Arterielle Hypertonie

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Transkript:

Herz und Kreislauf Arterielle Hypertonie M. Fluri

Pulse Classic of Wang 280 v.chr. "Leeches and venesection when the puls hardens"

Cornelius Celsus 25 v.chr. "erhöhten und härteren Puls bei Sport, Leidenschaft und sogar wenn der Arzt sich nähert."

Erste Blutdruckmessung Stephen Hales 1733

Riva-Rocci 1896

Nikolai Sergejewitsch Korotkow 1905

1960

Hypertensive Krise >180/120mmHg - Salzdiät - Chlorthiazid (1958) - 5 Jahres Mortalität: ca. 98-100% - Partielle / Totale Chirurgische Sympathektomie

Partielle / Totale chirurgische Sympathektomie 1945-1960 Keine vernünftige antihypertensive Therapie 1945-1960 Maligne Hypertonie Mortaliät in 5 Jahren: 100%!! (Am J. Med. Sciences 1974) 1945-1965 Chirurgische Sympathektomie

Partielle / Totale chirurgische Sympathektomie

Partielle / Totale chirurgische Sympathektomie Schwieriger chirurgischer Eingriff (wenige Zentren in den USA/Europa) Oft 2 Operationen Mortalität: bis 5% 2-4 Wochen Hospitalisation Rehabilitation bis 2 Monate Nebenwirkungen: Orthostase, Erektile Dysfunktion, Intestinale Störungen Anhidrosis, Palpitationen.

1960 Alpha Methyl Dopa 1964 Betablocker 1970 Kalziumantagonisten 1977 ACE Hemmer Keine chirurgischen Sympathektomien mehr Ab Ende der 60er Jahren

2012

Antihypertensive Medikamente 2012 ACE Hemmer / Angiotensin-II-Antagonisten Antihypertensiva der ersten Wahl Kalziumantagonisten Betablocker Thiaziddiuretika Alphablocker Cardura (Doxazosin) Alpha- und Betablocker (Carvedilol) Renininhibitoren Rasilez Vasodilatatoren Loniten (Minoxidil) Proglicem (Diazoxid) Zentrale Adrenergika Aldomet (Methyldopa) Catapressan (Clonidin) Physiotens (Moxonidin)

ESC AND ESH Guidelines for the management of arterial Hypertension (Eur Heart J 2007)

Global burden of hypertension: analysis of worldwide data Patricia M Kearney et al. The Lancet (Volume 365, Issue 9455, Pages 217-223 (January 2005))

Prävalenz der Arteriellen Hypertonie 20-50% Industrialisierten Länder 20% Deutschland 30% Deutschland > 80Jährigen

Reappraisal of European guidelines on hypertension management: a European Society of Hypertension TaskForce document Journal of Hypertension 2009, 27:2121 2158 Deutschland 2007 20% Nicht Diabetiker: Therapieziel erreicht 7.5% Diabetiker: Therapieziel erreicht DMW 2006 / Hypertension 2004

Ursachen der ungenügenden Behandlung Patienten-Compliance Trägheit des behandelnden Arztes Inadaequate Dosierung Inadaequate Medikamentenkombinationen Medikamenteninteraktionen

Therapieresistente Hypertonie Definition: Therapieziel nicht erreicht bei Patienten mit Einhaltung der nicht medikamentösen Massnahmen Alkoholkarenz, Salzrestriktion, Gewichtsreduktion Einnahme von 3 antihypertensiven Medikamenten in normaler Dosierung (inkl. Diuretika)

Prävalenz: Therapieresistente Hypertonie Prevalence of resistant Hypertension in the USA, 2003 2008 Hypertension Genaue Prävalenz 2011; 57: unbekannt 1076 1080 (kein grossen prospektiven Studien) Data from the NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) Geschätzte Definition: Prävalenz: >140/90 bei 10 330% Antihypertensive Medikamente Resultat: 12.8% Ältere Patienten; Adipöse Patienten; Niereninsuffizienz; Schwarze Patienten

Therapieresistente Hypertonie Pseudoresistenz (scheinbare resistente Hypertonie) Keine Anpassung des Lebensstils (Alkohol, Salzrestriktion, Adipositas) Fehlende Medikamenten Compliance Ungenügende Dosierung der Medikation / ungenügende Kombinationen "Weisskittelhypertonie" (25%!!) Hypertension in der Praxis / Hypotoniebeschwerden zu Hause Langjährige Hypertonie in der Praxis / Keine Hinweise für eine hypertensive Herzkrankheit "Manschetten bedingte Hypertonie"

Pseudoresistenz (scheinbare resistente Hypertonie) Therapieresistente Hypertonie

Therapieresistente Hypertonie Endorganschädigung / Klinische Komplikationen NHANES: Pat. mit resistenter Hypertonie Verminderte Nierenfunktion Albuminurie Hypertensive Herzkrankheit Gehäufte Prävalenz KHK, Stroke, Herzinsuffizienz

Wann ist mein Patient Therapie resistent?

Therapieresistente Hypertonie Patientenevaluation (1.Schritt) Bestätige Diagnose einer echten Therapieresistenz Korrekte Messtchnik? (Manschettengrösse ) Ausschluss "Weisskittelhypertonie": Langzeitblutdruckmessung Blutdruckeigenmessungen Evaluation der Compliance (Befragung der Angehörigen; Kennt der Patient seine Medikation?

Therapieresistente Hypertonie Patientenevaluation (2.Schritt) Identifikation von "Lifestyle Faktoren" und Interferenzen Medikamentös induzierte Hypertonie NSAR Kokain,Amphetamin Sympathomimetika Antikonzeption Ciclosporin, Tacrolimus Erythropoietin Kortikosteroid Lakritze Planzenheilmittel (Ephedra, ma huang, Yohimbin, Ginseng) "Lifestylefaktoren" Adipositas Alkoholabusus

Therapieresistente Hypertonie Patientenevaluation (3.Schritt) Dokumentation von Endorganschädigungen und Kardiovaskuären Komplikationen Linksventrikuläre Hypertrophie? (Echokardiographie) Koronare Herzkrankheit? (ev. Ergometrie) Retinopathie? Niereninsuffizienz?

Therapieresistente Hypertonie Patientenevaluation (4.Schritt) Ausschluss von sekundären Ursachen einer Hypertonie Nierenarterienstenose Abdominales Gefässgeräusch? Junge Frauen (fibromuskuläre Dysplasie) Verschlechterung der Nierenfunktion Chronische Niereninsuffizienz Phäochromozytom Episoden mit Hypertonie, Dyspnoe, Palpitationen Kopfschmerzen. Primärer Hyperaldosternonismus Hypokaliämie Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom Endokrinologische Erkrankungen (M. Cushing, Schildrüsenstörungen)

Therapieresistente Hypertonie Therapiestrategien 1. Änderung des Lebenstiles (Alkohol, Adipositas,.) 2. Elimination von Interferenzn (Medikamente / Drogen) 3. Optimierung der medikamentösen Therapie Maximale Dosierung Kombinationen Schleifendiuretika bei Niereninsuffizienz Hinzugabe eines Aldosteronantagonisten Hinzugabe von anderen antihypertensiven Medikamenten (Alphablocker, Alpha- und Betablocker,Renininhibitoren,Vasodilatatoren,Zentrale Adrenergika)