Optionsscheins hat also die Wahl, aber nicht die Pflicht den Schein einzulösen. Anhand unseres fiktiven Beispiels bedeutet das Folgendes: Der Händler bezahlt eine Optionsprämie von 10 Euro an den Getreidebauern, wodurch er einen Optionsschein 12

13 von diesem erhält. Er hat nun das Recht, 10 kg Weizen von dem Bauern für 100 Euro zu erwerben. Welche Chancen und Risiken für den Käufer gelten und wie hoch maximaler Gewinn und Verlust sein können, wird nachfolgend anhand einer Grafik erläutert. Grafische Erläuterung 12 Abbildung 1 Grafik zum Profil Long Call Auf der x-achse der Grafik sind die möglichen Marktpreise am Stichtag abgebildet, während auf der y-achse die Höhe des Gewinns im positiven Bereich und die Höhe des Verlustes im negativen Achsenabschnitt abgelesen werden können. In der Abbildung kann man erkennen, dass der Ausübungspreis für 10 kg Weizen 100 Euro und die Optionsprämie 10 Euro beträgt. Es soll nun dargestellt werden, wie groß der Gewinn bzw. der Verlust für den Händler bei verschiedenen Marktpreisen am Stichtag ist. Liegt der aktuelle Kurs am Stichtag unter 100 Euro, macht der Händler einen maximalen Verlust in Höhe der Optionsprämie. Der Grund ist, dass der Händler sein Wahlrecht nicht einlösen wird, da der Ausübungspreis höher als der aktuelle Kurswert ist. Liegt der aktuelle Kurs z.b. bei 95 Euro, dann müsste er aufgrund der Optionsvereinbarung für 10 kg Weizen aber ganze 100 Euro bezahlen. Er macht also Verlust, weshalb das Einlösen der Option sinnlos wäre. Dadurch dass er sein Wahl- 12 Grafik Grill, Perczynski: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, S

14 recht nicht auslöst, muss er aber dennoch die Optionsprämie in Höhe von 10 Euro an den Bauern bezahlen. Er macht durch den Vertrag also einen maximalen Verlust von 10 Euro und ist folglich out-of-money oder aus dem Geld. Diesen maximalen Verlust in Höhe der Optionsprämie macht er bis zu dem x-wert 110, an dem Marktwert und Ausübungspreis gleich groß sind. An diesem Punkt ist der Optionsinhaber at-the-money oder am Geld, da Marktpreis und Ausübungspreis ausgeglichen sind. In diesem Fall würden 10 kg Weizen am Markt am Stichtag 100 Euro kosten. Das ist der gleiche Preis, der auch im Optionsvertrag vereinbart wurde. Allerdings wird der Händler immer noch einen maximalen Verlust in Höhe der anfallenden Optionsprämie (10 Euro) machen, wenn er die Option einlöst. Steigt der aktuelle Marktpreis über den Ausübungspreis, befindet er sich also zwischen 100 und 110 Euro, tritt der Händler in die Zone der verminderten Kosten ein. Liegt der aktuelle Aktienkurs bei 105 Euro, bedeutet dass, dass der Händler durch das Einlösen der Option 5 Euro gewinnt, da er statt diesem Betrag nur die vereinbarten 100 Euro für 10 kg Weizen bezahlen muss. Allerdings fällt auch in diesem Fall noch die Optionsprämie von 10 Euro an, was zur Folge hat, dass der Händler nach ihrem Abzug einen Verlust von 5 Euro erzielt. Die Kosten die der Optionsinhaber jetzt zahlen muss sind aber geringer, da er nicht mehr die volle Prämie in Höhe von 10 Euro zahlen muss, sondern nur noch die Hälfte. Das Ausüben der Option ist also schon sinnvoll, da man die Kosten minimieren kann. Es wird durch diesen Vertrag zwar immer noch kein Gewinn erwirtschaftet, aber man befindet sich schon in-themoney oder im Geld. Den Punkt an dem der aktuelle Marktkurs gleich groß ist wie Ausübungspreis und dieoptionsprämie, bezeichnet man als Break-Even-Point. Der Break-Even-Point stellt also die Gewinnschwelle dar. Bei jedem Wert der größer als 110 Euro ist, macht der Getreidehändler Gewinn. Angenommen der aktuelle Marktpreis am Stichtag liegt bei 115 Euro. Würde der Händler jetzt sein Wahlrecht einlösen, erwirtschaftet er einen Gewinn. Er spart sich durch die Option 15 Euro, da er nur den vereinbarten Ausübungspreis von 100 Euro 14

