Fragestellungen: 5. Fourier-Transformation Bei Anregung mit einer harmonischen Last kann quasistatitisch gerechnet werden, wenn die Erregerfrequenz kleiner als etwa 30% der Resonanzfrequenz ist. Wann darf bei einer allgemeinen zeitabhängigen Belastung quasistatisch gerechnet werden? Sprungantwort oder Impulsantwort beschreiben vollständig das dynamische Verhalten eines linearen Systems. Wie lassen sich diese Funktionen aus dem zeitlichen Verlauf der Anregung und dem zeitlichen Verlauf der Antwort ermitteln? Wie muss ein Finite-Elemente-Modell aufgebaut sein, damit sich damit sinnvolle Ergebnisse für eine allgemeine zeitabhängige Belastung ermitteln lassen? 2.5-1
5. Fourier-Transformation Antworten auf diese Fragen lassen sich mithilfe der Fourier-Transformation der Belastung finden. 2.5-2
5. Fourier-Transformation 5.1 Definition 5.2 Eigenschaften 5.3 Transformation reeller Funktionen 5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich 2.5-3
5.1 Definition Definition: Die Fourier-Transformation einer Funktion f(t) ist definiert durch F = f t e i t dt Die untere und die obere Grenze streben unabhängig voneinander gegen unendlich. 2.5-4
Beispiel 1: Rechteckimpuls 5.1 Definition t 0 : f t =0 0 t T : f t =1 t T : f t =0 1 F = f t e i t dt T t T = 0 e i t dt= 1 i e i T 1 = 1 i = 1 sin T i cos T 1 cos T 1 i sin T 2.5-5
5.1 Definition Wert für Ω = 0: 1 sin T = 1 T 1 3! T 3 =T 1 3! 2 T 3 1 Ω ( cos(ωt ) 1 )= 1 Ω( 1 2! (ΩT ) 2 ) = 1 2! ΩT 2 + F 0 =T Aus F 0 = f t dt folgt allgemein: Der Realteil von F(0) ist gleich der Fläche unter der Funktion f(t). Wenn f(t) reell ist, ist der Imaginärteil von F(0) null. 2.5-6
5.1 Definition Ω 2.5-7
5.1 Definition Beispiel 2: Dreieckimpuls t T : f t =0 T t 0 : f t =1 t /T 0 t T : f t =1 t /T t T : f t =0 -T 1 T t F = 0 f t e i t dt =F = T aus Formelsammlung: 1 tt e i T t dt 1 0 tt e i t dt t e i t dt = e i t i t 1 2 2.5-8
5.1 Definition Nach einiger Rechnung folgt: F = 1 2 T 2 ei T e i T = 2 2 T 1 cos T Mit 1 cos T =2sin 2 T 2 wird daraus: F = 4 2 T sin2 T 2 2.5-9
5.1 Definition F(Ω) Ω 2.5-10
5.1 Definition Beobachtungen: Die Lage des ersten Nulldurchgangs ist umgekehrt proportional zur Impulsdauer T. Am Aufbau des Impulses sind alle Frequenzen beteiligt. Die Frequenzen bis zur ersten Nullstelle herrschen jedoch vor. Existenz der Fourier-Transformation: Eine notwendige Bedingung ist, dass die zu transformierende Funktion gegen null geht, wenn die Zeit gegen unendlich geht. Eine hinreichende Bedingung ist f (t ) dt<. 2.5-11
Inverse Transformation: 5.1 Definition Die inverse Fourier-Transformation ist gegeben durch f t = 1 2 F e i t d Bei der inversen Transformation müssen die Grenzen in gleicher Weise gegen unendlich streben. 2.5-12
5.1 Definition Deutung: Eine periodische Funktion f(t) kann als unendliche Summe von harmonischen Schwingungen dargestellt werden (Fourier-Reihe). Die Frequenzen sind ein Vielfaches einer Grundfrequenz Ω 0 : f t = c n e i n 0 t n= Eine nichtperiodische Funktion ist aus unendlich vielen Schwingungen aller Frequenzen aufgebaut. 2.5-13
5.1 Definition Jede dieser Schwingungen ist beteiligt mit der infinitesimalen komplexen Amplitude c(ω)= 1 2π F (Ω) d Ω Dadurch erhält man das Fourier-Integral f t = 1 2 F ei t d Die Funktion F(Ω) wird als Spektralfunktion, Spektraldichte oder Frequenzfunktion bezeichnet. Die Funktion F(Ω) wird als Amplitudendichte bezeichnet. 2.5-14
5.2 Eigenschaften Linearität: Sei F 1 (Ω) die Fourier-Transformierte der Funktion f 1 (t) und F 2 (Ω) die Fourier-Transformierte der Funktion f 2 (t), und seien c 1 und c 2 zwei Konstanten. Dann folgt für die Fourier-Transformierte der Funktion f t =c 1 f 1 t c 2 f 2 t : F =c 1 f 1 t e i t dt c 2 f 2 t e i t dt =c 1 F 1 c 2 F 2 2.5-15
Maßstabsänderung: 5.2 Eigenschaften Sei F(Ω) die Fourier-Transformierte der Funktion f(t). Für die Fourier-Transformierte G(Ω) der Funktion mit reellem, von Null verschiedenem a gilt: g t = f a t G = f a t e i t dt Die Substitution =a t, d =a dt führt auf G = f e i a 1 a d = 1 a F a 2.5-16
5.2 Eigenschaften Zeitverschiebung: Sei F(Ω) die Fourier-Transformierte der Funktion f(t). Für die Fourier-Transformierte G(Ω) der Funktion g t = f t t mit reellem Δt gilt: G = f t t e i t dt Die Substitution =t t, d =dt führt auf G = f e i t d =e i t F 2.5-17
