Die Europäische Währungsunion

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1 Universität zu Köln Ringvorlesung 28. November 2011 Die Europäische Währungsunion Nobailout, Bailout, Stabilitäts- und Wachstumspakt und Schuldenbremsen. GIIPS-Staaten Die Währungsunion in der Systemkrise von Charles B. Blankart Humboldt-Universität zu Berlin und Universität Luzern CESifo, CREMA

2 INHALT I. Die Situation des Euro II. III. Die Krise der GIIPS-Staaten. Nobailout, Bailout, Stabilitäts- und Wachstumspakt und Schuldenbremsen. Die Krise des Eurosystems: Einigkeit macht schwach. IV. Risiken disaggregieren. Der Starke ist am mächtigsten allein. V. Schlussfolgerungen Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 2

3 I. Die Situation des Euro

4 Im Westen nichts Neues Tiefzinspolitik dürfte in USA und Euroland weiter anhalten. Keine größeren Änderungen des Eurokurses gegenüber Dollar 1,6 Euro CHF 1,4 1.2 Kaufkraftparität 1,0 0,8 Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 4

5 II. Der Krisenherd der GIIPS-Staaten

6 Wettbewerbsfähigkeit der GIIPS unter dem alten Regime Kosten Abwer -tung Zeit 8. Treffen der Stiftung Humboldt-Universität am 4. November 2011

7 Wettbewerbsfähigkeit unter der Währungsunion: Lohnstückkosten Lohnstückkosten Deutschland Schweiz Deutschland Griechenland Italien Portugal Spanien Irland PIIGS

8 Wettbewerbsfähigkeit unter der Währungsunion: Leistungsbilanz Leistungsbilanz in Prozent des BIP Deutschland Griechenland Italien Portugal Spanien Schweiz Irland PIIGS

9 20 Wettbewerbsfähigkeit unter der Währungsunion: Arbeitslosenquote Arbeitslosenquoten in Prozent von 1990 bis Deutschland Deutschland Griechenland Italien Portugal Spanien Schweiz PIIGS

10 Wettbewerbsfähigkeit unter der Währungsunion: Haushaltsdefizite in Prozent des BIP 5 0 Deutschland PIIGS Deutschland Griechenland Spanien Italien Portugal Schweiz Irland PIIGS

11 Monetäre Seite: Zinssätze steigen verzögert Zinssätze zehnjähriger Staatsanleihen Euro- Einfüh rung Die goldenen Jahre der G-IIPS Beschluss der EU- Finanzminister vom ifo

12 Nachhaltige Staatsverschuldung Steuereinnahmen T Staatsausgaben G = Zinssatz i mal Staatsschuld D T G i D Primärsaldo Zinsen T G realwirtschaftliche Seite i D monetäre Seite

13 Zusammengequetschter Verschuldungsspielraum + Zinsanstieg in % des BIP 2011 Jahr Deutschland Primärsaldo Griechenl Irland Italien Portugal Spanien -0,4-3,4-1,9-0,1-2,9 1,4 Zinslast 5,6 3,0 4,4 4,2 1,7 2,1 Quellen: Sachverständigenrat und OECD Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 13

14 Der Primärsaldo fällt, Schulden steigen, Ponzi folgt Griechenland Primärsaldo fällt Wenn Primärsaldo = 0, Zinsen werden nur noch aus Neuverschuldung beglichen = Je länger, desto schwieriger Umkehr Ponzi Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 14

15 Was nun? Nobailout? Bailout? Stabilitäts- und Wachstumspakt und Schuldenbremsen? unglaubwürdig Immer mehr Zentralisierung Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 15

16 III. Die Krise des Eurosystems: Einigkeit macht schwach

17 Krisensymptome Unverminderte Staatsverschuldung Italien neues Krisenland Staaten-Ratings reihenweise auf der Kippe Deutschland auch betroffen Zinsanstieg würde Staatsfinanzierung gefährden EZB kauft Staatsanleihen

18 Offizielle Antworten/Meine These Offiziell: Einigkeit macht stark Risiken konsolidieren (Eurobonds und dergl.) Finanzen konsolidieren Brüssel stärken (sixpack) Europäischer Bundesstaat? Meine These: Einigkeit macht schwach

19 Die Risiken von Staaten und Banken Staat D Staat F BankD1 BankDn Grundregel Gleichgerichtete Risiken trennen Gegengerichtete Risiken vereinen Bank F1 Bank Fn

20 Zins Beispiel 1: Eigenkapitalunterlegung von Kreditnachfrage Staat Kreditangebot Banken (1) Kreditangebot Banken (2) Staatsanleihen 1988 Basler Eigenkapitalverordnung der BIZ A Zu viel übernommen B Kredite anfangs danach Banken von Staaten; Staaten von Banken abhängig. C Punkt A autonome Risikokalkulation Gebietskörperschaften/Banken Punkt B Risikokalkulation nach Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988

21 Zinssatz Beispiel 2: Haftungspool: EFSF, Eurobonds Land D Land F Land A & B ND NF ND+NF Npool, 1,2 Schuldenstand D Schuldenstand F Schuldenstand (D&F) Gemeinschaftshaftung führt zu Transferunion Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 21

