4. Auflage. Kapitel V: Konjunktur

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1 Eine Einführung in die Theorie der Güter-, Arbeits- und Finanzmärkte Mohr Siebeck c Kapitel V: Konjunktur

2 Inhaltsverzeichnis

3 Das BIP wächst seit vielen Jahrzehnten mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von rund 2-3%. Das Wachstum des BIPs ist aber nicht gleichmäßig jedes Jahr 2-3%, sondern durch Konjunkturzyklen gekennzeichnet. D.h.: Das BIP schwankt mit gewisser Regelmäßigkeit um einen steigenden Trend. Link Y t Trend t

4 Prozyklische Variablen: z.b. Investitionen, Konsum, Zinsen, Geldmengenwachstum und Inflation. Antizyklische Variablen: z.b. Arbeitslosigkeit. Azyklische Variablen: z.b. Reallöhne. Vorlaufende Indikatoren: z.b. Lagerinvestitionen, Gewinne, Auftragseingänge, Geschäftsklima.

5 Real-business-cycle-Schule Konjunkturzyklen als Ergebnis sich ändernder Produktionsbedingungen in einem vollkommenen Marktsystem. A t in der Produktionsfunktion Y t = K α t (A t L t ) 1 α schwankt im Zeitablauf. Die drei Inputs bestimmen sich alle angebotsseitig (K t durch die Investitionen der Vergangenheit, A t durch technischen Fortschritt, L t durch Vollbeschäftigung bei lohnelastischem Arbeitsangebot). Folge: Wächst A t schnell, dann wachsen auch K t und L t scnell.

6 Was sind die produktivitätssteigernden bzw. -mindernden Einflüsse, die die Konjunkturen auslösen? Durch Schwankungen der Investitionen schwankt K t nur schwach. Die Beschäftigung in einem Vollbeschäftigungsgleichgewicht kann nicht stark schwanken. Fazit: Konjunkturzyklen fasst man am besten als Folge von Schwankungen der (aggregierten) Nachfrage auf. Das ist die Sichtweise, die Keynes mit seiner General Theory of Employment, Interest and Money prägte. Link

7 A1: Der Konsum ergibt sich aus der Konsumfunktion: C = C + c(y T ), C > 0, 0 < c < 1. A2: Die Investitionen I sind exogen. A3: Die Güternachfrage Y d setzt sich aus Konsum C, Investitionen I und den ebenfalls exogenen Staatsausgaben G zusammen: Y d = C + I + G. A4: Die Firmen produzieren genau so viel wie nachgefragt wird: Y = Y d.

8 Satz: Das gleichgewichtige BIP entspricht Y = C ct + I + G. 1 c Y C ct +I + G C ct+i+g 1 c Y d = C + c(y T) +I + G Y Für Y > ( C ct + I + G)/(1 c) ist nicht genügend aggregierte Nachfrage vorhanden (Y d < Y ).

9 Says Theorem: Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage: Y = C + Ersparnis = C + I Y d. Das Theorem gilt nicht, weil die Gleichungskette nicht für alle Y gilt. Link Link Link Link

10 A5: Die Produktionsfunktion lautet Y = F(L). Die Nachfrage der Firmen nach Arbeit beträgt L = F 1 (Y ). Gleichgewichtige Beschäftigung: ( ) C ct + I + G L = F 1. 1 c Interpretation: Die keynesianische Theorie erklärt die nachfrageinduzierten Schwankungen um einen angebotsseitig determinierten Trend Y = F(L ). Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit ist L L.

11 Fiskalpolitik: schuldenfinanzierte zusätzliche Staatsausgaben (dg > 0, dt = 0), steuerfinanzierte zusätzliche Staatsausgaben (dg > 0, dt = dg), schuldenfinanzierte Steuersenkungen (dg = 0, dt < 0). Grafisch: Y und L steigen. Y C ct +I + G G C ct+i+g 1 c Y d = C + c(y T) +I + G Y

12 Rechnerisch: Satz: Schuldenfinanzierte Staatsausgabenerhöhungen führen zu dy dg = 1 1 c > 1, steuerfinanzierte zu dy dg = 1 und schuldenfinanzierte Steuersenkungen zu dy dt = c 1 c.

13 4. Investitionsnachfrage Die Nachfrage nach Investitionsgütern fällt mit steigendem Zins: I = I(i) mit I (i) < 0. Bei Eigenfinanzierungsspielräumen wird Finanzanlage lohnender. Bei Fremdfinanzierung wird der Schuldendienst teurer.

