4. Konjunktur. Was verursacht Konjunkturschwankungen? 2 Sichtweisen:

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1 4. Konjunktur Lit.: Blanchard/Illing, Kap. 3-8; Mankiw, Kap. 9-11, 13; Romer, Kap. 5 Was verursacht Konjunkturschwankungen? 2 Sichtweisen: 1. Neoklassische Sicht: vollständige Märkte, exible Preise: Schwankungen durch exogene Technologieschocks (Real business cycle Theorie) 2. Keynesianische Sicht: unvollkommene Märkte, rigide Preise: monetäre und reale Störungen (Geld- und Fiskalpolitik) beeinussen Output in der kurzen Frist. 1

2 Fakten über Konjunkturzyklen 1. Konjunkturzklen haben kein regelmäÿiges Muster. Outputschwankungen während Rezession reichen von -0.4% bis 3.7% in Nachkriegs-USA. Länge der Intervalle zwischen Zyklen von 1-10 Jahre. 2. Komponenten des BIP variieren unterschiedlich stark: am relativ stärksten schwanken Lagerhaltung, Wohnungsbau und Investitionen sowie Konsum von langlebigen Gütern. 3. Rezessionen gehen einher mit sinkendem Output, steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Produktivität. Ination zeigt keinen klaren Trend. 2

3 Abbildung: Wachstumsrate des BIP 3

4 Abbildung: Arbeitslosenquoten 4

5 Keynesianische Theorie geht von Lohn- und Preisrigiditäten aus. Kurzfristig wird gesamtwirtschaftliche Nachfrage als Motor von Outputschwankungen betrachtet (Unternehmen haben freie Kapazitäten). Aggregierte Gröÿen werden als gegeben betrachtet (keine Mikrofundierung). Wegen Preisrigiditäten kann deterministische Geld- oder Fiskalpolitik Output beeinussen. 5

6 Preisrigiditäten Warum sind Preise nicht vollkommen exibel? Antwort ist nicht leicht, aber Rigiditäten sind Tatsache. Bsp.: Blinder (1994) fand, dass 39 % aller befragten Firmen ihre Preise 1 mal im Jahr ändern, 10% noch seltener. Zeitschriftenpreise ändern sich bei 4% Ination im Schnitt alle 6 Jahre, obwohl Kosten der Preisänderung klein sind. Geringe Verluste durch inexible Preise? Negative Eekte auf Kunden? 6

7 4.1. IS-LM Modell IS-LM Modell: Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. IS-Kurve: Gütermarktgleichgewicht. LM-Kurve: Geldmarktgleichgewicht. Analysiere zunächst Güternachfrage: geplante Ausgaben Y d bestehen aus Konsum (C), Investitionen (I), Staatskonsum (G) und Exporten minus Importen (X IM). In geschlossener Wirtschaft: Y d = C + I + G (1) 7

8 Annahmen: Konsum positiv abhängig vom verfügbaren Einkommen, Y T : C = C(Y T ), 1 > C > 0 T : Steuern, C ist die marginale Konsumquote. Investitionen hängen vom realen Zinssatz r ab: I = I(r), I < 0 Investitionen sinken mit höherem Zinssatz. 8

9 Wenn Zins steigt, steigen Kapitalkosten, und es wird weniger investiert. Allg: Investitionen auch einkommensabhängig (hier vernachlässigt). Staatskonsum ist gegeben. 9

10 Gleichgewicht am Gütermarkt Im Gleichgewicht muss die gesamtwirtschaftliche Nachfrage gleich dem Angebot (Produktion) sein: Y = Y d = C(Y T ) + I(r) + G (2) Produktion passt sich der Nachfrage an. Grasch: Keynesianisches Kreuz. Wegen 0 < C < 1: Nachfrage steigt weniger als proportional mit dem Einkommen. 10

