Herzinsuffizienz Update

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Transkript:

Herzinsuffizienz Update Kardiologie Symposium, Herzzentrum Hirslanden Zentralschweiz Donnerstag 5. November 2015 PD Dr. med. Otmar Pfister Leiter Herzinsuffizienz und Rehabilitation Klinik für Kardiologie Universitätsspital Basel

Klassifizierung der Herzinsuffizienz Einteilung gemäss Auswurffraktion (LVEF) Symptome (Dyspnoe, paroxysmal nächtliche Dyspnoe, periphere Oedeme, Müdigkeit etc.) + Klinische Zeichen (Halsvenenstauung, pos. HJR, Oedeme, Lungenstauung, Ascites etc.) LVEF 40% LVEF 50% + LA Dilatation (> 40ml/m2) + LV Hypertrophie + diast. Dysfunktion Herzinsuffizienz mit reduzierter EF (HF-REF) Herzinsuffizienz mit erhaltener EF (HF-PEF)

Therapieschema HI mit reduzierter EF (HFrEF) VAD / HTx ICD (CRT bei LSB mit QRS > 130ms) LVEF 35% Aldosteron Antagonist Betablocker ACE Hemmer (falls nicht toleriert Sartan) LVEF 40% NYHA I NYHA II NYHA III NYHA IV ICD: Implantierbarer Defibrillator; CRT: Cardiale Resynchronisationstherapie; LSB: Linksschenkelblock; VAD: Ventricular Assist Device; HTx: Herztransplantation

Mortalitätssenkung durch HI Therapie Senkung der Mortalität (%) 10 20 30 40 ACE Hemmer SOLVD-T Angiotensinreceptor blocker CHARM Alternative Mineralo-corticoidreceptor B-Blocker blocker CIBIS II Copernicus Merit HF RALES EMPHASIS

Kumulative Verlängerung der Überlebenszeit unter Therapie ohne Therapie ACEI ACEI + BB ACEI + BB + AA Überlebenszeit in Jahren Cole GD et al. JACC Heart Fail 2014

Aldosteron Antagonisten bei Herzinsuffizienz Eplerenone (25 50mg), Spironolactone 25mg Indikation: 1) NYHA II, EF 35% (trotz ACEI und Blocker) Kontraindikation: Kreatinin > 220 µmol, GFR < 30 ml/min, Kalium > 5 mmol, Hyperkaliämie unter Therapie Kalium > 5.5 mmol/l Dosisreduktion Kalium > 6 mmol/l Therapiepause Kalium < 5 mmo/l erneuter Einsatz möglich

Herzfrequenz ist prognostisch wichtig bei Patienten mit Herzinsuffizienz Kardiovaskulärer Tod Herzinsuffizienz Hospitalisationen >87 >87 72 72 Böhm M et al. Lancet 2010

Wann braucht es Ivabradine? Weiterhin Symptome (NYHA II) trotz: BB, ACEI und Aldosteron Antagonist? Ja Nein LVEF 35%? Ja Nein Sinus Rhythmus 70/min trotz maximal tolerierter BB-Therapie? Ja Nein zusätzlich Ivabradin McMurray JJ, Eur J Heart Fail. 2012;14:803-869

Wann ist eine kardiale Resynchronisations- Therapie (CRT) indiziert? Mortalität RR: 41% Jahre Goldenberg I et al. N Engl J Med 2014 oligosymptomatisch (NYHA II) Sinusrhythmus mit Linksschenkelblock (QRS > 130ms) LVEF 35% Nutzen: Re-Hospitalisationen ê Mortalität ê

Eisenmangel bei Herzinsuffizienz n = 223 (CH Register, EVITA-RAID) Kein Eisenmangel Absoluter Eisenmangel (Ferritin < 100 ng/ml; Tsat < 20%) 48% 18% 36% 54% Relativer Eisenmangel (Ferritin 100 300 ng/ml; Tsat < 20%)

Verbesserung der Morbidität durch i.v. Eisentherapie HI-Hospitalisationen % CONFIRM-HF Trial i.v. Eisen 1 g Ferinect i.v. Lebensqualität é Leistungsfähigkeit é Müdigkeit ê Herzinsuffizienz Hosp ê Ponikowski P et al. Eur Heart J 2014

ARNI (LCZ696): Die Therapie der Zukunft? Angiotensin Rezeptor Neprilysin Inhibitor

