Strategischer Steuerwettbewerb

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1 Strategischer Steuerwettbewerb Thushyanthan Baskaran Alfred Weber Institut Ruprecht Karls Universität Heidelberg

2 Einführung Strategische Interaktionen zwischen Gebietskörperschaften eines der bedeutendsten Forschungsgebiete in Fiwi Prinzipiell in vielen Politikfeldern möglich Regulierungen: Umweltauflagen, Drogenpolitik, Kriminalitätsbekämpfung... Ausgaben für Bildung, Kultur... Einnahmen: Strategischer Steuerwettbewerb Wieso kommt es in diesen Politikfeldern zu strategischen Interaktionen? Die Literatur zu strategischen Interaktionen betont insbesondere die Einnahmeseite 2 / 16

3 Einführung Verschiedene Ebenen des Staates können in Steuerwettbewerb eintreten Und er kann über verschiedene Steuerarten erfolgen Klassische Analysen sind [2] und [3] Heute behandeln wir ein Modell von [1], das Steuerwettbewerb auf kommunaler Ebene über Property Taxes untersucht und reden ein wenig über empirische Evidenz 3 / 16

4 Grundstruktur Mischung zwischen Tiebout-Ansatz und klassischer Steuerwettbewerbsliteratur Mobile Individuen konzentrieren sich zunächst in Präferenz-homogene Gemeinden Danach werden Property Taxes von den Bewohnern gewählt Bei dieser Wahl antizipieren sie, dass die Steuerbasis mobil ist 4 / 16

5 Annahmen Das Land besteht aus zwei Gemeinden In jeder Gemeinde i = 1, 2 wird K i an Kapital investiert Gleichzeitig existiert ein fixer Faktor P i Die Produktionsfunktion sei mit F (K i, P i ) beschrieben und weise konstante Skalenerträge auf In Intensivform sei sie mit f (k i ) bezeichnet, mit k i als Einheit an Kapital pro Einheit an fixem Faktor Es sei im Folgenden angenommen, dass der fixe Faktor Arbeit ist 5 / 16

6 Annahmen Die Gemeinde i erhebt eine Steuer t i auf Kapital Die Kapitalrendite in Region i ist somit f (k i ) t i Da Kapital mobil ist, muss im GG gelten ρ ist hierbei die Nettorendite f (k 1 ) t 1 = f (k 2 ) t 2 = ρ (1) 6 / 16

7 Kapitalmarktgleichgewicht Wir nehmen weiter an, dass der gesamte Kapitalstock im Land auf K fixiert ist Im GG muss daher weiterhin geltem P 1 k 1 + P 2 k 2 = K (2) Wir haben also zwei exogene Variablen t 1, t 2, zwei endogene Variablen k 1, k 2 und zwei Gleichungen Prinzipiell hat das Gleichungssystem also eine Lösung Wir können zeigen, dass k i t i, ρ t i < 0 7 / 16

8 Einnahmen Die Individuen in der Ökonomie erzielen Einnahmen aus Kapital und Landbesitz Der Kapitalstock sei gleichmäßig über alle Bewohner in dem Land verteil: k = K P 1 +P 2 Die Menge an Land in der Kommune i sei L i, das verfügbare Land sei gleichmäßig über die Bewohner der jeweiligen Kommune verteilt: qi = L i P i Auf Renten durch Landbesitz wird derselbe Steuersatz t i wie auf Kapitaleinkommen erhoben Die Nettorendite für Land sei r i, die Bruttorendite demnach r i + t i 8 / 16

9 Konsum Da Tiebout-Sorting stattgefunden hat, haben alle Bewohner einer Region i die gleichen Präferenzen U i (x i, q i, z i ) mit x i : Konsum eines privaten Gutes q i : Wohnkonsum z i : Konsum eines öffentlichen Gutes Das Einkommen eines Individuums setzt sich zusammen aus Rente des fixen Faktors w i = f (k i ) k i f (k i ) Kapitaleinkommen ρk i Mieteinnahmen r i q i 9 / 16

10 Konsum Die Budgetrestriktion eines Individuums ist demnach x i = w i + ρk i + r i q i (r i + t i )q i (3) Budgetrestriktion der Kommune ist z i = t i (q i + k i ) (4) Nach einsetzen und vereinfachen lässt sich der Nutzen schreiben als U i [f (k i ) k i f (k i ) + ρk t i q i, q i, t i (q i + k i )] (5) Die benevolente Kommunalregierung maximiert den Nutzen über die Wahl von t i, wobei sie t i als gegeben annimmt 10 / 16

11 Optimaler Konsum Die Bedingung erster Ordnung ist U iz = k i + qi + (k i k ) ρ t i (6) U ix k i + qi k + t i i t i Das klassische Resultat dieser Literatur ist das Steuerwettbewerb zu ineffizient niedrigen Steuern führt Dieses Resultat kann am einfachsten mit der Symmetrieannahme illustriert werden 11 / 16

12 Gleichgewicht bei symmetrischen Kommunen Bei symmetrischen Kommunen muss im GG gelten k 1 = k 2 = k Gleichung 6 vereinfacht sich also zu U iz U ix = k i + q i k i + q i + t i k i t i > 1 (7) Es wird also zu wenig von dem öffentl. Gut bereit gestellt Dieser Zusammenhang gilt auch generell, wenn die Kommunen asymmetrisch sind [1] argumentieren, dass in einem asymmetrischen GG Kommunen mit einer hohen Nachfrage einen hohen Steuersatz und niedrigen Kapitalstock haben werden 12 / 16

13 Strategische Interaktion Aus den obigen Gleichungen werden die strategischen Interaktionen nur implizit angedeutet Die Steuersätze tauchen nicht explizit auf, sondern sind indirekt über ihren Einfluss auf den Kapitalstock k i enthalten Es ist daher nicht deutlich, was mit dem Steuersatz in Region i geschieht, wenn Region i ihren erhöht und vice versa Die Frage ist also: wie sehen die Reaktionsfunktionen aus? Daher benutzen [1] parametrische Funktionen um die Reaktionsfunktionen herzuleiten Es zeigt sich, dass die Steuersätze sowohl strategische Komplemente als auch strategische Substitute sein können, je nach den unterstellten Parametern Was bedeutet das für empirische Untersuchungen? 13 / 16

14 Das empirische Modell In empirischen Untersuchungen wird typischerweise folgendes lineare Modell spezifiziert. t i = φ j i ω ij t j + Z i θ + ɛ t (8) Wenn man mehr als zwei Regionen betrachtet, muss das Modell folgendermaßen geschrieben werden Was genau besagt dieses Modell? t = φwt + Zθ + ɛ (9) Welche methodologischen Probleme existieren, wenn man es schätzen will? 14 / 16

15 Ergebnisse Strategische Interaktionen existieren, wenn φ 0 [1] schätzen das Modell für Städte in der Umgebung von Boston Sie finden, dass strategische Interaktionen existieren In 1980 waren die Property Taxes anscheinend strategische Komplemente In 1990 schwächt sich die strategischen Effekte teilweise wegen Steuerbegrenzungsmaßnahmen ab, sind aber für Unternehmensteuern noch immer beobachtbar 15 / 16

16 J. Brueckner and L. Saavedra. Do Local Governments Engage in Strategic Property-Tax Competition? National Tax Journal, 54(3): , J. D. Wilson. A Theory of Interregional Tax Competition. Journal of Urban Economics, 19(3): , G. R. Zodrow and P. Mieszkowski. Pigou, Tiebout, Property Taxation and the Under-Provision of Local Public Goods. Journal of Urban Economics, 19(3): , / 16

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