11 YD C(Y-T)+I(Y,r)+G 45 Y Abbildung: Das Keynessche Kreuz 11

12 Totales Dierenzieren von (2) gibt dy = C (dy dt ) + I dr + dg (3) Wie verändert sich Einkommen mit T oder G? Setze dr = dg = 0: dy dt = C 1 C < 0 (4) Analog mit dr = dt = 0: dy dg = 1 1 C > 0 (5) 12

13 Beispiel Lineare Konsumfunktion mit konstanter Konsumquote 0 < c < 1 und gegebenen Investitionen I: Y = C 0 + c(y T ) + I + G (6) Auösen von (6) nach Y gibt gleichgewichtiges Outputniveau: Y = 1 1 c (C 0 + I + G ct ) (7) Wenn Staatsausgaben steigen, steigt Output um dy dg = 1 1 c > 1 13

14 > 1 ist der Staatsausgaben-Multiplikator. Erhöhung der Ausgaben erhöht Einkommen, das erhöht den Konsum, was wiederum den Output erhöht etc. 1 1 c Analog: Steigerung des autonomen Konsums: dy = 1 dc 0 1 c > 1 Bsp.: Rezession in USA. U.a. wegen des bevorstehenden Golfkriegs nahm Konsumentenvertrauen stark ab. Als Folge sank reales BIP 14

15 Bsp.: Steuersenkungen Wenn Steuern gesenkt werden (dt < 0), steigt Output: dy = c 1 c dt > 0 Bsp. Steuersenkungen unter Bush-Regierung: Starke Senkung der Einkommensteuern 2001 und begann eine Rezession, und 2003 setzte eine wirtschaftliche Erholung ein wuchs reales BIP um 4,4%. Bushs Argument für zweite Steuersenkung: niedrigere Steuern höhere Nachfrage, diese wird durch höhere Produktion befriedigt. 15

16 Ableitung der IS Kurve IS Kurve: Kombination von r, Y die mit Gleichgewicht am Gütermarkt vereinbar sind. Anstieg des Zinssatzes von r 0 auf r 1 : Investitionen sinken Nachfrage sinkt. Bei (r 1, Y 0 ): Überschussangebot: Angebot fällt bis zum neuen Gütermarktgleichgewicht (r 1, Y 1 ). IS Kurve fällt: höhere Zinsen bedeuten niedrigere Güternachfrage und niedrigeren Output. 16

17 Y D r1>r 0 Y D(Y,r 0) YD(Y,r 1) Y r r1 r0 IS Y Abbildung: IS Kurve 17

18 Steigung der IS-Kurve: Dierenzieren von (2): dy = C dy + I dr (8) dy (1 C ) = I dr (9) dr = 1 C dy I < 0 (10) Wegen I < 0 und C < 1 ist IS-Kurve eine fallende Funktion. Beachte: IS Kurve wird acher, wenn I negativer wird (Investitionen reagieren stark auf Zinsen) oder C gröÿer wird (Konsum reagiert stark auf Einkommen). 18

19 Verschiebungen der IS-Kurve: z.b. Erhöhung der Staatsausgaben. Folge: Gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt. Zunächst Überschussnachfrage am Gütermarkt. Angebot muss steigen, um GGW wiederherzustellen. IS-Kurve verschiebt sich nach auÿen: bei jedem Zinssatz ist nun das Outputniveau, das Gütermarkt in GGW bringt, höher (s. Graphik). 19

20 YD G1>G0 YD(Y,G1) YD(Y,G0) Y r r0 IS1 IS0 Y Abbildung: Erhöhung der Staatsausgaben 20

21 Alternative Interpretation der IS-Kurve. Gleichgewicht am Kreditmarkt: I = S (Investition = Ersparnis). Private Ersparnis: S = Y T C. Gütermarktgleichgewicht: Y = C + I + G Y T C = I + G T S + T G = I T G ist der staatliche Budetüberschuss (wenn positiv) oder staatliche Ersparnis. D.h. im GGW ist die gesamtwirtschaftliche Ersparnis (in geschlossener Wirtschaft) = den Investitionen. 21