Angiotensin Rezeptor Neprilysin Inhibitor (ARNI) Natriuretische Peptide LCZ696! RAAS Angiotensinogen Sacubitril (AHU377; pro-drug) Ang I Inaktive Peptide LBQ657 (NEP inhibitor) Valsartan Ang II Verstärkung Vasorelaxation Blutdruck Sympathikus Aldosteron Fibrose Hypertrophie Natriurese/Diurese HN O HO O OH O O N O OH N N N NH AT 1 Receptor Hemmung Vasokonstriktion Blutdruck Sympathikus Aldosteron Fibrose Hypertrophie

PARADIGM-HF: Studien Design Patientenprofil: LVEF 35%, NYHA II, BNP 150 ng/l n=8442 Doppelblinde Behandlungsphase Run-in Phase LCZ696 200 mg BID (160 mg Valsartan) Enalapril LCZ696 100 mg BID LCZ696 200 mg BID 10 mg BID* Enalapril 10 mg BID 2 Weeks 1 2 Weeks 2 4 Weeks Median of 27 months follow-up McMurray JJ et al. Eur J Heart Fail 2013

PARADIGM-HF Studie CV Tod oder HI Hosp - 20% NNT: 21 CV Tod - 20% NNT: 31 HI Hosp - 21% Mortalität - 16% McMurray JJ et al. N Engl J Med 2014

Praktisches Vorgehen bei Umstellung von ACEI oder ARB auf LCZ696 (Entresto) 1. Gleichzeitige Gabe von LCZ696 und ACE-Hemmern absolut kondraindiziert wegen erhöhter Gefahr von Angioödemen 2. ACE-Hemmer muss mindestens 36 Stunden vor Beginn mit LCZ696 gestoppt werden 3. Wegen möglicher Hypotonie schrittweises Auftitrieren (2x50mg; 2x100mg; 2x200mg). Dehydratation vermeiden, ev. Diuretika reduzieren

Herzersatztherapie

Kreislaufunterstützung mittels Pumpe Assist Device

Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF)

Alter = vermehrt HI mit erhaltener EF Tribouilloy C et al, Eur Heart J 2007

Inhibition des Renin-Angiotensin-Adosteron Systems bringt wenig bei HFpEF Solomon SD, HFA 2014 Titel/Anlass/Autor

Diastolische Herzinsuffizienz: Therapieziele ACE-Hemmer CA-Antagonisten Kontrolle von - Blutdruck - Herzfrequenz - Ischämie - Volämie - Adipositas Diuretika Betablocker Gewicht Exercise

Spironolacton bei diastolischer HI (TOPCAT) Kardiovaskulärer Tod / HI Hospitalisation Probability 0.00 0.05 0.10 0.15 0.20 0.25 0.30 0.35 Number at risk Spiro Placebo Placebo Spironolactone HR = 0.89 (0.77 1.04) p=0.138 0 12 24 36 48 60 72 Months 1722 1502 1168 870 614 330 53 1723 1462 1145 834 581 331 53 351/1723 (20.4%) 320/1722 (18.6%) Pfeffer M et al American Heart Association 2013

Spironolacton bei diastolischer HI (Auswertung nach Regionen) Kardiovaskulärer Tod / HI Hospitalisation Probability 0.00 0.10 0.20 0.30 0.40 0.50 US, Canada, Argentina, Brazil HR=0.82 (0.69-0.98) Interaction p=0.122 Russia, Rep Georgia HR=1.10 (0.79-1.51) 0 12 24 36 48 60 72 Months Placebo: 280/881 (31.8%) Placebo: 71/842 (8.4%)

Take home message 1. Dreifachtherapie (ACEI, Betablocker, Aldosteron-Antagonist) verdreifacht Überlebenszeit 2. Der Angiotensin Rezeptor Neprilysin Inhibitor Entresto reduziert die kardiovaskuläre Mortalität um 20% gegenüber dem bisherigen Goldstandard ACE-Hemmer 3. Die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) sollte bereits bei oligosymptomatischen Patienten mit LSB und reduzierter Pumpfunktion (LVEF < 35%) etabliert werden 4. Eisenmangel kommt in ca. 50% der Patienten vor und ist ein Therapieziel 5. Mechanische Herzunterstützungssysteme Herzpumpen stellen eine attraktive Therapieoption bei terminaler Herzinsuffizienz dar

Vielen Dank Otmar Pfister Klinik für Kardiologie Universitätsspital Basel Otmar.pfister@usb.ch

Nutzen / Risiko einer LVAD Therapie Nutzen: - Verbesserung der Leistungsfähigkeit - Verbesserung der Lebensqualität - Verbesserung des Metabolismus - Verbesserung einer PAHT - Verbesserung der prärenalen NI Risiken: perioperative Risiken - Rechtsherzversagen - Blutung postoperative Risiken - Thromboembolie - Blutung (OAK + ASS) - Infektionen (Driveline)