Politologie. Nach dem Bachelorabschluss berufliche Erfahrungen sammeln

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1 Die Politologinnen und Politologen arbeiten nach Studienabschluss im häufigsten Fall im privaten Dienstleistungssektor und deutlich seltener im öffentlichen Dienst, wie viele Leser/innen vielleicht vermutet hätten. Gleichwohl arbeitet die Mehrheit der Politolog/innen in einer nichtgewinnorientierten Institution. Die Beschäftigungszahlen präsentieren sich eher ungünstig. Dafür sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Zum einen handelt es sich bei der nicht um ein berufsorientiertes Studium, und zum anderen ist die Zahl der Absolvent/innen in den letzten beiden Jahrzehnten sehr stark gestiegen. Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte der Politolog/innen an den Westschweizer Hochschulen studiert haben. Die Arbeitsmarktlage ist in der Westschweiz traditionell ungünstiger als in der Deutschschweiz. Auch das Phänomen der inadäquaten Beschäftigung ist unter den Politolog/innen stärker verbreitet als unter den Neuabsolvent/innen UH insgesamt, d.h. sie sind häufig an Stellen beschäftigt, für die auch Absolvent/innen anderer Studienfächer in Frage gekommen wären. Dabei liegt die Inadäquatheit der Stellen weniger in den formalen Anforderungen oder dem Einkommen. Vielmehr ist es so, dass die Stellen der Politolog/innen von den Inhalten her nicht ihrem Studium entsprechen. Es gibt für die Politolog/innen auch kaum tradi tionelle Strukturen, die den Übergang vom Studium in den Beruf erleichtern. Sie müssen sich deshalb ihren Weg individuell suchen. An dieser Situation dürfte sich mittelfristig gesehen wenig ändern. Die Neuabsolvent/innen der Politikwissenschaft können wie die Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen generell während des Studiums durch Studienarbeiten oder durch Erwerbstätigkeiten den Kontakt zu späteren Arbeitsgebieten suchen. Tabelle 1: Kennzahlen der Stichprobe (n=425) (in Prozent) Geschlecht Männer 59 Frauen 41 Universität Bern 11 Freiburg Genf 39 Lausanne 15 St.Gallen 13 Zürich 21 Nach dem Bachelorabschluss berufliche Erfahrungen sammeln Auch in den politischen Wissenschaften ist der Masterabschluss die Regel, wenn auch die Bachelorabsolvent/innen der etwas weniger häufig als die Gesamtheit der Bachelorabsolvent/innen UH innerhalb eines Jahres nach dem Diplom ein Masterstudium aufgenommen haben. Tabelle 2: Kennzahlen Bachelorabsolvent/innen (n=524) (in Prozent) Übertritt ins Masterstudium Bevor sie mit dem Masterstudium begonnen haben, haben vergleichsweise viele ein Praktikum gemacht, gejobbt oder eine längere Reise unternommen. Als Hauptgrund für ein Masterstudium nennen die meisten die Verbesserung der Berufschancen. Die erste Stelle nach dem Studium SDBB, Bern, 2013 Die hier publizierte Auswertung stützt sich auf die Erhebung der Gesamtstudie: Bundesamt für Statistik BFS, Befragung der Hochschulabsolvent/innen, Abschlussjahrgang Mehr zur Befragung:

