Professionelles Handeln im Kontext Migration Herausforderungen für Aus- und Weiterbildung

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1 Professionelles Handeln im Kontext Migration Herausforderungen für Aus- und Weiterbildung Thomas Geisen Co-Leitung: CAS Migration und Marginalisierung nächster Beginn: 19. Mai 2011,

2 Übersicht Migration Bearbeitung des Thema Migration in der SA Maximen SA im Kontext Migration Anforderungsprofil SA im Kontext Migration Kompetenzprofil SA im Kontext Migration Aktuelle Herausforderungen

3 Migration als Kontext Moderne Gesellschaften sind Migrationsgesellschaften Migrant/innen sind Teil von Gesellschaft Migrant/innen werden zu neuen Minderheiten Vielfalt und Komplexität von Migrationsgesellschaften als Prozess Migration als Ausgleichsprozess Migration als Vergesellschaftungsprozess Dynamik des Migrationsgeschehens

4 Bearbeitung des Thema Migration in der SA I Ansätze und Systematisierungsversuche Ausländerpädagogik/Interkulturelle Pädagogik (Prengel 1995) Kritik: Systematisierungsversuche für gegenwärtige Zwecke (Diehm/Radke 1999) Problemlagen: von Defizit zu Differenz Adressaten: von Kompensation zu Gleichwertigkeit der Kulturen Praxis: von Sonderbehandlung zu Integration Ziele: von Integration/Assimilation zu Pluralität als Existenzweise Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen (Mergner 1999) Antirassistische Ansätze (Essinger/Uçar 1993) Migrationspädagogik (Mecheril 2004) Globales Lernen (Overwien 2000) Diversity Education (Leiprecht 2009)

5 Bearbeitung der Migrationsthematik in der SA II Theoretische Grundannahmen Rational Choice Ansätze Dialektisch-materialistische Ansätze Sozialkonstruktivistische Ansätze Ambivalenz-Ansatz Theoretische Konfliktlinien Defizit vs. Differenz Homogenität vs. Heterogenität Universalismus vs. Relativismus Interkulturalität vs. Transkulturalität

6 Maximen SA im Kontext Migration I migrationssensibles Handeln Grundlagen kritischer Subjektbegriff Individuum ist nicht vollständig determiniert: hat Handlungsmöglichkeiten Individuum ist sozialen Bedingungen unterworfen: ist in den Handlungsmöglichkeiten begrenzt subjektiver Erwerb von Handlungsfähigkeit unter Bedingungen von Ambivalenz Notwendigkeit individueller und sozialer Lernprozesse biographische Perspektive Bedeutung der individuellen Migrationsgeschichte Bedeutung von sozialen Beziehungen, insbesondere in migrationsspezifischen Netzwerken und Gemeinschaften Herausforderungen in der Praxis Emphatischer und respektvoller Umgang mit Klient/innen Vermeidung von Stigmatisierung (implizit und explizit) Anti-rassistische Orientierung und Praxis Förderung von Lern- und Kommunikationsprozessen im Kontext Migration

7 Maximen SA im Kontext Migration II Fokus Marginalisierung Grundlagen Marginalisierung ist ein Merkmal sozialer Beziehungen Marginalisierung ist gleichermassen auf individuelle, gemeinschaftliche und gesellschaftliche Bereiche bezogen Marginalisierung zeigt sich in sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Kontexten Marginalisierung ist das Resultat von Macht- und Herrschaftsverhältnissen Marginalisierung liegt eine normative Orientierung zu Grunde, sie beschreibt das Fehlen oder die unzureichende Geltung von Gerechtigkeit und Freiheit in modernen Gesellschaften Herausforderungen in der Praxis Formen der Marginalisierung erkennen Kompetenzen zur Bearbeitung marginalisierungsbedingter Problemlagen erwerben Lösungsorientierte Handlungsansätze entwickeln und umsetzen

