Kapitel 10 Komplexe Zahlen

Ähnliche Dokumente
ax 2 + bx + c = 0, (4.1)

Zahlen und Gleichungen

Die Menge der reellen Zahlen vereinigt die Menge der rationalen Zahlen mit der Menge der irrationalen

Matrizen, Determinanten, lineare Gleichungssysteme

Vorbereitungskurs Mathematik zum Sommersemester 2011 Tag 7

Vektoren und Matrizen

Vorlesung. Komplexe Zahlen

3.1. Die komplexen Zahlen

Lineare Gleichungssysteme

Mathematik 1. Inhaltsverzeichnis. Prof. Dr. K. Melzer.

7. KOMPLEXE ZAHLEN. und die. KOMPLEXE e-funktion

Brückenkurs Mathematik

5. Komplexe Zahlen. 5.1 Was ist eine Zahl?

Mathematischer Vorkurs für Physiker WS 2009/10

Komplexe Zahlen. 1) Motivierende Aufgabe. 2) Historisches

Lineare Gleichungssysteme (Teschl/Teschl 11.1)

Mathematische Strukturen

Vorkurs Mathematik 1

Matrizen und Determinanten

Kapitel 15. Lösung linearer Gleichungssysteme

Spezialfall: Die Gleichung ax = b mit einer Unbekannten x kann mit Hilfe des Kehrwerts 1 a = a 1 gelöst werden:

9.2 Invertierbare Matrizen

Höhere Mathematik 3. Apl. Prof. Dr. Norbert Knarr. Wintersemester 2015/16. FB Mathematik

10. Die komplexen Zahlen.

Lösungen zum 5. Aufgabenblatt

Einführung in die Vektor- und Matrizenrechnung. Matrizen

Kapitel 2 Algebra und Arithmetik. Inhalt

1 Definition. 2 Besondere Typen. 2.1 Vektoren und transponieren A = 2.2 Quadratische Matrix. 2.3 Diagonalmatrix. 2.

4 Vorlesung: Matrix und Determinante

Mathematik 1 für Informatik Inhalt Grundbegrie

x 2 2x + = 3 + Es gibt genau ein x R mit ax + b = 0, denn es gilt

Corinne Schenka Vorkurs Mathematik WiSe 2012/13. Die kleineren Zahlbereiche sind jeweils Teilmengen von größeren Zahlbereichen:

Serie 10: Inverse Matrix und Determinante

Technische Universität München. Lösung Montag WS 2013/14. (Einheitskreis, ohne Rechnung ersichtlich) (Einheitskreis, ohne Rechnung ersichtlich)

Grundrechnungsarten mit Dezimalzahlen

Prof. Dr. G. Wagner Ingenieurmathematik Begleittext Seite 1

Komplexe Zahlen und Wechselstromwiderstände

7 Lineare Gleichungssysteme

Lösung zu den Testaufgaben zur Mathematik für Chemiker II (Analysis)

4. Vektorräume und Gleichungssysteme

00. Einiges zum Vektorraum R n

Mathematik 1, Teil B. Inhalt:

Brückenkurs Elementarmathematik

Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler, WS 10/11 Musterlösungen zu Aufgabenblatt 11

Lineare Gleichungssysteme

Spezialgebiet Mathematik(Christian Behon ) 1. Matrizen. Kapitel 1 Definitionen und Herleitung von Matrizen. Kapitel 2 Matrizenoperation

Gleichungssysteme mit zwei Variablen

Erster Zirkelbrief: Komplexe Zahlen

4 Lineare Algebra (Teil 2): Quadratische Matrizen

Lineare Algebra (Mathe I) für Wirtschaftsinformatiker; Zusammenfassung

Ergänzung zu komplexe Zahlen

4 Einige Grundstrukturen. Themen: Abbildungen und Relationen Gruppen Die natürlichen Zahlen Körper

Vorlesung zur Arithmetik V1 18./ Arithmetik in der Grundschule V2 -./ Die Entwicklung des Zahlbegriffs beim Kind/Konzepte für den

x 2 + px + q = 0 ) x 1;2 = p 2 r p 2 2

1 Lineare Gleichungssysteme

4.4. Rang und Inversion einer Matrix

Aufgabensammlung Klasse 8

6. Rechnen mit Matrizen.

7.1 Imaginäre Zahlen. Für die imaginäre Einheit gilt: i 2 = 1 bzw. j 2 = 1 i = 1 j = 1 Alle Vielfachen von i bzw. j nennt man imaginäre Zahlen.

