Herausforderungen und Veränderungen in der Pflege

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1 Die Gesundheitswelt der Zukunft denken Herausforderungen und Veränderungen in der Pflege Prof. Monika Schäfer, Symposium Residenz am Schärme, Sarnen, 27. Oktober 2011

2 Thematische Schwerpunkte 1. Gesundheitsversorgung 2. Bildungssystem der Schweiz 3. Arbeitsteilung im Dienstleistungszweig «Pflege und Betreuung» (Skill- und Grademix) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

3 1. Gesundheitsversorgung Versorgungsbedarf Bildungssystem Bildungsabschlüsse (Grades) Ergebnisorientierung Pflege- und Betreuungsqualität Kompetenzen der Berufspersonen (Skills) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

4 Wer braucht Pflege? Personen mit Gesundheitsproblemen in den letzten zwei Jahren vor dem Tod. Alternde Personen: 75+ / 85+ Personen mit chronischen Gesundheitsproblemen Personen mit akuten Gesundheitsproblemen Personen mit potenziellen Gesundheitsproblemen Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

5 Hochaltrigkeit, Chronifizierung und Langzeitversorgung 1. Mehrbedarf an Arbeitskräften Hochaltrigkeit erfordert zusätzliche Fachleute. Zunehmende Morbidität, Rückgang der Selbst- und Angehörigenpflege 2. Umschichtung Massive Verschiebung weg von Akutmedizin. Minderheit der Health Professionals wird in Akutmedizin arbeiten! 90 % der zusätzlich benötigten Gesundheitsfachleute müssen für die Versorgung in der Langzeitpflege rekrutiert werden. Neue Diagnostik und Technologie fordern mehr (spezifisch qualifiziertes) Personal. Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

6 Nutzerorientierte Gesundheitsversorgung (Schalenmodell Careum F+E, 2011) Nutzende Patient/in Bewohner/-in Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

7 Wer pflegt pflegebedürftige Personen? 1. Angehörige: Die Partnerin oder der Partner, die erwachsenen Kinder 2. Freiwillige 3. Fachpersonal des Dienstleistungszweigs Pflege und Betreuung Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

8 Zugriff am auf Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

9 Unbezahlte Pflegeleistungen von Privatpersonen und Privathaushalten Jacqueline Schön-Bühlmann, BFS 2005 Vergleich dazu: Kosten der Krankenkassen für Spitexleistungen im Jahr 2000 = 282 Mio. Franken Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

10 Zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung Veränderungen: Eigenverantwortung & Selbstbestimmung Dialog Dienstleistungsorientierung Gutes Preis- Leistungsverhältnis Patient/- innen Bewohner/- innen Health Professionals Angehörige Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

11 Personalbestand 2006 Pflege und Betreuung (Versorgungsbericht GDK, OdASanté 2009) Spitäler Alters- & Pflegeheime Spitex Ungelernte in Pflege und Betreuung Pflege und Betreuung Sekundarstufe II (Berufsattest / Fähigkeitszeugnis) Pflege und Betreuung Tertiärstufe Pflege und Betreuung total Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

12 Gewährleistung der Gesundheitsversorgung Mit der Pflegeausbildung auf Tertiärstufe kann nur knapp 50% des Bedarfs gedeckt werden. Mit der Ausbildung von Fachpersonen Gesundheit, Ausbildung der Sekundarstufe II, kann nur 60 % des Bedarfs gedeckt werden. (Nationaler Versorgungsbericht, Dolder et al., 2009, p. 9) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

13 Ageing Workforce Pensionierungen Die demographische Alterung betrifft auch das Gesundheitspersonal. Frühzeitige Pensionierungen sind häufig. Exponentieller Anstieg der Pensionierung nach Fast 50 % des Gesundheitspersonals muss bis 2030 ersetzt werden. Unterschiedliche Altersstruktur in den Sektoren: Langzeitversorgung hat älteres Personal. Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

14 Gesundheitspersonal aus den Nachbarländern die Lösung!? 21% des Pflegepersonals in den Alters- und Pflegeheime haben ein ausländisches Diplom (BFS 2008) 20% des Pflegepersonals in den Schweizer Spitälern haben ein ausländisches Diplom (RN4CAST-Studie, 2009) 30% der Spitalärzte haben ein ausländisches Diplom (FMH 2008). Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

15 Was ist zu tun? Personalentwicklung Personalführung: Klare Verantwortungsbereiche Geriatrische und gerontologische Kenntnisse & Fähigkeiten Leistungsbeurteilung Berufsmarketing Aus- und Weiterbildung in und für der Langzeitpflege (Mentoring «Geriatric Nurse BScN/MScN», Konsiliardienst «Geriater/-in») Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