14 Zur Vermeidung von Zeitinkonsistenz verhalten sich Zentralbanken gemäß einer Regel. Zentralbanken steuern auf kurze bis mittlere Sicht nicht die Geldmenge, sondern Zinssätze. Zentralbanken reagieren auf steigende Inflation und (antizyklisch) auf ein steigendes BIP mit steigenden Zinsen und umgekehrt. D.h.: Zentralbanken folgen einer Regel, die den Leitzins in Beziehung zu Inflation und BIP setzt ( ). Original- für die USA : Link i = 4% + 1,5(Inflation 2%) + 0,5 BIP Trend-BIP. Trend-BIP

15 Gleichung für unser Konjunkturmodell: i = i TR + Ω(Y ) mit Ω(Y ) = 0, Ω (Y ) > 0. Ω (Y ) > 0 hat zwei Gründe: Mit Y steigt die Inflation, worauf die mit steigenden Zinsen reagiert. Antizyklische. Regelgebundene versus diskretionäre : regelgebunden: Ω (Y ) > 0 diskretionär: Änderungen di TR von i TR.

16 A1: C = C + c(y T ), C > 0, 0 < c < 1. A2: I = I(i) A3: mit I (i) < 0. Y d = C + I + G. A4: Y = Y d. A5: i = i TR + Ω(Y ) mit Ω(Y ) = 0, Ω (Y ) > 0.

17 IS-Kurve: Y = C ct + I(i) + G. 1 c TR-Kurve: i = i TR + Ω(Y ). Das Gleichgewicht bestimmt sich nachfrageseitig durch IS- und TR-Kurve. Link i TR IS Y

18 Die Beschäftigung bestimmt sich analog zum Einkommen-Ausgaben-: A6: Nachfrage der Firmen nach Arbeit: L = F 1 (Y ). Bei geringer aggregierter Nachfrage liegt über die strukturelle Arbeitslosigkeit hinaus konjunkturelle Arbeitslosigkeit vor.

19 Grafisch: Fiskalpolitik ist effektiv. Fiskalpolitik ist weniger effektiv als im Einkommen-Ausgaben-. Bei Steuerfinanzierung ist Fiskalpolitik weniger effektiv als bei Schuldenfinanzierung. i G TR IS Y i TR i T R IS Y

20 Schuldenfinanzierte Fiskalpolitik: dy dg = 1 (1 c) I Ω. Diskretionäre kurbelt über sinkende Zinsen die Investitionen an: dy di TR = 1 1 c I Ω. Satz: Mit Fiskalpolitik und mit aktiver kann das gleichgewichtige BIP im IS-TR- temporär gesteigert werden. Link

21 Wirkungsverzögerungen. : Eine Währungspolitik für alle Länder der EWU. Fiskalpolitik: Staatsverschuldung Einschränkungen des privaten Konsums Offene Volkswirtschaft mit internationalem Handel und internationalem Kapitalverkehr: Fiskalpolitik nicht so effektiv wie in der geschlossenen Volkswirtschaft, denn: G i Kapitalanlage in Euro Aufwertung Exportnachfrage. Link

22 Lohnpolitik: Bei höheren Löhnen ist die aggregierte Nachfrage höher, weil diejenigen Konsumenten mehr Geld in der Tasche haben, die einen großen Teil ihres Einkommens ausgeben. Aber: Investitionsnachfrage kann sinken.... bei gleichbleibendem Volkseinkommen! Das Volkseinkommen kann aber wegen Angebotsänderungen sinken. Der Nettoeffekt ist theoretisch unklar. In der Realität ist von negativen Beschäftigungswirkungen höherer Löhne auszugehen. Link

23 Deflation: Absinken des aggregierten Preisindex. Probleme: Reallohnanstiege bei Lohnsetzung eine Periode im Voraus. Schuldendeflation. Investitions- und Konsumgüterkäufe werden in die Zukunft verschoben. Der Realzins (= Nominalzins Inflationsrate) kann nicht unter null sinken.

24 Konjunkturelle Impulse (Schocks): exogene Änderungen der Nachfragekomponenten Konsum, Staatsausgaben, Nettoexporte und insbes. Investitionen. Link Verarbeitung konjunktureller Impulse: Stabilisierende Kräfte: ziehen die Ökonomie zurück zum Trend. Selbstverstärkende Kräfte: ziehen die Ökonomie weg vom Trend. Bei starken Abweichungen vom Trend werden die stabilisierenden (Selbstheilungs-) Kräfte stärker und leiten die konjunkturellen Wendepunkte ein. Nah beim Trend sind die stabilisierenden Kräfte schwach, daher bedingen die selbstverstärkenden Kräfte ein Überschießen durch die Trendlinie.

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