22 Bankenregulierung: Gemeinschaftlich oder einzelstaatlich? Bankenregulierung: Basel III Akkord = 15,5% Euro-Gipfel = 9% Eigenkapital in % der risikogewichteten Aktiva Britisches Modell = 22,5 % Schweizer Modell = 25% Gemeinsame Regulierung, gemeinsame Abhängigkeit, Beistand. Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 22

23 Staat und Banken als Systemrisiko Staat D Eurobonds Staat F BankD1 BankDn Europ. Bankenregulierung Bank F1 Bank Fn

24 Jede Störung zieht größere Korrektur nach sich Euro-Rettungsschirm 750 Mrd. EZB kauft Staatsanleihen Moral. Risiko honoriert Eur. Stabiliätsmechanismus ESM Moral. Risiko steigt 1,5 Bill., neulich 2,3 Bill. Hilfsprogramme Moralisches Risiko 110 Mrd. Stabilität Ich bin pleite; Hilf Dir selbst Londoner Club Nationale Pläne. Immer tiefer in die Krise Immer höhere Ausstiegskosten Weshalb? Eine Theorie der Krise

25 IV. Politische Ökonomie des Euro- Schuldenstrudels

26 Verzögerungstaktik der EU-Kommission Griechenlandder EU-r EU- Kommission der EU-Kommission Credit spreads of 10 yrs government bonds with Germany Optimismus nach überwundenem Wechselkursrisiko, langsam kumulierendes Defizit Appeasment: «Wenn eine solche Krise in einem Euro-Staat auftritt, gibt es dafür eine Lösung. Worte ohne Taten: Unsiche rheit Erste Alarmzeichen Bailout Gr und Schutz schirm

27 Rent Seeking: Rettungsschirm Kommission für Gr ESFS [IMF] für Rettungsschirm Euro- Staaten Banken u. Privatanleger eventuell. Haircut Umschuldung Gr-IIPS- Staat Euro- Bonds? EZB kauft Staatsanleihen, gibt Zahlbil- Kredite Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 27

28 2. Der große Euro-Rettungsschirm vom 7./8. Mai 2010 Wie war das möglich? Lit.: Peter Ludlow u.a. Staatsanleihenkurse PIIGS fallen. fr. Banken Fordern gemeinsame Rechnung EUR 60 Mrd. Hilfsfonds + EUR X Mrd. EZB- Interventionen. Restaurant-Effekt Trichet EZB Eklat Merkel+ NL + LUX stützen Trichet Alternativvorschlag: Rettungsschirm EUR 440 Mrd. + IWF EUR 250 Mrd Mrd. Kommission (ohne Stab) Prinzip der finanziellen Selbstverantwortung preisgegeben. Protestiert vordergründig. Keine Befehle! Ihr, die Mitgliedstaaten habt versagt! : EZB beschließt Staatsanleihenkauf = fundamentaler Bruch Sarkozy erklärt, er habe soeben den Euro, gerettet

29 IV. Risiken disaggregieren. Der Starke ist am mächtigsten allein (Wilhelm Tell I/3)

30 Systemrelevanz reduzieren. Einigkeit macht schwach Die Schweiz gehört keiner internationalen Finanzunion an. Gehasstes Land. Keine Hoffnung auf Hilfe. (Nobailout). Keine eigene Hilfsverpflichtungen. Kein moralisches Risiko. Der Schweiz, dem Bund, bleibt nichts anders als dem Kapitalmarkt seine Bonität nachzuweisen. Die freiwillig angenommene Schuldenbremse dient als Signal. Der Starke ist am mächtigsten allein (Wilhelm Tell I/3) Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 30

31 Peitsche und Zuckerbrot Der Bund beugt sich der Peitsche des Nobailout; erhält dafür das Zuckerbrot niedriger Zinsen auf Staatsanleihen 10-jährige Zinssätze für Staatsanleihen 2011 CH D Ö UK F It USA J 0,94 1,81 2,58 2,19 2,56 5,51 1,79 1,03 Quelle: NZZ Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 31

32 Die Schweiz kommt gut durch die Bankenund Schuldenkrise hindurch Die Schweizer Staatsverschuldung ist seit 2004 in % des BIP gesunken, die von Euro-Staaten gestiegen Bund inkl. Kantone Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 32

33 Schuldenselbstverantwortung der Kantone Schuldenselbstverantwortung überträgt sich vom Bund auf die Kantone. Der Bund kann sich einen Bailout der Kantone vor dem internationalen Kapitalmarkt nicht leisten. Kantone haben daher Steuerautonomie. Trennsystem BV Art. 44 verlangt Beistand (bundesfreundliches Verhalten), aber keine gegenseitige Überwachung und daher Mitverantwortung. Keine Schuldenunion. Freiwillige kantonale Schuldenbremsen als Signale. Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 33

34 V. Schlussfolgerungen Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 34

35 Ein klares Ziel erforderlich Bisher immer größere Summen. Unklares Ziel. Kein Ende abzusehen. Stattdessen: Disaggregieren. Einstieg in den Ausstieg. Klares Enddatum nennen wie bei - Kernenergie - Afganistan - Kinderkrippen EFSF hat Enddatum 2013 (+) ESM gar nicht beschließen. Würde Krise unbegrenzt verlängern Zurück zur Selbstverantwortung Charles B. Blankart Der Staat - ein Lender of Last Resort? 35

36 THE END Öffentliche Finanzen

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