Das Problem der Antibiotikaresistenzen. Dr. G. Schwarzkopf-Steinhauser Ltd. Arzt, Stabsstelle Klinikhygiene

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1 Das Problem der Antibiotikaresistenzen Dr. G. Schwarzkopf-Steinhauser Ltd. Arzt, Stabsstelle Klinikhygiene

2 Themen Erreger Epidemiologie Screening Hygienemaßnahmen im klinischen Alltag

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30 Ärzte Zeitung, Medizintouristen verbreiten multiresistente Keime Der "Superkeim" aus Indien zeigt: Multiresistente Keime wurden durch Medizintouristen importiert. Von Privatdozent Tomas Jelinek

31 NDR Fernsehen :15 Uhr Bedrohliche Krankheitskeime in Hähnchenfleisch von Ulrike Heimes Hähnchenfleisch, das in Supermärkten und Discountern verkauft wird, ist offenbar häufig mit Keimen belastet, die resistent gegen Antibiotika sind. Das hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen einer nicht repräsentativen Stichprobe herausgefunden. In 10 von 20 in Hamburg, Berlin, Köln, Nürnberg und in der Region um Stuttgart gekauften Hähnchenfleischproben hat der BUND Darmkeime (Escherichia Coli) gefunden, die ESBL produzieren (EBSL = Extended Spectrum Beta-Lactamase). Zwei Proben waren mit multiresistenten Keimen (MRSA-Keimen) belastet. Beide mit MRSA-Erregern belastete Proben stammten aus Hamburg.

32 Babysterben in Bremen Tödlicher Keim im Krankenhaus Drei Frühchen gestorben, sieben infiziert: Das Klinikum Bremen-Mitte sucht seit August vergeblich nach der Quelle der Darmkeim-Infektionen. von Klaus Wolschner Nimmt keine neuen Patienten mehr auf: die Intensivstation für Frühchen und Neugeborene im Klinikum Bremen-Mitte. Bild: dapd

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35 Hygienerelevante multiresistente Erreger MRSA VRE Enterobakterien (2MRGN, 3MRGN, 4MRGN) E.Coli Klebsiella spp. Nonfermenter (3MRGN, 4MRGN) Pseudomonas aeruginosa Acinetobacter baumanii

36 Klassifizierung multiresistenter gramnegativer Stäbchenbakterien (RKI-Vorgabe) Leit-AB Enterobakterien Pseudomonas Acinetobacter 3MRGN 4MRGN 3MRGN 4MRGN 3MRGN 4MRGN Pip R R Nur 1 AB wirksam R R R Cefotax R R R R R Imi/Mero S R R S R Cipro R R R R R

37 Epidemiologie

38 Escherichia coli % resistente Stämme, StKM Pip/Inhib Cefotaxim Imipenem Ciprofloxacin 2008 (9058) 2009 (9485) 2010 (9684) 2011 (9833) , 04 (3439)

39 Genus Klebsiella % resistente Stämme, StKM Pip/Inhib Cefotaxim Imipenem Ciprofloxacin 2008 (3639) 2009 (3959) 2010 (3711) 2011 (9831) 2012, 04 (1217)

40 Genus Enterobacter % resistente Stämme, StKM Piper/Inhibitoracillin Cefotaxim 0 1 Imipenem Ciprofloxacin (1844) 2009 (2014) 2010 (1986) 2011 (2145) 2012, 04 (673)

41 Genus Pseudomonas % resistente Stämme, StKM Piperacillin Ceftazidim Imipenem Ciprofloxacin 2008 (833) 2009 (907) 2010 (2203) 2011 (2245) 2012, 04 (801)

42 Acinetobacter sp. % resistente Stämme, StKM Pip./Inhib Ceftazidim Imipenem Ciprofloxacin 2008 (409) 2009 (458) 2010 (403) 2011 (420) 2012, 04 (121)

43 Stenotrophomonas maltophilia % resistente Stämme, StKM Cotrimoxazol Ciprofloxacin 2008 (326) 2009 (414) 2010 (322) 2011 (354) 2012, 04 (87)

44 Enterococcus spp. % resistente Stämme, StKM Ampicillin Vancomycin 2008 (8408) 2009 (9162) 2010 (8236) 2011 (8243) 2012, 04 (2897)

45 Staphylococcus aureus % resistente Stämme, StKM Oxacillin Clindamycin Fosfomycin Vancomycin Ciprofloxacin Cotrimoxazol Doxycyclin 2008 (5606) 2009 (5789) 2010 (5081) 2011 (5127) 2012, 04 (1745)