Lineare Algebra - alles was man wissen muß

3.6 Drehungen in der Ebene

1 Lineare Algebra. 1.1 Matrizen und Vektoren. Slide 3. Matrizen. Eine Matrix ist ein rechteckiges Zahlenschema

Brückenkurs Mathematik

1.9 Eigenwerte und Eigenvektoren

Vorkurs: Mathematik für Informatiker

Lineare Gleichungssysteme

1.1.1 Die natürlichen, ganzen und rationalen Zahlen

Corinne Schenka Vorkurs Mathematik WiSe 2012/13

1 Rechnen. Addition rationaler Zahlen gleicher Vorzeichen Summand + Summand = Summe

Elemente der Analysis II

Erzeugende Funktionen

Übungsbuch Algebra für Dummies

LU-Zerlegung. Zusätze zum Gelben Rechenbuch. Peter Furlan. Verlag Martina Furlan. Inhaltsverzeichnis. 1 Definitionen.

Lösungen zum 2. Aufgabenblatt

5 Determinante, Spatprodukt, Vektorprodukt, inverse Matrix

6. Gleichungen und Ungleichungen

Vektoralgebra Anwendungen der Vektorrechnung VEKTORRECHNUNG. Prof. Dr. Dan Eugen Ulmet. Hochschule Esslingen 1/64

Lineare Gleichungssysteme

Wie kann man beweisen, dass (H, ) eine Gruppe ist?

Mathematischer Vorkurs

2 Rationale und reelle Zahlen

Skript und Aufgabensammlung Terme und Gleichungen Mathefritz Verlag Jörg Christmann Nur zum Privaten Gebrauch! Alle Rechte vorbehalten!

Lineare Gleichungssysteme

Propädeutikum Mathematik

KOMPLEXE ZAHLEN UND LINEARE GLEICHUNGSSYSTEME

Kapitel 7: Gleichungen

11.3 Komplexe Potenzreihen und weitere komplexe Funktionen

u + v = v + u. u + (v + w) = (u + v) + w. 0 V + v = v + 0 V = v v + u = u + v = 0 V. t (u + v) = t u + t v, (t + s) u = t u + s u.

x A, x / A x ist (nicht) Element von A. A B, A B A ist (nicht) Teilmenge von B. A B, A B A ist (nicht) echte Teilmenge von B.

UND MOSES SPRACH AUCH DIESE GEBOTE

3.5 Ringe und Körper. Diese Eigenschaften kann man nun auch. 1. (R, +) ist eine kommutative Gruppe. 2. Es gilt das Assoziativgesetz bezüglich.

Kommentierte Musterlösung zur Klausur HM I für Naturwissenschaftler

Lineare Gleichungssysteme und Gauß'scher Algorithmus

Inhaltsverzeichnis Mathematik

Grundlagen Algebra Aufgaben und Lösungen

Formelsammlung Mathematik 9

Transkript:

Komplexe Zahlen Kapitel 10 Komplexe Zahlen Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 94 / 112

Komplexe Zahlen Die komplexen Zahlen entstehen aus den reellen Zahlen, indem eine neues Element i (in der Elektrotechnik j) mit i 2 = 1 hinzugenommen wird: 10.1 Denition: Komplexe Zahlen Die Menge C der komplexen Zahlen ist deniert als C = {x + yi x, y R}. Dabei sollen die Rechenregeln der reellen Zahlen gelten (Kommutativ-, Assoziativ- und Distributivgesetz), und zusätzlich sei i 2 = 1. Ist z = x + yi eine komplexe Zahl, so heiÿen die beiden reellen Zahlen x Realteil und y Imaginärteil von z. x = Re z und y = Im z. Die reellen Zahlen kann man durch x = x + 0i als Teilmenge von C auassen. Achtung: Auf C ist keine Ordnung deniert! Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 95 / 112

Komplexe Zahlen Die komplexen Zahlen lassen sich als Elemente der Ebene darstellen. Die Addition ist die Addition von Vektoren: Für z = 1 + i und w = 4 + i ist z + w = 5 + 2i. 2i z + w i z w i 1 2 3 4 5 6 Die Zahlen der Form z = x + 0i bilden die reelle Achse, die der Form z = 0 + iy die imaginäre Achse. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 96 / 112

