SIM / 4. Fortbildungskurs 2014 für SIM Gutachter und Interessierte

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1 Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt für Sozialversicherungen BSV SIM / 4. Fortbildungskurs 2014 für SIM Gutachter und Interessierte Stefan Ritler, Vizedirektor BSV

2 «Sicher is, dass nix sicher is, drum bin i vorsichtshalber misstrauisch.» Karl Valentin ( ) 2

3 Rückblende: Politik und Gesetzgebung In den letzten zehn Jahren nicht weniger als drei grosse IV- Revisionen und eine befristete MWSt-Erhöhung in Kraft : 4. IV-Revision Grundstein zur nachhaltigen Sanierung RAD eingeführt, Anspruch auf Arbeitsvermittlung geschaffen, HE ausgebaut, Grundlagen für IIZ gelegt : 5. IV-Revision Konsequente Weiterführung des Sanierungspfades Leitmotiv = «Eingliederung vor Rente» Früherfassung, Frühintervention, Integrationsmassnahmen, Anreize für Arbeitgebende : IV-Revision 6a Weitere Verstärkung der Eingliederungsorientierung Eingliederungsorientierte Rentenrevisionen Assistenzbeitrag 3

4 Auswertungen zu IV-Revision 6a Rückgang des gewichteten Rentenbestandes in der Schweiz 20'000 15'000 10'000 5' '000-10'000-15'000-20' Botschaft 6a Zugänge Botschaft 6a Abgänge Botschaft 6a Rückgang des Bestandes (kumuliert) Effektive Neurenten Effektive Abgänge und Reduktionen Effektiver Rückgang des Bestandes (kumuliert) 4

5 Auswertungen zu IV-Revision 6a 5

6 Auswertungen zu IV-Revision 6a 40'000 berufliche Eingliederungsmassnahmen und Neurenten in der Schweiz 35'000 30'000 25'000 Personen 20'000 15'000 10'000 5' Neurenten Berufliche Eingliederung insgesamt davon Integrationsmassnahmen davon Massn. der Frühintervention 6

7 Finanzielle Lage der IV (in Mio. Franken) Umlageergebnis Zusatzfinanzierung Gesamtergebnis Rückzahlung an die AHV Schuld bei der AHV

8 Generelle Bemerkungen der OECD + Flexibler Arbeitsmarkt, tiefe AL Hohe Erwerbsquote, auch für Personen mit psych. Beeinträchtigungen Relativ geringe Auswirkungen der Wirtschaftskrise Exzellentes Gesundheitswesen, auch bei psych. Versorgung Eingliederung vor Rente : Rückgang der IV-Rentenzahl Psychisch bedingte Invalidität und deren Anteil an IV-Neurenten nehmen nicht ab, insbesondere bei jungen Personen Eines der teuersten Gesundheitswesen Grosse institutionelle Fragmentierung Grosse kantonale Unterschiede 8

9 Bemerkungen der OECD - Gesundheitssystem Herausforderungen: Nicht effizienter Einsatz der erheblichen Behandlungsressourcen Fehlender Arbeitsmarktfokus der Behandlung Empfehlungen: Ärzteausbildung stärker auf Arbeitsmarktthemen ausrichten Arbeitsbezogene Leitlinien zur Behandlung psychischer Erkrankungen Stärkung der Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber Vermehrt ambulante statt stationäre Behandlung Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Psychiater 9

10 Herausforderungen Trends: Verrechtlichung und Medikalisierung Individuelle Entfaltung als Aufgabe der Gesellschaft, Teilzeitgesellschaft, work-life flexibility, volatile Lebens- und Arbeitsbiographien Dynamik des Arbeitsmarktes, Working Poors/ Portofolio Workers, Vertrauensverlust in den Arbeitgeber, Zunahme der Armut Demographische Entwicklung Zunahme der psychischen Erkrankungen Fragen der Prioritätenregelung (UV, KV, KTGV, IV u.a.) 10

11 Die pathogene Gesellschaft Alles Leiden ist pathologisch! «Heute werden psychiatrische Störungen nicht mehr aufgrund einer Ursache, sondern anhand von Symptomen diagnostiziert. Dies hat zu einer Ausweitung der Diagnosen geführt, und es werden immer geringere Schwergrade erfasst. Es hat auch eine gesellschaftliche Entwicklung stattgefunden, die heute alles was mit Leiden einhergeht, als pathologisch ansieht und medikalisiert». Prof. Dr.med. D. Hell, in: NZZ Nr. 82, , S.11 11

12 Ziele der IV Die Versicherten stehen im Zentrum unserer Anliegen. Sich als Eingliederungsversicherung etablieren und den Grundsatz «Eingliederung vor Rente» weiterentwickeln, und falls nötig den Erwerbsausfall mit Rentenleistungen decken. Zur Solidarität und zum sozialen Zusammenhalt beitragen: Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Versicherten stärken und fördern Finanzielle Nachhaltigkeit der IV gewährleisten, um künftigen Herausforderungen zu begegnen Aktiv die Zusammenarbeit zwischen den Organen der Versicherungen, Bund und Kantonen fördern, um die vorhandenen Ressourcen zieldienlich für die Betroffenen zu nutzen. 12

13 Handlungsbedarf für die Zukunft Rentenbestand und Rentenbestandsquote sinken seit 2005 Von auf Renten, respektive von 5,3 auf 4,5 % Aber: Renten aus psychischen Gründen nahmen seit 2005 von auf immer noch zu Darum blieb die Quote der Renten aus psychischen Gründen konstant bei 2 % Bei den Jährigen nahm der Anteil von 0,15 auf 0,2 % zu Seit 2009 ist die Quote der neuen IV-Renten aufgrund psychischer Probleme bei den 18- bis 24-jährigen höher als bei den 25- bis 64- jährigen 13

14 Stossrichtung für Verbesserungen Zielgruppenspezifische Lösungen je Personengruppe mit bestimmten Invaliditätsursachen Zielgruppe 1: Kinder bis 6 Jahre Geburtsgebrechen Verhaltensauffälligkeiten z.b. Autismus oder frühkindliche Entwicklungsstörungen Zielgruppe 2: Jugendliche in Primarschule und Ausbildung Leistungsschwächen und Verhaltensauffälligkeiten in der Schule Schwierigkeiten beim Übergang in die berufliche Ausbildung Schwierigkeiten beim Übergang in den Arbeitsmarkt Zielgruppe 3: Psychisch kranke Erwachsene Verminderte Erwerbsfähigkeit 14

15 Die pathogene Gesellschaft Die Wandlung der Krankheitsbilder dürfte auf die Bemessung der Invalidität keinen Einfluss haben. Die Kernfrage lautet: Ist das Leiden behandelbar? 15

16 «Entweder Oder» 16

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