16 2. Bildungssystem der Schweiz Versorgungsbedarf Bildungssystem Bildungsabschlüsse (Grades) Ergebnisorientierung Pflege- und Betreuungsqualität Kompetenzen der Berufspersonen (Skills) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

17 Ausbildungsniveau des Gesundheitspersonals (Pflege, Therapie, Medizinaltechnik) obsan 2009 Spitäler Alters- & Pflegeheime Spitex Keine nach-obligatorische Ausbildung 6% 12% 9% Berufslehre: Berufsattest, Fähigkeitszeugnis 14% 60% 57% Höhere Fachschule: Diplom Fachhochschule: Bachelor, Master 80% 28% (davon 1.8 % Therapie) 34% Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

18 Ausbildungsabschlüsse des Dienstleistungszweigs «Pflege und Betreuung» Assistent/-in Gesundheit und Soziales mit Eidg. Berufsattest Gesundheit-Soziales (Sekundarstufe II) Fachperson Gesundheit mit Eidg. Fähigkeitszeugnis (Sekundarstufe II) Dipl. Pflegefachperson HF mit Diplom (Tertiärstufe B) Bachelor of Science in Nursing (Tertiärstufe A, FH) Master of Science in Nursing (Tertiärstufe A, FH) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

19 Ausbildungsabschlüsse des Dienstleistungszweigs «Sozialpädagogik und Betreuung» Assistent/-in Gesundheit und Soziales mit Eidg. Berufsattest Gesundheit-Soziales (Sekundarstufe II) Fachperson Betreuung mit Eidg. Fähigkeitszeugnis (Sekundarstufe II) Dipl. Sozialpädagogin/Sozialpädagoge HF (Tertiärstufe B) Bachelor of Art in Social Work (Tertiärstufe A, FH) Master of Art in Social Work (Tertiärstufe A, FH) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

20 Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

21 Weiterbildung Höhere Berufsbildung Eidg. Berufsprüfungen Eidg. Höhere Fachprüfungen Nachdiplomkurse (NDK) Nachdiplomstudium (NDS) Fachhochschule / Universität CAS Certificate of Advanced Studies (450 h) DAS Diploma of Advanced Studies (900 h) MAS Master of Advanced Studies (1 800 h) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

22 Wie steht es mit dem Nachwuchs? (Zahlen und Fakten in der Berufsbildung 2011, BBT) Abgeschlossene Ausbildung 2008 Sekundarstufe II Männer Frauen Keine nach-obligatorische Ausbildung 8.4% 12.2% Berufsbildung 60.5 % 48.6% Berufsmaturität 13.1% 10.8% Allgemeinbildung (Matura, Fachmaturität) 18% 28.3% Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

23 Hitliste berufliche Grundbildung (Berufslehre: Anzahl Eintretende 2009) 1. Kaufmann/-frau (10 890) 2. Detailhandelsfachmann/-frau (5 850) 3. Handelsmittelschuldiplomand/-in (4 120) 4. Fachmann/-frau Gesundheit (2 960) 5. Fachmann/-frau Betreuung (2 280) (Zahlen und Fakten in der Berufsbildung 2011, BBT) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

24 Fazit Der neue Beruf Fachangestellte Gesundheit ist für Jugendliche attraktiv und etabliert sich in der Gesundheitsversorgung. Die Bildungssystem der Schweiz bietet dem Dienstleistungszweig «Pflege und Betreuung» Aus- und Weiterbildungsabschlüsse auf allen Bildungsstufen. Die Ausbildungen müssen auf die Bedürfnissen einer «alternden Gesellschaft» und den Veränderungen im Gesundheitswesen (Dienstleistungsorientierung, der Kompetente Patient, Effizienz und Effektivität) abgestimmt werden. Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

25 3. Arbeitsteilung (Skill- und Grademix) Versorgungsbedarf Bildungssystem Bildungsabschlüsse (Grades) Ergebnisorientierung Pflege- und Betreuungsqualität Kompetenzen der Berufspersonen (Skills) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

26 Voraussetzung zur Arbeitsteilung (Skill- und Grademix) Führung (Kultur der Arbeitsteilung) Aufgaben der Pflege Pflege- und Betreuungsbedarf Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

27 Was wissen wir über den Pflegebedarf der Schweizerischen Bevölkerung? Welches sind die häufigsten Pflegeprobleme der zu pflegenden Population? Welches sind die häufigsten medizinischen Diagnosen der zu pflegenden Population? Welche Pflegemassnahmen werden am häufigsten ausgeführt? Welche Wirkung zeigen die geleisteten Pflegemassnahmen? Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