5.2 Eigenschaften Transformation der Ableitung: Sei F(Ω) die Fourier-Transformierte der Funktion f(t). Für die Fourier-Transformierte G(Ω) der Ableitung g t = ḟ t gilt: G = ḟ t e i t dt Partielle Integration führt auf ḟ t e i t dt=[ f t e i t ] f t i e i t dt Da f(t) im Unendlichen verschwindet, ist der erste Summand auf der rechten Seite null. Es bleibt ḟ t e i t dt=i f t e i t dt=i F 2.5-18
5.2 Eigenschaften Beispiel: Schwingungsgleichung Schwingungsgleichung: m ẍ t d ẋ t c x t = f t Die Fourier-Transformation führt auf 2 m i d c X =F Dabei ist F(Ω) die Fourier-Transformierte von f(t) und X(Ω) die Fourier-Transformierte von x(t). Durch die Fourier-Transformation geht die lineare Differenzialgleichung in eine lineare algebraische Gleichung über. 2.5-19
5.2 Eigenschaften Die algebraische Gleichung kann leicht nach X(Ω) aufgelöst werden Durch inverse Transformation kann die Lösung x(t) bestimmt werden. Faltung: Seien f(t) und h(t) zwei reelle Funktionen der Zeit t. Die Funktion g t = wird als Faltung bezeichnet. f h t d Beispiel: Berechnung der Antwort x(t) mithilfe der Impulsantwort oder der Sprungantwort 2.5-20
5.2 Eigenschaften Für die Fourier-Transformation der Faltung gilt: G =F H Dabei sind F(Ω), G(Ω) und H(Ω) die Fourier-Transformierten von f(t), g(t) und h(t). Durch die Fourier-Transformation geht das Faltungsintegral in ein Produkt zweier Funktionen über. 2.5-21
5.3 Transformation reeller Funktionen Bei technischen Anwendungen ist die Funktion f(t) reell. Folgerungen für die Fourier-Transformation: Allgemein gilt: F = f t e i t dt= f t cos t i sin t dt = f t cos t dt i f t sin t dt Mit cos t =cos t, sin t = sin t folgt: F = f t cos t dt i f t sin t dt Für reelle Funktionen folgt: R F I F =R F = I F 2.5-22
5.3 Transformation reeller Funktionen Folgerungen für die inverse Transformation: Allgemein gilt: f t = 1 2 F e i t d = 1 2 = 1 2 i 2 R F i I F cos t i sin t d R F cos t I F sin t d R F sin t I F cos t d 2.5-23
5.3 Transformation reeller Funktionen Für reelle Funktionen f(t) gilt: R F cos t =R F cos t I F sin t =I F sin t R F sin t = R F sin t I F cos t = I F cos t Daraus folgt: f t = 1 R F cos t I F sin t d 0 2.5-24
5.3 Transformation reeller Funktionen Nullpunkt der Zeitachse: Bei technischen Anwendungen kann der Nullpunkt der Zeitachse meist so gewählt werden, dass gilt: f t =0 für t 0 Dann vereinfacht sich die Fourier-Transformation zu F = 0 = 0 f t e i t dt f t cos t dt i 0 f t sin t dt 2.5-25
5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich Fourier-Transformation der Impulsantwort: Aus der Fourier-Transformation der Schwingungsgleichung, m 2 i d c X =F, folgt: F X = m 2 i d c Für die Antwort im Zeitbereich gilt: t x(t)= 0 f (τ)h I (t τ)d τ Die Fourier-Transformation dieses Faltungsintegrals ergibt X =F H mit H = 0 h I t e i t dt 2.5-26
5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich Damit ist gezeigt: 1 H = m 2 i d c Die Fourier-Transformierte der Impuls-Antwort wird auch als komplexe Übertragungsfunktion bezeichnet. Mit dem Frequenzverhältnis η = Ω/ω gilt auch: H = 1 m 2 1 1 2 2i D 2.5-27
5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich Komplexe Übertragungsfunktion: 2.5-28
5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich Lösung der Schwingungsgleichung: Mit der Fourier-Transformation kann die Lösung der Schwingungsgleichung gefunden werden, ohne dass eine Differenzialgleichung gelöst werden muss: f t F X =H F x t Die Schwierigkeit liegt dabei in der Regel in der Berechnung der inversen Fourier-Transformation. In der Praxis werden beide Transformationen numerisch mit Hilfe der FFT (Fast Fourier Transform) durchgeführt. 2.5-29
5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich Ermittlung der Impulsantwortfunktion: Mit der Fourier-Transformation lässt sich die Impulsantwortfunktion aus den Zeitreihen der Last und der Antwort berechnen: f t x t F X H = X F h I t In der Praxis wird die komplexe Übertragungsfunktion in der Regel aus Leistungs- und Kreuzleistungsdichtespektren ermittelt. 2.5-30
5.4 Frequenzbereich und Zeitbereich Grenzfrequenz: Bei impulsartigen Lasten gilt F 0, wenn Ω größer als eine Frequenz Ω 0 ist. Gilt für die Kreisfrequenz ω der Schwingung 3 0, so antwortet der Schwinger quasi-statisch. Die Frequenz Ω 0 kann durch inverse Fourier-Transformation der bei Ω 0 abgeschnittenen Spektralfunktion F(Ω) überprüft werden. 2.5-31