Komplexe Zahlen Beim Multiplizieren wird einfach i 2 = 1 beachtet: 10.3 Addition und Multiplikation Ist z = a + bi und w = c + di, so ist 1 z ± w = (a ± c) + (b ± d)i 2 zw = (a + bi)(c + di) = (ac bd) + (ad + bc)i 10.4 Konjugiert komplexe Zahl Ist z = a + ib, so ist die konjugiert komplexe Zahl z deniert durch z = a ib. Mit der dritten binomischen Formel ist z z = (a + ib)(a ib) = a 2 i 2 b 2 = a 2 + b 2 immer reell und nicht-negativ. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 97 / 112

Komplexe Zahlen Durch Erweiterung mit der konjugiert komplexen Zahl kann man für Zahlen ungleich Null Kehrwerte ausrechnen: 10.5 Kehrwert 1 z = z z z = a ib a 2 + b 2 = a a 2 + b 2 i b a 2 + b 2. Genauso kann man komplexe Zahlen durcheinander teilen: 10.6 Quotient z w = a + bi (a + bi)(c di) (ac + bd) + i(bc ad) = = c + di (c + di)(c di) c 2 + d 2. Es stellt sich heraus, dass man Zahlen aus C wie reelle Zahlen addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren kann, und dass weiter die Kommutativ-, Distributiv- und Assoziativgesetze gelten. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 98 / 112

Komplexe Zahlen 10.7 Weitere Eigenschaften der konjugiert komplexen Zahl 1. z = z 2. z + w = z + w 3. z w = z w, 4. Für z R ist z = z ( 1 ) = 1 (z 0) z z 5. Re z = 1 2 (z + z), Im z = 1 (z z) 2i 10.8 Denition und Eigenschaften: Betrag Der Betrag einer komplexen Zahl z = a + ib ist deniert durch z = a 2 + b 2. Es ist z 2 = zz Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 99 / 112

Komplexe Polarkoordinaten Kapitel 11 Komplexe Polarkoordinaten Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 100 / 112

Komplexe Polarkoordinaten 11.1 Satz: Polarkoordinatendarstellung Sei z C \ {0} eine komplexe Zahl, die wir als Punkt in der Zahlenebene betrachten. Dann gibt es einen Winkel ϕ ] π, π] und eine reelle Zahl r > 0, so dass z die folgende Darstellung hat z = r(cos ϕ + i sin ϕ) Um auch z = 0 behandeln zu können beschreiben wir diese Zahl durch r = 0 und einen beliebigen Winkel. r = z ϕ = arg z a = Re z z = a + ib b = Im z Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 101 / 112

Komplexe Polarkoordinaten 11.2 Denition: Polarkoordinaten Die Darstellung aus dem obigen Satz heiÿt Polarkoordinatendarstellung der Zahl z und der Winkel ϕ heiÿt Argument und wird mit arg(z) bezeichnet. 11.3 Satz: Umrechnung 1 Ist z = r(cos ϕ + i sin ϕ), so ist z = a + ib mit a = r cos ϕ und b = r sin ϕ.. 2 Ist z = a + ib, so ist r = z = a 2 + b 2 und für z 0 ist arctan b π falls a < 0, b < 0 a π 2 falls a = 0, b < 0 arg(z) = arctan b falls a > 0 a π 2 falls a = 0, b > 0 arctan b + π falls a < 0, b 0. a Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 102 / 112

Komplexe Polarkoordinaten 11.4 Satz: Rechnen mit Polarkoordinaten { } 1 a > 0 Für alle reellen Zahlen gilt: genau dann, wenn a < 0 { } arg(a) = 0 arg(a) = π 2 arg(z) = arg(z), und z = z 3 arg(wz) = arg(w) + arg(z), und wz = w z ( 1 ) 4 arg = arg(z), und 1 z z = 1 z { arg(z) + π falls arg(z) 0 5 arg( z) = arg(z) π falls arg(z) > 0. Insbesondere ist arg(z k ) = k arg(z) und z k = z k für k Z. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 103 / 112