8 Anforderungsprofil SA im Kontext Migration Dimensionen Sozialer Arbeit (Müller 2006) Spannungsverhältnis zwischen einem sozialarbeiterischen (Verteilungsgerechtigkeit) und einem kulturarbeiterischen (Anerkennung) Selbstverständnis Drei Dimensionen Sozialer Arbeit Sozialarbeiterische Vermittlung von Unterstützungsleistungen Pädagogische Aufgabe der Vermittlung von Fähigkeiten Gesellschafts- und kulturpolitische Aufgabe Anforderung: Gleichzeitigkeit in der Bearbeitung Funktionen (Becker et al. 1998) Problemdefinitionsfunktion: Gesellschaft Konzeptionsfunktion: Verband, SA Adressatenbezogene Strukturierungsfunktion: Praxis, Klienten Strukturierungsfunktion bezogen auf die inneren Ressourcen: Einrichtung, Team Multiplikatorfunktion: Gemeinwesen Politikfunktion: Gesellschaft

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11 Kompetenzprofil SA im Kontext Migration Qualifikationsanforderungen (Becker et al. 1998) Kognitive Ebene (Recht, Infrastruktur, migrationsspezifisches und interkulturelles Wissen, allgemeines politisches und gesellschaftliches Wissen, Fremdsprache, fachspezifisches Wissen der SA, Sozialwissenschaften, Sozialmanagement, Qualitätssicherung) Personale Fähigkeiten und Kompetenzen (Empathie, Reflexionsfähigkeit, Ich-Stärke und Abgrenzungsmöglichkeit, methodische Kompetenzen, kommunikative Fähigkeiten, Selbstverständnis der eigenen Arbeit, Rollenwechsel) Haltungen und Einstellungen (Offenheit und Toleranz, klare und gerechte Haltung gegenüber den Adressaten, politisches Bewusstsein) Migrationsspzifische und interkulturelle Erfahrungen (eigene Migrationserfahrung, Auslandsaufenthalte, Praktika im Ausland, Mehrsprachigkeit, Erfahrungsaustausch im multikulturellen Team)

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13 Aktuelle Herausforderungen Migration ist ein dynamisches Handlungsfeld. Theoretisches Wissen ist von zentraler Bedeutung für die Ausbildung von Reflexionsfähigkeit im Kontext Migration. Soziale Arbeit im Kontext Migration stellt hohe Anforderungen an Fach- und Methodenkompetenzen. Es besteht ein erhöhter Bedarf an Professionalisierung von Sozialarbeiter/innen im Kontext Migration. Forschung und Entwicklung im Kontext von Migration und Soziale Arbeit sind zu verstärken. Entwicklung und Etablierung einer migrationssensiblen SA in der Fallarbeit und auf der Organisationsebene. Weiterbildung als individuelle und organisationsbezogene Massnahme von Qualifizierung und Organisationsentwicklung.

14 Literatur Becker, Astrid/Hamburger, Franz/Lenninger, Peter Franz (Hrsg.) (1998): Anforderungsprofile und Qualifikationsmerkmale in der Sozialen Arbeit der Caritas mit MigrantInnen. Freiburg im Breisgau: Lambertus Diehm, Isabelle/Frank-Olaf Radke (1999): Erziehung und Migration. Stuttgart: Kohlhammer Essinger, Helmut/Uçar, Ali (Hrsg.) (1993): Erziehung: Interkulturell Politisch Antirassistisch. Felsberg: migro Verlag Gogolin, Ingrid/Krüger-Potratz, Marianne (2006). Einführung in die Interkulturelle Pädagogik. Opladen: Barbara Budrich Verlag Mecheril, Paul (2004): Einführung in die Migrationspädagogik. Weinheim/Basel: Beltz Mergner, Gottfried (1999): Lernfähigkeit der Subjekte und gesellschaftliche Anpassungsgewalt. Hamburg/Berlin: Argument Verlag Müller, Burkhard (2006): Soziale Arbeit und interkulturelle Arbeit ein schwer zu lösender Knoten. In: neue praxis, Sonderheft 8, Januar Lahnstein Overwien, Bernd (Hrsg.) (2000): Lernen und Handeln im globalen Kontext. Frankfurt am Main: IKO Verlag Prengel, Annedore (1995): Pädagogik der Vielfalt. Opladen: Leske + Budrich

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