22 Gleichgewicht am Geldmarkt Geldangebot und Geldnachfrage bestimmen Gleichgewicht am Geldmarkt. Annahme: Geldangebot wird von der Zentralbank bestimmt und ist unabhängig von r und Y. Geldnachfrage: Transaktionsmotiv: Je höher Einkommen, desto höher Ausgaben und Bedarf an Geld. Spekulationsmotiv: Je höher Zinsen für Wertpapiere, desto geringer Geldnachfrage. 22

23 Ableitung der LM Kurve Geldnachfrage hängt vom Einkommen und Nominalzins i ab: Denition Nominalzins M d = L(i, Y ), L i < 0, L Y > 0 (11) i = r + π e mit π e : erwartete Inationsrate. Da Preise kurzfristig gegeben sind können wir schreiben M d = L(r + π e, Y ) = L(r, Y ), L r < 0, L Y > 0 (12) 23

24 Geldangebot M s wird von Zentralbank kontrolliert. Die reale Geldmenge ist M/P, mit M:Geldmenge, P : Preisniveau. Geldangebot: M s = M/P, mit M:Geldmenge, P : Preisniveau. 24

25 Im Gleichgewicht ist Geldangebot gleich Geldnachfrage: M P = L(r, Y ) (13) Alle Kombinationen von r und Y, die (13) erfüllen, bilden die LM Kurve. Herleitung der LM-Kurve (s. Abb.). Linker Teil: Geldmarkt für gegebenes Einkommen. Wenn Y steigt, steigt Geldnachfrage; da Geldangebot x ist, muss Zins steigen. D.h. dass mit steigendem Einkommen der Zins steigen muss, um Geldmarkt ins GGW zu bringen: LM-Kurve hat positive Steigung. 25

26 Y1>Y0 r MS r LM r1 L(r,Y1) r0 L(r,Y0) M/P Y0 Y1 Y Abbildung: LM Kurve 26

27 Steigung der LM-Kurve. Bilde totales Dierential von (13): 0 = L r dr + L Y dy (14) dr dy = L Y > 0 (15) L r LM-Kurve wird acher, wenn L Y wird). fällt oder L r fällt (negativer 27

28 Verschiebung der LM-Kurve. Bsp.: ZB verringert die Geldmenge. Bei gegebenem Preisniveau sinkt reales Geldangebot M/P. Um Geldmarkt ins GGW zu bringen, muss Zinssatz bei gegebenem Einkommen steigen: LM-Kurve verschiebt sich nach oben. 28

29 M s 1<Ms 0 r r MS 1 MS 0 LM1 r1 LM0 r0 L(r,Y) M/P Y0 Y Abbildung: Verschiebung der LM Kurve 29

30 Gleichgewicht am Geld- und Gütermarkt IS Kurve deniert Gleichgewicht am Gütermarkt, LM-Kurve GGW am Geldmarkt. Im Schnittpunkt sind Geld- und Gütermarkt im GGW: gleichgewichtiger Zins r und Output Y : Y = C(Y T ) + I(r ) + G (16) M P = L(r, Y ) (17) 30

31 r LM r* IS Y* Y Abbildung: IS-LM Modell 31

4.2. Geld- und Fiskalpolitik im IS-LM Modell. Gleichgewicht am Geld- und Gütermarkt: Y = C(Y T ) + I(r ) + G (1) M P.

4.2. Geld- und Fiskalpolitik im IS-LM Modell. Gleichgewicht am Geld- und Gütermarkt: Y = C(Y T ) + I(r ) + G (1) M P. 4.2. Geld- und Fiskalpolitik im IS-LM Modell Gleichgewicht am Geld- und Gütermarkt: Y = C(Y T ) + I(r ) + G (1) M P = L(r, Y ) (2) Dieses Gleichungssystem deniert die endogenen Variablen r und Y als Funktion

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