2 Jene 18 Prozent, die (noch) kein Masterstudium aufgenommen haben, sind in der Regel am Arbeiten. Mehr als die Hälfte berichtet jedoch über Schwierigkeiten, eine ihren Erwartungen entsprechende Stelle zu finden. Nur ein Viertel sieht das Bachelorstudium als gute Grundlage für den Berufseinstieg. 60 Prozent nennen als Grund gegen ein Masterstudium, dass sie zuerst berufliche Erfahrungen sammeln wollen. Dies scheint für die Politikwissenschaftler/innen sehr wichtig zu sein. Schwieriger Übergang vom Studium in den Beruf Tabelle 3: Kennzahlen Beschäftigungslage (in Prozent) Schwierigkeiten bei der Stellensuche Studium als gute Grundlage für den Berufseinstieg betrachtet Weiterbildung nach Studienabschluss begonnen Weniger als die Hälfte der Politolog/innen findet, dass ihr Studium eine gute Grundlage für den Berufseinstieg sei. Sie haben denn auch deutlich häufiger Schwierig keiten, eine Stelle zu finden, die ihren Vorstellungen entspricht. Was die Zahl der Bewerbungen betrifft, so unternehmen die Politolog/innen gleich viele wie die Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen generell, aber fast doppelt so viele wie die Neuabgänger/innen UH insgesamt, nämlich im Durchschnitt deren acht. Abbildung 1: Schwierigkeiten bei der Stellensuche (in Prozent) Rund ein Fünftel hat die aktuelle Tätigkeit bereits vor dem Studienabschluss ausgeübt. Das Sammeln beruflicher Erfahrungen ist für die Politikwissenschaftler/innen besonders wichtig. 70 Prozent der Masterabsolvent/innen haben während des Studiums bereits spezifische berufliche Erfahrungen gemacht. Diese erleichtern den Berufseinstieg deutlich: So berichten 46 Prozent derjenigen mit beruflichen Erfahrungen über Schwierigkeiten bei der Stellensuche, während es bei den anderen 60 Prozent sind. Tabelle 4: Kennzahlen Erwerbssituation (in Prozent) erwerbstätig stellensuchend Stelle zugesichert Erwerbsverzicht In konjunkturell schlechten Zeiten kann der Anteil an erwerbslosen Stellensuchenden im Jahr nach dem Studienabschluss bis fast 20 Prozent steigen. Die Situation beim Übergang

3 vom Studium in den Beruf ist damit für die Politolog/innen wesentlich schwieriger als für die Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH. Wie bei den Neuabgänger/innen UH machen die Politolog/innen vor allem die fehlende Berufserfahrung für die Schwierigkeiten verantwortlich: 66 Prozent nennen diese. Daneben ist für die Politikwissenschaftler/innen die gewählte Studienrichtung fast gleichermassen für die ungünstige Situation mitverantwortlich. Die Schwierigkeiten bei der Stellensuche bilden sich bei den Politolog/innen auch in den Erwerbszahlen ab sind im Jahr nach Studienabschluss 10 Prozent erwerbslos, mehr als doppelt so viele wie bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Die hohe Erwerbslosenquote bei den Politolog/innen ist kein neues Problem. Auch in den vergangenen Jahren gehörten sie meist zu der Gruppe von Absolvent/innen, die im Jahr nach ihrem Studium am häufigsten auf Stellensuche waren. Abbildung 2: Anteil Stellensuchende (in Prozent) Beschäftigungsbereiche: Am häufigsten im privaten Dienstleistungsbereich Die eine oder andere Leserin vermutet vielleicht, dass die Mehrheit der Politolog/innen nach dem Studium im öffentlichen Dienst beschäftigt ist. Die Zahlen zeigen aber, dass für die Politolog/innen der private Dienstleistungssektor deutlich wichtiger ist. Erst an zweiter Stelle folgen die öffentlichen Dienste. Wer im Bereich des privaten Dienstleistungssektors tätig ist, ist häufig in Banken oder Versicherungen, in Unternehmens- und Personalberatungen oder in Planungsbüros beschäftigt. In internationalen Organisationen mit Behördencharakter arbeiten lediglich 4 Prozent, das sind weniger als zehn Personen. Insgesamt arbeiten jedoch 56 Prozent der Politolog/innen in einer nicht-gewinnorientierten Institution, sei es im öffentlichen oder im privaten Wirtschaftsbereich. Abbildung 3: Beschäftigungsbereiche (in Prozent) Hochschule 19 Schule Information und Kultur Pädagog., Psycholog., Soziale Dienste Industrie Energie- und Wasserversorgung 8 2** Private Dienstleistungen 35 Öffentliche Dienste 19 Verbände und Organisationen