15 für den Weizen zahlen muss. Zieht man anschließend noch die Prämie von 10 Euro ab, bleibt ein Gewinn von 5 Euro übrig. Liegt der aktuelle Marktpreis also über Ausübungspreis und Optionsprämie, sollte der Händler die Option unbedingt einlösen, da er dann einen Gewinn erwirtschaften kann. Da der aktuelle Marktpreis am Stichtag theoretisch unendlich steigen kann, besitzt der Optionsscheininhaber ein unbegrenztes Gewinnpotenzial. Formelle Erläuterung Zusammenfassend kann man also festhalten, dass der Inhaber einer Option, sein Recht nicht einlösen wird, wenn der Ausübungspreis kleiner ist als der Marktpreis am Stichtag. Er befindet sich dann nämlich out-of-the-money und macht einen Verlust in Höhe der Optionsprämie. Sind Ausübungspreis und aktueller Aktienkurs gleich groß, befindet man sich at-themoney und tritt in die verminderte Verlustzone ein. Dort ist man bis zum Break- Even-Point, also bis Basiswert und Marktkurs gleich groß sind. In diesem Bereich macht der Optionsinhaber immer noch Verlust, allerdings nicht mehr in Höhe der vollen Prämie. Ist der Ausübungspreis größer als Marktpreis und Optionsprämie zusammen, dann ist die Option rentabel, da der Inhaber Gewinn macht und sich in-the-money befindet. Die Formel des maximalen Gewinns lautet demzufolge: Maximaler Aktienkurs am Stichtag Ausübungspreis Optionsprämie. Motive & Risiken Man kann also festhalten, dass die Motive bei einem Long Call darin bestehen, dass der Verlust auf die Optionsprämie beschränkt ist und der Gewinn theoretisch unendlich hoch sein kann. Das Risiko dieser Kaufoption liegt aber dennoch darin, dass man sich verspekulieren kann und so einen Verlust in Höhe der Optionsprämie erzielt. Ein Long Call eignet sich also nur, wenn man steigende Kurse während der Laufzeit erwartet! 13 Vgl. Hull, John : Optionen, Futures und andere Derivate, S.261, 311 ff. 14 Vgl. Hull, John : Optionen, Futures und andere Derivate, S. 261ff. 15

16 Der Short Call (Jennefer) Jedes Geschäft muss von zwei Seiten betrachtet werden. Nachdem eben die Käufersicht einer Kaufoption beschrieben wurde, Long Call genannt, wird nun die Verkäufersicht betrachtet. Der Verkäufer einer Call-Option, auch Stillhalter genannt, ist der Inhaber der sogenannten Short-Position. Der Verkauf eines solchen Optionsscheins läuft dabei wie folgt ab: Der Verkäufer räumt dem Käufer das Recht ein, sein Underlying an oder bis zu einem vereinbartem Zeitpunkt zum ausgemachtem Ausübungspreis zu beziehen. Im Gegenzug erhält er vorab eine Optionsprämie. Anders als der Abnehmer einer solchen Option hat der Veräußerer die Pflicht, den Schein einzulösen, sollte der Bezieher dies wünschen. Für unser fiktives Beispiel bedeutet dies: Der Getreidebauer erhält vom Händler einen Optionsprämie von 10 und räumt ihm dafür das Recht ein, am Ausübungszeitpunkt 10 kg Weizen zu einem Preis von 100 Euro zu kaufen. Welche Chancen und Risiken für den Verkäufer dabei entstehen und wie sein Gewinn- und Verlustprofil aussieht wird im Folgenden anhand der Abbildung 2 erklärt. Grafische Erläuterung 15 Abbildung 2 Grafik zum Profil Short Call 15 Grafik Grill, Perczynski: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, S