46 Screening von hygienerelevanten multiresistenten Erreger

47 Indikationen für MRSA- Screening Patienten mit bekannter MRSA-Anamnese bei stationärer Wiederaufnahme, auch wenn aufgrund von Vorbefunden als MRSAnegativ deklariert. Patienten mit chronischen Wunden (z.b. Hautulcus, Dekubitus, tiefe Weichgewebeinfektionen, Gangrän, diabetischer Fuß) Patienten mit liegenden Devices (z.b. Blasenkatheter, PEG-Sonde, Tracheostoma) Dialyse-Patienten Patienten in hämatologisch-onkologischer Behandlung bei stationärer Wiederaufnahme > 4 Wochen nach dem letzten negativen MRSA- Befund

48 Indikationen für MRSA- Screening Patienten mit direkter Verlegung aus einer Klinik oder einem Klinikaufenthalt in den letzten 6 Monaten Patienten aus MRSA-Hochprävalenz-Ländern in Europa und anderen Erdteilen (z.b. Arabische Staaten, Südostasien, Japan, USA) Patienten mit beruflich direktem Kontakt zu Tieren in Mastbetrieben Enge Kontaktpersonen von MRSA-Trägern (z.b. Unterbringung im selben Zimmer, pflegende Angehörige) Medizinisches Personal der stationären und ambulanten Versorgung mit engem Kontakt zu MRSA-Trägern,bei Aufnahme als Patient ins Krankenhaus

49 Durchführung des MRSA-Screenings Abstriche (Tupfer bei Bedarf anfeuchten) Nase (linker und rechter Nasenvorhof zusammen) Rachen Trachealsekret bei intubierten Patienten Wunden (einschließlich ekzematöse Hautareale, Ulcera) Devices (PEG-Sonden-Eintrittsstelle, Tracheostoma, Blasenkatheter-Urin) Bei MRSA-Anamnese alle ehemaligen Nachweisstellen

50 Indikationen für VRE-Screening VRE in der Anamnese Dialysepatienten Onkologische Patienten vor Immunsuppression Vor Organtransplantationen Zuweisung aus anderen Kliniken mit bekannter VRE-Prävalenz Klinikaufenthalt > 3Tage in VRE- Endemieländern (Griechenland, Irland, Luxemburg, Schweiz, Japan etc.)

51 Durchführung des VRE- Screenings Tiefer Analabstrich Urin bei liegendem Blasenkatheter Stellen wo früher VRE-Nachweis war

52 Indikation Screening auf hygienerelevante gramnegative Erreger Bekannte Anamnese auf diese Erreger Übernahme aus Kliniken folgender Länder Ost- und Südosteuropa, Naher Osten, Asien und Südostasien, Afrika, Südamerika Übernahme aus Kliniken mit bekannt hoher Prävalenz mit diesen Erregern

53 Screening auf hygienerelevante gramnegative Erreger: Wo? Analabstrich Tachealsekret bei beatmeten Patienten Wunden Rachenabstrich Leiste (Haut)

54 Hygienemaßnahmen

55 Standardhygiene Händedesinfektion vor und nach direktem Patientenkontakt Nach Kontamination (Kontakt mit Blut, Sekreten oder Exkreten) Nach Kontakt mit der Patientenumgebung Vor aseptischen Tätigkeiten Nach dem Ablegen der Schutzhandschuhe

56 Standardhygiene Handschuhe bei Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten oder sichtbar kontaminierter Flächen Mund-Nasenschutz-Schutz und Schutzbrille, wenn Verspritzen von, oder Tröpfchenbildung aus Blut, Sekreten oder Exkreten möglich ist Schürze/Schutzkittel bei engem direkten Patientenkontakt, z.b. Umlagern

57 Einzelzimmer, Isolierung Standardhygiene Statt Schürze Schutzkittel Zusätzlich Einzelzimmer Deklarierter OP

58 Hygienemaßnahmen 2MRGN Alle Bereiche Standardhygienemaßnahmen Ausnahme Neonatologie Einzelzimmerunterbringung, Isolation

59 Hygienemaßnahmen (3MRGN) Standardhygiene Ambulanzen Normalstation OP Aufwachraum Funktionsabteilungen Einzelzimmerunterbringung Risikobereichen ITS, Onkologie, IMC, Frühreha

60 Hygienemaßnahmen (MRSA, VRE, 4MRGN) Einzelzimmerunterbringung alle stationären Bereichen Deklarierter OP (septischer oder am Schluß) Aufwachraum, deklarierter Bereich Ambulanzen und Funktionsabteilungen Zeitliche Trennung mit Desinfektionsmaßnahmen zwischen den Patienten

61 Wiederaufnahme von Patienten mit multiresistenten Erregern MRSA, VRE, 4MRGN positiv entlassen Screening und wie positiver Patient MRSA, VRE, 4MRGN negativ entlassen Screening und wie negativer Patient 3MRGN Screening nur in Risikobereichen Isolation in Risikobereichen und Risikopatienten Konsequente Standardhygiene

62 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Kritik Ergänzungen Diskussion

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