4 Die Palette an Berufsbezeichnungen, unter denen sich die Politolog/innen verorten, ist vergleichsweise breit. Es dominieren insgesamt jedoch die kaufmännisch-administrativen Berufe. Tabelle 5: Kennzahlen Berufsbezeichnungen (in Prozent) Dienstleistungsberufe ohne nähere Angaben 23 Unternehmer/innen, Direktor/innen, leitende Beamt/innen 14 Berufe des Unterrichts und der Bildung 13 Medienschaffende und verwandte Berufe 10 Kaufmännische und administrative Berufe 9 Berufe der Werbung und des Marketings, des Tourismus und des Treuhandwesens 6 Berufe der Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften 5 Berufe des Bank- und Versicherungsgewerbes 4 Berufe des Rechtswesens 4 Knapp ein Viertel arbeitet an einer Stelle ohne Bezug zum Studium Die Anzahl an Personen, die eine Berufstätigkeit ohne Zusammenhang zum studierten Fach ausübt, ist unter den Politolog/innen doppelt so hoch wie bei der Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH. Es wurde auch bei nur einem ganz kleinen Teil der Politolog/innen vom Arbeitgeber ein Abschluss in vorausgesetzt (10 Prozent). In der Regel ist dies nur bei den Doktorandenstellen an den Universitäten der Fall. In drei Viertel der Fälle wurde zwar ein Hochschulabschluss verlangt, jedoch nicht spezifisch in ihrem Fach. Abbildung 4: Kein inhaltlicher Bezug zwischen Studium und jetziger Tätigkeit (in Prozent) Subjektiv sind die Politolog/innen sowohl was die Einsatzmöglichkeiten ihrer im Studium erworbenen Kenntnisse, die ihnen übertragenen Aufgaben als auch ihre beruflichen Position betrifft seltener zufrieden als die Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH. Die Zufriedenheitswerte der Politolog/innen bewegen sich um die 50 Prozentmarke, bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt liegen sie zwischen 60 und 70 Prozent. Durchschnittliches Einkommen Bezüglich des Einkommens liegt die Zufriedenheit der Politolog/innen im Rahmen der Neuabgänger/innen UH insgesamt. Das tatsächliche durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen entspricht auch demjenigen der Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Dazu muss jedoch angemerkt werden, dass die Einkommen der Politolog/innen einer sehr breiten Streuung unterliegen. Es gibt einerseits gut bezahlte Beamten- oder Kaderstellen im Privaten Dienstleistungsbereich, wo das Einkommen nahe bei Franken liegt, aber auch Praktikantenstellen bei NGOs, wo die Entschädigung nicht einmal für den Lebensunterhalt genügt. Der Anteil an befristeten Engagements sowie der Anteil an Teilzeitstellen liegen im für die Neuabsolvent/innen UH üblichen Rahmen.

5 Tabelle 6: Kennzahlen Anstellungsbedingungen (in Prozent) Jahresbruttoeinkommen 1 (in Franken) Zufriedenheit mit Einkommen: Anteil Zufriedene Anteil Teilzeitbeschäftigte (Pensum < 90 Prozent) Anteil befristet Angestellte Hochschulabschluss für jetzige Tätigkeit verlangt? Nein Ja, im entsprechenden Fach Ja, auch in verwandten Fächern Ja, aber ohne spezifische Fachrichtung Als statistisches Mittel wurde der Median verwendet. Die Einkommen der teilzeitlich beschäftigten Personen wurden auf 100 Prozent hochgerechnet. Im Rückblick seltener zufrieden mit der Studienwahl Die Politolog/innen treffen nach ihrem Studium überdurchschnittlich oft auf Schwierigkeiten bei der Stellensuche und haben auch häufig Stellen inne, die keinen Bezug zu ihrem Studium aufweisen. Diese Situation ist wohl unter anderem dafür verantwortlich, dass im Rückblick nur knapp 60 Prozent stünden sie noch einmal vor dieser Entscheidung wieder dasselbe Studium am gleichen Studienort wählen würden. Tabelle 7: Kennzahl Rückblick (in Prozent) Rückblickend betrachtet nochmals dasselbe Studium wählen 59 72

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