17 Während die x-achse alle möglichen Marktpreise zum Ausübungszeitpunkt darstellt, zeigt die y-achse im positiven Bereich die Gewinnhöhe und im negativen Achsenbereich die Verlusthöhe des Stillhalters. Auch die in unserem Beispiel beschriebene Optionsprämie in Höhe von 10 Euro und der ebenfalls bereits erwähnte Ausübungspreis von 100 Euro pro 10 kg Weizen sind in der Grafik wiederzufinden. Im nächsten Abschnitt wird die Gewinn- beziehungsweise Verlustsituation des Bauern in vier verschiedenen Szenarien erläutert. Die Szenarien unterscheiden sich durch unterschiedlichen Weizenpreise am Stichtag. Sollte der Marktpreis zum Ausübungszeitpunkt unter dem Ausübungspreis von 100 Euro liegen, erwirtschaftet der Bauer seinen maximalen Gewinn in Höhe der Optionsprämie. Mehr als die Optionsprämie, in unserem Fall 10 Euro, kann der Stillhalter nicht erzielen, denn liegt der Preis unter dem vereinbartem Ausübungspreis und somit in der Gewinnzone des Getreidebauern, wird der Käufer sein Recht nicht einfordern, da er mehr bezahlen würde als der aktuelle Kurs. Daher verfällt die Option und dem Verkäufer bleibt ein Gewinn in Höhe der bereits erhaltenen Optionsprämie. Fachlich gesehen ist der Bauer in diesem Fall im Geld oder in the money, da er einen Gewinn in Höhe von 10 Euro nachweisen kann. Sein Gewinn wird erst ab einem Marktwert in Höhe des Ausübungspreises, im fiktiven Beispiel bei 100 Euro, geschmälert. Denn ab diesem Zeitpunkt wird der Besitzer der Option sein Ausübungsrecht einfordern, denn er bezahlt nun weniger als den aktuellen Kurs. Sollte der aktuelle Marktpreis für 10 kg Weizen am Stichtag z.b. auf 105 Euro gestiegen sein, wird der Getreidehändler seine Option ausnutzen. Dadurch sinkt der Gewinn des Bauern auf 5 Euro. Denn er hat zwar die Optionsprämie in Höhe von 10 Euro vom Händler erhalten, doch hätte er sein Getreide an einen Dritten anstatt an den Käufer veräußert, hätte er 5 Euro mehr dafür bekommen. Verrechnet man die Prämie mit dem niedrigeren Preis, erhält man den neuen Gewinn des Bauern. Da er jedoch immer noch in der Gewinnzone weilt, ist er weiterhin in the money. Den Gewinnbereich verlässt der Stillhalter erst, wenn der Marktwert am Ausübungstag genauso groß ist wie der Ausübungspreis und die Optionsprämie addiert. In unserem Beispiel entspricht das einem Kurswert von 110 Euro pro 10 kg Getreide. Der Händler wird in diesem Fall wieder seine Option nutzen, da er günstiger als der Markt 17

18 einkaufen kann. Unser Bauer verzichtet wieder auf den gestiegenen Preis und verliert dadurch 10 Euro, welche noch durch die Prämie von 10 Euro aufgefangen werden. Dies bewahrt ihn vor einem Verlust. Der Bauer geht mit plus-minus 0 aus dem Geschäft hervor und ist damit at the money. Diesen Punkt nennt man auch Gewinnschwelle oder Break-Even-Point, da jede Veränderung den Bauern in die Gewinn- oder Verlustzone bringt. Im letzten Szenario rutscht der Bauer in den Verlustbereich. Denn jeder Kurs über dem eben beschriebenen Break-even-Point bewirkt, dass die erhaltene Optionsprämie die entgangene Preissteigerung nicht mehr auffängt. In unserem Beispiel reicht schon ein Marktwert von 111 Euro um den Bauern einen Verlust einzubringen. Die Preissteigerung von nun 11 Euro übersteigt die gezahlte Prämie von 10 Euro um lediglich einen Euro, der beim Bauern als Verlust verbucht werden muss. Der Getreidebauer ist out oft he money oder aus dem Geld. Anders als der Händler kann er jedoch bei einem für ihn unvorteilhaften Preis die Option nicht verfallen lassen. Dadurch muss bei einer Call-Option aus Sicht der Short-Position ein unbegrenzter Verlust in Kauf genommen werden, da auch der Marktwert des Underlying theoretisch unbegrenzt steigen kann. Formelle Erläuterung Zusammenfassend kann man festhalten, dass der Verkäufer einer Option von der Entscheidung des Käufers abhängig ist, denn dieser entscheidet ob er sein Recht ausübt. Aus Sicht des Stillhalters sind sinkende Preise vorteilhaft, da der Besitzer der Option diese zwar nicht einlöst, aber der Verkäufer trotzdem die Optionsprämie und damit seinen maximalen Gewinn einnimmt. Sollte der Marktwert den Ausübungspreis überschreiten, kann das Geschäft aus der Sicht der Short-Position trotzdem noch gewinnbringend sein, solange die erhaltene Prämie die Preissteigerung ausgleicht. Erst wenn dies nicht mehr der Fall ist wird eine Call-Option für den Veräußerer unwirtschaftlich. Dieser potenzielle Verlust kann unbegrenzt hoch ausfallen, da die Kurse theoretisch ebenfalls unbegrenzt steigen können. Der Break-Even-Point ist wie beim Käufer auch der Ausübungspreis addiert mit der Optionsprämie. An diesem Punkt erwirtschaftet der Veräußerer der Option weder Gewinn noch Verlust und geht daher mit plus-minus-null aus dem Geschäft. 18