28 Bedarfsgerechte Arbeitsteilung im Pflegeprozess Nach welchen Kriterien wird der Pflegebedarf von dipl. Pflegefachpersonen bestimmt? Wie und von wem wird die Qualität und die Ergebnisse der pflegerischen Leistungen überprüft? Wie sind die Zuständigkeiten im Pflegeprozess geregelt (Verantwortung)? Wer übernimmt welche Aufgaben im Pflegeprozess? Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

29 Arbeitsteilung im Dienstleistungszweig «Pflege und Betreuung» Steuerung des Pflegeprozesses Verantwortung für die Ergebnisse des Pflegeprozesses Dipl. Pflegefachperson HF Bachelor of Science in Nursing Ärzte/-innen Pflege- und Betreuungsprozess gewährleisten klar definierten Aufgaben im Pflegeprozess Fachangestellten Gesundheit Sozialarbeit, Seelsorge Bewohner/-in Familie Unterstützung des Pflege- und Betreuungsprozesses Assistent/-in Gesundheit und Soziales Klinische Pflegeexperten/- innen (MScN) Physiotherapie, und weitere Health Professionals Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

30 Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen Gesundheit und Pflegefachpersonen (1/2) Fachpersonen Gesundheit fördern die Lebensqualität und steigern die Zufriedenheit der Bewohner/-innen. Sie unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Gewähr-leistung der Bedürfnisse, die sie bedingt durch die Lebens- und Krankheitssituation nicht mehr selbständig decken können. Dies beinhaltet auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

31 Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen Gesundheit und Pflegefachpersonen (2/2) Dipl. Pflegfachpersonen HF sowie Bachelors of Science in Nursing mit klinischer Erfahrung in der Langzeitpflege ermöglichen den Erhalt der Selbständigkeit von Bewohner/- innen, sichern und evaluieren den Pflege- und Behandlungsprozess. Dabei fokussieren sie die Gesundheitsförderung sowie die Schulung und Beratung von Bewohner/-innen, Angehörigen und Berufspersonen. Sie steuern den Pflege- und Behandlungsprozess in Kooperation mit Ärzt/-innen und weiteren Health Professionals. Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

32 Idealer Skill- und Grademix: Was sagt die Forschung? Es besteht ein Zusammenhang zwischen nurse staffing levels (Verhältnis der Anzahl Patientinnen und Patienten pro Dipl. Pflege-fachperson) und Patientenergebnissen. (ICN, International Nurses Day,2006) Aussage basiert primär aus Forschungsergebnissen der USA (z.b. Linda H. Aiken et al.), zudem liegen v.a. Untersuchungen im Bereich der Akutversorgung im Spital vor. Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

33 Deutschland «Trotz gewachsener Bemühungen, Qualität in deutschen Krankenhäusern zu messen und zu bewerten, gibt es keine Untersuchungen für Deutschland, die sich mit der Frage des Zusammenhangs zwischen Pflegepersonalkapazität und der Ergebnisqualität beschäftigen.» (IQWiG, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2006, S.58) Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

34 Europäisches Forschungsprojekt: Fokus Spitalpflege Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

35 S H U R P - SWISS NURSING HOMES HUMAN RESOURCES PROJECT ( ) Studienleitung: Dr. René Schwendimann Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (OBSAN) School of Nursing, University of Pittsburgh, USA Zweck der geplanten Studie SHURP ist es ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Merkmalen des Pflegepersonals, der Arbeitsumgebung, Pflegequalität und den Ergebnissen von Bewohner/innen und dem Pflegepersonal in Schweizer Pflegeheimen zu gewinnen. Stichprobe: Ca Berufspersonen, ca. 200 Pflegeheime, ca. 200 Pflegedienst- und Heimleitungen Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

36 Dimensionen der Arbeitsteilung in der Gesundheitsversorgung Berufsfeld «Pflege/Betreuung» Berufsfeld Medizin Pflege Medizin Gesundheitsberufe Medizinalberufe Soziales - Gesundheit Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

37 Skill- und Grademix Chance und Herausforderung Kulturwandel implementieren und evaluieren Von «alle machen alles» hin zu einer Zusammenarbeitskultur von Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortungsbereichen Arbeitszufriedenheit steigern durch klare Zuständigkeiten, definierte Prozesse und Personalführung Qualität und Effizienz steigern, durch gezielten Einsatz der Personalressourcen, durch kontinuierliche Qualitätskontrolle und Qualitätsverbesserung Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

38 Verlag Die Gesundheitswelt der Zukunft denken Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

39 Weitere Informationen/Kontakt Prof. Monika Schäfer Leitung Careum F+E Pestalozzistrasse Zürich Careum F+E, Symposium Residenz am Schärme,

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