Komplexe Polarkoordinaten Damit können wir nun einige der einer Zahl z zugeordneten Zahlen in die Ebene einzeichnen: z = 1 Im z i z z 1 z 1 z Re z Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 104 / 112

Komplexe Polarkoordinaten Die Multiplikation komplexer Zahlen ist in Polarkoordinaten besonders einfach (siehe 11.4) z w = 4 + 2i Im z w = 1 + i z = 3 + i Re z Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 105 / 112

Komplexe Polarkoordinaten 11.5 Denition: komplexe Exponentialfunktion Für z = a + ib C denieren wir exp(z) := e a (cos b + i sin b), insbesondere also e ib = cos b + i sin b. Damit schreibt sich die Polarkoordinatendarstellung z = r(cos ϕ + i sin ϕ) kürzer als z = re iϕ. Die so denierte komplexe Exponentialfunktion hat die gleichen Eigenschaften wie die reelle Exponentialfunktion. Insbesondere gilt die Formel von Moivre (cos ϕ + i sin ϕ) n = cos(nϕ) + i sin(nϕ). Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 106 / 112

Lineare Gleichungssysteme Kapitel 12 Lineare Gleichungssysteme Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 107 / 112

Lineare Gleichungssysteme 12.1 Denition: Lineares Gleichungssystem LGS Ein (reelles) lineares Gleichungssystem (LGS) mit n Variablen x 1, x 2,..., x n und m Gleichungen hat folgende Gestalt a 11 x 1 + a 12 x 2 +... + a 1n x n = b 1 a 21 x 1 + a 22 x 2 +... + a 2n x n = b 2. a m1 x 1 + a m2 x 2 +... + a mn x n = b m mit a ij, b j R für 1 i n und 1 j m. Die a ij nennen wir die Koezienten des LGS und die b j nennen wir die rechte Seite des LGS. Das LGS heiÿt homogen, wenn die rechte Seite nur aus Nullen besteht. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 108 / 112

Lineare Gleichungssysteme Kurzschreibweise: Statt der Form in oben benutzen wir auch die etwas kompaktere Schreibweise (A b) := a 11 a 12... a 1n a 21 a 22... a 2n b 2.... a m1 a m2... a mn 12.2 Denition: Lösungsmenge Die Lösungsmenge des LGS (A b) bezeichnen wir mit L(A, b) := { (x 1,..., x n ) R n (x 1,..., x n ) löst (A b) } b 1 b m. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 109 / 112

Lineare Gleichungssysteme 12.3 Satz: Gauÿ-Operationen Die folgenden Operationen verändern die Lösungsmenge eines LGS nicht: 1. Multiplizieren einer Zeile mit einer Zahl a 0. 2. Vertauschen von Zeilen. 3. Addition eines Vielfachen einer Zeile zu einer anderen Zeile. 4. Vertauschen von Spalten Achtung: Wenn man Punkt 4. anwendet, muss man sich merken, welche Variable zu welcher Spalte gehört! Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 110 / 112

Lineare Gleichungssysteme 12.4 Satz: Gauÿ-Algorithmus Es sei (A b) ein lineares Gleichungssystem, dann kann man durch geeignete Gauÿ-Operationen erreichen, dass das LGS die folgende Form bekommt: y 1 y 2 y k y k+1 y n 1 0 0 c 1 0 1 0 c 2........ 0 0 1 c k 0 0 0 0 0 c k+1..... 0 0 0 0 0 c m Die y j sind die Variablennamen x 1 bis x n, aber eventuell in vertauschter Reihenfolge. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 111 / 112

Lineare Gleichungssysteme Praktische Durchführung des Gauÿ-Algorithmus: 1 2 3 Wir versuchen durch 3.(Tausch von Zeilen), 4.(Tausch von Spalten) und 1.(Skalierung einer Zeile) eine 1 in die obere linke Ecke zu bekommen. (Ist dies nicht möglich, dann endet der Algorithmus, denn die Koezienten, mit denen man diesen Schritt gestartet hat, sind alle Null.) Durch Anwenden von 2.(Addition von Zeilen) erzeugen wir Nullen unterhalb und oberhalb dieser 1. Wir beginnen nun wieder mit Step1. Allerdings wenden wir ihn auf das kleinere System an, das wir durch Löschen der ersten Spalte und ersten Zeile erhalten. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 112 / 112