Neurokognitive Störungen nach leichten HWS-Traumen: Befunde und morphologisches Korrelat

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1 Neurokognitive Störungen nach leichten HWS-Traumen: Befunde und morphologisches Korrelat Prof. B. Radanov Schmerz- und Gutachtenzentrum, Schulthessklinik Zürich

2 Häufigste Symptome des kranio-zervikalen Traumas Schmerzen Nacken 90% Kopf 90% Schulter/Arm 70% Psychologische Probleme Ermüdbarkeit 70% Reizbarkeit 45% Kognitive Defizite Konzentrationsstörung 60% Subj. Gefühl von Vergesslichkeit 60% Aus: Radanov BP, Sturzenegger M, Di Stefano G. Long-term outcome after whiplash injury - A two years follow-up considering features of accident mechanism, somatic, radiological and psychosocial findings. Medicine 1995; 74:

3 Arbeitsgedächtnis im 24 Monate Follow-up Fehler Mon Mon. PASAT (Paced Auditory Serial Addition Task) pathol. Bereich TMT-B (Trail Making Test-B) 90 Sek Sek. Aus: Radanov BP, Sturzenegger M, Di Stefano G. Long-term outcome after whiplash injury - A two years follow-up considering features of accident mechanism, somatic, radiological and psychosocial findings. Medicine 1995; 74:

4 Kortexareale, essentiell für Arbeitsgedächtnis Aufgrund von: PET-, f-mri-, high-resolution-eeg- und TMS-Studien

5 Kranio-zervikales Trauma im Tierexperiment Hirnparenchymläsion entsteht: Bei hoher Beschleunigungskraft und Rotation des Schädels

6 Kortikale Bereiche mit mikroskopisch nachweisbaren Läsionen nach kranio-zervikalem Trauma Tierexperimentelle und pathoanatomische Studien

7 Biomechanik: Höchste Beschleunigung an der Peripherie frontal frontal

8 Scherung zwischen der grauen und weissen Substanz graue Substanz Glutamat NMDA-Rezeptor Ca ++ Exzitotoxizität weisse Substanz Zelltod (Diffuse axonale Schädigung)

9 Diffuse axonale Schädigung Im betroffenen Gebiet: Abnahme des Metabolismus Abnahme der Perfusion Korrelation Erfassung des Metabolismus = [F-18]-FDG-PET Erfassung der Perfusion = [O-15]-H2O-PET oder Tc99m-HMPAO-SPECT

10 Klinik des kranio-zervikalen Traumas Das Ausmass der traumatische Hirnschädigung korreliert in der Regel mit der Dauer der Bewusstseinsstörung lang schwer Bewusstseinsstörung Trauma fehlt oder kurz leicht Leichtes HWS-Trauma (sog. Schleudertrauma) verläuft per definitionem ohne Bewusstseinsstörung!

11 Neuroimaging bei kranio-zervikalem Trauma mit kurzer Bewusstseinsstörung Frontale oder fronto-temporale Perfusionsdefizite (SPECT) * bei normalen neurologischen, CT- und MRI-Befunden * Ichise M et al. J Nucl Med 1994; 35: Jacobs A et al. J Nucl Med 1994; 35: 942 7

12 Konvergenz der Ergebnisse Tierexperiment Kortikale Scherung Neuroimaging Perfusionsdefizite präfrontaler Kortex Pathoanatomie Diffuse axonale Schädigung Neuropsychologie Arbeitsgedächtnisdefizit Bei leichten HWS-Traumen (sog. Schleudertraumen)?

13 Studie Neuroimaging/Neuropsychologie Patienten n = 21 (11 Frauen, 10 Männer) Alter = 42.2±8.6 Jahre Intervall nach Trauma = 26.1±20.7 Monate Keine traumatische Bewusstseinsstörung Signifikante subjektive kognitive Störung Keine psychotropen Substanzen

14 Methodik Neuroimaging/Neuropsychologie Neuroimaging MRI [F-18]-FDG-PET [O-15]-H2O-PET Nuklearmedizin Neuropsychologie Arbeitsgedächtnis, geteilte Aufmerksamkeit (TAP) Selbstratings Schmerzintensität anlässlich der Testung (10 Punkte Skala) Beck Depressions-Inventar (BDI) Spielberger Angstinventar (STAI-X1/STAI-X2)

15 MR PET R L R L Aus:. Bicik I, Radanov BP, Schäfer N, Dvorak J, Blum B, Weber B, von Schulthess GK, Buck A. PET with 18fluorodeoxyglucose and hexamethypropylene amine oxime SPECT in late whiplash syndrome. Neurology 1998; 51:

16 Studien-Hypothesen Neuroimaging/Neuropsychologie 1. Defizite des Metabolismus und der Perfusion im präfrontalen Kortex 2. Messbare neuropsychologische Defizite (Arbeitsgedächtnis/geteilte Aufmerksamkeit) 3. Signifikante Korrelation zwischen neuropsychologischen und nuklearmedizinischen Resultaten

17 Resultate Neuroimaging/Neuropsychologie Neuroimaging MRI: Normale Befunde bei allen Patienten PET/SPECT: 4 von 21 Patienten: parieto-okzipitale Defizite in Metabolismus- bzw. Perfusionsstudien

18 Resultate Testverfahren Aufmerksamkeits-Tests Scores der Selbstratings Get. Aufm. Arbeitsged. BDI STAI-X1 STAI-X2 50ste Perzentile path. Bereich 12 Pt 37 Pt 37 Pt 17 Pt 50 Pt 50 Pt Schmerzintensität anlässlich der Aufmerksamkeits-Testung = 3.9±2.8

19 Resultate Neuroimaging/Neuropsychologie Korrelationsanalysen Signifikante Korrelationen: Psychologische Tests (BDI mit STAI-X1) Aufmerksamkeitstests (Arbeitsgedächtnis mit get. Aufmerksamkeit) Schmerzintensität mit geteilter Aufmerksamkeit Keine signifikante Korrelation zwischen neuropsychologischen und nuklearmedizinischen Resultaten

20 Schlussfolgerung Neuroimaging/Neuropsychologie Keine nachweisbare Funktionsstörung des Kortex als Gundlage für subjektive kognitive Defizite nach einem leichten kranio-zervikalen Trauma

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