19 Motive & Risiken Wie aus der Abbildung 2 ersichtlich, ist der realisierbare Gewinn für den Verkäufer einer Option wesentlich geringer als der potenzielle Verlust. Da stellt sich die Frage, welche Argumente einen Optionsveräußerer überzeugen ein solches Kaufrecht anzubieten? Auch wenn der potenzielle Gewinn begrenzt ist, so ist die Möglichkeit die Optionsprämie als Profit zu erwirtschaften doch eines der Hauptargumente für eine Call- Option aus Sicht der Short-Position. Da der Verkäufer eines solchen Rechtes im Gegensatz zum Käufer von sinkenden oder gleichbleibenden Preisen ausgeht, ist die Chance die Prämie komplett als Gewinn zu verbuchen realistisch. Zusätzlich hat der Verkäufer einer Option die Möglichkeit durch die Wahl des Ausübungspreises sein Verlustrisiko zu minimieren. Je größer die Distanz zum am Verhandlungstag bestehenden Kurs und dem geplanten Ausübungspreis ist, desto größer muss die Preissteigerung sein um später in die Verlustzone zu gelangen. Dabei sollte man nur beachten, dass bei hohen Differenzen die Optionsprämien geringer ausfallen. Die Kunst ist es, die Balance zwischen einer möglichst hohen Optionsprämie, zum Ausgleichen kleiner Preiserhöhungen über dem Ausübungspreis, und einem hohem Ausübungspreises, um einen späten Eintritt in die Verlustzone zu ermöglichen, zu finden. Doch auch diese Minimierung des Verlustrisikos schütz nicht vor dem Risiko des unbegrenzten Verlustes. Wie bereits erwähnt können die Marktpreise theoretisch unbegrenzt steigen und damit den Verlust des Verkäufers ebenfalls theoretisch unbegrenzt erhöhen. Dem Gegenüber steht ein begrenzter Gewinn. Da der Verkäufer einer Option den meisten Gewinn erzielt wenn die Preise sinken, aber der Käufer sein Recht in einem solchen Fall nicht ausübt, bleibt dem Veräußerer eines Calls nur die bereits erhaltene Optionsprämie. Dadurch ist der maximale Gewinn eines Calls aus der Sicht der Short- Position die Optionsprämie Vgl. Bösch, Martin: Derivate Verstehen, anwenden und bewerten; S. 36ff 19

20 Der Long Put (Maximilian) Die Put-Option beschreibt eine Verkaufsoption, bei dem der Käufer das Recht erwirbt einen Bezugswert zu einem vereinbarten Ausübungspreis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu verkaufen. 17 Als Inhaber der Long Put-Position erwirbt man das Recht, eine bestimmte Menge eines entsprechenden Basiswertes (z.b. Aktie) innerhalb eines festgelegten Zeitraumes (Optionsfrist) oder zu einem festgesetzten Zeitpunkt (Optionstermin) zu einem bei Vertragsabschluss vereinbarten Preis zu verkaufen. 18 Im folgendem versuche ich anhand eines einfachen Beispiels und einer übersichtlichen Zeichnung die verschiedenen Möglichkeiten zu erklären, die bei einem Long Put eintreten können. Grafische Erläuterung 19 Abbildung 3 Grafik zum Profil Long Put Der Getreidebauer möchte sein Getreide an den Getreidehändler verkaufen. Der Bauer rechnet mit stark fallenden Preisen seines Getreides. Er kauft somit die Option, um sein Getreide zu einem vorher fest vereinbarten Preis zu verkaufen. 17 Vgl Grafik Grill, Perczynski: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, S

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